Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STERNBERG

C. Lukau

I.

[Arnoldus plebanus de L. (1235), die Burg wird damals nicht erwähnt], Luckow (1332), Lucow (1373), Lucaw (1446), Lukov (1463). – Res. (vor) 1332-1511. – Mittelmähren, Bez. Zlín.

II.

Die Burg wurde auf dem südlichen Ausläufer von Hostýnské vrchy auf einem felsigen Kamm, ohne Bezug zur städtischen Siedlung gegr. (die nächste Stadt war Zlín, zur Zeit der Gründung von L. in s.ischem Besitz) (seit dem 14. Jh. ist bei der Burg eine villa Lucow belegt).

In schriftlichen Quellen findet die Burg L. erst ziemlich spät Erwähnung (1332), obwohl die Gründung nachweislich schon in die ersten Hälfte des 13. Jh.s fällt. Die Anfänge des s.ischen Eigentums an L. liegen in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s – als Inhaber ist höchstwahrscheinlich schon Zdislav/Zdislaus d.Ä. von S. (erw. 1281-1322) zu nennen. Die Nachfolger von Matouš/Mathäus von S. (erw. 1332, gest. 1371), Begründer des s.ischen Zweiges von L., siedelten auf L. bis zum Jahre 1511 (der dortige Zweig der S.er starb in den 70er Jahren des 16. Jh.s aus). Der letzte S.er, der L. als Res. verwendete, war Albrecht von S. auf L. (erw. 1475 – gest. 1496/1498); seine Tochter Lidmila (erw. 1506-1538) wurde gegen den Willen ihrer Verwandten mit Smil von Kunštát/Kunstadt verlobt (1506); kurz danach kam L. in die Hände der Herren von Kunstadt (1511).

III.

Die Burg L. ist augenscheinlich eine landesherrliche Gründung aus der Zeit vor 1250 (wie die romanischen Bauteile deutlich belegen, die wahrscheinlich von der dortigen Kapelle stammen); erbaut wurde sie in strategisch günstiger Lage; eine Besiedelung erfolgte wohl schon zur Hallstattzeit. Im Verlauf des zweiten Viertels des 13. Jh.s entstand eine landesherrliche Burg mit einer recht ungewöhnlichen Disposition, denn der Bau erfolgte unter maßgeblichem Einfluß einer Bauhütte des Zisterzienserkl.s zu Velehrad/Welehrad, daneben sind einige Merkmale frz. Burgarchitektur ersichtlich. Die zweite Bauphase in den 70er Jahren des 13. Jh.s (damals entstand ein prismatischer Durchfahrtsturm und der Palast) bestimmte das äußerliche Aussehen der Burg für nächsten knapp hundert Jahre. Zu einem weiteren Umbau ist es in der Folge von Güterteilungen im Verlauf des 14. Jh.s gekommen, wobei auch die ursprgl. romanische Burgkirche umgebaut wurde. In Folge der milit. Operationen während der böhm.-ungarischen Kriege (in den 60er-70er Jahren des 15. Jh.s) wurde die Burg stark beschädigt; aus dieser Zeit stammen auch die Wallbefestigungen in den Lagen »Tanečnice« und »Králky«. Seit dem Ende des 15. Jh.s (wahrscheinlich noch unter Albrecht von S.) und im Verlauf des 16. Jh.s (unter den Herren von Kunstadt) folgte ein weitgehender Umbau der Burg; damals entstand auch eine umfangr. Vorburg (wahrscheinlich hinsichtlich der drohenden türkischen Gefahr). Die Burg wurde am Ende des Dreißigjährigen Krieges beschädigt und danach folgte nur eine Notreparatur; heute ist L. eine der umfangreichsten mähr. Burgruinen.

Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Bd. 1: Jižní Morava [Burgen, Schlösser und Vesten in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. 1: Südmähren], Praha 1981, S. 146-147. – Hurt, Rudolf, Dějiny Lukova [Geschichte von L.], Msc. Státní okresní archiv Zlín 1956. – Kohoutek, Jiří: Hrad Lukov – současný stav výzkumu [Die Burg L. – zum gegenwärtigen Stand der Forschung], in: Archaeologia Historica 10 (1985) S. 309-321. – Kohoutek, Jiří: Hrad Lukov – jeho význam ve fortifikační architektuře východní Moravy [Die Burg L. – ihre Stellung und Bedeutung in der Fortifikationsarchitektur Ostmährens], in: Archaeologia Historica 17 (1992) S. 205-223. – Kohoutek, Jiří: Hrady Brumov a Lukov – výzkum a následná rekonstrukce [Die Burgen Brumov und L. – ihre Erforschung und nachfolgende Rekonstruktion], in: Archaeologia Historica 30 (2005) S. 227-233. – Kohoutek, Jiří/Vácha, Zdeněk/Vrla, Radim: Pozdně románské architektonické články z hradu Lukova [Spätromanische architektonische Fragmente aus der Burg L.], in: Archaeologia Historica 31 (2006) S. 235-248. – Petrů, Jaroslav: Hrad Lukov [Die Burg L.], Brno 1968. – Svoboda, Karel: Hrad Lukov – jeho stavební vývoj, popis a umělecko-dějinný význam [Die Burg L. – Bauentwicklung, Beschreibung und kunstgeschichtliche Bedeutung], in: Gottwaldovsko od minulosti k současnosti 5 (1983) S. 183-206. – Vrla, Radim: Stavebněhistorický průzkum jedné zdi hradu Lukova [Bauhistorische Untersuchung einer Mauer der Burg L.], in: Castellologica Bohemica 9 (2004) S. 397-402.