STERNBERG
I.
[de] Lestna (1378), [de] Lesczneho (1381), [de] Lesstna (1398), Lesstno (1443), Léštno (1467). – Res. vor 1467, 1477-1589 (in männlicher Linie). – Mittelböhmen, Bez. Benešov.
II.
Die Burg L., heute das mit einer Parkanlage umgebene Schloß Líšno (der Park bei der damaligen Burg wurde schon am Ende des 18. Jh.s gegr., dem die Fortifikationen zum Opfer fielen; die heutige Gestalt erhielt L./Líšno durch behutsame Umbauten der Familie Daněk in den Jahren 1873-1884, wobei einige Teilen neu erbaut worden sind), wurde vor 1378 gegr., und zwar von den Herren von Dubá; 1443 wird als Besitzer von L. Jan Sádlo von Smilkov erwähnt und danach fiel die Burg in s.ische Hände. Dazu muß es vor 1467 gekommen sein, weil L. damals zusammen mit anderen s.ischen Burgen belagert und von den kgl. Truppen auch erobert und teilw. zerstört wurde. Petr/Peter von Holitz und S. (gest. 1514) begann mit der Erneuerung von L., die er sich zu seiner Res. wählte. Peter war der Gründer der Linie der → S.er von L. – seit 1476 Gemahl der Kateřina/Katharina von Rožmberk/→ Rosenberg (gest. 1521), zusammen mit ihr baute er die sog. S.ische Kapelle bei der Kl.kirche St. Gilgen zu → Wittingau, war in der damaligen Politik engagiert, beteiligte sich an der Vorbereitung der Wladislauschen Landesordnung (1500) und zu Beginn des 16. Jh.s hielt er einige Landesämter (Oberstrichter 1507, Oberstkämmerer 1510). Ebenso residierten Peters Nachkommen auf L. 1566 teilten Václav/Wenzel (gest. 1576) und Otakar (gest. 1589) von Holitz und S. ihre Güter, Wenzel erhielt → Böhm. Sternberg und Otakar L. Mit dem Selbstmord (direkt auf L.) von Otakar (1589) ist der Familienzweig in männlicher Linie ausgestorben; eine Erbin war Otakars Tochter Dorota (gest. 1633), die die Güter an die Kinder aus dritter Ehe (mit Christophorus von → Fürstenberg, gest. 1614) vererbte.
III.
Trotz der Umbauten des späten 19. Jh.s blieb die ma. Burg (der Palast, teilw. auch der Turm) in den Mauern des heutigen Schlosses weitgehend erhalten. Der rechteckige Kern der Burg wurde an der kürzeren Seite des Burghofes durch zwei baugleiche Paläste gebildet (was der Disposition entspricht, die zur Zeit der Gründung von L. in Mode war) mit einer Kapelle im westlichen Teil. Die Erneuerungs- und Umbauarbeiten im Stil der Renaissance dauerten bis 1536, also zur Zeit Peters von S. sowie seines Söhnes Jan/Johann von S. (gest. 1548). Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Wehrhaftigkeit der Burg verbessert – an der südlichen Seite wurde sie von einem Teich, an der anderen Seiten von einem Graben geschützt, über den eine Brücke zum ersten Tor führte (zudem war die eigentliche Burg noch von Parkanlagen umgegeben). In den Burgkern gelangte man durch ein zweites Tor – das dortige spätgotische Sattelportal ist bis heute erhalten (sekundär eingemauert). Der (spätere) Speicher nordöstlich vom Schloß (mit Sgrafitto) wurde von Oldřich/Ulrich von S. (gest. 1566) als Gebetshaus der Böhm.en Brüder (Brüderunität) gegr.
Literatur
Durdík, Tomáš: Encyklopedie českých hradů [Enzyklopädie der böhmischen Burgen], Praha 1996, S. 174 [mit Abbildung der Burg um 1800, d.h. vor der radikalen Umbau]. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Bd. 4: Západní Čechy [Burgen, Schlösser und Vesten in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. 4 – Westböhmen], Praha 1985, S. 190-191. – Podlaha, Antonín: Soupis památek historických a umělekkých v politickém okresu Benešovském [Topographie der historischen und Kunst-Denkmale im politischen Bezirke Benešov], Praha 1911, S. 150-153. – Sedláček, August: Hrady, zámky a tvrze Království českého [Burgen, Schlösser und Vesten des Königreichs Böhmen], Bd. 15, Praha 1927, S. 113-118. – Střihavková, Iva: Zámecký park v Lešně [Der Schloßpark in L.], Sborník vlastivědných prací z Podblanicka 36 (1996) S. 173-190.