STERNBERG
I.
Konopiscze (1318), Konopiscz (1382), Konopisczie (1392), Konopiště (1560). – Res. ca. 1320-1590. – Mittelböhmen, Bez. Benešov.
II.
Die im 13. Jh. gegr. Burg (ohne Bezug zur städtischen Siedlung) ist häufig umgebaut worden, die heutige Gestalt des Schlosses, das von einem Park umgeben ist, ist Folge weitreichender Umbauten in den Jahren 1887-1914. Die Herren von S. erwarben K. als Teil des Erbes von den Herren von Benešov zu Beginn des 14. Jh.s (der Umfang der Herrschaft K. ist seit 1327 bekannt); seit der Bildung des s.ischen Besitzes bis zum Ende des 16. Jh.s diente K. als Res. (d.h. gehörte zu den dauerhaftesten s.ischen Res.en); die Burg war namengebend für die Familienlinie Konopišťský ze Šternberka/K. und S.
Der Begründer der Linie Konopišťský ze Šternberka/K. und S. war Zdeněk von S. (gest. 1394); K. erwarb nach seinem Tod sein Sohn Vojtěch (Albert)/Adalbert von S. (erw. 1385-1413), der auf K. auch noch residierte, als ihm 1405 eine Hälfte von → Böhm. Sternberg zufiel. Adalbert starb kinderlos; sein Erbe erhielt Peter von S., Sohn Peters von S. (gest. 1397) und Fs.in Anna von Troppau (gest. 1401), eifriger Katholik (1414 begleitete er Bf. Johann den Eisernen nach Konstanz) und bekannter Gegner der Hussiten (in den Jahren 1419-1420 nahm er an einigen Schlachten teil und starb i.J. 1420 in der Schlacht bei Wischehrad); Peters Wwe. Perchta von Kravaře/→ Krawarn (gest. 1447) konvertierte mit ihrer Burgen → Böhm. Sternberg und K. im J. 1421 formell zum Kelch, womit der Schutz der Stadt Prag verbunden war. Perchtas Sohn Petr starb kinderlos 1439 und seine Güter erbten seine Verwandten – → Böhm. Sternberg ging an Aleš/Alesch von Holitz und S. (gest. 1455) und K. an Zdeněk von K. und S. (gest. 1476). Während Alesch auf Křivoklát/Pürglitz residierte, wählte Zdeněk K. zu seiner Res. (später bevorzugte er aber → Grünberg).
III.
Als Bauherr der Burg, die mit eine Reihe periphärer kreisformiger Türme versehen war, ist eine Person anzunehmen, die nicht nur über die notwendigen finanziellen Mittel, sondern auch über eine weitere europ. Perspektive verfügte – als Gründer wird deshalb der Prager Bf. Tobiáš/Tobias (gest. 1296) aus der Familie Benešovici/Herren von Beneschau vermutet, dessen Bruder Milota von Dědice (gest. 1307) kurz davor an der Gründung des Minoritenkl.s in Benešov/Beneschau beteiligt war. Aufgrund einer Rekonstruktion des Grdr.es der ursprgl. Burg können wir K. als eine von zwei am besten dokumentierten Beispiele der Applikation des frz. Kastells in Böhmen bezeichnen; ein dominanter Turm an der Ostseite des heutigen Schlosses stammt aus der ältesten Bauphase; die Kapelle befand sich von Anfang an zweifelsohne im nördlichen Palais.
Im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung im Lande ist es 1467 zu einer Belagerung von K. gekommen – die Überreste einer außerordentlich langen Belagerung (April 1467-Dez. 1468) sind im Terrain bis heute sichtbar. Im Vergleich mit anderen zeitgleich belagerten Burgen (u. a. den s.ischen Burgen [Zbo- řený] Kostelec und → Böhm. Sternberg) lassen sich Schlüsse ziehen über die Art der Belagerungsweisen in den 1460er Jahren.
Wahrscheinlich wg. der außerordentlich fortgeschrittenen Bauform von K. nahmen mehrere Generationen der → S.er zu keine wesentlichen Umbauten an der Burg mehr vor; ein spätgotischer Umbau ist erst für die Zeit um die Wende des 15. zum 16. Jh. dokumentiert (wohl in Folge der Teilung der Familiengüter zwischen den Brüdern Zdeněk und Jiří/Georg 1495 – K. gehörte weiterhin zu Georgs Teil). Der Umfang sowie der Charakter der damaligen Bauarbeiten läßt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren – zu vereinzelten Ausnahmen gehören einige Räume (Kemenaten) im nördlichen Palais, wo die spätma. Zellengewölbe erhalten sind (die auf die damaligen Umbauten hindeuten).
Unter Adam von S. (gest. 1560), dem Bgf.en von Karlštejn/Karlstein und oberstem Landschreiber, erreichte der Umfang der Herrschaft K. seinen Höhepunkt, wobei er in den 40er Jahren des 16. Jh.s. einen Umbau im Renaissancestil vornahm. Die letzten Jahrzehnte des s.ischen Besitzes von K. waren geprägt von der finanziellen Not der Besitzer, die zum Verkaufen von Güterteilen gezwungen waren. Der Umfang und der Charakter der Bauarbeiten, die damals auf K. vorgenommen wurden, ist nicht näher bekannt, man kann aber darauf schließen, daß es sich v.a. um notwendige, finanziell aber weniger anspruchsvolle Erhaltungsarbeiten handelte. Der letzte S. auf auf K., Adam von S., starb 1587; 1590 übergab Eliška/Elisabeth von S. die verschuldete Herrschaft K. ihrem Gemahl Arkleb von Kunovice und den Söhnen. Kurz danach war die Burg von einem Feuer betroffen und zusammen mit der verschuldeten Herrschaft wurde K. gerichtlich an Dorota/Dorothea von Hodějov verkauft (1603).
Literatur
Brožovský, Miroslav: Schloß Konopiště, Praha 1995. – Durdík, Tomáš: Archeologický výzkum hradu Konopiště v roce 1991 [Archäologische Untersuchung der Burg K. im Jahre 1991], in: Sborník vlastivědných prací z Podblanicka 32 (1992) S. 65-78. – Durdík, Tomáš: Raněgotická stavební podoba hradu Konopiště [Die frühgotische Baugestalt der Burg K.], in: Sborník vlastivědných prací z Podblanicka 26 (1985) S. 163-182. – Durdík, Tomáš: Hrady kastelového typu 13. století ve střední Evropě [Die Burgen des Kastelltyps des 13. Jh.s im Mitteleuropa], Praha 1998, S. 49-62. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Bd. 4: Západní Čechy [Burgen, Schlösser und Vesten in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. 4: Westböhmen], Praha 1985, S. 149-152. – Jesenský, Vít: Nález cimbuří na severovýchodní věži zámku Konopiště [Fund der Zinnen am nordöstlichen Turm des Schlosses K.], in: Castellologica Bohemica 6/2 (1998) S. 439-443. – Kašička, František: Státní zámek Konopiště a jeho nejstarší stavební proměny [Das staatliche Schloß K. und seine ältesten baulichen Veränderungen], Archaeologia Historica 3 (1978) S. 95-105. – Meduna, Petr: Povrchový průzkum komplexu obléhacích prací u Konopiště z let 1467-1468 [Oberflächenuntersuchung des Komplexes der Belagerungsarbeiten bei K. in den Jahren 1467-1468], Castellologica Bohemica 4 (1994) S. 243-250. – Podlaha, Antonín: Soupis památek historických a uměleckých v politickém okresu Benešovském [Topographie der Historischen und Kunst-Denkmale im politischen Bezirke Benešov], Praha 1911, S. 112-128. – Sedláček, August: Hrady, zámky a tvrze Království českého [Burgen, Schlösser und Vesten des Königreichs Böhmen], Bd. 15, Praha 1927, S. 28-37. – Tywoniak, Jiří: Panství Konopiště v 16. století [Die Herrschaft K. im 16. Jh.], Středočeský sborník historický 13 (1978) S. 259-286. – Tywoniak, Jiří: Benešov a Konopiště v minulosti [Benešov und K. in der Vergangenheit], Benešov 1992. – Vařeka, Pavel: Záchranný archeologický výzkum na Konopišti (okr. Benešov) v roce 1992 [Archäologische Rettungsforschung auf der Burg K. (Bezirk Benešov) im Jahre 1992], in: Castellologica Bohemica 4 (1994) S. 327-330.