Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STERNBERG

C. Grünberg

I.

Zelená Hora (1451). – Res. 1460-1529, 1536-1630-1726 (in weiblicher Linie). – Westböhmen, Bez. Plzeň-jih.

II.

Als Zelená Hora wurde ursprgl. nur ein Berg oberhalb von Nepomuk (Eigentum des Zisterzienserkl.s [Ne]pomuk-Klášter) bezeichnet, später ging der Name auf die dortige Burg über); die älteste nachweisbare schriftliche Erwähnung stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jh.s (von 1419 im Zusammenhang mit der Besatzung von G. durch Mikuláš von Hus), es ist aber nicht ausgeschlossen, daß hier bereits am Ende des 13. Jh.s eine Kirche stand (J. Čechura bezieht sich auf die Erwähnung einer ecclesia […] in monte), weshalb Mikuláš von Hus wohl nur eine ältere Befestigung erneuerte, und erst nach 1420, als G. von den Herren von Švamberk/Schwanberg erobert wurde (die später auch die Kl.güter pfandweise hielten), entstand hier die Burg. In den 40er Jahren des 15. Jh.s diente G. bereits als Res. des Hynek Krušina von Schwanberg; i.J. 1460 trat Bohuslav/Bohuslaus von Schwanberg G. an Zdeněk von → Konopischt und S. (gest. 1476) ab, der sich G. zur Res. erwählte und von → Konopischt übersiedelte.

III.

1464 ließ Zdeněk auf dem Platz der ursprgl. Burgkapelle eine neue St. Adalbert Kirche bauen und baute gleichzeitig auch die Burg um, um sie der neuen Funktion (als Res. eines böhm. Oberstbgf.en) anzupassen. Das ikonographische Programm der inneren Ausstattung der Burg spiegelte Zdeněks Ambitionen, seine politische sowie konfessionelle Stellung. Als Beispiel kann die Abb. auf einer Ofenkachel dienen, die zeigt, wie ein Löwe (der mit dem fünfeckigen Stern identifiziert wird) mit einem Drachen kämpft – es handelt sich vermutlich um eine Symbolik, die auf Zdeněks Rolle im Kampf mit dem »Bösen« (d.h. gegen den Utraquismus und die Podiebrad-Regierung) anspielt. Die repräsentative Res. war einer der zentralen Orte in der politischen Entwicklung der 60er Jahre (der hier 1465 geschlossene, gegen den Kg. gerichtete Herrenbund hieß G.er Bund, ebenso fanden die Treffen der Mitglieder des Bundes in den späten 1460er Jahren in G. statt). 1475 diente G. als Bühne einer Heirat, und zwar derjenigen zwischen Zdeněks Tochter Kunhuta/Kunigunde und Hynek von Švamberk/→ Schwanberg (gest. 1489). Als Res. diente G. auch weiterhin, obwohl Ruhm und Bedeutung im Vergleich zu den Zeiten des Zdeněk schwand. 1529 gehörte G. zu den Gütern, die der Landesherr wg. des Verrats des Albert von S. konfiszierte, und G. wurde (vom Kg.) an Zdeněk Lev von Rožmitál/→ Rosenthal (gest. 1535) gegeben. Nach dem Tod des Zdeněk kaufte Adam von S. (gest. 1560) G. zurück und gleichzeitig wurde die Res.funktion der Burg erneuert. Als Nekropole der G.er Linie diente in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s die Pfarrkirche in der unweit gelegenen Stadt Nepomuk – dort ist Adams Grabmal mit Epitaph erhalten, ebenso dasjenige seines Sohnes Ladislav/Ladislaus von S. (gest. 1566), der auf G. sein Testament kurz vor seinem Tod niederschrieb; er wurde hier bestattet.

Eine bedeutende Etappe in der Bauentwicklung der Burg und später des Schlosses bildet die Regierung des Václav Vojtěch/Wenzel Adalbert von S. (1670-1695), der die Res. in die heutige Gestalt umbauen ließ. Bei der vorgeschobenen Bastei an der Südseite (Bestandteil der Burgbefestigung an der einzigen Seite, wo sich das Burgplateu allmählich senkt) entstand schon kurz vor seinem Antritt ein wirtschaftlicher Komplex – Speicher (1669), Mälzerei und Brauerei. Der Weg zum Schloß war von zwei Toren unterbrochen; in der Vorburg an der linken Seite befindet sich die St. Adalbert Kirche, die auf einem älteren Bau aus dem 15. Jh. 1686 entstand. Das Schloß ist ein dreiflügeliger, dreigeschossiger, in den Burghof mit Arkaden geöffneter Bau; im zweiten Geschoß befindet sich eine Terrasse, die im N mit einem Turm geschlossen ist, der erst im 17. Jh. erbaut wurde. Im 17. Jh. (bes. zur Zeit von Wenzel Adalbert) und auch später diente G. als Bühne der Präsentation der s.ischen Familientradition (vgl. A/I); es ist kein Zufall, daß gerade hier die zweite untergeschobene Handschrift (die sog. Rukopis Zelenohorský [G.er Handschrift] »gefunden« wurde (1818), die in den Kontext der damals angefertigten angeblichen Denkmäler der alten böhm. Literatur gehört.

Berndorf, Alexander: Zelená Hora [G.], Bd. 1-2, Plzeň 1927. – Berndorf, Alexander: Zelená Hora. Průvodce po zámku zelenohorském a okolí [G. Führer durch Schloß und Umgebung], Plzeň 1932. – Čechura, Jaroslav: Mikuláš z Husi a Zelená Hora [Mikuláš/Nikolaus von Hus und G.], in: Minulostí Západočeského kraje 18 (1982) S. 199-209. – Čechura, Jaroslav: Pomuk – Zelená hora – Nepomuk (Příspěvek k uměleckohistorické topografii) [Pomuk – Zelená hora/Grünberg – Nepomuk (Ein Beitrag zur kunstgeschichtlichen Topographie)], in: Umění 29 (1981) S. 325-339. – Hazlbauer, Zdeněk: Zobrazení Dračího řádu Zikmunda Lucemburského na vrcholně gotických středoevropských kachlích [Die Abbildung des Drachenordens Sigismunds von Luxemburg auf den hochma. Ofenkacheln Mitteleuropas], in: Archaeologia Historica 24 (1999) S. 387-400 [Die Ofenkacheln mit der Abbildung des Kampfes zwischen Löwe und Drache]. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Bd. 4: Západní Čechy [Burgen, Schlösser und Vesten in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. 4: Westböhmen], Praha 1985, S. 407-408. – Motejzík, Pavel: Zelená Hora a Klášter u Nepomuku. Historicko-turistický průvodce po zámku Černých baronů a obci Klášter [G. und Klášter bei Nepomuk. Historisch-touristischer Führer durch das Schloß der »Schwarzen Barone« und die Gemeinde Klášter], České Budějovice 2006. – Sedláček, August: Hrady, zámky a tvrze Království českého [Burgen, Schlösser und Vesten des Königreichs Böhmen], Bd. 9, Praha 1893, S. 220-236.