STERNBERG
I.
Sternberc (1242), Stermberg (1365), Šternberk (1467). – Res. 1242-2011 (mit Unterbrechungen). – Mittelböhmen, Bez. Benešov.
II.
Die Burg liegt in strategisch günstiger Lage auf einem schmalen, absteigenden Kamm über dem Fluß Sázava (im O) und dem Tal eines Baches (im W); an der nördlichen sowie an der südlichen Seite führt der Zugang über einen Graben (an der Nordseite entstand eine kleine Vorburg). Die Burg war nie an die städtische Siedlung gebunden, auch im Dorf unter der Burg entstand keine Kirche (wahrscheinlich auch wg. der engen, traditionellen Beziehungen der → S.er zu der Kirche in Diwischau mit einer der Familiennekropolen). B. S. dient als s.ische Res. seit 1242 bis heute, unterbrochen 1467-1479 (nachdem die Burg i.J. 1467 erobert wurde, erwarb B. S., also die Burg mit der Herrschaft, Burian Trčka von Leipa als Pfand, und erst 1479 hat Petr von Holitz und S. Burg und Herrschaft zurückgewinnen können), 1712-1841, 1948/1949-90er Jahren des 20. Jh.s.
Die Burg wurde von Zdeslaus von Chlumetz (erw. 1235-1262/63) kurz vor 1242 gegr. (Ersterwähnung); zu Beginn des 14. Jh.s erwarben die Herren von S. aus dem Nachlaß der Herren von Beneschau die Burg → Konopischt – B. S. und → Konopischt dienten weiterhin beide als s.ische Res.en und teilten ihr Schicksal (dies gilt auch für die Belagerung i.J. 1467). Nachdem Petr von Holitz und S. (gest. 1514) die Burg erneut erwarb (1479), kam es zur Renovierung der Burg und zur Reparatur der durch die Belagerung (1467) entstandenen Schäden. Der Umbau der Burg wurde erst unter Peters Sohn Jan/Johann von S. (gest. 1548) vollendet (sowohl Peter als auch Johann hatten ihre Res. nicht in S., sondern auf → Leštno).
III.
Von Anfang an hatte die Burg eine zweiteilige Disposition, die sowohl vom N (mit Bergfried) als auch vom S (mit viereckigem Turm mit Schildmauer) gesichert war. An der Nordseite stand ein Palast mit Kapelle – es handelt sich um eine der ältesten Kapellen, die auf den Burgen des böhm. Adels nachzuweisen sind (aus dieser Kapelle stammt ein frühgotischer Tympanon, der i.J. 1923 in das pseudogotische Portal der in der ehem. Bastei der an der oberen Terrasse entstandenen Kapelle eingemauert wurde). Die Burgfortifikation wurde ständig erweitert (die Chronologie ist nicht eindeutig klar), und zwar auch nach dem Jahr 1467 bzw. 1479 unter dem Einfluß der Erfahrungen aus der Belagerung von 1467 (es handelte sich v.a. um den Bau der südlichen vorgeschobenen Bastei, die eine anspruchsvolle Variante des mit einer Außenmauer versehenen Batterieturmes darstellt). Von Bauarbeiten in den Jahrzehnten um 1500 zeugen die erhaltenen Bauteile (z. B. Kragsteine und Erker); im nordwestlichen Teil des Burgareals entstanden damals neue Gebäude auf einem trapezformigen Grdr. (Burgküche mit erhaltenen Bauteilen), an der Südseite ein schmaler Flügel auf einem rechteckigen Grdr. Bebaut wurde damals auch ein wesentlicher Teil des ehem. Burghofes bei der westlichen Umfangsmauer (so daß nur kleiner Burghof blieb). Die damaligen Bauarbeiten bedingten eine Änderung des Kommunikationsschemas – weiterhin führte der Zutritt in die Burg von der westlichen, nicht von der nördlichen Seite.
Die beabsichtigten Umbauten sind aber nur in beschränktem Ausmaß realisiert worden, zu einem umfangr. Umbau ist es erst nach dem Dreißigjährigen Krieg gekommen – bedingt durch Beschädigungen an an der Burg i.J. 1627 und durch Repräsentationsansprüche des nobilitierten Václav Jiří/Wenzel Georg von Holitz und S. (gest. 1682). Die damaligen Baumaßnahmen konzentrierten sich v.a. auf die äußerliche Vereinheitlichung von Anlagen aus unterschiedlichen Bauphasen und deren Umgestaltung in barocke Formen, wobei gleichzeitig der Ausschmückung der Interieurs gezielt Aufmerksamkeit geschenkt wurde (in den 60er Jahren des 17. Jh.s war auf B. S. der ital. Maler Carlo Brentano tätig); das Interesse der → S.er an der Familiengeschichte und an den Familientraditionen fand ein Echo in der Konzeption des Ahnensaales, der damals in dem westlichen Trakt entstand. Nachdem die von Holitz und S. i.J. 1712 in männlicher Linie ausstarben, wurden Burg und Herrschaft an Anna Maria, die Tochter von Václav Jan/Wenzel Johann von Holitz und S. (gest. 1712), vererbt, die mit Maximilian von Götzen vermählt war (die die Bauarbeiten fortsetzten und so entstand noch vor 1753 ein »Neues Schloß« auf der nördlichen Vorburg).
Literatur
Barchánek, Václav: Památný hrad Český Šternberk nad Sázavou. Jeho založení, dějiny a popis [Die merkwürdige Burg B. S. Seine Gründung, Geschichte und Beschreibung], Benešov 1925. – Durdík, Tomáš: Jižní předsunutá bašta hradu Českého Šternberka [Die südliche vorgeschobene Bastei der Burg B. S.], in: Sborník vlastivědných prací z Podblanicka 22 (1981) S. 127-152. – Durdík, Tomáš/Kašpar, Vojtěch: Předstihový záchranný výzkum v čele jižní předsunuté bašty hradu Český Šternberk v roce 2002 [Rettungserforschung im Stirn der südlichen vorgeschobenen Bastei der Burg B. S. im Jahre 2002], in: Sborník Muzea středního Posázaví 2 (2003) S. 57-62. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Bd. 6: Východní Čechy [Burgen, Schlösser und Vesten in Böhmen, Mähren und Schlesien, Bd. 6: Ostböhmen], Praha 1989, S. 80-84. – Krolmus, S. W.: Hrad Hora Hwězdná (Sternberg) ginák Strmelice, Střimelice, Stržemelice, Křemelice, w Kauřimsku [Burg S., sonst Strmelice […] in Kaurzimer Kreis], Praha 1844. – Letošníková, Ludiše: Český Šternberk. Hrad a zámek [B. S. Burg und Schloß], Praha 1983. – Líbal, Dobroslav: Architektonické proměny hradu Český Šternberk [Die architektonische Veränderungen der Burg B. S.], in: Castellologica Bohemica 4 (1994) S. 75-88. – Líbal, Dobroslav/Líbalová, Jarmila: Český Šternberk [B. S.], Praha 1959. – Pertl, M.: Dělostřelecké hlavně z počátku 15. století z hradu Český Šternberk [Die Büchsenläufe aus der Burg B. S. vom Anfang des 15. Jh.s], in: Archeologické rozhledy 34 (1982) S. 312-314. – Podlaha, Antonín: Soupis památek historických a uměleckých v politickém okresu Benešovském [Topographie der historischen und Kunst-Denkmale im politischen Bezirke Benešov], Praha 1911, S. 245-255. – Sedláček, August: Hrady, zámky a tvrze Království českého [Burgen, Schlösser und Vesten des Königreichs Böhmen], Bd. 15, Praha 1927, S. 75-84. – Tywoniak, Jiří: Carlo Brentano a raně barokní přestavba hradu Český Šternberk [Carlo Brentano und der frühbarocke Umbau der Burg B. S.], in: Zprávy památkové péče 17 (1957) S. 294. – Tywoniak, Jiří: Panství Český Šternberk v polovině 18. století [Die Herrschaft B. S. in der Mitte des 18. Jh.s], in: Sborník vlastivědných prací z Podblanicka 10 (1969) S. 158-178. – Tywoniak, Jiří: Český Šternberk [B. S.], Praha 1974.