Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STERNBERG

C. Bechin

I.

B. (um 1120), Behin (1167), Beching (1307), Bechina (1369), Bechynye (1398), Bechinie (1414), [na] Bechyni (1424). – Res. 1477-1530, 1596-1761 (in der ersten Etappe des sternbergischen Besitzes um 1340/vor 1354-1403 diente → Bechin nur gelegentlich als Res.). – Südböhmen, Bez. Tábor.

II.

Die Burg (heute Schloß) befand sich auf einem steilen Bergsporn über dem Tal von Lužnice/Lainsitz; die Anfänge der Burg (im südlichen Teil des Bergsporns) fallen in die zweite Hälfte des 13. Jh.s. Die Burg wurde höchstwahrscheinlich von Přemysl Otakar II. (böhm. Kg. 1253-1278) gegr.; in den schriftlichen Quellen erstmals i.J. 1283 erwähnt (damals nannten sich nach der Burg die dortigen kgl. Bgf.en Čeněk und Dobeš/Thobias); die Stadt entstand gleichzeitig mit der Burg (einige Objekte aus der Frühphase der städtischen Entwicklung wurden vor kurzem erforscht). Gegen Ende des 13. Jh.s ist in B. mit einer Pfarrkirche und wahrscheinlich auch mit einem Minoritenkl. zu rechnen. Die → S.er hielten Burg, Stadt und Herrschaft B. dreimal – um 1340/vor 1354-1403, in den Jahren 1477-1530 und 1596-1761.

Wahrscheinlich schon um 1340, nachweislich vor 1354 erwarb Štěpán/Stephan von S. (erw. 1316-1356) B.; die Eigentumsrechte der einzelnen S. zu B. in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s sind ziemlich kompliziert und nicht völlig übersichtlich. Zu den Inhabern von B. gehörte Bf. Albert von S. (gest. 1380) sowie Petr/Peter von S. (gest. 1397); nach seinem Tode beanspruchte B. Mgf. Jošt/Jobst, und die Angelegenheit konnte erst in einem Kompromiß i.J. 1403 beendet werden, nachdem B. an Jobst gegen Abgeltung von 11 000 Sch. Gr. abgetreten wurde (Jobst verkaufte B. umgehend an die Herren von Kunštát). Während der ersten s.ischen Etappe spielte die Burg in → Bechin die Rolle einer Res. nur gelegentlich; des öfteren sind Streitigkeiten über die Besitz- bzw. Patronatsrechte belegt.

Nach einigen Besitzerwechseln gelangte B. wieder in die Hände der S.er – i.J. 1477 kauften Burg, Stadt und Herrschaft B. die Brüder Jaroslaus (gest. 1492) und Zdeslaus (gest. 1502) von S. Im Unterschied zur ersten Phase des s.ischen Besitzes war diesmal seitens der → S.er die Rolle einer Res.stadt für B. beabsichtigt; im Einklang damit war die zweite Phase der s.ischen Regierung (1477-1530) mit umfangr. Bauarbeiten in der Burg verknüpft von der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte der Stadt (für die die → S.er wiederholt vom Landesherrn Privilegien erwarben) geprägt; die → S.er erneuerten das dortigen Minoritenkl. (als Franziskanerkl.) und begründeten hier ihre Familiennekropole. Die bedeutendste Figur unter den B.er → S.ern war der Humanist Ladislaus von S. (gest. 1521) (vgl. A/II), der in B. auch seine Ruhestätte fand.

III.

In der zweiten Hälfte des 15. Jh.s wurde die Aufmerksamkeit v.a. der Verbesserung der Verteidigungsmöglichkeiten der Burg gewidmet – auf dem Zugangsweg auf dem alten, wohl noch aus der frühma. Burgstätte stammenden Wall entstand damals eine Mauer mit Umgang, die mit dem mächtigen Eingangtor verknüpft war; hinter dieser Befestigung lag der erste Burghof mit der alten St. Georg Kirche (die Situation ist noch auf dem Plan vom Jahre 1776 deutlich zu sehen) und Wirtschaftsgebäuden (davon ist ein rechteckiges Kornhaus vom Ende des 15. Jh.s erhalten, das in Willenbergs Vedute vom Anfang des 17. Jh.s sichtbar ist). Während an der Ostseite, wo später eine Brauerei entstand, drei Kanonenbasteien errichtet wurden, wurde die Burg an der südlichen Seite mit einer mächtigen Schildmauer (gen. Teufelsmauer) geschützt, und auf einem Felsen über dem Flußtal entstand noch ein Turm oder eine Bastei gen. Kohoutek. Der Burgkern erhielt im Spät- MA einen gestreckten, unregelmäßigen Grundriß mit fast völlig bebauten Umkreis, wahrscheinlich aber ohne Turm. Die Umbauten begannen wahrscheinlich bereits in den 70er Jahren des 15. Jh.s; damals wurde sowohl der westliche Flügel (erhalten ist ein Saal mit spätgotischem Netzgewölbe und Terracotta-Rippen mit dem s.ischen Wappen) wie auch der gegenüberliegende Flügel, gen. Jelenice, umgebaut; über die Baugestalt des südlichen Flügels mit Kapelle, der abgerissen wurde, ist nichts näheres bekannt. Ladislav/Ladislaus von S. baute nach dem Jahre 1507 die Nordwestecke des Burgkerns völlig um, wodurch aber der ursprgl. Grdr. erweitert wurde – es entstand ein rechteckiger Raum, der mit vier Feldern eines Kreuzgewölbes eingewölbt wurde mit einem Mittelpfeiler, der die Form eines Baumes hatte, während einzelne Rippen abgeschlagene Äste stylisierten (um 1515, die Autorschaft wird Wendel Roskopf zugeschrieben); in die Südseite wurde um 1520 ein Sandsteinportal eingebaut, auf dessen Gesims sich ein eingehauenes Schildchen mit dem s.ischen Stern befindet.

Zum drittenmal erwarben die → S.er B. i.J. 1596, als Petr Vok von Rožmberk/→ Rosenberg B. an Adam von S. auf Sedlice verkaufte; in den ersten Jahren danach setzte Adam die Bauarbeiten fort; ikonographisch propagierte er zielbewußt die Kontinuität der Zeit von Petr Vok – der berühmte »Hochzeitssaal von Petr Vok«, ein Raum mit Malereien von Bartoloměj Beránek-Jelínek, entstand erst in den Jahren 1599-1602 (also schon unter den Herren von → S.). Die → S.er hielten B. bis zum Jahre 1761, danach erbte Jan Václav/Johann Wenzel, ein Sohn von Marie Terezie/Maria Theresia von S. und Jan Leopold/Johann Leopold von Paar. Im Besitz der Familie Paar blieb B. bis 1948.

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