BOSKOWITZ
I.
Die Herren von → B. gehörten zu den bedeutendsten mähr. Geschlechtern und praktisch die ganze Zeit ihres Bestehens hindurch bewegten sie sich in der Nähe des Herrschers und übten bedeutende politische oder gesellschaftliche Ämter aus. Dieser Stellung des Familie entsprach auch der Umfang ihres Eigentums. Angesichts der großen Zahl der Familienmitglieder und ihren bedeutenden Aktivitäten besaßen sie eine ganze Reihe von Herrenhöfen, die sie auf verschiedene Art und Weise kauften oder verkauften. Manche besaßen sie nur eine kurze Zeit (viell. nur einige Jahrzehnte) und ihr Wirken war nicht von großer Bedeutung. Wir können annehmen, daß manche Herrengüter direkt mit dem Ziel gekauft wurden, sie bald wieder zu besseren finanziellen Bedingungen zu verkaufen; es handelte sich in diesen Fällen also eher um eine Investition als um das Bestreben, einen neuen Stammsitz zu erwerben. Aus diesem Grund wäre es zwecklos, alle Res.en zu beschreiben. Wir werden uns also nur den bedeutendsten widmen.
Die Geschichte der Herren von → B. ist eng mit der gleichnamigen Burg verknüpft. Die Burg B., von der sich bis heute eine mächtige Ruine erhalten hat, gibt zudem bis heute der Forschung einige Rätsel auf.
In den Quellen ist die Entstehungzeit der Burg B. leider nicht belegt. Die erste Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1312 – sie wurde in diesem Jahr vom Heer des tsch. Kg.s Jan von Luxemburg im Zusammenhang mit der Auflehnung des Oldřich von B. belagert, der sich in kgl. Diensten auf seiner poln. Mission ausgezeichnet hatte. Der ursprgl. befestigte Sitz der Herren von → B. mußte aber viel früher erbaut worden sein, wahrscheinlich schon in der ersten Hälfte des 13. Jh.s.
Etwa 400 m westlich von der heutigen Ruine stand offenbar auf einer nahen Höhe, gen. Bašta, eine zweite kleinere Burg, von der sich nur unerhebliche Mauerreste erhalten haben. Diese kleinere Burg – es sind auch Überreste eines Palas nachgewiesen – wurde durch einen Graben mit Ringwall geschützt. Es könnte sich viell. um den ursprgl. Sitz der Herren von → B. handeln, dessen Größe ihnen bald nicht mehr genügte. Beim Bau der zweiten (der heutigen) Burg B. wurde die kleine Burg durch Verdoppelung der Wälle auf der nördlichen und westlichen Seite zu einer vorgeschobenen Befestigung umgebaut. Wann diese möglicherw. erste Burg verlassen wurde, wissen wir nicht – viell. war es schon während der Hussitenkriege.
Gegenwärtig scheint es aber vielmehr so, daß die Datierung der archäologischen Funde, die von dieser Bastei stammen, nicht richtig war und daß der Bau wirklich nur eine vorgeschobene Befestigung der heutigen Burg war. Der ursprgl. Sitz der Herren von B. müßte sich dann an einer ganz anderen Stelle befunden haben. Angesichts der bescheidenen Anfänge dieses Geschlechts könnte es sich auch nur um einen befestigten Meierhof handeln, von dem sich keine Spur erhalten hat. Die Antwort auf diese Fragen kann aber nur eine gründliche archäologische Erforschung beider Burgen geben, die bislang noch aussteht.
Die Burg B. blieb in den Händen der Herren von → B. bis zum Jahre 1389, wo sie von Mgf. Jošt belagert, erobert und zerstört wurde. Der Verteidiger der Burg Jan Ozor, der zu den Anhängern des Mgf.en Prokop gehörte, fand bei der Belagerung wahrscheinlich den Tod. Jošt behielt die Burg eine kurze Zeit für sich, aber schon i.J. 1398 erhielt sie Heralt von Kunštát, der zugl. auch die Bewilligung zur Erneuerung der Burg erwirkte. In den Händen der Herren von Kunštát blieb die Burg bis 1458, als der böhm. Kg. Jiří von Poděbrady diese an Vaněk Černohorský von B. zur Begleichung von Schulden abtrat und der dann wahrscheinlich die Burg zu erweitern begann. Auf der Burg siedelte später sein Sohn Václav und sein Enkel Jaroslav (den i.J. 1485 Matyáš Korvín in Wien hinrichten ließ).
Jaroslavs Bruder Ladislav widmete den überwiegenden Teil seiner Aufmerksamkeit dem Aufbau eines neuen Sitzes in Moravská Třebová, in B. aber begann er den Umbau des Wohnteils, den auch sein Sohn Kryštof fortsetzte. Dann aber verkaufte er die Burg i.J. 1547 an Šimon Eder von Štiavnica. Unter den weiteren Besitzern der Burg finden wir zum Beispiel das Geschlecht Zástřizl. Nach dem Tod des letzten Angehörigen dieses Geschlechts Jan Bohuš (er starb 1687) erwarb die Burg František Walter von Dietrichstein, der auf ihr bis 1720 wohnte. Ganz verlassen war die Burg B. i.J. 1784. Heute gehört sie den Gf.en Mensdorf-Pouilly; die Ruine ist der Öffentlichkeit zugänglich.
Černá Hora war ein weiterer bedeutender Sitz der Herren von B. (Linie Černá Hora). Das Gut gelangte in die Hände des Ješek von B. um die Hälfte des 14. Jh.s; in dieser Zeit war hier wahrscheinlich schon ein befestigter Sitz erbaut, da schon i.J. 1279 ein Matouš von Černá Hora erwähnt wird, der in vielen verschiedenen Funktionen wirkte, am Ende des 13. Jh.s auch als mähr. Kämmerer. Ješeks Enkel Vaněk schloß sich den Hussiten an. Deshalb belagerte und eroberte die Burg der Ollmützer Bf. Jan Železný. Vaněk erhielt die Burg Černá Hora erst nach seiner Rückkehr zum katholischen Glauben zurück. Die Burg blieb anschließend auch weiterhin im Besitz des Geschlechts: Dobeš von B. (gest. 1493) und sein Bruder Beneš (gest. 1507) führten wahrscheinlich am Ende des 15. Jh.s Umbauten und eine Modernisierung der Burg durch. Nach Beneš übernahm die Burg Černá Hora Jaroslav, der i.J. 1546 ohne männliche Nachkommen starb. Anstatt der verh. Töchter verwaltete das Herrschaftsgut einige Jahre ein Bgf. Im Jahr 1550 wurde Václav von B. und zu Bučovice zum neuen Besitzer. Sein Sohn Albrecht Černohorský von B. begann um 1561 einen umfangr. Renaissanceumbau, an dem sich Meister Antonín Vlach beteiligte. Albrecht starb vor Beendigung der Arbeiten i.J. 1572, doch sein Bruder Jan Šembera setzte die Arbeiten fort. Šembera erbaute auch das Schloß in Bučovice, wo er seinen eigenen Sitz hatte. Angesichts der Tatsache, daß er sich nicht auf Černá Hora ansiedelte, können wir vermuten, daß der Umbau zu dieser Zeit noch lange nicht beendet war und daß die Burg noch nicht das Aussehen eines Schlosses hatte. Jan Šembera starb i.J. 1597. Černá Hora wurde von seiner Tochter Anna Marie geerbt, der Gattin Karls von Liechtenstein, der auch das Herrschaftsgut verwaltete. Das bedeutete allerdings einen starken Rückgang in der Bedeutung dieses Sitzes, da auf dem Schloß nur der Bgf. und weitere Beamten wohnten. Das spätere Schicksal des Schlosses hängt aus naheliegenden Gründen mit dem Geschlecht der Herren von → B. nicht mehr zusammen. Der Bau wurde im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigt. Wahrscheinlich 1726 brannte das Schloß ab, i.J. 1818 wurde es sogar als verlassen geführt. 1859 übernahm die Herrschaft Moritz Gf. Friess von Friesenberg, der die Rekonstruktion des Schlosses nach dem Projekt des T. Hansen in Angriff nahm. Beendet wurde dies 1861 – so erhielt B. praktisch das heutige Aussehen. 1945 wurde das Schloß aus dem Privatbesitz der Familie Friess konfisziert. Zur Zeit befindet es sich in öffentlicher Hand und wird für soziale Zwecke verwendet.
Die Burg (Starý) Cimburk steht über dem Städtchen Trnávka (bei Svitavy) und war der Sitz der Linie Trnávka-Bučovice (man muß zwischen dieser und einer anderen Burg gleichen Namens, die bei Koryčany in dem Hügelzug Chřiby liegt und mit den Herren von → B. nichts zu tun hat, unterscheiden). Die Burg wurde wahrscheinlich von Bernard von Cimburk Ende des 13. Jh.s oder um die Wende des 13. zum 14. Jh. gegr., i.J. 1308 stand sie bereits. Die späteren Besitzer, die Herren von Lipé, tauschten die Herrschaft mit Mgf. Jan Jindřich, sein Sohn Mgf. Jošt überließ die Burg i.J. 1407 der Markéta von Šumvald. Ihr Gatte Dobeš von Popovice verkaufte die Burg i.J. 1446 an Vaněk Černohorský von B. Vaněk starb 1465 und sein Enkel Oldřich (starb 1500) baute die Burg wesentlich um. Vaněk ließ sogar einen Teil der Schanzen abtragen, um Platz für den Bau eines neuen Gebäudes (Palas) zu gewinnen. Die äußeren Wände dieses Palas waren sehr stark (über 3 m), um die Sicherheit der Burg nicht zu gefährden. Wahrscheinlich baute Oldřich auch eine regelrechte Vorburg mit einer Bastei und einem kantigen Torturm. Weitere Bautätigkeiten – weniger umfangr. – betrieb auch Ladislav Velen von B.; es handelte sich vorwiegend um kleinere Bauten. Zweifellos kam es auch zur Herrichtung von Fassaden und des Interieurs, so daß der Sitz den wechselnden Ansprüchen komfortablen Wohnens gerecht werden konnte.
Im Jahr 1547 kaufte die Herrschaft (ähnlich wie auch B.) Šimon Eder von Štiavnica. Damit endet hier das Wirken der Herren von → B. I.J. 1566 werden die Podstatští von Prusinovice zu neuen Besitzern, am Anfang des 17. Jh.s ließ Adam Věžník von Věžník die Burg herrichten, später erlangte die Herrschaft Fs. Karl von Liechtenstein. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Burg eine Besatzung, später diente sie nur dem Aufenthalt von Beamten. Im Jahr 1776 wurde die Burg vom Blitz getroffen und der nachfolgende Brand hat sie völlig vernichtet. Die eindrucksvolle Ruine steht bis heute.
Die Burg Svojanov (Fürstenstein) wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s gebaut. Nach dem Tode des böhm. Kg.s Přemysl Otakar II. i.J. 1278 wurde die Burg (als Mitgiftgut) von der Kg.inwwe. Kunhuta und Záviš von Falkenstein verwendet. Karel IV. zählte Svojanov zu den elf wichtigsten Burgen, die aus dem landesfsl. Vermögen nicht ausgegliedert werden durften. Aber schon sein Sohn Zikmund, der dringend Finanzmittel brauchte, verpfändete sie an die Herren von B. Nach dem Jahre 1435 wurde sie zum erblichen Gut des Geschlechts. Den Namen Svojanov bekam sie nach der ursprgl. Ansiedlung, die unterhalb der Burg lag. Der ursprgl. Bau umfaßte den Raum des inneren Burghofes, den 5 m dicke Schanzen und eine ebenso dicke Außenwand des alten Palas schützten. Der 26 m hohe Wachtturm, in den man durch einen Brückensteg in Höhe des zweiten Stockes treten konnte, diente als letzte Zuflucht der Verteidiger der Burg. In den Burghof fuhr man über eine Fallbrücke. Ješek Svojanovský von B. führte verschiedene Bauarbeiten durch. Aufgrund neuer Erkenntnisse über die Kampftaktik und Burgeneroberung baute er eine äußere Befestigung mit hervortretenden Bastionen, die den Verteidigern das Schießen längs der Außenseite der Schanzen ermöglichten. Ješek ließ auch die Interieurs herrichten; diese Arbeiten setzten auch der neuen Besitzer Trčkové von Lípa fort (i.J. 1510 erwarb die Burg Ladislav von B., der aber schon zwei Jahre später das Gut an Mikuláš Trčka von Lípa abtrat). Es handelte sich v.a. um die Einrichtung der unteren Stockwerke des gotischen Palas, der Erweiterung der Wohngebäude um einen neuen Flügel und den Bau eines Hauses für Waffenträger.
Im Jahr 1569 wurde die Burg durch einen Brand vernichtet und danach im Renaissancestil umgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg zweimal von Schweden erobert und so beschädigt, daß die damaligen Besitzer Zárubové von Hustiřany hier nicht mehr siedelten und den Bau nur als Verwaltungszentrum der Herrschaft benützten. Später wurde die Burg zu einem gewöhnlichen Wirtschaftshof, der auch für die Tuchweberei oder Keramikmanufaktur benutzt wurde. Im Jahr 1910 wurde die Burg zum Eigentum der Stadt Polička. I.J. 1992 wurde sie ihr restituiert.
Nur sehr knapp können wir die Res.en in Letovice und Račice erwähnen. Die ursprgl. Burg Letovice ist in der Hälfte des 13. Jh.s nachgewiesen. Nach Eroberung der Burg durch die Hussiten i.J. 1424 ließ sich hier der Hussitenanhänger Vaněk d.J. von B. und Černá Hora nieder, der 1447 die Hälfte der Herrschaft von Eliška, der Tochter des Hynek von Ronov, kaufte. Den zweiten Teil der Herrschaft mußte Vaněk nach Streitigkeiten den Herren von Lomnice abtreten. In der zweiten Hälfte des 15. Jh.s ließen die Herren von → B. die Burg umbauen, damit sie den Ansprüchen der Zeit entspricht. Insbes. wurde der spätgotische südwestliche Palas (wahrscheinlich in zwei Etappen) erweitert. Nach dem Tod Albrechts von B. (i.J. 1499) übernahm die Hälfte der Herrschaft sein Bruder Ladislav, der i.J. 1505 auch den restlichen Teil kaufte. Sein Sohn Kryštof verkaufte aber schon i.J. 1544 die ganze Herrschaft an die Gf.en von → Hardegg, die den Umbau der Burg im Renaissancestil begannen. Die Burg (später Schloß) wechselte oft die Besitzer, ab 1820 kam das Schloß in die Hände des Jindřich Kálnoky, dessen Nachkommen die Anlage bis zum Jahr 1945 besaßen.
Die Burg Račice wurde offensichtlich in der ersten Hälfte des 13. Jh.s erbaut. Im Jahr 1312 wurde die Burg, der sich Fridrich von Línava bemächtigte, vom böhm. Kg. Jan von Luxemburg erobert. Am Aufstand gegen den Kg. hatten sich unter anderem auch Archleb und Oldřich von B. beteiligt. Später besaßen die Burg die Herren von Lipé, von → Sternberk oder von → Krawarn; nach dem Tod des Jiří von Krawarn erwarb die Burg Václav Černohorský von B., dessen Gattin Kunka die Tochter des Jiří von Krawarn war. Ladislav von B. trat das Schloß und die Herrschaft den Brüdern Černohorský von B. ab; i.J. 1526 ließ sich Jan in Račice nieder. Im Jahr 1544 erbte die Herrschaft sein Sohn Jetřich Dobeš, der aber keine Nachkommen hatte, darum übernahm das Gut i.J. 1562 Albrecht Černohorský von B. Es kann noch erwähnt werden, daß die Herren von → B. am Ende des 15. Jh.s einen spätgotischen Umbau durchführten, der aber nur die größten Schäden entfernen und den Gesamteindruck verbessern sollte. Den Umfang der Arbeiten kann man heute nicht mehr feststellen. Im Jahr 1568 erwarb die Burg Hanuš Haugvic von Biskupice, der Račice zum Hauptfamiliensitz machte. In den weiteren Jh.en wechselten die Besitzer oft und schnell, i.J. 1830 erlangte Račice der Unternehmer Baron Mundy, der das Schloß umbaute. Heute befindet sich im Schloß eine Lehrlingsschule.
Moravská Třebová war der Hauptsitz des Ladislav von B. Das Schloß beinhaltet auch den Torso der ursprgl. gotischen Burg, die der neuen Schloßverbauung weichen mußte und größtenteils demoliert wurde. Die Stadt und die Burg wurden vor dem Jahre 1270 von Boreš von Riesenburg gegr.; später erwarben die Herrschaft die Herren von Lipé und Mgf. Jan Jindřich. Ladislav von B. kaufte die Herrschaft i.J. 1486 und widmete ihrem Aufbau und ihrer Herrichtung außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Zuerst ließ er im O des Areals einen neuen Palas bauen. Im Gipfel der Kreuzwölbung im Stockraum kann man heute noch das Zeichen mit seinem Wappen sehen (als Bauherr) und auch das Wappen seiner Gattin Magdaléna von Dubé und von Lipé. Der neue Palas genügte aber wahrscheinlich nicht den wachsenden Ansprüchen (und den räumlichen Erfordernissen) des Hofes und so wurde an der Nordseite ein weiteres Gebäude angebaut, von dem ein Teil des Erdgeschosses auch als Durchfahrt genutzt wurde. Das Frührenaissanceportal dieser Durchfahrt ist auf das Jahr 1492 dat. Im Jahre 1497 ist auch eine Kapelle nachgewiesen, wo viell. ursprgl. die Porträtmedaillons des Bauherrn und seiner Gattin aus dem Jahr 1495 angebracht waren. Um das Jahr 1500 wurde auch eine große rechteckige Küche angebaut. Ladislav von B. erschuf durch seine umfangr. Bautätigkeit eine hervorragenden Renaissanceres., die der damaligen Lebensart und den Bedürfnissen seines Besitzers entsprach. Nach dem Jahr 1520 setzte Ladislavs Sohn Kryštof die Bautätigkeiten fort; zu dieser Zeit wurde wahrscheinlich das westliche Gebäude fertiggestellt. Es kann noch hinzugefügt werden, daß Dank der umfangr. Bautätigkeit auch eine große Bauhütte in B. entstand, deren Aufgabenbereich noch durch den großen Brand der Stadt i.J. 1509 ausgeweitet wurde.
Im Jahre 1589 erbte die Herrschaft Ladislav Velen von Žerotín, der den Bau eines Schloßvorbaus in Angriff nahm. Nachdem Ladislav der Besitz beschlagnahmt wurde, erwarben die Herrschaft die Liechtensteins, die die Bautätigkeiten fortsetzten. Im Jahr 1643 wurde das Schloß völlig ausgeplündert von den Schweden; 1840 brannte das Schloß ab und mußte zum größten Teil niedergerissen werden (es erhielten sich nur der Ostflügel und die Keller).
In den siebziger und achtziger Jahren des 16. Jh.s baute Jan Šembera Černohorský von B. (er starb 1597) viell. das schönste und stilgerechteste Renaissance- und Manierschloß in Mähren, das Schloß Bučovice. Der Entwurf des neuen Sitzes und des Parks samt der Konzeption der Ausschmückung und des Interieurs stammt von Jacopo Strada, Antiquar und Architekt Maximilians II. (auch diese Tatsache zeugt von der außergewöhnlichen Stellung des Jan Šembera – und auch von seinen Vermögensverhältnissen). Das Schloß baute ab 1575 Pietro Gabri. Das rechteckige Gebäude des Schlosses mit arkadischem Schloßhof und einem Brunnen in der Mitte ist in einem großen rechteckigen Park gelegen, der mit einem Wassergraben umgeben ist. Im Erdgeschoß blieben fünf repräsentative Räume erhalten (und eine Eintrittshalle) mit reicher Stukkatur und Wandgemälden, die nach den Bildmotiven Zimmer der fünf Sinne, Schwarzes (Vogel-) Zimmer, Kaiserzimmer, Venuszimmer, Hasenzimmer benannt wurden. In der Ausschmückung des Schlosses dominiert die Mythologie, die mit der Historie und Literatur verknüpft ist. Es befinden sich hier Büsten von römischen Ks.n, eine Reiterstatue Karls V.; die Mythologie ist mit dem Motiv der Verwandlungen vertreten: Leda mit dem Schwan, die Entführung der Europa und v.a. das Deckengemälde von der Umwandlung der Hasen in Menschen. Am Bau beteiligten sich zum Beispiel die Bildhauer Elia Canevale und Antonio Silva, die Maler Marcus von Kaytzen, Vavřinec Puklplucar und Jan Panáček. Schöpfer der Plastiken im Erdgeschoß war mit großer Wahrscheinlichkeit Hans Mont. Die Fontäne im Schloßhof wurde offensichtlich von Giovanni Giacomo Tencalla entworfen. Gefertigt wurde sie erst später, i.J. 1635, von Pietro Materna. Die Ausschmückung gehört zu den Höhepunkten der damaligen Kunst und es nahm an ihr eine ganze Reihe von Künstlern aus dem rudolfinischem Künstlerkreis teil.
Das Schloß in Bučovice stellt ein außergewöhnliches Denkmal dar, das den Reichtum und auch den Geschmack des letzten Repräsentanten des ruhmvollen Geschlechts der Herren von B. zeigt. Nach dem Aussterben dieses Geschlechts in männlicher Linie kam das Schloß durch Heirat in die Hände der Liechtensteiner und es blieb in ihrem Besitz bis 1945. Heute ist das Schloß als nationales Kulturdenkmal der Öffentlichkeit zugänglich.