Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STAUFEN

C. Staufen

I./II.

1248: castrum Stouphen; 1279 castrum Stouphen; 1370: burg und statt Stouffen; 1463: das geschlosß Stouffen. Der älteste bekannte Sitz der Herren von S. ist die Burg S., die sich auf einem Kegelberg (Stauf) unmittelbar nördlich der gleichnamigen Stadt befindet. Diese heute Schloßberg gen. Erhebung ist ein Schwarzwald-Vorberg, an dessen Fuß im W die Rheinebene liegt, östlich beginnen die Anhöhen des Hochschwarzwalds. Der älteste historische Beleg für das castrum Stouphen findet sich in der Vita des Hl. Trudpert von 1279, worin berichtet wird, daß ein Herr Otto von S. auf der Burg S. Baumaßnahmen unternahm. Da jener Otto zuletzt 1246 belegt ist und sein Tod mit den Baumaßnahmen in Verbindung steht – er starb bei einem Unfall als er die Baustelle inspizierte – weist die Baunachricht in die 40er Jahre des 13. Jh.s. Ein weiterer genau datierter Beleg liegt aus dem Jahr 1248 vor, als die Burg der Ausstellungsort einer Urk. war.

Nimmt man die Informationen aus der Trudpert-Vita wörtlich, so bestand die Burg bereits, da Otto von S. in castro Stouphen mit den Bauarbeiten begann. Auch bautypologische Betrachtungen deuten auf ein höheres Alter der Anlage hin. Der monumentale Bergfried an der höchsten Stelle der Burg dürfte das älteste Bauteil des heutigen Ensembles sein. Mit seinen im Sokkelbereich rund 4 m mächtigen Mauern weist er eine eher für das 12. Jh. typische Gestalt auf. Wann die Burg aber genau entstand ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu entscheiden. So bleibt unklar, ob bereits jener Adalbert von S. über eine Burg auf dem Schloßberg verfügte oder diese erst unter seinen mutmaßlichen Nachkommen errichtet wurde.

Zur S.er Burg gehörte neben der Stadt S. eine Herrschaft aus Gütern v.a. aus der Nachbarschaft der Burg. In der Rheinebene verfügten die S.er über Besitz in Krozingen, Heitersheim, Biengen, Tunsel, Schlatt, Laufen und weiteren. In den Städten Sulzburg und Breisach gehörten ihnen vereinzelte Güter. Fernbesitz der S.er lag im südlichen Breisgau in Riehen (heute Kanton Basel-Stadt) und Warmbach, zeitw. besaßen sie erbschaftshalber den Rheinzoll in Kleinkems. Ausgesprochen wichtig war der S.er Machbereich im Münstertal, wo sie als Vögte St. Trudperts und als Grundherren im Britznachtal Zugriff auf die einträglichen Silbergruben besaßen. Umstritten ist bislang, ob die S.er in der heute abgegangenen Bergstadt Münster direkt unterhalb des Kl.s St. Trudpert eine eigene Münze besaßen. Vom frühen 15. Jh. bis 1566 gelangten die S.er in den pfandschaftlichen Besitz der Herrschaft → Kastelberg im Elztal, wo mit der Kastelburg eine weitere stattliche Burg in ihren Besitz kam. Weiteren, zumindest kurzen, anteiligen Burgenbesitz hatten die S.er an der Heidburg auf der Wasserscheide zwischen Elz- und Kinzigtal, der Burg Bubenstein im Höllental und der Burg → Scharfenstein im oberen Münstertal. Daneben dürfte die Familie auch kleinere Ortsburgen besessen haben, die sich bei den der Herrschaft zugehörigen Orten befanden.

Die Stadt S. liegt am Ausgang des Münstertals in die Rheinebene. Durch das Tal führte im FrühMA kein Weg, da die benachbarten Regionen auf dem Schwarzwald und das obere Große Wiesental damals noch unerschlossen waren. Erst zu Beginn des HochMAs wurden diese Bereiche besiedelt und damit gewann der Weg durch das Münstertal an Bedeutung. In der Rheinebene führte die Nord-Süd-Verbindung entlang des Schwarzwaldsaums an der Stadt vorbei. Unmittelbar südlich des Altstadtgebiets fließt das aus dem Münstertal kommende Flüßchen Neumagen.

Die Stadtgründung in S. dürfte die Wirtschaft vor Ort zwar belebt haben, doch der S.er Markt gelangte nie über eine lokale Bedeutung hinaus. Politisch blieb die Stadt offenbar stets unter der Herrschaft der Herren von S., eine starke städtische Oberschicht mit eigenem politischem Bewußtsein bildete sich anscheinend nicht. Ein ausgeprägter Res.charakter ist abgesehen von dem Stadtschloß und einem herrschaftlichen Areal im NO der Stadt nicht erkennbar.

Bis ins ausgehende MA war die S.er Kirche eine Filiale der Pfarrkirche im benachbarten Kirchhofen. Letzterer Ort selbst zählte lange Zeit zu den bedeutsamsten Besitzungen der Basler Bf.e im nördlichen Breisgau. Daher scheint es, daß auch S. einst in enger Beziehung zu Basel stand, was sich im hohen und späten MA aber lediglich in den Patronatsverhältnissen zeigte – von wenigen Berührungen der Herren von S. mit den Basler Bf.en abgesehen.

Die Erhebung des Dorfes S. zur Stadt erfolgte zu einem unbekannten Zeitpunkt um 1300. Eine letzte Erwähnung S.s als villa liegt aus dem Jahr 1269 vor, erstmalig als Stadt wird es i.J. 1323 bezeichnet, wobei v.a. die Ummauerung und die Gründung eines Markts der Siedlung städtisches Gepräge gaben. Der ehem. Mauerverlauf zeichnet sich noch im heutigen Straßenbild ab.

III.

Die Baugeschichte der Burg S. ist – wie bereits angesprochen – nicht genauer rekonstruierbar. An ihrem Beginn dürfte wohl bereits im 12. Jahrhundert die Errichtung des Bergfrieds am höchtsten Punkt der Burgstelle gestanden haben. Offenbar gemeinsam mit diesem entstand ein großes Mauerstück östlich des Bergfrieds, das in einem weiten Bogen den heutigen inneren Burghof im N und O umschreibt. Der weitere Verlauf im S und W ist zwar unklar, da diese Bereiche durch weitere Bauten in jüngerer Zeit erneuert wurden, doch ist der bekannte Verlauf jener ältesten Mauer nur dann sinnvoll, wenn man annimmt, daß sie auch im S und W ungefähr den heutigen inneren Burghof umschrieb. Im Breisgau des 12. Jh.s gehörte die Burg S. damit nach heutigem Kenntnisstand zu den größten und eindrucksvollsten Anlagen.

Im S des Burgareals wurde wohl im 15. Jh. der große Palas errichtet, der noch heute zur Stadt hin die Silhouette der Burg prägt. Seine recht großzügige Befensterung deutet auf den wohnlich-repräsentativen Charakter des Gebäudes hin. Nördlich der inneren Burg wurde zur Erweiterung eine Vorburg angelegt und nach den ältesten bildlichen Darstellungen befanden sich auch unmittelbar östlich davon weitere Gebäude. In ihrer spätma.-frühneuzeitlichen Ausprägung war die Burg S. ein für Breisgauer Verhältnisse großzügiges und repräsentatives Ensemble, das den sozialen Stand seiner Bewohner eindrucksvoll nach außen verdeutlichte. Neben den Baulichkeiten trug hierzu auch die weithin sichtbare, exponierte Lage bei. Repräsentative Architekturelemente sind kaum erhalten, so daß hier keine Aussagen möglich sind. Eine Kapelle wird über dem Eingangsbereich vermutet, wo die Reste eines Biforienfensters erhalten sind. Treppen, Fenstergewände und andere Ausstattungsgegenstände sind nicht erhalten, lediglich auf die bereits angesprochenen Ofenkacheln und Kaminplatten ist nochmals hinzuweisen. Am Zugang zur Kernburg befindet sich ein Stein mit dem S.er Wappen, der seiner Gestalt nach neuzeitlich sein dürfte.