STAUFEN
I./II.
1289: K.; 1396: Castelberg. Die Entstehung der Burg K. wird neuerdings wg. bautypologischer Gesichtspunkte um das Jahr 1200 angenommen. Sie dürfte damit noch unter der Herrschaft von Konrad IV., des letzten aus der Linie der so gen. älteren Herren von Schwarzenberg, errichtet worden sein. Die Burg liegt auf einem Felssporn oberhalb der Stadt Waldkirch und zählt zu den am besten erhaltenen Burgruinen im Breisgau.
Nachdem die Schwarzenberger im 14. Jh. in große finanzielle Bedrängnis geraten waren, verkauften sie die Burg i.J. 1354 an den → Freiburger Bürger Johann Malterer, der damit seinen noch jungen Sohn Martin ausstattete. Dieser fiel in habsburgischen Diensten 1386 in der Schlacht von Sempach. Da die Burg habsburgisches Lehen war und Malterer keinen Sohn hinterlassen hatte, ging die Burg der Familie trotz energischer Bemühungen seiner Wwe. Anna von Tierstein zunächst verloren. Doch Anna versuchte offenbar gezielt durch die Verheiratung ihrer Tochter Gisela, über deren Gatten wieder in den Besitz der Kastelburg zu gelangen. Was den beiden ersten Ehemännern Gisela Malterers nicht gelang glückte schließlich dem dritten Gatten Bertold von → Staufen i.J. 1430, als er die Burg von dem verschuldeten Gf.en Hermann von → Sulz pfandschaftlich erwerben konnte. Als habsburgische Pfandschaft blieben Burg und Herrschaft K. bis ins Jahr 1566 im Besitz der Herren von → Staufen. Dann löste Österreich die Burg wieder aus und vergab die Herrschaft nicht wieder. Auf der Burg residierten danach habsburgische Amtleute. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört (1634) und nicht wieder aufgebaut.
III.
Die ausgesprochen stattliche Burg und deren zugehörige Herrschaft, die weite Teile des Elztals inklusive der Stadt Waldkirch umfaßte, ermöglichte den Herren von → Staufen eine beträchtliche Ausweitung ihres Einflußgebiets. Die → Staufener führten während ihrer Herrschaft über die Kastelburg die Zubenennung »von → Staufen, Herr zu Kastelburg«. In wieweit die → Staufener auf der Kastelburg residierten und dort über eine eigene Hofhaltung verfügten ist noch weit gehend unerforscht. Im Jahr 1489 übertrug Trudpert von → Staufen die Burg und Herrschaft an seinen Sohn Leo, als dieser volljährig wurde. Dieser dürfte in der Folge zumindest so lange auf der Kastelburg gewohnt haben, bis nach dem Tod seines Vaters auch die Burg → Staufen in seine Hände gelangte. In der Zubenennung der Familie zeigt sich, daß der eigtl. Bezugspunkt der Familie weiterhin die Burg → Staufen war – wohl nicht zuletzt wg. des nur pfandschaftlichen Eigentums an der Kastelburg.
Literatur
Siehe auch A. Staufen. – Bigott, Boris: Die Damen Malterer. Zur Einheirat Freiburger Patriziertöchter in Breisgauer Adelsfamilien im 14. und 15. Jahrhundert, in: Schau-ins-Land 126 (2007) S. 19-37. – Bigott Boris: Die Herren von Staufen – ihre Burg und ihre Stadt, in: Burgen, Märkte, kleine Städte. Mittelalterliche Herrschaftsbildung am südlichen Oberrhein, Tagung des Historischen Seminars Abteilung Landesgeschichte der Universität Freiburg und der Stadt Neuenburg am Rhein 11. und 12. Oktober 2002, hg. vom Geschichtsverein Markgräflerland e.V., Schriftleitung Thomas Zotz und Ursula Huggle, Schopfheim 2003 (Das Markgräflerland, 2), S. 92-111. – Bigott, Boris: Obermünstertal, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 2: Südlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte, 17), in Vorbereitung. – Bigott, Boris: Staufen (Geschichte), in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 2: Südlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte, 17), in Vorbereitung. – Bigott, Boris/ Haasis-Berner, Andreas: Waldkirch, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 1: Nördlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, Ostfildern 2006 (Archäologie und Geschichte, 15), S. 470-496. – Burger, Michael: Staufen (Baugeschichte), in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 2: Südlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte, 17), in Vorbereitung. – Jenisch, Bertram: Stadtschloß Staufen, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 2: Südlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte, 17), in Vorbereitung. – Stülpnagel, Wolfgang: Die Herren von Staufen im Breisgau, in: Schau-ins-Land 76 (1958) S. 33-58. – Stülpnagel, Wolfgang: Die Herren von Staufen, in: Staufen und der Obere Breisgau. Chronik einer Landschaft, Aufnahme und Gestaltung von Leif Geiges, Karlsruhe 1967, S. 13-20. – Tubbesing, Gerrit: Vögte, Froner, Silberberge. Herrschaft und Recht des mittelalterlichen Bergbaus im Südschwarzwald, Berlin 1996 (Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. NF, 24), S. 24 ff. – Weber-Jenisch, Gabriele/Jenisch, Bertram: Hofstetten, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 1: Nördlicher Breisgau, Halbbd. A-K, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, Ostfildern 2003 (Archäologie und Geschichte, 14), S. 203-206.