Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STAUFEN

B. Staufen

I.

Der Machtbereich der Herren von S. lag stets im Umkreis des namengebenden Ortes. In der Rheinebene beherrschten sie die S. benachbarten Dörfer, in dem bei S. in die Ebene mündenden Münstertal besaßen sie die Vogtei über das Kl. St. Trudpert sowie grundherrliche Rechte.

Die Frage nach der Besitzstruktur der S.er Familiengüter harrt noch einer endgültigen Klärung. Sicher ist, daß Burg und Ort S. mehrfach als Lehen der Gf.en von → Freiburg bezeugt sind, wozu zahlr. Dörfer in der Umgebung als Pertinenzien gehörten. Diese Güter stammten zweifellos aus dem Erbe der Zähringer und dürften zu großen Teilen das Dienstgut der ministerialischen Herren von S. gewesen sein. Da jedoch bei der besagten Kapellenstiftung durch Adalbert und seinen Bruder Kuno auch ausdrücklich Allodialgüter übertragen wurden, bleibt die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß ein gewisser Teil des S.er Besitzes auf Eigengut der Familie aus vorzähringischer Zeit zurückgeht. Ferner ist wahrscheinlich, daß vor der Ankunft der Zähringer Bezüge zu den Basler Bf.en – damals die dominierende Kraft im Breisgau – bestanden. Eine genauere Untersuchung dieser frühzeitlichen Verbindungen wäre noch zu leisten.

Bislang unklar bleibt die Grundlage der Stellung der Herren von S. im benachbarten Münstertal. Die Vogtei über das dortige Kl. St. Trudpert und die zum Kl. gehörende Stadt Münster (in der Neuzeit wüst gefallen) scheinen sie unabh. sowohl von den Zähringern als auch von den Gf.en von → Freiburg inne gehabt zu haben.

Unabh. von den Lehnsherrn scheint auch die Position der S.er im oberen Münstertal, dem so gen. Britznachtal, gewesen zu sein, wo sie grundherrschaftliche und vogteiliche Rechte besaßen. Diese zählten zum Zubehör der Burg → Scharfenstein im Obertal unweit der Paßhöhe zum Wiesental. Der wichtigste Bestandteil dieses Besitzkomplexes waren die Bergbaurechte im Britznachtal, dessen ergiebige Silbergruben die Grundlage für den Wohlstand der Herren von S. v.a. im 13. Jh. bildeten. Die Burg → Scharfenstein scheint bereits im 12. Jh. errichtet worden zu sein, als noch die Gf.en von Nimburg die bergbauliche Erschließung auch des oberen Münstertals betrieben (Bigott: Obermünstertal). Die von Zähringern und Freiburgern autonome Stellung in dieser Gegend scheint ihren Hintergrund in der Beteiligung der Herren von S. an der Erschließung wohl unter nimburgischer Hoheit zu haben.

Im mittleren 14. Jh. gelang es Bertold von S. die Herrschaft → Kastelberg im Elztal pfandschaftlich zu erwerben. Damit verfügte die Familie über eine weitere stattliche Burg und Herrschaft im nördlichen Breisgau. Obwohl sich die verschiedenen Herren von S. nun auch als Herren von → Kastelberg bezeichneten, scheint der Mittelpunkt der Familiengüter immer die Burg S. geblieben zu sein.

Im 16. Jh. ging den S.ern die Herrschaft im Elztal wieder verloren, als i.J. 1566 die Herrschaft Österreich die Pfandschaft Kastelburg auslöste. Das hierdurch gewonnene Kapital dürfte für Anton von S. willkommen gewesen sein, da sich dieser in beträchtlicher Finanznot befand. In seine Zeit fällt auch der Versuch, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie durch die Dienste des Alchimisten Johann Faust zu verbessern. Als Faust jedoch um 1541 wohl bei einem fehlgeschlagenen Experiment durch eine Explosion ums Leben kam – wie es die Sage will im Gasthaus Löwen in S. – entstand die Erzählung, der Teufel habe den Faust geholt, die nach mehrfacher literarischer Bearbeitung zur Grundlage für Goethes gleichnamiges Drama wurde.

Bigott, Boris: Obermünstertal, in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 2: Südlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte, 17), in Vorbereitung. – Bigott, Boris: Staufen (Geschichte), in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, Tl. 2: Südlicher Breisgau, Halbbd. L-Z, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte, 17), in Vorbereitung. – Schlageter, Albrecht: Der mittelalterliche Bergbau im Schauinslandrevier, in: Schau-ins-Land 88 (1970) S. 125-171. – Tubbesing, Gerrit: Vögte, Froner, Silberberge. Herrschaft und Recht des mittelalterlichen Bergbaus im Südschwarzwald, Berlin 1996 (Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. NF, 24), S. 24 ff. – Zettler, Alfons: Die Historischen Quellen zum mittelalterlichen Bergbaugeschehen, in: Erze, Schlacken und Metalle. Früher Bergbau im Südschwarzwald, bearb. von Heiko Steuer, Freiburg 1990 (Freiburger Universitätsblätter 109), S. 61 ff.