Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

SPONHEIM

C. Grevenburg

I.

Gravenberg (1352); G. (1359) [Grafenburg]/Travendrebach (1144) [Siedlung am Bach des Travo]; Dravenebach (1239); an der Mittelmosel auf dem rechten Moselufer gelegen. Die Burg war von der Mitte des 14. Jh.s bis 1437 (Erlöschen des Gf.enhauses) Sitz der Regenten der HG → Sponheim, die die darunter gelegene Siedlung Trarbach entspr. ausbauten.

II.

In Trarbach münden zwei steil vom Hunsrück herabfließende Bäche (Schott- und Kautenbach) in die Mosel; der Ort zwängt sich in die schmalen Bachtäler. Gegenüber auf dem flacheren, linken Moselufer liegt Traben (Travena, Erstbeleg 820), dessen Gemarkung sich im MA auch auf das rechte Moselufer erstreckte. Unmittelbar östlich Trarbach liegt steil über der Mosel die G. (140 m über dem Ort).

Das Moseltal war seit der Antike kontinuierlich besiedelt. Die Gf.en von → Sponheim kamen als Erben der Gf.en von Nellenburg, letztlich der von diesen beerbten Hzg.e von (Ober-) Lothringen, in den hier interessierenden Raum (Enkirch, 1125). Nach der Teilung zwischen den Brüdern Johann und Simon war zunächst die zwischen Enkirch und Trarbach hoch über der Mosel gelegene Starkenburg der Sitz Johanns und seiner Nachkommen. 1274 erwarb Johanns Sohn Heinrich die Reichspfandschaft Kröv (oberhalb Trarbach auf beiden Seiten der Mosel), die später auch gegen den Trierer Ebf. Balduin von Luxemburg (gest. 1354), einen erfolgreichen Territorialpolitiker, behauptet werden konnte. Die Nähe zu diesem Besitzkomplex, aber auch gewachsene Ansprüche an den Wohnkomfort einer Burg haben wohl den Ausschlag dafür gegeben, daß Gf. Johann III. (gest. 1398) in den 1350er Jahren die G. errichten ließ. Sie wurde durch eine gemeinsame Befestigung mit dem darunter liegenden Trarbach verbunden.

Der Raum um Trarbach lag in der Nähe einer wichtigen Straße, die, von Wittlich kommend, bei Bernkastel die Mosel querte und auf dem Hunsrück über → Kirchberg und Simmern nach Bingen und Mainz führte. Trarbach und die G. kontrollierten einen Zugang aus dem Moseltal zu dieser Straße.

Ein noch wichtigerer Verkehrsweg aber war die Mosel, die einen leichten Zugang zu den Städten am Rhein und somit einen reibungslosen Absatz der am Ort angebauten Weine ermöglichte. Weinbau und Weinhandel waren über Jh.e die wichtigsten Wirtschaftszweige in Trarbach und Traben.

Trarbach und Traben lagen im Maifeldgau und gehörten kirchlich zum Ebm. Trier, Archidiakonat St. Kastor zu Karden, Landkapitel Kaimt-Zell, Pfarrei Traben.

Ks. Ludwig der Fromme (gest. 840) hatte dem Aachener Marienstift u. a. Traben geschenkt. Aus späteren Quellen ist zu erschließen, daß Gegenstand dieser Schenkung Pfarrei und Zehnt (von Korn und Wein) sowie Gerichtsrechte waren. 1183 ist der Gf. von → Sponheim als Vogt dieser Besitzungen des Marienstifts belegt. Er konnte diese Rechte in der Folge zur Landesherrschaft ausbauen; Patronat und Zehnt sind allerdings bis 1579 im Besitz des Marienstifts geblieben. Die innerhalb dieser Pfarrei gelegenen Gmd.n Trarbach und Traben waren daher stets eng miteinander verbunden und besaßen bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s ein von den Geschworenen geführtes, gemeinsames Siegel.

Mit der Errichtung der G. und der mit dieser verbundenen Befestigung (Ersterwähnung der Mauern Aug. 1358) gewann Trarbach erheblich an Bedeutung. Der Gf. förderte dies durch den Erwerb einer im Privatbesitz befindlichen (1345, Mühle am Kautenbach) und einer weiteren, bis dahin dem Kl. Springiersbach gehörenden Mühle (1358), durch die Zuweisung von Häusern an Burgmannen, durch den Neubau einer Kirche an der Stelle eines wohl schon im 13. Jh. vorhandenen, sicher um 1330 belegten Vorgängerbaus (finanzielle Absicherung im Dez. 1378, zugehöriger Ablaß vom Sept. 1379) und schließlich durch die Stiftung eines ewigen Almosens (im Jan. 1394 vom Sohn bestätigt, im April 1395 erweitert zum täglichen Unterhalt von 13 Armen). Eine formelle Verleihung von Stadtrechten ist nicht belegt; in einer von ihm selbst ausgestellten Urk. vom Okt. 1359 verwandte der Gf. jedoch den Begriff »Stadt«. Ungeachtet dessen ergriff die seit den 1320er Jahren für den Hunsrück aus den Quellen zu erschließende Landflucht seit etwa 1385 auch Trarbach und die Nachbarorte.

Sitz des für die Verwaltung der gfl. Einkünfte und die Versorgung des gfl. Haushalts zuständigen Kellners war zunächst die G. (1362, noch im Mai 1392), später das »Neue Haus« auf der Schottbach.

Zu 1437 lassen die Quellen erstmals einen Überblick zu den Verhältnissen vor Ort, zu Rechten und Pflichten der Bevölkerung zu. Damals stammten von den vier Geschworenen der Gesamtgemeinde je zwei aus Trarbach bzw. aus Traben/Litzig/Rißbach. In Trarbach gab es 80 Haushalte, in Traben, Litzig und Rißbach zusammen 64. Die Moselfähre war zur Hälfte in Händen des Marienstifts zu Aachen, zu einem Viertel in denen des Gf.en (vormals des Kl.s Corvey) und zu je einem Achtel im Besitz der Kl. Himmerod und Springiersbach.

Nach dem Erlöschen des Gf.enhauses wurde Trarbach 1437 Sitz des für die HG → Sponheim zuständigen Oberamtmanns. Die neuen Landesherren haben 1463 und danach regelmäßig die Rechte und Privilegien Trarbachs bestätigt.

Die große Mehrzahl der Einw. von Trarbach war rechtlich und wirtschaftlich von den Gf.en abhängig. Spannungen sind aus den erhaltenen Quellen nicht zu belegen.

III.

Ausgangspunkt der Entwicklung Trarbachs zur Res. ist die Errichtung der G. Der Bauherr hat, wie beschrieben, gleichzeitig den Ausbau der darunter gelegenen Siedlung gefördert, zunächst durch die Errichtung einer mit der Burg verbundenen Befestigung, später durch den Neubau einer Kirche, in der sich 1437 sein Enkel beisetzen ließ (das Grabdenkmal aus Messing wurde nach 1835 eingeschmolzen); der Sitz des Pfarrers blieb allerdings in Traben. In diesen Zusammenhang gehört wohl auch die Errichtung von Bauten, in denen Teile der Verwaltung untergebracht waren (»Neues Haus«, Sitz des Kellners). In der Folge machte der Gf. in Trarbach gelegene Häuser zum Zubehör von Burglehen zu G. Frühe einschlägige Belege stammen aus den Jahren 1361 (Verpflichtung, 100 Gulden in Trarbach zu verbauen), 1367 (Pflicht, neun Wochen am Ort wohnen) und 1368 (Bau eines Hauses in Trarbach). Diese Burgmannen haben demnach Häuser errichtet oder ihren Bedürfnissen angepaßt und so zum Ausbau der Siedlung im Tal beigetragen.

Zu Architekten, Baumeister, Künstlern (Ausstattung) sind keine Nachrichten erhalten geblieben.

Die G. ist in den 1350er Jahren von Gf. Johann III. (gest. 1398) errichtet worden. Die erste Erwähnung dat. vom Febr. 1352. Die Stiftung eines Altars und einer ewigen Messe auf der Burg im Okt. 1359 dürfte das Ende der Bauarbeiten dokumentieren. Die Burg war von Anfang an für den Angriff durch Feuerwaffen gerüstet und wurde auch durch Feuerwaffen verteidigt. Im Nov. 1437 befanden sich auf der Burg 20 Handbüchsen, je zwei Kammer- und Schirmbüchsen sowie zwei Tonnen Pulver, dazu zwölf Armbrüste und 4000 Armbrustpfeile. Damals lagerte auf der Burg – wohl in einem bes. gut abgesicherten Raum – auch das Archiv der Gf.en von → Sponheim.

Die Burg wurde nach 1687 (Anlage der Festung Mont Royal über Traben, Teil der 1687 ff. von Vauban zur Sicherung der durch die Reunionen an der Mittelmosel gewonnenen Gebiete errichteten Festungskette) nach den Maßstäben der Zeit neu befestigt. Diesen Zustand dokumentiert ein Grdr. aus dem Jahr 1704. 1734 oder 1735 (beide Daten erscheinen in der Literatur) wurde die G. gesprengt.

Von der ma. Burg sind nach der Sprengung nur Teile der Fundamente erhalten geblieben, von der Stadtbefestigung existieren nur noch wenige Reste (u. a. ein Turm). Zur Ausstattung der Res. gehörte neben der Kirche (Baubeginn 1378/79) auch die am Schottbach in einem wohl um 1364 errichteten Gebäude ansässige Kellerei (1409 als »Neues Haus« bezeichnet), in der der Gf. vor Mai 1397 einen Altar stiftete. Dieses Gebäude (mit zweischiffigem Gewölbekeller und Chörlein an der Ostseite) ist bis heute erhalten geblieben.

Da aus der Zeit, als die G. und Trarbach Res.funktion hatten, fast nichts erhalten ist, sind zu funktionalen Aspekten der Architektur keine Aussagen möglich.

Siehe C. Kreuznach.