BOSKOWITZ
I.
Für die älteste Periode, für die Zeit der ersten Generationen der Mitglieder des Geschlechts der Herren von → B., können wir die Existenz eines Hofes nicht belegen. Dabei muß man das Umfeld, in dem sich diese Personen bewegten, in Betracht ziehen (ein »klassischer« Hof eines Mitgliedes vom höheren Adel kam höchstwahrscheinlich im damaligen Mähren kaum vor). Auch die Eigentumsverhältnisse der Herren von → B. sind zu berücksichtigen: die Mitglieder der Familie hielten sich zwar oft in der Nähe des Landesherren auf (sei es beim böhm. Kg. oder beim mähr. Mgf.), über den Besitz bedeutender Güter oder Burgen haben wir jedoch keine Hinweise. Zur Veränderung dieser Situation kam es wahrscheinlich erst nach dem Bau der → B.er Burg (in der jetzigen Form) um die Wende des 13. zum 14. Jh. oder am Anfang des 14. Jh.s.
II.
Mit der Existenz eines Hofes (oder seiner ältesten Form) kann man wahrscheinlich erst seit der Zeit von Ješek von B. (ungefähr seit der ersten Hälfte des 15. Jh.s) rechnen. Seine bedeutsamen gesellschaftlichen Erfolge ermöglichten es Ješek, sich v.a. vom Dienstadel zu umgeben. Es handelte sich dabei vorwiegend um Vertreter des niederen Adels. Diese Landadeligen besaßen oft nur ein mäßiges Vermögen, das allein zur Sicherung ihrer Lebensbedürfnisse nicht ausreichte (es handelte sich meist nur um einen Landhof). Der Militärdienst bei einem reichen Herrn bedeutete so für solche Edelleute oder Ritter eine wesentliche Quelle des Lebensunterhalts. Wir haben nicht viele Nachweise über das Tätigkeitsspektrum des niederen Adels, einige seiner Vertreter finden wir unter den Zeugen in Urk.n der Herren von → B. Wir können daraus auf eine nähere Beziehung zwischen den Herren von → B. und diesen Niederadeligen schließen. Es ist auch nachzuweisen, daß die Herren von → B. die Mitgift der Ehefrauen einiger niederer Edelleute verantworteten. In diesem Fall kann eine Klientelbeziehung unterstellt werden.
Es ist sehr interessant – v.a. für die zweite Hälfte des 14. Jh.s und später – die gegenseitigen Beziehungen zwischen einzelnen Herrengeschlechtern zu verfolgen. Betrachten wir einen konkreten Fall: die Herren von → B. bewegten sich in der ersten Hälfte des 14. Jh.s (v.a. Archleb von B. und dessen Sohn Ješek) sehr oft in der unmittelbaren Nähe der Mitglieder der Herren von Lipé, die in dieser Zeit zu den bedeutendsten und reichsten Geschlechtern des Kgtm.s gehörten. Die Herren von → B. zeugten oft in den Urk.n der Herren von Lipé und vertraten auch dieselben politischen und gesellschaftlichen Ansichten. Es ist auch möglich, daß es dank solch enger Verbindung zu den Vertretern eines mächtigen Geschlechts Archleb und v.a. Ješek (und dadurch dem ganzen Geschlecht) gelang, den eigenen Aufstieg zu befördern. Ähnliche Beziehungen kann man auch zu anderen Geschlechtern feststellen, zum Beispiel zwischen den Herren von → B. und dem ehem. Herrengeschlecht von Wildenberk (hier kann man jedoch mögliche Verwandtschaftsverbindungen nicht ausschließen).
Am Ende des 14. und v.a. am Anfang des 15. Jh.s ist eine Räuberbande im Dienst der Herren von B. (oder zumindest mit ihrem Wissen; die Gruppe hatte ihre Zuflucht auf den Gütern der Herren von B.) belegt. Sie bestand neben Nichtadeligen aus einigen Mitgliedern des niederen Adels. Dies war allerdings keine Ausnahme zu jener Zeit. In der zweiten Hälfte der Regierungzeit des böhm. Kg.s Wenzel IV. verfiel allg. die Sicherheit, in Mähren war die Situation durch die Mgf.enkämpfe von Jošt und Prokop noch komplizierter. Solchen Räuberbanden begegnete man damals deshalb öfter – und nicht nur im Dienst der Herren von → B., sondern auch im Dienst anderer Herrengeschlechter.
Interessant, obwohl nicht ganz erklärt, sind auch die Beziehungen der Herren von B. zu den kirchlichen Institutionen. Im Verlauf der vier Jh.e, in denen das Geschlecht blühte, wandten sich seine Mitglieder mehrmals vom katholischen Glauben ab. Während dieser ganzen Zeit ist jedoch die Gönnerbeziehung zu dem Minoritenkl. in Brno spürbar und scheinbar ungebrochen. Archleb von B. ließ in den ersten Jahren des 14. Jh.s die durch Brand ganz zerstörte Minoritenkirche erneuern. Er gründete hier auch die Familiengruft, wo er auch selbst begr. wurde. Die Gruft wurde auch von folgenden Generationen des Geschlechts genutzt. In dieser Minoritengruft wurde auch der überhaupt letzte männliche Vertreter des Geschlechts begr. – Jan Šembera von B. und zu Bučovice.
Mit der Existenz eines Hofes (in verschiedenen Formen) kann man wahrscheinlich auch in der folgenden Zeit rechnen, in der das Geschlecht der Familie von B. einen außergewöhnlichen Aufstieg erreichte. Viele seine Mitglieder übten bedeutende milit., politische oder gesellschaftliche Funktionen aus und waren unter den nahen Beratern des Herrschers zu finden. Den erreichten Erfolgen entsprach dann natürlich auch sowohl der Prestige- als auch der Vermögenszuwachs. Hauptsächlich in der Spätzeit der Familie begegnet man deshalb der Absicht, Res.en zu bauen, die die Position der Herren von → B. in der damaligen Gesellschaft angemessen repräsentieren. Die Herren von → B. versuchten durch radikale Umbauarbeiten ihre bisherigen Wohnsitze neu zu gestalten (B., Černá Hora) oder sie bauten neue Res.en (Moravská Třebová, Bučovice), die ganz ihre Besitzer und deren Forderungen nach einer luxuriösen und umfangr. Hofhaltung repräsentierten.
Viell. am besten nachweisbar ist dies bei dem Frührenaissancehof des Ladislavs von B., der 1486 Moravská Třebová kaufte. Umfangr. Umbauten und Bauten von neuen Gebäuden dokumentieren räumliche Bedürfnisse eines großen adeligen Hofes.
Ladislav war ein sehr gebildeter Mann, der sich mit Mathematik, Physik, Architektur, Geographie, Geschichte und klassischer Literatur beschäftigte. Von seinen zahlr. Reisen brachte er umfangr. Sammlungen (einschließlich der astronomischen und mathematischen Geräte und Einrichtungen) mit. Seine Bibliothek, die schon seine Zeitgenossen lobten, gehörte zu den größten und besten adeligen Bibliotheken im Kgtm. überhaupt. Seinen Vorlieben (und seinem politischen und gesellschaftlichen Wirken) entsprach auch die Ausstattung der Res. und die Struktur des Hofes. Ladislav pflegte Kontakte zu einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten der Kultur, eine breite Bautätigkeit führte auch Architekten, Baumeister oder Künstler verschiedenster Richtungen an seinen Hof. In der Zeit seines Wirkens wurde Moravská Třebová zu einem wichtigen Kulturzentrum. Da der Herr von B. zu den mächtigsten Adeligen des Kgtm.s seiner Zeit gehörte, bewirtete er oft auch bedeutende Vertreter der adeligen Gesellschaft oder auch den Kg. Vladislav selbst (i.J. 1497).