SOLMS
I./II.
Res. einer Linie der Gf.en von → Solms. – L. (im 15. Jh. Liech, Lyech) kam über die Falkensteiner Erbschaft an die → Solmser Gf.en.
III.
Zunächst existierten drei kleinere ältere Burganlagen (Burg Westwich, Burg Rodenscheid, Burg Warnsberg) in der Nähe von L., die durch Gf. Werner von → Falkenstein durch die Anlage in L. ersetzt wurden. Diese Anlage, eine vierflügeligen Wasserburg, wurde um 1290-1300 errichtet. Bereits um 1300 ist sie auf einem Stadtsiegel abgebildet. 1462 und nach 1468 wurden kriegstechnisch bedingte Umbauten vorgenommen. 1497 wird eine Schreiberei 1497 auf der Burg zu L. erwähnt. Im 16. Jh. wurde die Burg von Gf. Reinhard von → Solms-L. zu einer Festung umgestaltet. Von der ma. Anlage ist jedoch nichts erhalten. 1618 wurde ein Turm bey den Canzelleyen abgebrochen, wobei es sich vermutlich um die Reste eines 1606 eingestürzten Turms handelte. Auch die Neubauten des späten 17. Jh. prägen das heutige Bild nicht, sondern die Umbauten des 18.-20. Jh., auf die hier nicht eingegangen werden soll. Im Schloß zu L. wird u. a. ein Bildnis des Gf.en Reinhard von Hans Ritter gen. Döring aus dem Jahre 1556 aufbewahrt.
Der schon 1290 und 1297 als oppidum bezeichnete Ort L. war wohl seit dem Ende des 13. Jh.s befestigt; die Stadtrechtsverleihung von 1300 sanktionierte wohl nur einen bereits bestehenden Zustand. Bereits in Falkensteiner Zeit erlangte L. Mittelpunktsfunktion. So besaß L. seit 1239 eine Pfarrei und wohl auch eine Pfarrkirche, seit 1316 ein Kollegiatstift mit zehn Chorherren. Die 1320 geweihte Stiftskirche St. Maria wurde wohl an der Stelle der älteren Pfarrkirche errichtet; seither wurde die Stiftskirche auch als Pfarrkirche genutzt wurde. 1511-1537 wurde der spätma. Kirchenbau durch einen Neubau ersetzt. Hierfür ist ein 1509 von Meister Michael aus Nürnberg angefertigter Entwurf belegt, an dem 1510 Meister Nikolaus aus Wetzlar Änderungen vornahm. Als Vorbild diente nach urkundlichem Zeugnis die kirche zu Heydelberg (Kulturdenkmäler, S. 402), d.h. die Heidelberger Heiliggeistkirche. Im Chor befinden sich bedeutende Grabmäler der Falkensteiner sowie von Solmser Gf.en des 14.-16. Jh. 1545 gab Gf. Reinhard von → Solms (gest. 1562) ein Grabmal für drei Solmser Gf.en und ihre Frauen (für Gf. Philipp gest. 1544; Gf. Otto gest. 1522 und für sich) beim Mainzer Bildhauer Dietrich Schrohe (Schro) in Auftrag, die ca. 1550 angefertigt wurden. Die farbliche Fassung geht auf Ritter zurück. Aufgestellt wurde das Grabmal von den Gf.en Reinhard und Friedrich Magnus. Auch die Ansiedlung von Juden ist für das 15. Jh. in L. bezeugt. 1587 wurde eine Münze in L. errichtet, die ab 1588 Münzen ausgab. Im 16. Jh. wurde die Stadt durch einen inneren Befestigungsring mit Mauern, Türmen und Toren sowie durch äußere Befestigungsanlagen gesichert. Seit dem MA befand sich die sog. »Obermühle« im Besitz der Gf.en; in der heute erhaltenen Form dat. der Bau allerdings ins Jahr 1768. Die Untermühle (heute: »Dippemühl«) wurde dagegen erst 1719 erbaut.
Quellen
Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt, im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich, bearb. von Friedrich Battenberg, Bd. 1, Darmstadt 1981 (Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, 15/1).
Literatur
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008. – Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 4: Hessen, hg. von Georg Sante, 3. überarb. Aufl., Stuttgart 1976. – Kulturdenkmäler in Hessen. Landkr. Gießen, Tl. 1: Hungen, Laubach, Lich, Reiskirchen, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, bearb. von Karlheinz Lang, Reinhold Schneider und Martina Weissenmayer, Wiesbaden 2008. – Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen, Bd. 3: Südlicher Teil ohne Arnsburg, bearb. von Heinrich Walbe, Karl Ebel und Paul Helmke, Darmstadt 1933. – Joseph, Paul: Die Münzen und Medaillen des fürstlichen und gräflichen Hauses Solms, Frankfurt 1912. – Uhlhorn, Friedrich: Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter, Marburg 1931. – Uhlhorn, Friedrich: Ein patriarchalisches Zeitalter: Kulturbilder aus der Geschichte der Grafen von Solms, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 12 (1962) S. 77-129.