Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

SOLMS

C. Laubach

I./II.

Res. einer Linie der Gf.en von → Solms. – Als erste Befestigung wird eine Wasserburg angenommen, die ab 1278 von den Herren von → Hanau errichtet worden sein dürfte. 1288 ordnete Kg. Rudolf von Habsburg auf eine Intervention des hessischen Lgf.en hin einen Baustopp an. 1341 wurde L. an die Falkensteiner verkauft. Die Solmser Gf.en erwarben L. aus der Falkensteiner Erbschaft (siehe A. → Solms). 1475 erwirkte Gf. Kuno von → Solms.Lich, dessen Geschlecht den Falkensteinern im Besitz L.s nachgefolgt war, von Ks. Friedrich III. das Befestigungsrecht für den Ort und die Burg.

III.

Die Burg, deren älteste Teile noch ins 13. Jh. zurückgehen, war zunächst Amtssitz. Mitte des 16. Jh.s machte einer Linie der Solmser Gf.en Burg L. zu ihrer Res. Der Ostflügel (Bau auf der alten Kemenaten) der Burg, der bereits im frühen 15. Jh. erneuert worden war, wurde nach 1533 durch den Licher Baumeister Wolff Werner ein weiteres Mal baulich verändert. Auch die ma. Rundtürme an den Nordecken der Schloßflügel wurden von Werner umgestaltet. 1559 war der Umbau zu einer Festung abgeschlossen. Noch unter Gf. Friedrich Magnus, der die L.er Burg zur Festung machte, setzt ein weiterer Umbau zu einem Schloß ein. Bei den Umbauten wurde ma. Bausubstanz einbezogen. So blieb der ehem. freistehende Bergfried des 13. Jh.s, eingebaut in die Südseite des heutigen Schlosses, erhalten. Auch ein Treppenturm sowie Räume im Innern des Ostbaus (der gewölbte Keller, die Küche, die Gesindestube und die Hofstube, deren Ausstattung Kreuzgradgewölbe, einen gotischen Fliesenboden und Wandmalereien von 1556 von Michel Sommerstein aufweist) stammen aus dem 15. Jh. Auch der Kern des im 18. Jh. umgestalteten sog. »Nassauer Baus«, der sich im Bereich der ehem. Vorburg an das Schloß anschließt, stammt noch aus dem 15. Jh. An diesen schließt sich der 1556-1557 von Wolff Werner errichtete, im 19. Jh. umgestaltete Marstall an. Das 18. Jh. und das 19. Jh. brachten einen neuerlichen Ausbau der Anlage, der hier nicht behandelt wird. Im Schloß befinden sich die in im A.-Art. zu → Solms erwähnten, von Hans Döring angefertigten Porträts Solmser Gf.en und ihrer Familienangehörigen sowie Bildnisse von Familienangehörigen von Hans Abel II, Caspar Hagenbuch und ev. von Michel Sommerstein aus dem 16. Jh. Hinzu kommt die 1555 eingerichtete und seither kontinuierliche ergänzte Bibliothek (siehe B. → Solms). Die Parkanlage ist teils barock, teils im englischen Stil gestaltet.

Die Pfarrkirche St. Maria wird 1057 erstmals in einer Hersfelder Urk. gen. Vom ma., seit dem 12. Jh. allmählich entstandenen Bau sind noch der Turm, das Querschiff und der Chor erhalten, die teils spätromanische, teils frühgotische Formen aufweisen. Das Langschiff wurde in der heutigen Form 1700-1702 errichtet. In der Pfarrkirche befinden sich Grabmäler Solmser Gf.en, u. a. das Alabastergrabmal des Gf.en Friedrich Magnus von Jordanus Brekeveld (Brechfeld) aus dem Jahre 1562/63 sowie zwei weitere Grabmäler des 17. und 18. Jh., ferner ein Epitaph für den 1610 gefallenen Gf.en Albert Otto I. Für den 1405 erstmals als oppidum bezeichneten Ort erhielt 1475 Gf. Kuno von → Solms-Lich das Befestigungsrecht. Aus der Zeit um 1500 ist ein Turm der Stadtbefestigung (Klipsteinturm) erhalten, aus dem 16. Jh. ein – freilich um ca. 130 m. versetzter – Teil eines Vorwerks (mit rekonstruiertem Obergeschoß des 18. Jh.s). 1559 wurde der Ausbau der Befestigung abgeschlossen.

Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008. – Gräf, Holger Th.: Gab es um 1600 in den Wetterauer Grafschaften einen protestantischen Fundamentalismus?, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 57 (2007) S. 65-97. – Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 4: Hessen, hg. von Georg Sante, 3. überarb. Aufl., Stuttgart 1976. – Kulturdenkmäler in Hessen (Landkreis Gießen). I. Hungen, Laubach, Lich, Reiskirchen, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, bearb. von Karl-Heinz Lang, Reinhold Schneider und Martin Weissenmayer, Wiesbaden 2008. – Solms, Ernstotto: Die Laubacher Bibliothek, Laubach 1957 (Aus dem Schloß der Grafen zu Solms-Laubach, 61). – N. N. [Solms, Ernstotto Graf zu]: Führung durch einige gotische Räume im Schloß in Laubach, Laubach ca. 1965. – Solms-Laubach, Rudolph Graf zu: Geschichte des Grafen- und Fürstenhauses Solms, Frankfurt am Main 1865. – Uhlhorn, Friedrich: Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter, Marburg 1931.