SOLMS
I./II.
Res. einer Linie der Gf.en. von → Solms. – In H. (Houngen, Hoingen, Hohungen, Houngen, Hohungen, Houngen), einer seit 782 in Hersfelder Besitz befindliche Siedlung, ist 1383 erstmals eine Burg belegt.
III.
Die Anlage bestand aus zwei Wassergräben, einer Schildmauer und einem runden Bergfried. Über das Falkensteiner Erbe (siehe A. → Solms) kam H. an die Solmser Gf.en, die H. zunächst als Amtssitz nutzten. Von der Falkensteiner Burg ist aufgrund zahlr. Um- und Neubauten nichts mehr erhalten. 1454-1456 wurde die Burg umgestaltet, vermutlich, um einen Wwe.nsitz zu schaffen. 1464 ist die Burg tatsächlich als Wwe.nsitz belegt. Weitere Ausbauten 1487, 1488, 1492 und 1497 sind durch die Überlieferung des Kl.s Arnsburg dokumentiert. 1492 fand mit der Hochzeit des Gf.en Bernhard mit Margaretha, der Tochter Wilhelms von Henneberg, ein großes Fest in H. statt; auch Margarete wurde H. als Wwe.nsitz verschrieben. Um 1535 wurde die Vorburg errichtet. 1572-1574 wurden weitere Baumaßnahmen vorgenommen. Zwischen 1602-1678 residierte eine von → Solms-Braunfels abgespaltete Linie der Solmser Gf.en in H., was 1604-1608 und 1610-1621 zu einem schloßartigen Ausbau Anlaß gab. Im Zuge dieser Umbauten wurden erhebliche Teile der älteren Anlage abgerissen. Nach dem erbweisen Anfall von → Solms-Braunfels an → Solms-H. wurde das traditionsreichere → Braunfels als Res. fortgeführt, H. aufgegeben. Dennoch wurde der Herrschaftssitz H. seit 1700 unter Niederlegung weiterer Teile der alten Befestigungsanlagen – bes. der Schildmauer und des Bergfrieds – zum Schloß umgebaut; der Abriß der ma. Fortifikationen erfolgte nach 1718. Zur Anlage gehört heute die Vorburg – bestehend aus einem Torbau mit z.T. gotischen, z.T. barocken Formen (samt dem Doppelwappen des Gf.en Otto zu → Solms und seiner Frau Ursula von → Gleichen von nach 1604.), dem Kanzleibau und einem Fachwerkgebäude – im N und die Kernburg im SW. Die Gebäude der bis auf den Neuen Saalbau noch auf das 15. Jh. zurückgehenden, stark umgebauten Kernburg (Alter Bau, Torbau, Frauenzimmerbau, Neuer Saalbau) sind hufeisenförmig angeordnet, der ehem. ma. Abschluß der Anlage durch eine geknickte Schildmauer und einen Rundturm wurde, wie erwähnt, jedoch niedergelegt.
Für die bereits 1361 mit Befestigungsrecht, Blutgericht und Marktrecht begabte Stadt H. wurde 1469 Gf. Otto zu S.-Braunfels das Recht verliehen, einen weiteren Markt abzuhalten. Seit dem 15. Jh. waren Juden in H. ansässig. Die 1563 erteilte Erlaubnis, eine eigene Begräbnisstätte zu unterhalten, legalisierte wohl nur einen seit 40 Jahren bestehenden Begräbnisplatz. Im frühen 17. Jh. wurde in H. ein Gymnasium errichtet und eine Schulbibliothek aufgebaut. Eine Kirche ist in H. seit 1286 belegt, sie bestand aber vermutlich seit dem 12. Jh. Das Wigbert-Patrozinium verweist auf die Zugehörigkeit zu Hersfeld. Der erste Kirchenbau soll ab dem Ende des 12. Jh.s errichtet worden sein. 1320 wird die Kirche als Pfarrkirche bezeichnet. 1514 wurde die alte Apsis abgerissen, an ihre Stelle ein gotischer Chor gesetzt, der bis 1518 vollendet wurde. Die Sakramentsnische ist durch den Solmser Löwen markiert. Für das marode alte Kirchenschiff wurde unter Gf. Otto II. von → Solms 1596-1606 ein neues errichtet, das speziell auf den protestantischen Gottesdienst hin ausgelegt war. Der Chor der Pfarrkirche wurde im 16. und 17. Jh. zur Grablege vieler Mitglieder der Linie → Solms-H. Gf. Otto II., der in Heidelberg begr. Begründer der Linie → Solms-H. und Erbauer des Kirchenschiffs, erhielt durch seine Wwe. 1616 ein Kenotaph in der Kirche errichtet.
Literatur
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008. – 1200 Jahre Hungen 782-1982. Chronik unserer Stadt 782-1982, hg. vom Magistrat der Stadt Hungen, verf. durch Friedrich Prokosch, Gießen 1982. – Kulturdenkmäler in Hessen. Landkr. Gießen, Tl. 1: Hungen, Laubach, Lich, Reiskirchen, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, bearb. von Karlheinz Lang, Reinhold Schneider und Martina Weissenmayer, Wiesbaden 2008. – Gräf, Holger Th.: Gab es um 1600 in den Wetterauer Grafschaften einen protestantischen Fundamentalismus?, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 57 (2007) S. 65-97. – Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Bd. 4: Hessen, hg. von Georg Sante, 3. überarb. Aufl., Stuttgart 1976. – Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen, Bd. 3: Südlicher Teil ohne Arnsburg, bearb. von Heinrich Walbe, Karl Ebel und Paul Helmke, Darmstadt 1933. – Küther, Waldemar: Das Schloß in Hungen, in: Das Buch der Stadt Hungen, hg. vom Magistrat der Stadt Hungen, o.O. o.J. [Gießen 1961], S. 162-167. – Solms-Laubach, Rudolph Graf zu: Geschichte des Grafen- und Fürstenhauses Solms, Frankfurt am Main 1865. – Uhlhorn, Friedrich: Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter, Marburg 1931. – Uhlhorn, Friedrich: Ein patriarchalisches Zeitalter: Kulturbilder aus der Geschichte der Grafen von Solms, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 12 (1962) S. 77-129.