Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SOLMS

C. Braunfels

I./II.

Res. einer Linie der Gf.en von → Solms. – Die Burg B., auf einer hohen Basaltkuppe gelegen (urkundlicher Erstbeleg 1246) wurde wohl zu Beginn des 13. Jh.s errichtet. In ihrer Nähe kreuzten sich zwei Fernstraßen. Uhlhorn vermutet eine Errichtung durch die Solmser Gf.en infolge einer Konkurrenzlage gegenüber → Nassau; May unterstellt eine Gründung durch Bruno von → Isenburg-Braunsberg und einen Übergang an die Solmser Gf.en durch Heirat, während Demandt eine über die Gleiberger Gf.en zu den Konradinern verlaufende Linie zieht. Sicher ist, daß die Burg B. Lehen der Reichsabtei Fulda war. Wie → Burgsolms blieb auch B. bei der vor 1255 erfolgten Linientrennung vermutlich in gemeinschaftlichem Besitz. Zwischen 1358 und 1372/75 befanden sich Anteile an der Burg B. pfandweise im Besitz → Nassau-Weilburgs. Nach der Zerstörung von → Burgsolms und dem Aussterben der Burgsolmser Linie gewann B. zusätzliche Bedeutung. Diese wurde 1693 bekräftigt, als Gf. Wilhelm Moritz von → Solms-Greifenstein nach dem Aussterben der B.er Linie seinen Sitz in → Greifenstein aufgab und B. zur Res. wählte.

III.

Die Baugeschichte der mal. Burg kann wg. rezenter Umbauten nicht hinreichend erforscht werden. Bekannt ist, daß die aus Wartturm, Bergfried, Saalbau und Schildmauer bestehende erste Burganlage im späten 15. Jh. unter Gf. Otto II. (1459-1504) durch Erweiterung der Kernburg und Errichtung einer Kapelle (1491-1501) ausgebaut wurde. Dabei wurde eine ältere Burgkapelle, die unter Gf. Bernhard I. 1451 errichtet und dem Hl. Gallus dediziert worden war, ersetzt. Noch heute erhalten ist ein Wandgemälde, das vermutlich Gf. Bernhard III. (reg. 1504-1547) mit seiner Familie betend vor Maria zeigt. Die Bilder von vier Aposteln sind unter diesem Gemälde zu sehen. Auf die Funktion der Schloßkapelle als Grabkirche der → Solms-B.er Linie seit der Reformation verweisen zahlr. Grabdenkmäler und Epitaphien. 1575 wurde auf Betreiben des Archivars Hayl Archivgut in das sog. »Neue Gewölbe« gebracht, dem damit die Funktion einer Aufbewahrungsstätte für Archivalien zuwuchs. Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und ein verheerender Schloß- und Stadtbrand 1679 richteten große Schäden an. Doch auch der Umbau der Burg zu einer repräsentativen Anlage durch die Gf. Heinrich Trajektin (1658-1693) und Wilhelm Moritz (1693-1724) ist im aktuellen Erscheinungsbild des Schlosses verunklärt. Dieses wird durch romantisierende, bes. aber durch historisierende Umbauten (ab ca. 1845 und ab 1881) geprägt. Unterhalb der Burg entstand im Bereich von Belz- und Schloßgasse eine als Tal bezeichnete Burgmannensiedlung, die 1329 erwähnt wird. Bereits vor dem späten 14. Jh. bestanden vermutlich Befestigungen, die dann einem Bering wichen. Im 14. Jh. wurde das Tal (Belzgasse), im 15. Jh. das Vordertal (Auf der Schütt) von der Ummauerung der Burg erfaßt. Von Mauern, Türmen und Toren sind signifikante Überreste vorhanden. Zum Tal kam im 14. Jh. im NW des Schlosses eine Bauern- und Handwerkersiedlung hinzu, das Hintertal (Burgweg), die schwächer und später gesichert wurde. Sie wurde vom Großbrand des Jahres 1679 nicht erfaßt. Die planmäßige Anlage des Marktplatzes erfolgte ab 1696 und damit außerhalb des Untersuchungszeitraums. 1607 wurde das Tal, Mitte des 17. Jh.s das Hintertal und St. Georgen privilegiert; seither kann B. als Stadt angesprochen werden. In kirchlicher Beziehung unterstand B. bis 1583 St. Georgen (heute einem Vorort von B.); die dortige Kirche stammt vom Ende des 12. Jh.s. 1583 übernahm die Schloßkapelle auch die Funktion der Gemeindekirche. Seit dem 16. Jh. waren auch Juden in B. ansässig. Ein Synagogenbau ist aber erst 1852 nachweisbar. 1450 ist erstmals eine gfl.-Solmsische Mühle erwähnt, die spätere Obermühle. Zu Beginn des 17. Jh.s befand sich dort die als »technische Meisterleistung« (Wenzel, S. 189) gerühmte Brunnenkunst, die das fast 90 m höher gelegene Schloß mit Trinkwasser versorgte. Sie wurde 1665 und 1875 erneuert. Belegt ist außerdem ein ehem. Wirtschaftsgebäude (St. Georger Hof, 1680 errichtet), das »einen 1450 erwähnten Vorgänger gehabt haben« soll (Wenzel, S. 191).

Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen, Tl. 2: Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer, München u. a. 2008. – Demandt, Karl E.: Geschichte des Landes Hessen, 2., neu bearb. und erw. Aufl. Kassel u. a. 1972. – Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen, Lahn-Dill-Kreis, Tl. 2, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen durch Maria Wenzel, Wiesbaden 2003. – Grathoff, Stefan: »Art. Braunfels«, in: www.burgenlexikon.eu [24.06.05]. – Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 4: Hessen, hg. von Georg Sante, 3. überarb. Aufl., Stuttgart 1976. – May, Karl Hermann: Die Grafschaft an der mittleren Lahn (Gießen – Wetzlar) und die Erben ihrer aussterbenden Grafen von Luxemburg-Gleiberg im 12. Jahrhundert, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 25 (1975) S. 1-64. – Uhlhorn, Friedrich: Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter, Marburg 1931. – Uhlhorn, Friedrich: Die Solmser Archive in der Wetterau, in: Archivalische Zeitschrift 39 (1930) S. 69-80.