Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SCHWARZENBERG

C. Wässerndorf

I.

Westerndorph (1263); Westerndorff (1344); Weßerndorf (1621) – Dorf – Herrschaft W. in der Gft. → Schwarzenberg; Gf.en von → Schwarzenberg – Schloß; Res. im 16. Jh. – D, Bayern, Reg.bez. Unterfranken, Kr. Kitzingen, Gmd. Seinsheim.

II.

Im Übergang vom hohen zum späten MA als Ausbausiedlung in etwa 1 km Entfernung westlich (Name!) von Seinsheim entstanden, war das in einer altbesiedelten Gäulandschaft gelegene W. als Reichspfandschaft bereits vor 1330 im Besitz der von Seinsheim. Im ausgehenden 13. Jh. lebten am Ort Juden. Zu Beginn des 16. Jh.s konnte Johann der Starke von → Schwarzenberg (gest. 1528), dessen Seinsheimer Vorfahren offenbar frühzeitig aus der Teilhabe an der ursprgl. allodialen Burg (259 m NN) und dem zu ihren Füßen gelegenen Dorf (236 m NN) ausgeschieden waren, von Friedrich von Seinsheim und Ludwig von Hutten (1502) zwei Viertel der Herrschaft käuflich an sich bringen; das Hutten'sche Viertel war zum Zeitpunkt des Erwerbs bereits Würzburger Lehen, das Seinsheimer wurde 1508 dem Bf. zu Mannlehen aufgetragen. Ein drittes Viertel war 1508 im Besitz Wolf von Seinsheims zu W. (Würzburg zu Lehen aufgetragen), das vierte gehörte 1512 dem mit einer Seinsheimer Tochter vermählten Kunz von Laufenholz (Würzburg zu Lehen aufgetragen). Bis zur Mitte des 16. Jh.s gelangte Johanns des Starken Sohn Friedrich (gest. 1561) schließlich in den alleinigen Besitz von Schloß und Herrschaft, die seither ununterbrochen beim Haus → Schwarzenberg verblieben. Nach der Zerstörung Hohenlandsbergs diente W. neben dem Stammschloß → Schwarzenberg vorübergehend als Res., vermutlich für Friedrich (gest. 1561), sicher für seinen gleichnamigen Sohn (gest. 1570) und dessen Gemahlin Sabine → Reuß von Plauen (gest. 1619). Danach über die bayerische an die rheinische Linie des Hauses → Schwarzenberg vererbt, fungierte das W.er Schloß nur noch als Sitz eines Vogteiamts, zu dem ganz oder anteilig die Dörfer Großlangheim, Herrnsheim, Hüttenheim, Iffigheim, Obernbreit, Seinsheim und W. (Kr. Kitzingen) gehörten. Die ökonomische Basis der Herrschaft bestand praktisch ganz aus der Landwirtschaft.

W. ist von alters her Filial der Pfarrei Seinsheim (Diöz. Würzburg, IV. Archidiakonat, Landkapitel Uffenheim). Das Patronatsrecht der in einer Wiese östlich des Dorfs an der Iff gelegenen St. Cyriakus-Kirche stand den Seinsheim respektive → Schwarzenberg zu.

III.

Von der ma. Burganlage sind in den Untergeschossen der Nachfolgebauten nur noch spärliche gotische Reste erhalten (u. a. von einer Kapelle?); seit seiner mutwilligen Zerstörung am 5. April 1945 ist das um 1555 für Friedrich von → Schwarzenberg errichtete Schloß Ruine. In seinem durchweg dreigeschossigen Kern war es eine um einen Innenhof errichtete regelmäßige Vierflügelanlage mit ungefähr quadratischem Grdr. (ca. 40 x 40 m), der Ost- und Westtrakt jeweils mit Giebeln (z.T. getreppt). Umschlossen war es von einer mit sieben Rundtürmen und einem Torturm (im S) bewehrten Mauer und einem tiefen Graben. Südlich vor dem Graben, in der Achse des Schlosses, lag (und liegt) der langgestreckte Wirtschaftshof.

Der Zugang erfolgte ehedem über eine Zugbrücke, die später durch eine gemauerte Brücke ersetzt wurde. In der Südostecke des Innenhofs stand ein Treppenturm in Fachwerkmanier mit Haube. Der schmalere Nordtrakt hatte im obersten Geschoß eine in sechs Rundbögen zum Hof geöffnete Fachwerkgalerie. Im dritten Stock des Osttrakts (1555) blieb bis zur Zerstörung eine Zimmerflucht in ihrer ursprgl. Gestalt erhalten. Die einzelnen Räume waren durch Fachwerkwände voneinander geschieden. Hofseitig verlief ein langer Gang, der sich in der Mitte des Flügels zu einer Diele weitete. Einer der Räume wies einen Alkoven aus der Entstehungszeit auf, außerdem ein steinernes Wandschränkchen; die Fensternischen waren mit Bänken versehen. Einige Wände trugen Holzvertäfelungen, andere zeigten offenes, bemaltes Fachwerk, teils mit farbigem Laubwerk, teils mit figürlichen Motiven wie David und Goliath, Samson und dem Löwen, der Auferstehung Christi und dem Jüngsten Gericht oder mit halblebensgroßen, durch gemalte Renaissancesäulen getrennte Personifikationen von Sol, Luna, Mars und Merkur. Insgesamt handelte es sich um zeittypische, dekorativ-handwerkliche Arbeiten der Frührenaissance.

Die am Rand des Dorfs gelegene St. Cyriakus-Kirche ist ein kleiner spätgotischer Saalbau mit drei Fensterachsen und Dreiachtelchor (1496). Nach Ausweis mehrerer Grabsteine diente sie um die Wende zum 16. Jh. der 1529 ausgestorbenen Linie Seinsheim-Hohenkottenheim als Grablege, und 1570 bzw. 1619 wurde dort auch das Paar Friedrich von → Schwarzenberg und Sabine → Reuß bestattet. Von der in dem Kirchlein gepflegten herrschaftlichen Memoria zeugen überdies vier gemeißelte Wappen in der Leibung des südlichen Chorfensters.