SCHWARZENBERG
I.
de Swarcenburc (1150), castrum Swarzenberg (um 1266), Swartzenberg (1378), Swarczenberg (1455) – Schloß – Gft. S.; Gf.en von S. – Res. vom 15. bis ins 17. Jh. – D, Bayern, Reg.bez. Mittelfranken, Kr. Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim, Stadt Scheinfeld.
II.
Schloß S. (360 m NN), dessen Name sich viell. auf die tiefen, dunklen Wälder seiner Umgebung, viell. auf den Lettenschiefer seines Untergrunds bezieht, liegt auf einem langgestreckten, nach drei Seiten mehr oder minder steil abfallenden Bergsporn in etwa 1 km Entfernung über der Stadt (Nieder-) Scheinfeld (304 m NN), in Sichtweite der alten, durch den Ehegrund führenden Straße von Frankfurt nach Nürnberg. Im hohen MA offenbar von Edelfreien gegr., saßen auf der Burg im 13. Jh. Ministerialen der Gf.en von → Castell. Aus Casteller Besitz gelangte S. samt der zugehörigen Herrschaft und der Zent Scheinfeld durch Kauf zunächst 1328/30 an die Edelherren von → Hohenlohe, dann 1385 an die Ritteradligen von Vestenberg. Schließlich erwarb in den Jahren 1405, 1411 und 1421 Erkinger von Seinsheim (gest. 1437) von verschiedenen Teilhabern – unter ihnen die Vestenberg und Abenberg, zuletzt auch der Bf. von Würzburg – in mehreren Schritten die ganze, allodiale Burg samt ihren Zugehörungen und trug sie 1428 dem Kg. zu Lehen auf. Im folgenden Jahr wurde er unter Bezug auf dieses Reichslehen in den Frei- und Bannerherrenstand des Reiches erhoben, und folgerichtig legten sich Erkingers Nachkommen alsbald den Namen S. zu. Anteil an der Burg hatten zunächst allein die Agnaten aus Erkingers zweiter Ehe mit Barbara von → Abensberg. Johann der Starke (gest. 1528) sah sich 1511 gezwungen, die Afterlehnshoheit des Mgf.en von Brandenburg-Ansbach anzuerkennen. Den Bauernkrieg 1525 und den zweiten Mgf.enkrieg 1552/55 überstand das wehrhafte Schloß unzerstört, eine brandenburg-kulmbachische Besatzung infolge des Schmalkaldischen Kriegs war nur von kurzer Dauer (1548/53). Mit dem Erlöschen von Johanns des Starken Mannesstamm (fränkische Linie, 1588) gelangte die Herrschaft über die bayerische an die aus Erkingers erster Ehe hervorgegangene Stephansberger, inzwischen rheinische (dann böhm.-österr.) Linie des Hauses (1646).
Das zu Füßen des Schlosses gelegene Scheinfeld ist seit 776/96 bezeugt (Scegifeldum). Auf Betreiben Erkinger von Seinsheims erhielt der Ort 1415 das Recht der Stadt Gelnhausen. Im Lauf des 15. Jh.s kauften die Seinsheim-S. andere Grundherren auf der Gemarkung nach und nach aus. Mit ihren Wochen- und Jahrmärkten erlebte die Stadt durch die Teilnahme am regionalen Handel eine bescheidene Blüte, blieb aber doch stets Ackerbürgerstadt; erst seit dem späteren 17. Jh. gewann sie nach und nach auch Züge einer barocken Amtsstadt. Juden, die an Zahl rasch zunahmen, sind seit 1525 nachzuweisen; am Ende des Alten Reiches machte die jüdische Gemeinde etwa zwölf Prozent der Bevölkerung aus. Eine Synagoge wurde 1651 gebaut. Ein christlicher Schulmeister findet erstmals 1450 Erwähnung, eine Lateinschule wurde 1674 gegr.
Kirchlich gehörten Scheinfeld und S. zur Diöz. Würzburg (IV. Archidiakonat, Landkapitel Schlüsselfeld). Neben der 1385 erstmals erwähnten Pfarrei (Mariä Himmelfahrt) bestand im späten MA eine Frühmesse. Das Patronatsrecht gelangte 1457 durch Kauf von den → Castell an die S. Johann der Starke führte um die Mitte der 1520er Jahre die Reformation lutherischer Prägung ein, jedoch begann nach dem Erlöschen der fränkischen Linie (1588) eine schleichende Rekatholisierung, die 1627 zum Abschluß kam. 1582/83 bzw. 1605/06 entstand vor der Stadt die Gottesackerkapelle St. Jodokus, und 1687 stifteten die S. ein St. Antonius-Spital für Bedienstete des Hauses. Aus einer 1670 vor dem Schloß errichteten Gnadenkapelle entstand seit 1700/02 ein Franziskanerkl. zu Ehren Mariä Geburt. In der Burg selbst wurde 1429 die Kapelle Trium Regum geweiht; deren Seitenaltäre waren den Hl.en Fabian, Sebastian, Erasmus und Christopher (links) sowie Georg (rechts) zugeeignet. Die heutige Schloßkirche dat. von 1610/16 und bewahrt das aus dem MA überkommene Patrozinium.
III.
Die ältesten Ansichten S.s aus der Mitte des 16. Jh.s zeigen eine mit mehreren Türmen versehene Anlage auf annähernd dreieckigem Grdr. 1518 in wesentlichen Teilen erneuert, war sie gegen die Bergseite (NO) mit einer Schildmauer, zwei hohen Türmen und zwei Halsgräben bewehrt. Einen Zwinger gab es nur gegen S. Um den inneren Schloßhof gruppierten sich im SW der Bergfried (1514 »hoher Turm«), im NW ein großes, aus Stein errichtetes Wohngebäude – vermutlich die 1461 als Wwe.nsitz erwähnte neue Kemenate mit Küche – und mehrere kleinere Wohn- und Vorratshäuser, z.T. mit Fachwerkobergeschoß. Vor dem äußeren Graben lag ein ausgedehnter Wirtschaftshof. Einem Inventar von 1469 zufolge wurden auf dem Schloß sechs Steinbüchsen, 72 Hakenbüchsen, vierzehn Handbüchsen, sechs Büchsen auf dem Turm und acht Hakenbüchsen in der Großen Stube verwahrt. Um- oder Neubauten nicht weiter bekannten Ausmaßes wurden 1568 und 1589/90 vorgenommen. 1607 brannten die ganze Südostseite und ein Teil der Nordostseite des Kernschlosses nieder.
Mit der Planung des Neubaus wurde noch im selben Jahr der Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl beauftragt, jedoch lag die sich über mehrere Jahre hinziehende Ausführung schließlich nicht in seinen Händen, sondern es waren offenbar die Nürnberger Steinmetzen Jakob Wolff, Vater und Sohn, damit betraut. Zwar wurden dabei die Gräben eingeebnet, aber der alte Grdr. blieb doch im wesentlichen erhalten. So entstand eine um einen schmalen, trapezförmigen Innenhof gruppierte, dreigeschossige Anlage (ca. 60 x 50 bzw. 30 m), die einerseits durch ihre Großzügigkeit, andererseits durch die Schlichtheit ihrer Formen beeindruckt. Die Nordwestseite ist aus unregelmäßigen Bauteilen zusammengesetzt, u. a. dem auf den Fundamenten der einstigen großen Kemenate errichteten sog. Rollsaalbau. Die Südost- und Nordostseite sind einheitlich gestaltet, erstere mit vier repräsentativen Zwerchgiebeln; die Ekken zieren drei erkerartige, mit Hauben bekrönte Türmchen. Der eigtl. Ausbau zum veritablen Res.schloß – bei weitgehend ungeschmälertem Besitz war das Haus inzwischen auf die rheinische Linie reduziert, die Umorientierung nach Böhmen stand noch bevor, aber die Ansiedlung der Herrschaft in Wien war im Gang – erfolgte indes erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, in den Jahren 1654 bis 1668 unter dem Gf.en Johann Adolf, der nach seiner Erhebung in den Fs.enstand in den Jahren 1671/74 anstelle des alten Bergfrieds nach Plänen Melchior Becks (Ansbach) und Wilhelm Schneiders (Würzburg) den mächtigen, das Erscheinungsbild S.s beherrschenden Schwarzen Turm mit rustizierter Fassade und vierseitiger Haube errichten ließ; durch ihn betritt man den Innenhof. Die Frontseite des Turms ziert in halber Höhe das weithin sichtbare, mit der Kette und dem Kleinod des Ordens vom Goldenen Vlies umrahmte Vollwappen des Hauses S.
Der innere Ausbau des Kernschlosses mit zahlr. Wohn- und Repräsentationsräumen erfolgte in der zweiten Hälfte des 17. Jh.s mit großem Aufwand. Im Südostflügel sind die Zimmer und Säle durch Türen in Enfilade miteinander verbunden, und im Rollsaalbau wurde 1654 ein zweigeschossiger Festsaal mit sechs Fensterachsen geschaffen. Die Decken sind unterschiedlich gestaltet, im Erdgeschoß großenteils mit Kreuzgrat- oder Kreuzrippengewölben, in den Obergeschossen in Kassettenmanier, mit bemalten Feldern oder mit Stuck. Im zweiten Obergeschoß des Südostflügels ist die Decke des ersten Saals mit Ölgemälden nach Themen aus Ovids Metamorphosen geschmückt, die des zweiten mit Szenen aus dem Alten Testament und die des dritten mit gemalten Wappen der S. von Erkinger (gest. 1437) bis auf Adam (gest. 1641). Die Kassettendecke des Rollsaals wurde im Zuge späterer Umbaumaßnahmen entfernt und möglicherw. nach Frauenberg in Böhmen verbracht, wo eine entspr. Decke noch heute vorhanden ist.
Die zu Beginn des 17. Jh.s errichtete Schloßkirche liegt unmittelbar südwestlich vor dem Kernschloß, innerhalb des Zwingers auf der Spitze des Bergsporns und hat zwei querhausartige Seitenkapellen; mit dem ersten Obergeschoß des Schlosses ist sie durch einen Gang verbunden. Der Hochaltar (Stuckmarmor) dat. von 1615, die beiden Seitenaltäre (schwarze Aufbauten mit vergoldetem Ornament) von 1658. Unter der Apsis existiert eine Gruft, die ursprgl. über eine breite Steintreppe aus dem Kircheninneren zugänglich war, heute aber nur noch von außerhalb über einen Treppenturm. Sie birgt nicht mehr als zwei Bestattungen, einen Säugling (1656) und die Intestina eines jung verstorbenen Sohnes (1764).
Südlich und südöstlich des Kernschlosses blieb über dem Neubau des 17. Jh.s der alte Zwinger erhalten, wurde allerdings ebenfalls erneuert und im 18. Jh. auf der Innenseite der Wehrmauer noch einmal als sog. Kleiner Beamtenbau umgestaltet; der Glocken- oder Uhrturm an ihrem nordöstlichen Ende hat spätma. Fundamente, stammt im übrigen aber aus der Zeit nach 1607. Im NO ist dem Schloß ein ausgedehnter, im späten 18. Jh. erneuerter Wirtschaftshof mit Brauerei (nachgewiesen seit 1504), Großem Beamtenbau, Meierei, Remisen und Stallungen vorgelagert, nördlich und östlich davon erstrecken sich Zier- und Nutzgärten. Das im Anschluß an die Maria-Hilf-Kapelle von 1670 entstandene Franziskanerkl. liegt an der Straße vor dem Schloß, das St. Antonius-Spital unten in der Stadt Scheinfeld.