SCHWARZENBERG
I.
Ginburne (1180), Gymbuorne (1347), Gymborne (1411), Gymborn (1509) – Schloß – Herrschaft bzw. Gft. G.(-Neustadt); Gf.en von → Schwarzenberg – Schloß; Res. vom 16. bis in die Mitte des 17. Jh.s. – D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Köln, Oberbergischer Kr., Gmd. Marienheide.
II.
Zur Zeit der ersten Erwähnung im ausgehenden 12. Jh. bestand in G. (250 m NN), an der Quelle des namengebenden Gimbachs, ein Fronhof des Kölner Stifts St. Gereon. Aus ihm ging offenbar die seit 1424 bezeugte Wasserburg hervor, die im späten MA von dem Stift zu Lehen rührte und deren Besitzer bis ins 16. Jh. häufig wechselten, mehrfach durch Erbfolgen in weiblicher Linie. Eben so gelangte die Burg 1532 an Wilhelm von Harff und 1550 über dessen Tochter Anna an Wilhelm von → Schwarzenberg (gest. 1558), der als kurkölnischer Landhofmeister und Statthalter jenseits des Rheins hier residierte. Im Erbstreit zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg um die Hzm.er Jülich-Berg und Kleve-Mark schlug Wilhelms Enkel Adam von → Schwarzenberg (gest. 1641) sich auf die brandenburgische Seite, was der Kfs. ihm 1610 vergalt, indem er die Herrschaft G. um die benachbarten Höfe Thal und Recklinghausen vermehrte und mit eigener Gerichtsbarkeit (Appellation nach Kleve) zu einer Unterherrschaft der Gft. Mark erklärte. 1614 kamen die benachbarten Bauerschaften Gummersbach, Strombach, Obergelpe, Rospe, Bernberg, Kalsbach und Müllenbach hinzu, 1621 des weiteren Ründeroth, Lieberhausen, Wiedenest und das Amt (Berg-) Neustadt. Die solcherart entstandene Herrschaft G.-Neustadt, das noch heute so gen. Schwarzenberger Land, wurde 1630/31 aus der Landstandschaft der Gft. Mark eximiert, mit aller hohen und niederen Obrigkeit als kleve-märkisches respektive brandenburgisches Lehen zur freien Reichsherrschaft mit voller Landeshoheit erklärt und gehörte seither zum westfälischen Reichskreis; 1638 erhielt sie überdies das Münzregal. Die Zulassung zum niederrheinisch-westfälischen Gf.enkollegium erfolgte 1682.
Bereits im 16. und vermehrt im 17. Jh., bis zum Landvergleich von 1658, kam es zu Konflikten zwischen der altgläubigen Herrschaft und ihren seit Einführung der Reformation in der Gft. Mark großenteils evangelischen Untertanen. Die Situation verschärfte sich zudem, als Adam von → Schwarzenberg 1640 beim Kfs.en von Brandenburg in Ungnade gefallen und sein Sohn Johann Adolf (gest. 1682) in ksl. Dienste gewechselt war. So verlor G. um die Mitte des 17. Jh.s seine Res.funktion und diente seither nur noch als Sitz schwarzenbergischer Amtleute. Nach mancherlei Auseinandersetzungen zwischen den armen Bauerschaften und der Herrschaft kam es schließlich 1782 zum Verkauf der Gft. G.-Neustadt an die Gf.en von Wallmoden; aus dem Erlös erwarben die → Schwarzenberg die oberschwäbische Herrschaft Illereichen.
Die seit dem 14. Jh. bezeugte, im W leicht erhöht neben dem Schloß gelegene Kapelle Johannes des Täufers war ursprgl. Filial von Gummersbach (Erzdiöz. Köln, Archidiakonat des Propstes von St. Cassius in Bonn, Landdekanat Siegburg) und wurde 1536 Mittelpunkt einer eigenen, stets katholischen Pfarrei. Das Patronatsrecht lag bei der Schloßherrschaft. Bis 1636 diente das Gotteshaus mehrfach als Grablege für Angehörige des Hauses → Schwarzenberg.
III.
Elisabeth von Wolff-Metternich, die Wwe. Adolf von Schwarzenbergs (gest. 1600), ließ 1602 zu der alten Burg ein neues Torhaus errichten und 1613 die bestehende Anlage erweitern. Das seitherige Herrenhaus ist ein wuchtiger rechteckiger Bruchsteinbau (ca. 30 x 15 m) von drei Geschossen, flankiert an der Südwestecke von einem mit flacher Haube und achteckiger Laterne bekrönten Turm, der das übrige Gebäude um ein Stockwerk überragt, an den drei anderen Ecken von kleineren Türmen mit entspr. Bekrönung (18. Jh.). Die West- bzw. Straßenseite ziert neben einer später zugemauerten rundbogigen Durchfahrt ein Risalit des 18. Jh.s mit zwei Fensterachsen. Das Schloß und seine Umgebung wurden im 18. und 19. Jh. mehrfach umgestaltet. Im Treppenhaus hat sich eine gußeiserne Kamintafel von 1601 mit einer Darstellung von Caritas und Justitia sowie dem Wappen Adam von Schwarzenbergs erhalten. Die an den Hauptbau angelehnten Nebengebäude stammen aus der Mitte des 18. Jh.s.
Die gotische Schloßkirche wurde 1867 durch einen Neubau ersetzt, die schwarzenbergische Gruft bereits um 1835 zerstört. Erhalten blieben zwei Glocken von 1320 und 1340, ein steinerner, von Adam von → Schwarzenberg gestifteter Altaraufsatz mit der Muttergottes, den vier Evangelisten und den Hl. Petrus und Paulus sowie eine Kasel aus dem frühen 17. Jh. mit dem Allianzwappen → Schwarzenberg und Wolff-Metternich.