Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

SCHWANBERG

C. Schwanberg – Residenzen

I./II.

Der erste Sitz der S.er in Böhmen war Speierling in der Nähe von Haid. Ratmir I. aus Speierling ließ um 1230 in Speierling eine romanische Kirche St. Peter und Paul aufbauen, von der aus späterer Zeit das Portal, Fenster und Mauerwerk des Schiffes erhalten sind. Die ursprüngliche speierlingische Kirche Ratmirs war vermutlich der Teil des ummauerten Komplexes mit Festung oder Gehöft, worauf die Lage des Objekts deutet. Die Festung in Speierling, heute vollständig verfallen, ist erst für das 14. Jh. belegt. Ratmir I. aus Speierling oder auch seine Söhne gehören zu den Gründern der ersten gotischen adligen Burgen in Böhmen. Nach A. Sedláček ist die Burg Krasíkov alias S. schon 1227 belegt. Typologisch gehört S. zu den Bergfriedsburgen oder zu den sächsisch-hessischen Burgen, die Walzbergfriede nutzten. Den deutschen Namen der Burg – S. – brachte die gotische Mode nach Böhmen, aber beide Bezeichnungen werden bis heute benutzt. Die Wahl des Namens gehört ganz sicher mit dem Zeichen des Geschlechts, dem Schwan, zusammen.

III.

Die Gründung der Burg Haid (lat. Merica, tsch. Bor), zweitgrößte Hauptresidenz der S.er, erfolgte ungefähr im selben Zeithorizont wie die Gründung der S. Es handelt sich aber um keine Höhenburg, sondern um eine Wasserburg, geschützt durch ein Teichsystem. Wie auch bei der S. bestand ein mächtiger Walzbergfried, der bis heute im Turm des Haidschlosses erhalten ist. Die S.er hielten Haid ununterbrochen vier Jh.e bis zum Jahr 1650, wodurch diese Res. zu den bevorzugten Sitzen der S.er zählt. Konkurrieren konnte nur der Sitz, den die S.er außer 1544-1569 bis 1659 hielten. Einige Zweige des Adelsgeschlechts der S. expandierten bis in die Pilsener Gegend. Ein Zweig gründete die Burg Vĕžka im Fluß Mies, nordwestlich von Pilsen. Nach Krasíkov und Haid ist Vĕžka somit die dritte Gründung der S. Die vierte Burg ist Milkov bei Leskau dar, heute vollständig verfallen.

Bohuslav III. von S. auf Krasíkov und Bor hielt sich als oberster Kammerdiener böhm. Königreichs oft in Prag auf und das verlangte eine repräsentative Residenz. Er besaß seit 1361 ein Haus in Prag auf dem Hradschin, in der Nähe der Prager Burg. Mareš von S., in den Jahren 1485-1487 Bgf. der Prager Burg und 1500-1503 oberster Hofrichter, kaufte mit seinen Verwandten 1486 auf dem Hradschin weitere drei Häuser. Im Areal der Prager Burg in unmittelbarer Nähe des Kg.spalast und des Metropolensitzes, dem St.-Veit-Dom, bauten die S.er während der Regierung Vladislavs II. von Böhmen (1471-1516) einen spätgotischen Palast, der aber bei dem Brand i.J. 1541 zerstört wurde und im Renaissancestil umgebaut wurde.

Neben dem Städtchen Podhradí besaß das Zvíkovsgut in der Podiebradzeit mehr als 30 Dörfer (1337 unter den → Rosenbergern waren es 32). Bohuslav begann, die Burg Zvíkov neu zu befestigen und umzubauen und mit seinem Namen ist auch die Freskenausschmückung der Burgkapelle mit den Wappen S.s und seiner zweiten Ehefrau Constanze von → Schlick verbunden. Aus den Rechnungen des Zvíkovsgutes der Jahre 1473-1493 geht hervor, daß für den Bau der Burg Zvíkov die hohe Summe von 3366 Schock an tsch. Groschen aufgewendet wurde.

Etwa zwei Jh.e hielten die S.er die Burg Triebl, die sie 1382 gewannen und während der Hussitenkriege nach dem Jahr 1425 wiederverloren. Ein zweites Mal erwarb die Burg etwa 1499 der zweitwichtigste Zweig des S. geschlechts, gen. zu Rokitzan und Pfraumberg. Die alte, damals noch romanische Burg Pfraumberg war den neuen Ansprüchen nicht mehrgerecht und die S.er von Pfraumberg wählten die Burg Triebl zu ihrer Hauptres. Die Stattlichkeit dieser Burg, die am Ende des Dreißigjährigen Krieges völlig zerstört wurde, läßt sich heute nur noch auf Grund der Stiche Merians im Theatrum Europeum beurteilen. Dies Triebl besaß einen mächtigen Walzbergfried und einen Kantenturm.

In den Jahren 1508-1520 fanden weitere Umbauen und Rekonstruktionen der Burg Zvíkov statt. Es wurden Ställe, Söller und Treppen umgebaut, unterschiedliche Dächer wurden mit Schindeln gedeckt, alte Eingänge zugemauert und neue gebaut, Feuerherde wurden durch Öfen ersetzt. In der Zvíkovskapelle wurden 1512 Mauerkorrekturen vorgenommen. Das Glaswerk führte in den Gemächern Heinrichs und in der grünen Stube 1512 der Maler Martin aus Blatna durch, woraus man die Schlußfolgerung ziehen kann, daß es sich um ein anspruchsvolles Kunstwerk gehandelt haben muß. Neben böhm. Glas wurde in Klattau auch das Glas aus Venedig eingekauft. Auf Heinrichs Hof zu Zvíkov arbeitete ein ausgezeichneter anonymer Holzschnitzer, der sog. Meister des Zvíkovsbeweinens, dessen Werk zu den Juwelen der böhm. spätgotischen Kunst gehört. Zu den Künstlern des umfangreichen Heinrichshofes zählt auch ein Holzschnitzer, der viell. das Altarrelief mit dem toten Christus, der Jungfrau Maria und weiteren sechs Figuren in der Zvíkovsburgkapelle schuf. Über die Entstehung dieses Werks finden sich keine Quellen, aber im Gegensatz dazu weiß man, daß 1515 in der Kapelle zu Krasíkov der Altar vom Bf. selbst geweiht wurde, was besagt, daß Heinrich das künstl. Schaffen deutlich unterstützte und als außergewöhnlich anspruchsvoller Ästhet zu gelten hat. Er proklamierte für sich, daß er nicht viel von Architektur verstehe, was ihn aber nicht an einer eifrigen Bautätigkeit hinderte. Dazu gehörte auch der Umbau der alten Burg Krasíkov zur repräsentativen Hauptres. mit einer Familiengruft. Bei diesem Umbau wurde u. a. auch ein neue Palast erbaut, der sich an den Hauptturm anlehnte, eine neue St. Georgs-Kapelle, die drei Kaplanschafte besaß, und ein Batterieturm in der Außenbefestigung. In den Jahren 1510-1513 wurde auf Krasíkov ein neuer Brunnen gegraben, der sich aber nicht mehr lokalisieren läßt.

Ein großer Umbau im Stil der Spätgotik von Arnold aus Westfalen mit beeindruckenden Verliesgewölben galt der alten Burg zu Bor, aus der so eigentlich eine Schloßresidenz entstand. Gleichzeitig wurde das Spital in Bor gebaut und eine Kirche, die Heinrich noch 1515 eingeweiht haben wollte, bis zur Ankunft des geweihten Bf.s Martin Nikopolsky. Dieser weihte am 22. Aug. 1515 die Kirche St. Nikolaus zu Bor und gewährte ihr einen Ablaß, was bedeutet, daß zu dieser Zeit auch die Spitalkirche geweiht worden sein muß wie auch die Kapelle auf der Burg S.

Gebaut wurde auch auf Kestřany. Von drei Festungen wählte Heinrich für die Errichtung eines Sitzes die Obere Festung aus und begann, diese auch kostspielig umzubauen und dem Zeitgeschmack anzupassen. Die Untere Festung wurde schon in der Zeit des Kaufs der S. teilweise zu einer Brauerei umgebaut. Die umgebaute Obere Festung mit großem Turm, Saalbau, gewölbter Kapelle und einem Festungskranz der wurde eher zu einer Burg als zu einer Festung und vermehrte die repräsentativen Sitze der S. in der Pisek-Region.

Christof I. von S. (gest. 1534) hatte ein großes Gespür für Kunst und förderte seine Res.en. Mit seinem Namen ist die monumentale Freskenausschmückung der Burgkapelle auf Zvíkov verbunden, die der Hl. Christof in Überlebensgröße dominiert. Die gotische Burg S. wurde in ein Renaissanceschloß umgebaut, die Festungsanlagen wurden durch Batterietürme modernisiert. In den Jahren 1528-1532 wurden die s.ische Burgkapelle und die Familiengruft von Steinbildhauern aus Pilsen und Italien umgebaut. In der ersten Hälfte des Aug. dieses Jahres wurde auch eine Säule für den großen Saal und ein Fenster angefertigt, für das zweite Fenster wurde Glas vorbereitet, obwohl die Wände waren noch nicht fertiggestellt waren.

Und auch auf Orlik wurde gebaut. Christof hatte Orlik 1514 verwüstet von Wenzel Zmrzlik von Schweißing gekauft. Erwähnt ist ein Annex des dritten Turmes zwischen zwei bestehenden Türmen in der Mantelmauer. Diese drei Türme bildeten auch nach einem weiteren Umbau die bis heute bestimmende Silhouette des Schlosses. Alle drei Türme wurden mit Maschikuli bewert. Im ersten Stock des Palastes wurden 1519 »nach italienischer Art« getäfelte Decken eingezogen. Die ältere Burgkapelle erhielt ein polygonales Presbyterium und die Kapelle mit einem neuen Netzgewölbe versehen. Auf dem Plateau vor der Burg wurde eine Ziegelei, ein Kalkwerk, ein Meierhof, eine Schäferei, eine Brauerei und eine Kneipe errichtet. Weitere Ausbauen fanden auf → Bechin statt, wo Christof eine neue Familiengruft in der franziskanischen Kirche gründete.

Heinrichs III. Bautätigkeit war fieberhaft und leidenschaftlich. Damit war Heinrich III. seinem Onkel Heinrich I. nicht unähnlich, der als großes ästhetisches Vorbild, aber auch Wohltäter zu gelten hat. An erster Stelle muß mit Zvíkov die Perle der böhm. Burgen erwähnt werden. Ihre endgültige Form erhielt die Burg während der Regierung Heinrichs III. Die ersten Nachrichten von Heinrichs Ausbauten stammen aus dem Jahr 1540, als die Burg durch neue Pfeiler verstärkt wurde und an der westlichen Schanze eine Bastei errichtet wurde. In diesem Jahr wurden insge. 69 000 neue Schindel gekauft, was den umfangreichen Umbau der Dächer Zvíkovs veranschaulicht. Aus dem folgenden Jahr sind Nachrichten über eine neue Küche überliefert. Der erste Renaissanceneubau war vermutlich das Neue Tor mit einem bemalten Wappensaal (1541). Die drei Jh.e alte gotische Burg strahlte unter dem neuen Kratzmalereiverputz den Geist der neuen Zeit aus, der sich auch in den dunklen Interieurs und in neuen rechteckigen Fenstern mit fein profilierten Fensterrahmen zeigte, zudem wurden die gotischen Fenster vergrößert. Der Hauptturm der Burg wurde monumental erhöht (1554), typologisch ein Bergfried mit Schneide, auf dem ein s.isches und ein rosenbergisches Wappen von der Tatkraft der Erbauer Heinrich III. und seiner Ehefrau Elisabeth von → Rosenberg kündeten. Auf dem Hauptareal wurde 1550 eine neue Brauerei erbaut, der Burgpalast wurde pompös erweitert und umgestellt, Frauenzimmer und neue Ställe wurden hergerichtet, die Burgkapelle wurde durch neues Fensterglas verschönert. Die Fallbrücke wurde umgebaut (1547), ebenso das Pisek-Tor (1567) und es wurde ein Burgbrunnen errichtet (1546). In den Stuben wurden statt der älteren Kachelöfen luxuriöse Glasuröfen in grüner und weißer Farbe aufgestellt. Die Interieurs sind mit Fresken geschmückt, die Szenen aus dem Neuem Testament, hagiographische- und heraldische Themen aufgreifen.

Mit Heinrich und Elisabeth öffnete sich Zvíkov auch der Natur und wurde grün durch die Gärten, die von einem neu eingerichteten Teich bewässert wurden. Dazu entstand eine Gartenlaube im Bocacciostil. In den Rechnungen wird auch ein Lusthaus erwähnt, aber Form oder Lage läßt sich nicht ermitteln.

Heinrich vergaß darüber seine Fürsorgepflichten nicht und errichtete in Zvíkovské podhradí, der unter den S.ern verschanzten Stadt, die organisch mit der Burg verbunden war, 1559 ein neues Spital. Auch auf → Bechin herrschte unter Heinrich III. auch außergewöhnliche Bautätigkeit. Nach Zvíkov wanderten von → Bechin Vorschläge und Skizzen für Neubauten und Ausbauten, die Heinrich korrigierte und genehmigte. Großzügig wurden auch die Interieurs renoviert. Große Aufmerksamkeit wurde zudem dem Hof in Cerhonice in der Nähe von Milowitz geschenkt. Diese Res.war aber eher eine Festung und wurde auch so bezeichnet, ein prachtvolles Gehöft mit dem Charakter einer ländlichen Renaissancevilla. Ein weiterer Renaissancesitz wurde unter Heinrich im drittem Viertel des 16. Jh.s mit dem Schloß Červený újezdec erbaut, das bis heute erhalten wurde.

Ein interessanter Bau, den Johann Georg i.J. 1613 begann, ist ein Hof, der S. genannt wurde. Er wurde an der Stelle des wüst gefallenen Dorfes Stoječín erbaut und 1614 führte dort die Malereiausschmückung Tomas Třebechovský aus → Wittingau durch. Neben den Wappen von Johann Georg und seinen beiden Ehefrauen über dem Haupthaustor, den Türen und den Fensterläden malte er auch auf dem Belfried eine mechanische und zwei Sonnenuhren. Die Vorderansicht war mit marmorähnlichem Stuck bedeckt. Der prachtvolle Bau war sicher kein gewöhnliches wirtschaftliches Gehöft und Johann Georg wollte es wahrscheinlich im Alter für einen ungestörten Ruhestand als intimes Belvedere oder als ländliche Villa nutzen.