Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SCHWALENBERG

C. Schwalenberg

I.

Die als Stammburg anzusprechende Oldenburg (etwa 1123-1226) lag etwa 1,5 km nordöstlich des Kl.s Marienmünster im heutigen Kr. Höxter. Zur Burg gehörten die Dörfer Kollerbeck und Eilversen, die Abbenburg, der Waldenbrock, ein Hof in Herste und die Wüstungen Albrok (bei Brakel) und Hobrechtsen (bei Sommersell). Die Burg wurde bei einem Angriff des Bf.s von Paderborn 1226 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Nur ein Teil der Burganlage, der Wohnturm, blieb als Olde Schwalenburg erhalten.

Volkwin IV. erbaute die neue Burg S. etwa 5 km nördlich auf einer schmalen vorgestreckten Bergzunge ungefähr 60 m über der heutigen Stadt S. (Schieder-S.).

II.

S. liegt im Schnittpunkt vom Oberen Weserbergland und Südlichen Lipper Bergland. Die Stadt ist durch die S.er Höhen, die Blomberger Höhen und das Steinheimer Becken in drei naturräumliche, raumprägende Kleinräume gegliedert. Nach der Archidiakonatseinteilung des Bm.s Paderborn von 1231 wird das opidum svalenberg als zur sedes Steinheim gehörig bezeichnet. Die Kirche war Johannes dem Täufer geweiht. S. selbst hatte nur geringe wirtschaftliche Bedeutung und war allein mit beschränkter Marktgerechtigkeit privilegiert.

III.

Der Burgberg von S. fällt nach drei Seiten steil ab (künstlich verstärkt). Die große Burganlage bestand aus Haupt- und Vorburg (gesamt etwa 165 m lang, 49 m breit). Der Zugang zur Burganlage liegt an der schmalen Ostseite. Er wurde gesichert durch vier Halsgräben. Erhalten sind im Fundament die aus Bruchsteinen errichtete Ringmauer und der Palas im nordwestlichen Winkel der Hauptburg. Es handelt sich um einen Bruchsteinbau mit ursprgl. rechteckigem Grundriß (26,10 m äußere Länge, 11,25 m Breite). In dem Winkel zum ehem. Südflügel bzw. dem jetzigen modernen Anbau steht ein Treppenturm, seine freistehende Mauer ist im Grundriß dreiseitig abgebrochen. Das heutige Gebäude geht im Kern vermutlich auf das 13. Jh. zurück. Um 1356/60 wird es als »Steinwerk oder Lippisches Haus« erwähnt. Ein Umbau noch im Stil der Renaissance erfolgte 1627-1632 unter Benutzung der alten Mauern und Beibehaltung der tonnengewölbten Keller (Baumeister möglicherw. Hermann Baumhauer aus Paderborn). 1663 wurde die Burg außen verputzt, 1750 renoviert. 1792 nahm man die Zwischenwände und die Inneneinrichtung heraus, vermauerte Fenster. 1802 wurde der obere Teil des Treppenturms und der Giebel des Hauses abgebrochen. 1911-1913 erfolgte eine eingreifende Wiederherstellung unter Gf.in Friedrich zu → Lippe, an Ost- und Südseite wurden gleich hohe Anbauten errichtet, der Eingang bekam einen niedrigen Anbau und das Obergeschoß des Treppenturmes wurde wiederhergestellt. 1937 bis 1945 diente die Burg als Müttererholungsheim der NS-Volkswohlfahrt, danach als Kindererholungsheim des ev. Hilfswerks. Heute befindet sich in der Burg ein Hotelbetrieb.

Nicht erhalten sind Bergfried (10 m äußerer Durchmesser, 2,85 m Mauerstärke), Pforthaus, Stall, Brunnen, Back- und Brauhaus, Kapelle (Georgspatrozinium) und die Vorburg.

Quellen

Gaul, Otto: Unveröffentlichtes Manuskript »Bau- und Kunstdenkmäler Kreis Detmold«, Artikel Schwalenberg, LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen. – WUB = Westfälisches Urkundenbuch = Regesta Historiae Westfaliae accedit Codex diplomaticus, ed. Heinrich August Erhard, Bd. 1, Münster 1847, Bd. 2, Münster 1851; Additamenta zum Westfälischen Urkunden Buch, bearbeitet von Roger Wilmans, Münster 1877; Bd. 3: Bistum Münster 1200-1300, ed. Roger Wilmans, Münster 1871; Bd. 4: Bistum Paderborn 1200-1300, ed. Roger Wilmans, Münster 1874; Bd. 5: Papsturkunden, ed. H. Finke. Münster 1888; Bd. 6: Bistum Minden 1200-1300, ed. H. Hoogeweger, Münster 1898; Bd. 7: Kölnisches Westfalen 1200-1300, bearb. vom Staatsarchiv Münster, Münster 1908.

Eckart, Karl: Schwalenberg. Kontinuität und Wandel vom Flecken zum Stadtteil. Eine Chronik, Schwalenberg 2008. – Forwick, Friedhelm: Die staatsrechtliche Stellung der ehemaligen Grafen von Schwalenberg (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalen, 22; Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung, 5), Münster 1963. – Gaul, Otto: Burg Schwalenberg – Gründung und Geschichte, in: Unsere lippische Heimat. Beilage der Lippischen Rundschau 36 (Dez. 1964). – Leesch, Wolfgang/Schubert Paul: Heimatchronik des Kreises Höxter, Köln 1966 (Heimatchroniken der Städte und Kreise des Bundesgebietes, 29). – Pöppel, Diether: Die Schwalenberger Grafen und ihre Burgen im jetzigen Kreis Höxter, in: Jahrbuch Kreis Höxter (1993) S. 205-215.