SCHWALENBERG
I.
Den S.ern gelang es, nach dem Aussterben der Herren von Itter um die Mitte des 12. Jh.s im → Waldecker Land ein Territorium aufzubauen. Grundlage hierfür waren wahrscheinlich nicht nur die Ehen Widukinds I. mit Liutrud von Itter und die Volkwins II. mit Liutgard von Ziegenhain-Reichenbach, sondern auch ältere Rechte esikonischer oder erponischer Herkunft, die sich nicht weiter zurückverfolgen lassen. Diese älteren Besitzgrundlagen der S.er treten neben die alten billungischen Lehen im Marstemgau.
Eine weitere Grundlage für den Ausbau der Landesherrschaft → Waldeck waren die Vogteien der S.er über die Kl. und Stifte Corvey, Arolsen, Flechtdorf, Willebadessen und die Hochstiftsvogtei über Paderborn, das hier mit seinen Kl.n bedeutenden Grundbesitz zu verzeichnen hatte. In Korbach verfügten die S.er über die beinahe uneingeschränkte Stadtherrschaft durch die Paderborner und Corveyer Vogteien und durch Gft.srechte. Die Lehnsabhängigkeit von Paderborn mußte zwar anerkannt werden, doch konnte Korbach wie ein Eigentum als Pfand für den Ebf. von Mainz eingesetzt werden. Der Verlust der Paderborner Vogtei mag daher auch hier zu einem Rückschlag im Herrschaftsausbau geführt haben, zumal die S.er im Unterwerfungsvertrag mit Bf. Wilbrand von Paderborn auf den Bau von Befestigungen innerhalb des Korbacher Stadtgebietes verzichten mußten. Sie wichen auf den benachbarten Eisenberg aus. Zentrum der waldeckischen Herrschaft war bis zur Verlagerung in die heutige Res. Arolsen in der Neuzeit die Burg → Waldeck, hinzu kamen die Burgen in Rhoden und Brobeck. Der eigtl. Ausbau des Territoriums → Waldeck erfolgte unter Adolf I. in Konfrontation mit den Gf.en von → Everstein in der Mitte des 13. Jh.s. Hier konnte Adolf v.a. die Gerichtsrechte der → Eversteiner aus der alten Gft. Donnersberg an sich bringen. Auf der Grundlage der Corveyer Vogteirechte der S.er bestanden zur Mitte des 12. Jh.s – neben den Rechten über die Stadt Höxter – auch die Herrschaftsansprüche über Eresburg (Marsberg), einem wichtigen Wirtschaftszentrum im Diemelraum. Lehen Heinrichs des Löwen war der Desenberg über der Paderborner Stadt Warburg, während die Herrschaft über die Burg → Pyrmont ein Lehen des Ebf.s von Köln war. Hier begannen die Nachkommen Widukinds II. mit dem Ausbau einer eigenen Herrschaft, die jedoch so stark unter dem Einfluß des Kölner Ebf. stand, daß Wappen und Münzen von ihm übernommen wurden. Erst Gottschalk II. nannte sich in einer Urk. 1222 zum erstenmal mit dem → Pyrmonter Gf.entitel. Hilfe zum Herrschaftsausbau durch Stadtgründung und Münzprägung sollte auch der Ausbau des oppidums S. am Fuß der gleichnamigen Burg bringen. Doch führte hier die starke Konkurrenz v.a. lippischer Stadtgründungen nicht zum erhofften wirtschaftlichen Erfolg.
Quellen
WUB = Westfälisches Urkundenbuch = Regesta Historiae Westfaliae accedit Codex diplomaticus, ed. Heinrich August Erhard, Bd. 1, Münster 1847, Bd. 2, Münster 1851; Additamenta zum Westfälischen Urkunden Buch, bearbeitet von Roger Wilmans, Münster 1877; Bd. 3: Bistum Münster 1200-1300, ed. Roger Wilmans, Münster 1871; Bd. 4: Bistum Paderborn 1200-1300, ed. Roger Wilmans, Münster 1874; Bd. 5: Papsturkunden, ed. H. Finke, Münster 1888; Bd. 6: Bistum Minden 1200-1300, ed. H. Hoogeweger, Münster 1898; Bd. 7: Kölnisches Westfalen 1200-1300, bearb. vom Staatsarchiv Münster, Münster 1908.
Literatur
Bockshammer, Ulrich: Ältere Territorialgeschichte der Grafschaft Waldeck, Marburg 1958 (Schriften des Hessischen Amts für Geschichtliche Landeskunde, 24). – Dalwigk, Freiherr von: Die ältere Genealogie des gräflichen Hauses Schwalenberg Waldeck, in: Zeitschrift für westfälische Geschichte 73 (II) (1915) S. 142-214. – Engel, Hermann: Die Geschichte der Grafschaft Pyrmont von den Anfängen bis zum Jahre 1668, München 1972. – Forwick, Friedhelm: Die staatsrechtliche Stellung der ehemaligen Grafen von Schwalenberg, Münster 1963 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalen, 22; Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung, 5). – Forwick, Friedhelm: Die Vogtei der Grafen von Schwalenberg und die Corveyer Lehnshoheit über die Grafschaft Schwalenberg, in: Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde 36 (1967) S. 5-17. – Haase, Carl: Die Entstehung der westfälischen Städte, Münster 1960 (Veröffentlichungen des Provenzialinstituts für westfälische Landes und Volkskunde, I, 11). – Huismann, Frank: Die Grafen von Schwalenberg und das Reich im Hochmittelalter, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte an der Universität-GH Paderborn 10 (1997) S. 5-24. – Kittel, Erich: Heimatchronik des Kreise Lippe, 1978. – Krusi, Hans: Die Münzen der Grafen von Schwalenberg und ihrer Seitenlinien Pyrmont, Sternberg und Waldeck (letztere bis etwa 1228, der endgültigen Entstehung der Grafschaft Waldeck), Köln 1986. – Weber, W.: Die Grafschaft Sternberg, Detmold 1928. – Weerth, Otto: Die Edelherren von Kollerbeck, in: LM, Bd. 8, Detmold 1910, S. 193-205. – Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, hg. von Karl Hengst, Münster 1992-1894 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, 44; Quellen und Forschungen zur Kirchen und Religionsgeschichte, 2). – Zunker, Diana: Adel in Westfalen. Strukturen und Konzepte von Herrschaft (1106-1235), Husum 2003 (Historische Studien, 472), S. 146-197.