Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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BONSTETTEN

C. Bonstetten

I.

Boumstedin (1122), Bounstetin (1124), Bounsteten (1155), Bowensteden (1184), Bonstetin (1242), Bowesteden (1236), Boumstetin (1237), Bonnsteten (1244), Bonsteten (1252), Bonstetten (1371). Der einzige Quellenbeleg zur Burg dat. von 1371, als Rudolf II. von B. die Ruine (Burgstal) mit den dazugehörenden Immobilien und Rechten an das Kl. Kappel verkaufte. Lt. einer Schilderung Carls von B. war 1810 von der Burg noch ein »wenig überwachsenes Gemäuer« vorhanden. Heute ist von ihr nichts mehr zu sehen, liegen die Überreste im Boden unter neuen Bauten begraben.

Die Steinburg wurde dem Dorf gegenüber in topographisch nur leicht erhöhter Lage erbaut. Die letzten archäologischen Untersuchungen von 1989 ergaben, daß sie aus einem Turm (Fundament 8,5 x 8,5 m, Maurerbreite 2,1 m), einer Ringmauer und einem Burggraben ( 5 bis 7 m Breite, Seitenlänge ca. 39 m) bestand. Ihr Bau wird ins 12. Jh. angesetzt. Möglicherw. ist sie ursprgl. als Rodungsburg auf Kolonisationsland angelegt worden. Die Burg diente den Herren von B. im 13. und 14. Jh. parallel zu → Uster als Res. Eine gewaltsame Zerstörung ca. 1350 durch die Stadt Zürich, wie sie aufgrund einer chronikalen Überlieferung postuliert worden ist, konnte nicht nachgewiesen werden. Die archäologischen Funde lassen darauf schließen, daß die Anlage gegen Mitte des 14. Jh.s aufgelassen worden ist. Dies, weil die Herren in der Region B. keine Möglichkeit mehr zur Ausdehnung ihrer Herrschaft sahen (s. Art. B).

II.

Die Gmd. B. im Bezirk Affoltern im Kanton Zürich, rund 8 km südwestlich von Zürich, liegt auf einem gegen NW hin abfallenden, bogenförmigen Hügelzug am westlichen Ausläufer der Albiskette und am Rand eines schwach ausgebildeten Talkessels. Die Talsohle war in früheren Zeiten eine Sumpflandschaft. Auf dem Gemeindegebiet wurden drei Grabhügel mit Körper- und Brandbestattungen aus der Spätbronze- und Hallstattzeit sowie ein römisches Wohngebäude gefunden. Die älteste Erwähnung B. dat. von 1184 (Bowensteden). Im späten MA bestand das Bauerndorf aus wenigen Häusern und lag es abseits der Verkehrswege (erst seit dem 19. Jh. Straßen- und Bahnverbindungen nach Zürich). Die im 14. Jh. bezeugte Kapelle, im Bm. Konstanz gelegen, war der Kirche Stallikon zugehörig, über deren Kollatur das Kl. Sankt Blasien im Schwarzwald verfügte. 1484 wurde B. zur eigenen Pfarrei erhoben. Das Hochgericht ging 1415 von Habsburg an Zürich über. Das Frevelgericht und die Vogtei lagen im 15. Jh. in priv. Händen und wurden 1539 von Zürich erworben. Mit Stallikon und Wettswil am Albis bildete B. eine Obervogtei der Stadt bis in das ausgehende 18. Jh. Eine Darstellung zur Geschichte der Gmd. liegt nicht vor.

Quellen

Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Urkunden, Chroniken, Hofrechte, Rödel und Jahrzeitbücher bis zum Beginn des XV. Jahrhunderts, hg. von der Allgemeinen Geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz. Abteilung 2: Urbare und Rödel, Bde. 1-4, bearbeitet von Paul Kläui, Aarau 1941-1957. – Staatsarchiv Zürich: StaZ F II a 39 (Sankt Blasien. Urbarbuch des Amts zu Zürich im Stampfenbach), StaZ F II a 43 (Allerlei Kopien und wahre Abschriften von etlichen Briefen, dem Amt Stampfenbach von wegen des Gotteshauses Sankt Blasien zugehörig, 1550), F II a 56 (Urbar von 1535), StaZ F II a 230 (Kornamt: Zinsen, Vogtsteuern, Zehnten, um 1600). – Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, hg. von einer Commission der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 13 Bde., Zürich 1888-1957. – Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich, Bde. 1-7, Zürich 1987-2007.

Bonstetten, Walther von: Das Schicksal der Burg Bonstetten, in: Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins 14,4/5 (1941) S. 89-92. – Stauber, Emil: Die Burgen und adeligen Geschlechter der Bezirke Zürich, Affoltern und Horgen. Nach einem Manuskript von Emil Stauber bearbeitet von Paul Pfenninger, Basel 1955. – Stebler-Cauzzo, Anna: Die Burg Bonstetten, in: Burg – Kapelle – Friedhof. Rettungsgrabungen in Nänikon bei Uster und Bonstetten, Zürich u. a. 1995, S. 87-123 (Monographien der Kantonsarchäologie Zürich, 26).