BONSTETTEN
I.
Die Herren von B. besaßen drei in sich nicht geschlossene und geogr. voneinander getrennte Herrschaftsgebiete: B. am Albis (Kanton Zürich), → Uster (Kanton Zürich) und Hohensax im Rheintal (Kanton St. Gallen). Hinzu kamen punktuell weitere Güter und Rechte, vornehmlich in der Ostschweiz, aber auch in der Innerschweiz und im Schwarzwald. Kennzeichen war die Streulage des Besitzes. Selbst in ihrem Herrschaftsgebiet geboten eine Vielzahl Adliger und Kl. über Rechte und Güter. Eine Hochgerichtsbarkeit in ihrem eigenen Herrschaftsbereich übten die B. ab der Mitte des 13. Jh. nicht aus und kann für die Zeit davor nicht nachgewiesen werden (im 13. Jh. hielten sie als Amtsträger im Auftrag Habsburgs das Blutgericht). Hingegen übten sie die Niedergerichtsbarkeit aus.
II.
Herrschaft B.: Der Besitz, auf der Westseite der Albiskette gelegen, ist vornehmlich im 13. Jh. in den Quellen belegt: B. (1251 bis 1371, Burg, Eigengüter, Vogtei), Affoltern am Albis (1285, Hof und possessiones), Türlen (1285, possessiones), Wettswil (1285, possessiones), Gamlikon (1299, Hof). Die Güter waren Eigen oder wurden zumindest von den B. als solche beansprucht. Im 13. Jh. lagen die Herren in dauerndem Streit mit dem Kl. Sankt Blasien im Schwarzwald wg. Güter in B. und Umgebung. Die erste Erwähnung von B. Besitz (1251) gibt davon Zeugnis: Johann I. übertrug dem Kl. für zugefügten Schaden einen jährl. Zins von seinem Gut (predium meum) in B. Der nobilis und Ritter Hermann von Toggwil, der 1237 an Sankt Blasien sein Gut (predium) in B. samt Vogtei für sein und seiner Eltern Seelenheil übereignete, dürfte bereits ein B. sein (s. A). Ausbaumöglichkeiten besaßen die Herren in ihrem »Stammgebiet« keine mehr. Kurz nach 1300 begannen sie dort mit der Liquidation ihres Besitzes (1303 Verkauf eines Hofes und der Hälfte von Twing und Bann des Dorfes B., alles Eigen, an das Kl. Einsiedeln). Die Veräußerung der Burgruine B. mit Zubehör 1371 an das Kl. Kappel schloß diesen Prozeß ab.
Herrschaft → Uster: Hier waren die Herren im Besitz der Burg sowie grund- und gerichtsherrlicher Rechte in Kirchuster, Wermatswil, Nossikon und Sulzbach (heute alles Gmd. → Uster). Spätestens seit der Mitte des 13. Jh.s waren die B. auf der Burg ansässig. Ungeklärt ist, seit wann sie hier residierten sowie der Rechtsstatus (ursprgl. Allod?). Die Quellen geben keine Auskünfte über Lage und Umfang von B. Besitz im 13. Jh. in → Uster und Umgebung mit Ausnahme eines Zehntens in Egg (1258). Erst ab dem 14. Jh. ist hier Besitz belegt (Ersterwähnung): Wetzikon (1316, Gut), Dürnten und Egg (ca. 1320, Zehnten und Abgaben, Pfänder Habsburgs), Gossau (ca. 1320, halber Hof, Pfand Habsburgs), Wermatswil (1344, Gut, Eigen), Gutenswil (1344, Gut), Dübendorf (1346, Güter mit Vogtei, Lehen des Kl.s Reichenau), Oberuster (1371, Zehnt), Wermatswil (1399, Güter, Lehen des Kl.s Rüti), Bertschikon (1415, Zehnt), Illnau (1426, Hof, Eigen), Niederuster (1434, Abgabe, Lehen Habsburgs), Niederhittnau (1434, Vogtei, Lehen des Reiches), Gündisau (1434, Vogtei, Lehen des Reiches), Oberuster (1435, Hof), Greifensee (1439, Zehnt), Sulzbach (1441, Hof, Eigen), → Uster (1458, Mühle, Eigen), Nänikon (1500, Zehnt). Zur Burg → Uster gehörte der mit der Herrschaft Greifensee geteilte Besitz des Aabachs von Oberuster bis zum Einfluß in den Greifensee inklusive Fischrechte.
Burgen: → Uster (um 1320 vermutlich Burgrechtslehen Habsburgs, 1353 wahrscheinlich und 1369 bis 1464 als Lehen Habsburgs, bis 1534 Zürichs). Nur für kurze Zeit: Wildberg/Wilberg (als Besitz belegt 1398, als Lehen Habsburgs 1408, spätestens 1417 im Besitz Heinrichs von Hettlingen), Gündisau bei Russikon (1408 Lehen Habsburgs, spätestens 1434 nicht mehr in B.er Besitz), Werdegg (ca. 1434).
Niedergericht: Hälfte des Gerichts Kirchuster (Anfänge unbekannt, bis 1464 Belehnung durch Habsburg, bis 1534 durch Zürich). Wermatswil (erstmals 1390 belegt, 1528 an Zürich verkauft), Nossikon als Zubehör der Burg → Uster (erstmals belegt 1434, bis 1464 Belehnung durch Habsburg, bis 1534 durch Zürich).
Kirchensätze: → Uster 1369 bis 1371 (von den verwandten Landenberg-Greifensee erworben, welche die Kollatur seit 1300 besaßen und danach wieder von den B. zurückkauften). Patronatsrecht der von den B. in der ersten Hälfte des 14. Jh. gestifteten Sankt Verenapfrund in der Kirche → Uster (nicht dat. Stiftung gemäß Jahrzeitbuch), in Besitz bis 1534.
Herrschaft Hohensax: Johann VIII. erwarb die im Sankt Galler Rheintal gelegene Herrschaft 1411 als Pfand (1423 erneuert) von Hzg. Friedrich von Österreich, der ihm 1200 Gulden schuldete. Zum Pfandgut zählten die Burg und das Dorf → Sax sowie das Dorf Gams mit Kirchensatz, Rechten und Eigenleuten und die Gamser Tochterkirche Wildhaus im → Toggenburg. Das B.er Pfand bildete jenen kleinen Teil des saxischen Herrschaftsbereichs, der seit 1393 im Besitz Habsburgs lag und diesen die Kontrolle des Übergangs vom Rheintal ins → Toggenburg.ermöglichte. Der umfangreichere Rest der Herrschaft Hohensax lag weiterhin in der Herren von → Sax Hand. Die Heirat von Johanns VIII. einzigem Sohn Kaspar mit Elisabeth von → Sax-Hohensax diente denn auch der Absicherung der B. Herrschaft. 1446 eroberten die Appenzeller im Gefolge des Zürichkriegs die B. Herrschaft Hohensax, zerstörten die Burg → Sax und nahmen die Leute von Gams in ihr Landrecht auf. 1461 gelangten die Herren nach langwieriger Prozeßführung wieder in den Besitz ihrer Güter, Einkünfte und (Niedergerichts-)Rechte. Kaspar und anschließend sein Sohn und Erbe Andres Roll, beide fernab auf der Burg → Uster residierend, vermochten sich auf Dauer nicht gegen ihre Untertanen zu behaupten, welche die B.er Herrschaftsrechte unterliefen. 1496 verkauften die Erben Andres Rolls die Herrschaft und das Pfand an Frh.n Matthis von Kastelwart, Herr zu → Werdenberg.
1346 erwarben die Brüder Hermann VII, Johann VII. und Rudolf II. vom Kl. Sankt Gallen (Verkäufer: Abt Hermann VI. von B.) den Kirchensatz sowie Güter, Höfe und Mühlen in Elgg (Kanton Zürich). Hier erlangten die Herren abgesehen von → Uster und Hohensax den kompaktesten Besitz. Die Güter waren teils B.er Eigen, teils Pfänder der Hzg.e von Österreich. 1409 verkaufte Johann VIII. in finanzieller Notlage das Patronatsrecht der Kirche an das Spital Rapperswil. Sukzessive wurde der Besitz in Elgg veräußert, zuletzt 1480 die niedere Mühle (Eigen) durch Andres Roll.
Weiterer B.er Besitz (Ersterwähnung): Neerach (1278, Hof und Mühle, Pfand Habsburgs), Zürich (1302, Haus und Hofstatt, Lehen der Abtei Fraumünster), Oberlauchringen im Schwarzwald (1323, Hufe, Lehen), Lenzkirch im Schwarzwald (1324, Zehnt, Lehen), Urswil, Ursenbach und Rohrbach im Oberaargau (1342, Zehnten, Lehen des Kl.s Sankt Gallen), Zürich (1366, Reben, Lehen), Schwamendingen, Stettbach, Seebach und Oerlikon, heute Stadt Zürich (1373, Steuer, Pfand Habsburgs), Zell im Tösstal (1376, Steuer, Pfand Habsburgs), Kyburg (1378, Burg und Gft., Pfand Habsburgs), Steinmaur (1378, Quart der Kirche, Pfand des Bf.s von Konstanz), Lustdorf und Mettendorf im Thurgau (1379, Vogtei über Hof, Pfand Habsburgs), Auw bei Meienberg im Kanton Zug (1400, Zehnt, Pfand Habsburgs), Zürich (1412, Hottingerturm, Pfand), Grüningen (1412, Gült, Pfand Habsburgs), Weisslingen (1412, Hof, Lehen Habsburgs), Steinhausen im Kanton Zug (1424, Zehnt), Brüttisellen (1434, Abgabe und Hufe, Lehen Habsburgs), Attikon bei Winterthur (1434, Zehnt, Lehen Habsburgs), Winterthur (1442, Ziegelhütte, Lehen Habsburgs), Mörsburg (1447, Hof, Pfand Habsburgs), Kyburg (1458, Hof), Zell im Tösstal (1482, zwei Höfe), Winterthur (1506, Kehlhof).