SCHLICK
I.
F. (1282: Valkenow, 1290: Valkenau, 1369: Falknaw) wurde erstmals 1279 mit Albertus dictus de Valkenawe erwähnt, einem Angehörigen der in Oberpfalz und Egerland ansässigen Familie Notthafft, die hier im Sumpfgebiet am S.-Ufer der Eger/Ohře eine kleine Wasserburg errichtet hatte. Seit ca. 1366 befanden sich Stadt und Herrschaft im Besitz der böhm. Krone, zugeordnet dem Elbogener Lehnsbezirk. Als dessen Bestandteil wurde F. 1434 von Kg. Sigismund an Kaspar → Schlick verpfändet. Von 1480 bis zur Konfiskation 1621 war es Res.ort einer Nebenlinie der Gf.en → Schlick, danach bis 1945 im Besitz der Familie von Nostitz.
II.
Auf einer flachen Anhöhe in der sumpfigen Niederung am S-Ufer der Eger, wo von N die Zwodau/Svatava und von S der Lobsbach/Lobezský potok einmünden, entstanden im 13. Jh. die Stadt und südlich davon die Burg F. Die Bedeutung des Ortes erklärt sich aus der günstigen Lage an einer Furt der Eger, die hier eine wichtige Handelsstraße von Böhmen in Richtung NW kreuzte. Allerdings nahm F. bis zum Ende des 15. Jh.s keine nennenswerte urbane Entwicklung. Vielfach wurde es weiterhin nur als »Markt« bezeichnet, während seine Bewohner überwiegend Ackerbau und Bierbrauerei betrieben. Später gewann es v.a. durch die Nähe zu den Bergbaurevieren im Erzgebirge (St. Joachimsthal/Jáchymov, Heinrichsgrün/Jindřichovice, Neudek/Nejdek) und Kaiserwald/Slavkovský les (Schlaggenwald/Horní Slavkov, → Elbogen/Loket) an Bedeutung.
Die erste Stadtrechtsurk., vermutlich 1313 von Kg. Johann von Böhmen ausgestellt, wurde Ende des 14. Jh.s durch einen Brand vernichtet und 1397 durch Kg. Wenzel IV. erneuert. Demnach besaß F. einen Stadtrat und die niedere Gerichtsbarkeit. Damals war die ursprgl. zu einer Adelsherrschaft gehörende kleine Stadt bereits an die böhm. Krone gefallen und dem Kr. → Elbogen inkorporiert worden. Mit diesem gelangte sie 1434 als Pfand an die Familie → Schlick. Bei einer auf 1435 datierten Schenkungsurk. handelt es sich wahrscheinlich um eine Fälschung. Erst 1553 überließ Kg. Ferdinand I. dem Gf.en Wolf → Schlick Stadt und Herrschaft F. als erbliches Eigentum.
Zuvor hatte sich mit der Erbteilung der → Schlick 1489 auf F. eine eigene Linie der Familie etabliert, deren Gründer Niklas (gest. 1522) offenbar bereits seit ca. 1480 hier saß. Nach seinem Tod erfolgte eine Aufteilung der Herrschaft unter seinen Söhnen (1525), bei der die unweit gelegenen Burgen und Herrschaften Neudek und Heinrichsgrün als Nebensitze der Familie festgelegt wurden.
Das Verhältnis zwischen der kleinen Stadt F. und ihren Stadtherren blieb während des 15./16. Jh.s unauffällig. Weder kam es zu nennenswerten Konflikten noch läßt sich eine starke Einbeziehung der Bürgerschaft in die vermutlich recht bescheidene Hofhaltung feststellen. 1488 wandelte Niklas → Schlick die Naturalabgaben der Ackerbürger in einen jährl. Geldzins um. 1491 gründete er eine Marienbruderschaft, die er mit einer Stiftung versah. Obwohl die Bürgerschaft bereits in der ersten H. des 16. Jh.s bereits überwiegend prot. geworden war, womit auch die Marienbruderschaft einging, kam es erst 1562 zur Einführung der Reformation während der Wwe.nschaft der Gf.en Anna → Schlick, geb. Pflug von Rabenstein/Pluh z Rabštejna.
III.
Die Ursprünge des als Res. der F.er Linie der Gf.en → Schlick dienenden Schlosses liegen in einer hochma. Wasserburg der Adelsfamilie Notthafft. Den archäologischen Untersuchen zufolge handelte es sich dabei um eine ringförmig ummauerten Wasserburg, in deren Mitte sich ein mehrstöckiger Wohnturm befand.
Bei den Umbauten durch Niklas → Schlick ab ca. 1480 wurde der Mauerring abgebrochen, während der Wohnturm zumindest teilw. noch bis ins 17. Jh. hinein stehen blieb. Anstelle der alten Burg entstand nun ein kastellartiger Schloßbau auf viereckigem Grundriß mit kleinen Ecktürmen. Die äußere Gestalt dieses zwar kleinen, aber repräsentativen spätgotischen Schlosses blieb auch nach den Umbauten durch die Familie von Nostitz im Stil der Spätrenaissance während des 17. Jh.s sowie weiteren nzl. Veränderungen weitgehend erhalten, während der ursprgl. vorhandene Wassergraben zugeschüttet wurde und in der weitläufigen Parkanlage nicht mehr erkennbar ist. Heute befinden sich im Schloß die städt. Bibliothek und ein Regionalmuseum, das u. a. eine Ansicht von Stadt und Schloß vom Anfang des 18. Jh.s zeigt.
Da die Pfarrkirche im 17. Jh. neu erbaut wurde und die Nostitz gleichzeitig ihre Grablege in das 1663 neu gegr. Kapuzinerkl. verlegten, ist eine anzunehmende frühere Grablege der → Schlick in F. nicht überliefert. Noch 1546 wurde Gf.in Agnes → Schlick, geb. Schenkin von Tautenburg und Wwe. des Niklas → Schlick zu F., im Franziskanerkl. zu Eger bestattet, wo sich ihr Grabmal erhalten hat.
Quellen
Das Stadtbuch von Falkenau (1483-1528), hg. von Karl Friedrich Rietsch, Prag 1895.
Literatur
Encyklopedie českých tvrzí, hg. von Jiří Úlovec u. a., Bd. 3, Praha 2005, S. 725-726. – Holík, Ladislav: Hrádek Falknov (dnešní Sokolov) ve Středověku, in: Castellologica bohemica 10 (2006) S. 221-238. – Hrady, zámky a tvrze v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, Bd. 4: Západní Čechy, hg. von Miloslav Bělohlávek, Praha 1985, S. 311-313. – Karel, Tomáš/Knoll, Vilém: Mittelalterliche Sitze der Notthafft in Böhmen, in: Auf den Spuren eines Adelsgeschlechts. Die Notthafte in Böhmen und Bayern, Ausstellungskatalog, hg. von Karel Halla, und Volker Dittmar, Cheb 2006, S. 103-127. – Města a městečka v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, hg. Karel Kuča, hier Bd. 4, Praha 2004, S. 781-800. – Pelleter, Michael: Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger und ihrer nächsten Umgebung, Falkenau 1876. – Rogall, Joachim: Falkenau an der Eger, in: Handbuch der historischen Stätten, Bd. 15: Böhmen und Mähren, hg. von Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard und Miloslav Polívka, Stuttgart 1998, S. 139-141. – Sedlá- ček, August: Hrady, zámky a tvrze království českého, Bd. 13: Plzeňsko a Loketsko, Praha 1905, ND Praha 1998, S. 154-157.