SCHLICK
I.
Die Titel der S. als Gf.en von Bassano und Herren von Weißkirchen rührten von durch Ks. Sigismund bzw. Kg. Albrecht II. verliehenen Besitzrechten in Italien und Ungarn her, die im Falle von Bassano nie und von Weißkirchen/Holíč nur für kurze Zeit realisiert werden konnten. Zur Basis ihrer Herrschaft wurde daher das Gebiet bzw. der Lehnsbezirk von → Elbogen/Loket in NW-Böhmen, das die S. von 1434 bis 1547 als Pfand der böhm. Krone besaßen. Dazu gehörten weiterhin die neben → Elbogen als Res.orte verschiedener Linien ausgebauten Städte → Falkenau/Sokolov und → Schlackenwerth/Ostrov mit den zugehörigen Herrschaften, die auch nach dem Verlust der Pfandherrschaft über → Elbogen bis ins 17. Jh. hinein im Besitz der S. verblieben.
Der Elbogener Kr. besaß in Böhmen seit dem HochMA eine Sonderstellung als eigenständiger Verwaltungsbereich, die zusätzlich durch eine von den Přemysliden-Kg.en im 13. Jh. begründete Lehnsorganisation, deren Zentrum die Burg (Stein-) → Elbogen war, und eine in Folge der Kolonisation überwiegend dt. Bevölkerung untermauert wurde. Als Pfandherren dieses Gebietes traten die S. hier also in die kgl. Rechte als Lehns- und Gerichtsherren über ein relativ großes, zusammenhängendes und zudem grenznahes Territorium ein, das auch die den S. als kgl. Schenkungen zugefallenen Orte Lichtenstadt/Hroznětín (1437) und → Falkenau (1435, wohl Fälschung) umfaßte. Hinzu kamen im 15. Jh. einige nahe gelegene wettinische und böhm. Lehen im Egerland (u. a. Schönbach/Luby), Vogtland (Schöneck) und Erzgebirge (Stollberg) sowie die Pfandherrschaft über Amt, Gericht und Besitz der Egerer Bgft. Diese zwar grenzüberschreitende, aber gleichzeitig vergleichsweise geschlossene Situation ihrer Besitzungen trug nicht unwesentlich zu einer gewissen Tendenz der Verselbständigung der S. gegenüber Böhmen bei. Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Silberbergbau in der ersten Hälfte des 16. Jh.s betrieben die S. einen umfangr. Herrschaftsausbau, der ihnen weiteren Pfand- und Eigenbesitz in NW-Böhmen einbrachte, wobei v.a. die Herrschaften Rabenstein/Rabštejn nad Střehlou, Plan/Plana und Winteritz/Vintířov zu nennen sind.
II.
Mangels spezifischer Quellen ist die Darstellung von Hof und Hofhaltung der S. im 15./16. Jh. nur ansatzweise möglich. Eine Vielzahl vereinzelter Hinweise findet sich v.a. in den Korrespondenzen und Familienverträgen. Dabei wird ersichtlich, daß das Personal der S. im 15. und zu Beginn des 16. Jh.s dem für eine größere Adelsherrschaft üblichen Rahmen entsprochen haben dürfte. Zu berücksichtigen ist aber, daß sich in ihrem relativ großen Herrschaftsgebiet mehrere Burgen befanden, die als Nebensitze oder Filialen der einzelnen Linien genutzt wurden (neben den Hauptorten der ab 1489 existierenden Linien → Elbogen, → Falkenau und → Schlackenwerth sind z. B. Hartenberg/Hertenberk bzw. Hřebeny, Neudek/Nejdek, Heinrichsgrün/Jindřichovice oder Stollberg, später Plan, Rabenstein, Winteritz u. a. zu nennen), denen jeweils eigenes Verwaltungspersonal zugeordnet war.
Die günstige geogr. Lage von → Elbogen im Dreieck zwischen Böhmen, Franken und Sachsen/Thüringen hatte v.a. unter Matthes (gest. 1487) und Hieronymus I. S. (gest. 1492) zur Folge, daß hier ein Zentrum des Informationsaustausches zwischen dem Reich und Böhmen entstand, mit dem die S. als Teil eines Netzwerkes zwischen Prag, Nürnberg und Eger sowie den Höfen der → Hohenzollern und Wettiner agierten. In diesem Zusammenhang wurde → Elbogen v.a. um die Mitte des 15. Jh.s mehrfach zum Ort geheimer und öffentlicher politischer Verhandlungen, womit es erheblich an überregionaler Ausstrahlung gewinnen konnte. Nicht klar einzuschätzen, aber sicher von Bedeutung, war auch die Rolle des zur Herrschaft → Elbogen gehörenden Karlsbad, dessen Heilquellen und das damit verbundene ausschweifende Leben bereits seit dem 14. Jh. Adel und Fs.en der umliegenden Länder anlockten. So soll sich der Legende nach die erste Gewerkschaft für den Joachimsthaler Bergbau 1516 aus in Karlsbad weilenden Gästen der S. (zwei Gf.en S., ein Bgf. von → Leisnig, ein Herr von → Schönburg, ein Pflug von Rabenstein und mehreren bürgerlichen Investoren aus Sachsen und Böhmen) formiert haben.
Der während der ersten Hälfte des 16. Jh.s erfolgende ökonomische Aufschwung durch den Bergbau im Erzgebirge und die damit wachsende überregionale Ausstrahlung des neuen städtischen Zentrums St. Joachimsthal hatten erhebliche Auswirkungen auf Hof und Repräsentation der Gf.en S., v.a. der Linie → Schlakkenwerth. Bergbau und Besitzvergrößerungen zogen eine merkliche Aufstockung des Verwaltungspersonals nach sich, während gleichzeitig wichtige Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft angelockt wurden. Unter den zahlr. neugierigen Besuchern kamen mehrfach auch Fs.en als Gäste der S. nach St. Joachimsthal und → Schlackenwerth. Auf diese beiden Städte, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, waren offenbar die Res.funktionen aufgeteilt. Während → Schlackenwerth.weiterhin Hauptwohnort der Familie blieb, wurde die kurz nach 1516 schnell errichtete und vermutlich recht schmucklose Burg Freudenstein über St. Joachimsthal zum Sitz für den jeweils »regierenden Herrn« der Linie als Leiter der Verwaltung des immer mehr in den Mittelpunkt des familiären Selbstverständnisses rückenden Bergbaus mit Silberhandel und Münzprägung. Zugl. bot die rasch wachsende Bergstadt einen geeigneten Rahmen für Feste, Feiern und Fs.enempfänge.
Wg. der daran gebundenen Pfand- und Herrschaftsrechte standen die Burg (Stein-) → Elbogen und der dort residierende »regierende Herr« im 15. Jh. stets im Zentrum der Familie, was auch der mit der Teilung von 1489 manifestierten Elbogener Linie zunächst größeres Gewicht gegenüber den Linien zu → Falkenau und → Schlackenwerth verschaffte. Allerdings scheint zu dieser Zeit das Personal der relativ großen Elbogener Burganlage nicht bes. umfangr. gewesen zu sein. Neben den mehrfach namentlich zu fassenden Hauptleuten gehörten lt. Teilungsvertrag nur zwei Torwächter (jeweils einer für Stadt und Burg), ein Turmwächter, ein Büchsenmeister und ein weiterer Wächter zum Funktionspersonal, dessen Unterhalt von allen Linien gleichermaßen getragen werden mußte. Nicht erwähnt wurde dabei aber die weitere Dienerschaft der jeweiligen Linien, u. a. das an anderer Stelle belegte Küchenpersonal, sowie die zahlr. von Matthes und Hieronymus S. eingesetzten Boten und Kundschafter. Die hohe Intensität der Korrespondenzen und das an die Burg zu → Elbogen gebundene Lehnssystem mit Landgericht bedingten frühzeitig eine hohe Schriftlichkeit der Verwaltung, die vermutlich von einer eigenen Kanzlei geführt wurde (mehrfach ist ein Landschreiber zu → Elbogen, 1500 ein Hofschreiber des Sebastian S. belegt), wobei nicht klar zwischen der herrschaftlichen und der Lehnsverwaltung zu trennen ist. Daneben existierte bereits im 15. Jh. ein Familienarchiv, dessen Urk.n zunächst in einer versiegelten Truhe beim Rat von Eger verwahrt wurden. Ab 1489 richtete man auf der Burg → Elbogen eine Archivkammer ein, deren Tür mit drei Schlössern (jeweils eines für eine Linie) gesichert war. Später führten auch die einzelnen Linien eigene Archive, in denen sie ihre Urk.n und Privilegien verwahrten. Neue Anforderungen an die Verwaltungsorganisation stellten ab 1516 Bergbau, Silberhandel und Münzprägung. Zunächst war die Burg Freudenstein über St. Joachimsthal das Verwaltungszentrum der mit dem Bergbau verbundenen Aktivitäten, was später auf die weiteren Bergwerke der S. im Erzgebirge und in der Herrschaft Plan ausgedehnt wurde. Das für den Bergbau tätige leitende Funktionspersonal stand naturgemäß in engen Beziehungen zu den S. Dabei ist insbes. der Joachimsthaler Berghauptmann und Münzmeister Heinrich von Könneritz (gest. 1551) zu nennen, der zu den einflußreichsten Personen im Umfeld der Gf.en gehörte.
Als Pfandherren des Elbogener Kreises besaßen die S. dort sämtliche kgl. Rechte, so auch die Hoch- und Halsgerichtsbarkeit. Hingegen stand ihnen über das Elbogener Landrecht nur eingeschränkter Einfluß zu. So konnten sie etwa das auf ihrer Burg (Stein-) → Elbogen tagende Schöffengericht einberufen und leiten sowie dessen Urteile vollstrecken, diese jedoch nicht selbst fällen. Andererseits waren sie stets um intensive Kontrolle des Landrechts bemüht, was zu mehrfachen Konflikten mit den Lehnsleuten führte, in die Kgtm. und Stände von Böhmen wiederholt gegen die S. eingriffen. Dennoch wurden lt. Elbogener Urbar von 1525 sowohl der Landrichter als auch der Landschreiber und der Landknecht namentlich auf Gf. Sebastian S. (gest. 1528) vereidigt. Auch zuvor schon bezeichneten die S. verschiedene Niederadelige gelegentlich als »ihre« Landrichter und Diener zu → Elbogen. Einen eigenen Scharfrichter hielt man auf → Elbogen.offenbar nicht. Für peinliche Verhöre und Hinrichtungen liehen sich die S. in der Regel den Henker von Eger aus.
Obwohl → Elbogen nur als Pfandbesitz in der Hand der S. war, bauten sie die dortige große Burg ab dem letzten Viertel des 15. Jh.s zielstrebig zu einer repräsentativen Res. aus. Die Anfänge dazu legte ab Mitte der 70er Jahre Matthes S. (gest. 1487), der v.a. den Wiederaufbau der abgebrannten Elbogener St.-Wenzels-Kirche förderte und dort offenbar eine Grablege der Familie installieren wollte. Allerdings wurde nur er selbst dort bestattet, das Grabmal ging im 17. Jh. beim barocken Umbau verloren. Verschiedene Korrespondenzen lassen erkennen, daß für Bau und Ausstattung dieser Kirche v.a. Bauleute und Künstler aus Eger herangezogen wurden. Nach der Teilung von 1489 nahmen Hieronymus I. (gest. 1492) und sein Sohn Sebastian einen umfassenden Neubau des Ostflügels der Burg vor, der deutliche Anlehnungen an den zeitgenössischen sächsischen Schloßbau erkennen läßt. Gleichzeitig begannen spätestens jetzt die kompletten Um- bzw. Neubauten der Schlösser in → Falkenau und → Schlakkenwerth als Res.en der weiteren Linien. Mit den Silberfunden zu Beginn des 16. Jh.s konzentrierte sich die Bautätigkeit zunächst v.a. auf St. Joachimsthal, wo örtliche Bauhütten entstanden: Die Burg Freudenstein wurde ab 1516/17 von Johann Münnich gebaut, der Bau der Pfarrkirche St. Joachim 1534-1540 (Fertigstellung 1550) fand unter der Leitung des Hans Kopp statt. Ab ca. 1528 wurde auch der Nordflügel der Burg → Elbogen erheblich umgestaltet.
Aus den Quellen ist ersichtlich, daß die S. im 16. Jh. auch über mehrere Stadthäuser verfügten, etwa in St. Joachimsthal und Kaaden, während sie ihr Stammhaus in Eger bereits um die Mitte des 15. Jh.s aufgegeben hatten. Statt dessen nutzten sie für ihre häufigen Aufenthalte dort nach Möglichkeit das ihnen als Pfandherren zustehende Bgf.enhaus auf der Egerer Burg. Die Schlackenwerther Linie besaß lt. Teilungsvertrag von 1523 auch ein gemeinschaftlich zu nutzendes Haus in Prag.
Neben den Städten im eigenen Herrschaftsgebiet (→ Elbogen, → Falkenau, → Schlackenwerth und Karlsbad, später insbes. St. Joachimsthal) war für die S. in erster Linie die nahe gelegene alte Reichsstadt Eger mit ihrem weitreichenden Netz an Handelsbeziehungen die wichtigste Versorgungsbasis für Nahrungsmittel und Verbrauchsgüter. Diese Stadt, einzelne ihrer wichtigen Ratsgeschlechter sowie Egerer Juden spielten auch immer wieder eine wichtige Rolle als Kreditgeber. Luxusgüter bezogen die S. im 15. Jh. v.a. aus Nürnberg. Daneben spielte die sächsische Metropole Leipzig stets eine wichtige Rolle, einerseits als bevorzugter Studienort und andererseits wg. ihrer überregional ausstrahlenden Märkte, auf denen die S. regelmäßig präsent waren. Im Zuge der Aufnahme des Silberbergbaus im 16. Jh. intensivierte sich diese Verbindung, weil Leipzig zum wichtigsten Handelsplatz für Erze wurde und wichtige Kapitalgeber des Joachimsthaler Bergbaus von dort kamen. Gegenüber den Beziehungen zu Sachsen, Eger und Nürnberg spielte Böhmen mit seiner Hauptstadt Prag offenbar nur eine untergeordnete Rolle für den Handel und Kulturgüteraustausch der S.
Neben dem Silberbergbau und -handel war von 1519/20 bis 1528 die eigene und bis 1547 die im Namen des Kg.s betriebene Münzprägung eine Haupteinnahmequelle der Gf.en S. 1520 erhielten sie von den böhm. Ständen die Zustimmung zur Herstellung von böhm. Groschen nach Kuttenberger Gehalt und von Silbermünzen, die sich am Wert des rheinischen Guldens orientierten (Guldengroschen oder Thalergroschen, später nur Taler gen.). Ebenfalls 1520 schlossen sie mit den Hzg.n von Sachsen eine Vereinbarung über die Anerkennung dieser Münzen ab, die sich nach dem Silbergehalt der sächsischen Groschen zu richten hatten. Die S.-Taler trugen auf dem Avers eine Darstellung des Hl. Joachim mit einem S.-Wappen, das in den Ausgaben bis 1528 stetig gegenüber der Heiligenfigur an Größe zunahm und schließlich ganz ins Zentrum rückte. Auf dem Revers war der böhm. Löwe abgebildet. Frühzeitig nutzten die S. auch Schaumünzen als Mittel der Repräsentation und der Memoria. Bekannt sind v.a. die Porträtmedaillen auf den Tod von Gf. Stefan (und Kg. Ludwig von Böhmen) in der Schlacht bei Mohács (1526), die im Auftrag der S. nach Vorlagen von Hans Daucher und Hieronymus Magdeburger geprägt wurden und denen bis zur Mitte des 16. Jh.s weitere ähnliche Münzen folgten, z.T. mit Reiterporträts Gf. Stefans und weiteren Abbildungen seiner Brüder. U. a. ließen sie vermutlich 1528 eine Gedenkmedaille auf Gf. Heinrich S. nach Vorlage eines 1518 von Hans Schwarz angefertigten Porträts herstellen, mit dem Allianzwappen Heinrichs und seiner Gemahlin Hyppolita von → Hohenlohe auf der Rückseite. 1534 ließ Lorenz S. eine Schaumünze auf den Besuch Kfs. Johann Friedrichs von Sachsen in St. Joachimsthal prägen, die neben seinem Porträt und dem seiner Gemahlin Katharina von Wartenberg auf dem Revers ein Doppelporträt des Kf.n mit seiner Gemahlin Sibylle von Kleve zeigt. Bereits 1526 ließ Gf. Stefan zwei Porträtmedaillen auf den Joachimsthaler Arzt Wenzel Bayer prägen.
Die Anfertigung dieser Porträtmedaillen zeigt, daß die S. die große Ausstrahlung der »Wunderstadt« St. Joachimsthal in der ersten Hälfte des 16. Jh.s, die viele überregional bekannte Persönlichkeiten anzog, für ihre Repräsentation zu nutzen suchten. Allerdings ist nicht immer klar zu entscheiden, inwieweit die Joachimsthaler Wissenschaftler, Bergfachleute und Künstler zu ihrem Hof zu rechnen sind oder nur mit der Stadt in Verbindung standen. Enge Kontakte zu den S. kann man aber in jedem Fall voraussetzen. Die bekanntesten Persönlichkeiten, die zu dieser Zeit den Ruf von St. Joachimsthal als Zentrum von Wissenschaft und Kultur ausmachten, waren der lutherische Theologe, Prediger und Erzieher Johannes Mathesius (1504-1565), der Lehrer und Kantor Nicolaus Herman (gest. 1561), der Berghauptmann und Münzmeister Heinrich von Könneritz sowie der Arzt und Naturwissenschaftler Georgius Agricola (1494-1555).
Während die S. noch am Ende des 15. Jh.s bei Bedarf auf Ärzte aus Eger oder von den sächsischen Höfen zurückgriffen, sind ab dem Beginn des 16. Jh.s mehrfach Leibärzte in ihren Diensten nachgewiesen. Der erste namentlich bekannte ist Johannes Rumpfer, der 1523 nach Eger wechselte und zuvor lt. Empfehlungsschreiben Gf. Stefans dreieinhalb Jahre an unserm hoff tätig gewesen war. Ihm folgten Wenzel Bayer (1488-1537, in Joachimsthal ca. 1521-1525), Georg Sturz (1525-1527, später Leibarzt von Martin Luther und Philipp Melanchthon), Georgius Agricola (1527-1530) und Johannes Neff (1533-1543), die zugl. Stadtärzte in St. Joachimsthal waren.
An geistlichen Personen, die im Umfeld der S. greifbar sind, treten in der Regel nur die Inhaber der lokalen Pfarrstellen in → Elbogen, → Falkenau, → Schlackenwerth oder St. Joachimsthal hervor. Hinzuweisen ist dabei in erster auf Linie Johannes Mathesius, der 1532-1540 Rektor der Lateinschule, ab 1542 Prediger, ab 1545 prot. Pfarrer in St. Joachimsthal war. Einer seiner Vorgänger als Prediger war 1519-1524 Johannes Silvius Egranus. Große Nähe zur Familie S. scheint in der ersten Hälfte des 16. Jh.s der Archidiakon des Saazer Kreises und kath. Pfarrer von → Falkenau, Toman Thüssel von Taltitz, besessen zu haben. Er entstammte der Elbogener Lehnsmannschaft und war mehrfach an Familienverträgen und innerfamiliären Schiedsverfahren der einzelnen Linien der S. beteiligt.
Nur gelegentlich finden sich Hinweise auf Angehörige anderer, zumeist verwandter, Adelsfamilien, die sich neben den eigenen noch unmündigen oder unversorgten Kindern auf den Schlössern der S. aufhielten, entweder zur Ausbildung oder zu Besuch. So war z. B. 1519 Bernhard Stauffer von → Ehrenfels in → Falkenau zu Gast, zuvor bereits eine Schenkin von Tautenburg. Im letzten Viertel des 15. Jh.s scheint sich Sigismund von → Schwarzenberg häufiger in → Elbogen aufgehalten zu haben. Mit Michel S. befand sich auch ein Angehöriger einer unbedeutenden Nebenlinie der Familie häufig auf → Elbogen, vermutlich als Dienstmann der Hauptlinie.
Weiteres leitendes Verwaltungspersonal, v.a. die Hauptleute der zur Herrschaft gehörenden Burgen, rekrutierten die S. aus der Lehnsmannschaft des Elbogener Kreises sowie aus den benachbarten Regionen Frankens, Sachsens, Thüringens und Böhmens. Ein Beispiel ist der sächsische Niederadelige Fabian von Feilitzsch, der von 1489 bis 1515 im Dienst der S. nachgewiesen ist, u. a. als Hauptmann zu → Elbogen, und anschl. als kfl. Rat und Amtmann zu Altenburg in sächsische Dienste trat.
Milit. Personal hielten die S. offenbar nur in dem relativ geringen Maß, wie es für den Schutz der Burgen notwendig war. Im Falle von Kriegen und Fehden wurden die kurzfristig zu mobilisierenden Elbogener Lehnsleute und weitere Untertanen sowie die Hilfe von Verwandten (u. a. durch Sigismund von → Schwarzenberg 1474) in Anspruch genommen. Bei größeren Auseinandersetzungen stützten sich die S. v.a. auf milit. Hilfe aus Sachsen, die von der Bereitstellung von Kriegsmaterial und Söldnern bis hin zur direkten milit. Intervention (z. B. 1471-1474 und 1504) reichten.
Über das höfische Leben an den S.-Res.en des 15. und 16. Jh.s gibt es nur wenige konkrete Nachrichten. Gelegentlich, oft nur aus den Einladungsschreiben, erfährt man von Hochzeitsfesten oder Taufen. Weitere Anlässe zu größeren Festen boten die Besuche von Fs.en, die v.a. in der ersten Hälfte des 16. Jh.s nach St. Joachimsthal und die benachbarte Res. → Schlackenwerth kamen (1521: Hzg. Heinrich von Sachsen, 1525: Hzg. Karl von Münsterberg, 1530: Hzg. Werner von Pommern, 1532: Hzg. Georg von Sachsen, 1534: Kg. Ferdinand I. und Kf. Johann Friedrich von Sachsen, 1537: Hzg. Albrecht von Mecklenburg, 1542: Hzg. August von Sachsen). Eine detaillierte Beschreibung des 1521 von der Stadt St. Joachimsthal gemeinsam mit den S. (evtl. anläßlich der Hochzeit von Gf. Stefan mit Margaretha Pflug von Rabenstein/Pluh z Rabštejna) veranstalteten großen Schützenfestes gibt ein Festgedicht des Pritschmeisters Hans Lutz von Augsburg, der eigens dazu aus München angereist war.
Interessant ist die offenbar im Entstehen begriffene Memoria-Tradition der S., die sich im Teilungsvertrag von 1489 andeutet. Demnach hatten die einzelnen Linien zu → Falkenau, → Elbogen und → Schlackenwerth in jährl. Wechsel eine Gedächtnisfeier auf den gemeinsamen Vater Matthes S. und alle Ahnen auszurichten. Trotz dieser auf die Stiftung von Gemeinschaft zielenden Regelung hat sich eine zentrale Grablege des Gesamthauses wg. mangelnder Besitzkontinuität im 15./16. Jh. nicht etabliert. Auch die Grablegen der einzelnen Linien zu → Falkenau, → Schlackenwerth und Plan sind nicht oder nur bruchstückhaft erhalten geblieben. Einzelne Grabmonumente des 15./16. Jh.s befinden sich in der Kirche des Franziskanerkl.s zu Eger. Der kgl. Kanzler Kaspar S. und seine Gemahlin Agnes von Oels wurden in der Karmeliterkirche zu Wien bestattet, ebenso der 1492 in Ungarn ermordete Hieronymus I. aus der Elbogener Linie. Ein Sammelgrabstein für vier jung bei einem Brand verunglückte Gf.en (gest. 1521) befindet sich in der Pfarrkirche St. Michael zu → Schlackenwerth. Erhalten sind auch die figuralen Grabsteine für Gf. Hieronymus II. (1494-1551) und seine Gemahlin Katharina, geb. Gf.in von → Gleichen (gest. 1552) in der Dorfkirche zu Maschau/Mašt'ov. Weitere figurale Grabsteine befinden sich in der Pfarrkirche zu Plan: Margarethe, geb. Pflug von Rabenstein (gest. 1541), Gemahlin des Stefan, Anna, geb. Gf.in von → Mansfeld (gest. 1548), erste Gemahlin des Moritz S. Das ebenfalls in Plan befindliche Grabmal für Moritz (gest. 1578) wurde durch Andreas Lorenz im sächsischen Freiberg gefertigt.
Bes. hervorzuheben ist die von der Familie repräsentativ betriebene Memoria für den 1526 bei Mohács gefallenen Gf. Stefan. Die dazu produzierten, künstl. hochwertigen, Medaillen wurden zur Vorlage für das 1536 an der W.-Pforte der Pfarrkirche zu St. Joachimsthal angebrachte Porträtmedaillon aus der Hand des Jörg von Bamberg mit lat. Inschrift. Ein 1545 gestifteter, ursprgl. ebenfalls zur Gf.-Stefan-Memoria gehöriger, großer Flügelaltar mit Tafelmalereien von Lucas Cranach d.Ä. und zwei Porträts von Gf. Stefan sowie weiteren von Kf. Friedrich von Sachsen, Martin Luther und Lucas Cranach mit seinem Sohn, wurde 1873 durch Brand vernichtet.
Dieses programmatische Werk von Lucas Cranach bezeugt die Orientierung der S. an der Hofkunst der Wettiner ebenso wie einige von ihnen bestellte Werke von Künstlern wie dem Monogrammisten I.P., Hans Daucher und Hieronymus Magdeburger. V.a. im Bereich der Münzherstellung waren jedoch auch in St. Joachimsthal ansässige Künstler für sie tätig, wie z. B. Concz Welcz und Wolf Milicz, von denen bedeutende Porträtmedaillen überliefert sind. Daneben beschäftigten sie offenbar weitere, bislang unbekannte Künstler. Dazu gehört etwa der Schnitzer eines Elfenbein-Porträts von Gf. Lorenz mit seiner Gemahlin von 1534 und der Maler eines Vollporträts von Gf. Stefan (vermutlich erstes Viertel 16. Jh.), das sich heute auf Schloß Gripsholm in Schweden befindet. Möglicherw. war dieses Gemälde einmal Bestandteil einer Porträtgalerie der Familie.
Quellen
Ausgewählte Texte aus der deutschen Litteratur Böhmens im XVI. Jahrhunderte, hg. von Rudolf Wolkan, Prag 1891 (Böhmens Antheil an der deutschen Litteratur 2).
Literatur
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