Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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[WERDENBERG-]SARGANS

C. Ortenstein

I./II.

Burg in der Gmd. Tomils im Domletschger Tal (Kanton Graubünden) südlich von Chur. Die Burg, erstmals erw. 1309, gehörte zum Hof Tomils (rätoroman. Tumegl). Der Name ist hergeleitet von mhd. ort, Schneide oder Kante des Schwerts, hier auf die Form des Burgfelsens Bezug nehmend. O. war Res. der Gf.en von → Sargans ca. 1450-1504 (noch 1514 Wwe.nsitz). Tomils gehört zur Diöz. Chur, hier zum Archidiakonat supra saxum. Die Kirche St. Mauritius der vor 1338 selbständigen Pfarre Tomils wurde 1423 erstm. erw., eine neue Pfarrkirche wurde unter Gf. Georg II. von S. 1486 erbaut und geweiht.

Tomils gehört zu den ältesten Siedlungen der Region mit bronzezeitlichen Funden und römischen Münzen bis ins 4. Jh. Der Meierhof Tomils, erstmals erw. 1141, gehörte mit dem Kirchensatz dem Bf. von Chur und wurde von diesem als Lehen an die Frh.en von Vaz gegeben, unter denen sich die Gerichtsstätte Tomils mit der Burg O. zum Mittelpunkt ihrer Herrschaft O. entwickelte. Dazu gehörten die Orte Paspels, Rodels, Pratval/Rothenbrunnen, Traris, Scheid und Feldis. 1338 wurden die Gf.en von → Sargans im Erbwege Rechtsnachfolger der Frh.en von Vaz. In der Schamser Fehde wurde O. 1451 niedergebrannt, 1452 wieder aufgebaut. 1505 kam O. an die Truchseß von → Waldburg, 1523 an Ludwig Tschudi, 1527 an die Gerichtsgemeinde Tomils, die 1528 die Burg weiter verkaufte, sich jedoch die Gerichts- und Herrschaftsrechte vorbehielt.

III.

Die Burg ist westlich der Straße von Rothenbrunnen nach Paspels auf einem steil abfallenden Felsvorsprung gelegen. Kern der Anlage ist der um die Mitte des 13. Jh.s errichtete Bergfried, Lagerhafte Bruchsteine, Eckverband mit Bossenquadern, die bisweilen bis zu 2 m lang sind, der Turmsockel ist zum Teil aus gewachsenem Fels, Heute sieben Geschosse (ohne Dachraum), im vierten Geschoß in der Westwand rundbogiger Austritt auf eine Laube, Pultdach über dem siebten Geschoß. Die Keller sind zum Teil in den Felsen gehauen. Aus einem der Kellerräume führt ein unterirdischer Gang in Richtung N. Der Hof ist von neueren Ökonomiegebäuden umgeben. Eine Wasserleitung wird im 16. Jh. gen., eine Zisterne ist nicht nachweisbar.

Die Burg wurde um 1250 durch die Frh.en von Vaz gegr., erstmals 1309 erwähnt, sie war mit dem Hof Tomils Lehen des Bf.s von Chur. 1337 gelangte O. mit dem vazischen Erbe an Rudolf IV. von → Sargans. 1419 bestätigen Rudolf VII., Hugo VII. und Heinrich IX. von S., O. vom Bf. von Chur als Lehen empfangen zu haben. 1431 verleiht Gf. Friedrich von → Toggenburg im Namen Kg. Sigismunds dem Heinrich IX. von S., Herrn zu Sonnenberg, den Blutbann in O. halb disyt dem Rein. Heinrich IX. nennt sich 1435 Herr zu O. und Sonnenberg. Die Burg O. wurde in der Schamser Fehde 1451 zerstört, 1452 aber wieder aufgebaut. Georg II. von → Sargans, der sich u. a. herr zu Ortenstain nannte, verpfändete O. 1464 unter Vorbehalt des Wohnrechts und der Jagdrechte an seinen Schwiegervater Eberhard Truchseß von → Waldburg. Aus dem späten 15. Jh. stammt eine im dritten Geschoß nordwärts an den Turm angebaute Kapelle, also wohl eine Stiftung Georgs II., der 1504 auf O. gest. ist, und seiner Frau Barbara von → Waldburg.Sonnenberg, die als Wwe. noch 1514 hier lebte. Wilhelm von → Waldburg.verkaufte O. 1523 an Ludwig Tschudi, den Bruder des Historikers Ägidius Tschudi. Die Burg wurde wiederholt umgebaut und ist heute noch ein bewohntes Schloß.

O. ist von ca. 1450 bis 1504 als Res. anzusprechen, insbes. nachdem Nüziders-Sonnenberg 1455 verkauft worden war. Auch nach dem Verkauf von O. 1464 hatte Georg II. hier ein Wohnrecht. 1492 wird er sogar durch den Bf. von Chur mit dem Hof zu Tomils und der Burg O. belehnt. Belege für den Titel Herr zu O. gibt es Jahr für Jahr zwischen 1449 und 1490. 1493/94 übergab Georg II. O. an die Truchsessen von → Waldburg-Sonnenberg, die es 1505 endgültig in Besitz nahmen; denn Georg II. hatte bis zu seinem Tod O. als Leibgeding behalten. Er ist am 23. Febr. 1504 in O. gest. Den Res.charakter bestätigt auch, daß Marquart Halbgf. zu → Sargans 1462 Burgvogt zu O. war.