SALM
I.
Senon; Senon-Villa ; der Ortsname wird mit dem keltischen Stamm der Senonen, aber auch mit der Bf.sstadt Sens (Senonensium) in Verbindung gebracht, weil von dort angeblich der erste Abt des Kl.s St. Pierre stammte, der Hl. Gumbert (gest. 675). Stadt in den lothringischen Vogesen; Sitz der Benediktinerabtei, deren Vögte seit dem 11. Jh. die Gf.en von → Salm waren. Zentrum für die Herrschaftsbildung des Hauses Salm. Seit 1598 unter dem Kondominium der Hzg.e von Lothringen und der → Wild- und Rheingrafen als Erben von Ober-Salm (Salm-en-Vosges). Ab 1751 unter der alleinigen Herrschaft von Salm-Salm und Res. des Fsm.s (Principauté de Salm-Salm) bis zur Annexion durch die Frz. Republik 1793. Hauptort eines Kantons im Arr. Saint-Dié. Kl.anlage (12.-18. Jh.), Res.schlösser der Fs.en → Salm (18. Jh.). – F, Lothringen, Dep. Vosges.
II.
Das Städtchen im Tal des Flusses Rabodeau (Nebenfluß der Meurthe) entwickelte sich im Schatten der im 7. Jh. gegr. Benediktinerabtei St. Pierre, die unter der Vogtei der Gf.en von → Salm stand. Bis ins 16. Jh.en überlagerten sich die Hoheitsansprüche der verschiedenen Herrschaftsträger des Gebietes (→ Salm, Abtei St. Pierre, Lothringen, Bf.e von Metz). Eine endgültige Klärung brachte der Teilungsvertrag von 1751, mit dem S. unter die Landesherrschaft der Fs.en von Salm-Salm fiel. Daraufhin wurde der Ort planmäßig zu einer reichsfsl. Res. ausgebaut. Neben den tiefer gelegenen Abteigebäuden wurden auf einem leicht erhöhten Terrain die Schlösser errichtet, um die sich jeweils Park- und Gartenanlagen gruppierten. Die zumeist aus dem 12. Jh. stammenden Bauten des Kl.s hat der herausragende Abt Dom Augustin Calmet (1672-1757) aufwendig erneuert. Dieser als bedeutender Gelehrter ausgewiesene Prälat hat bes. die Entwicklung der in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s berühmten Kl.bibliothek von S. gefördert (Aufenthalt Voltaires 1754). In der Revolutionszeit wurden die Anlagen der Abtei als Nationalgüter verkauft. Sie dienten im 19. Jh. zur Unterbringung von Textilfabriken (bis 1993). In der geogr. Mitte zwischen Abtei und Schloß wurde in den 1750er Jahren das Rathaus errichtet, mit Audienzzimmer, Ratssaal, Archivgewölbe, Gefängnis, Mädchenschule und Kaufläden.
III.
Sogleich nach 1751 begann der Ausbau von S. zur reichsfsl. Res. Von dort aus wurde ein allerdings bescheidenes Territorium mit 10 000 Einw.n in 30 Dörfern regiert und verwaltet. Den Grundstein für ein erstes Res.Schloß ließ Fs. Nikolaus Leopold im Juli 1754 legen. Im Jahre 1757 bezog er den inzwischen fertig gestellten Bau. Nach der Errichtung eines zweiten Schlosses (1775-1778) nahm der Kanzler des Fsm.s (Pierre François Noël) in dem älteren Bauwerk seine Wohnung. In dessen Nachbarschaft standen zwei Hôtels, das eine für den Generalsteuereinnehmer Hyacinthe Messier errichtet, das andere für den Gouverneur Margerie de Montfort, welches 1776 der regierende Fs. Ludwig Carl Otto als Wohnung für seinen Bruder Karl erwarb. In einem weiteren Palais wohnte mit Prinz Franz Joseph ein weiterer Angehöriger des Hauses, der sich dauerhaft in S. niedergelassen hatte. Neben diversen Wirtschaftsgebäuden gehörten zu der Schloßanlage auch ausgedehnte Stallungen, Remisen und eine Reithalle. Trotz verschiedener Eingriffe haben sich die baulichen Ensembles der Schlösser und der Abtei bis heute erhalten und prägen das überschaubare Stadtbild von S.
Quellen
Epinal, Archives départementales des Vosges: 3C (Comté puis principauté de Salm et bailliage de Senones 1259-1792), 2H (Abbaye de Senones 797-1793). Erpelding, Danièle: Actes des princes lorrains, 1ère série: Actes des Comtes de Salm, Nancy 1979.
Literatur
Histoire des terres de Salm. Recueil d'études consacrées au Comté et à la Principauté de Salm, à l'occasion de la célébration du bicentenaire de la réunion de la Principauté à la France, hg. von Albert Ronsin, Saint-Dié 1994. – Petitdemange, André: Senones, Moyenmoutier, Etival. Pays d'abbayes en Lorraine, St. Michel-sur-Meurthe 2007. – Pupier, Jean-Luc: Senones à travers les âges, Senones 1983.