SALM
I.
Dicco, D. – der Ortsname verweist auf einen Damm oder Deich. Das ansässige Geschlecht wird erstmals 1094 erwähnt. An der Stelle des jetzigen Schlosses dürfte sich seit dem frühen 13. Jh. eine Burg befunden haben. Die Herrschaft D., zeitweilig ein Lehen der Gf.en von Geldern, war seit 1389 reichsunmittelbar. Nach dem Erlöschen der Herren von D. fiel sie 1394 an Johann V. von Reifferscheid(t). Dessen Sohn Johann VI. konnte sich 1456 das Erbe von Alt- oder Niedersalm sichern. Durch Heirat gewann er zudem die Herrschaft Alfter und das prestigeträchtige Erbmarschallamt von Kurköln. Zur Herrschaft D. gehörte auch Bedburdyck, wo sich im 16. Jh. eine starke protestantische und eine kleine jüdische Gemeinde bildeten. An der Stelle einer seit 1349 nachweisbaren Kapelle wurde 1401 von Johann V. das Hauskl. St. Nikolaus gestiftet, die erste Niederlassung der Franziskanertertiaren am Niederrhein. Die Herrschaft konnte die Reichsfreiheit behaupten, blieb jedoch zwischen den mächtigen Nachbarn Kurköln und Jülich eingezwängt. Mit dem Frieden von Lunéville 1801 erfolgte der endgültige Übergang der im Linksrheinischen gelegenen Herrschaft an Frankreich. Die priv. Besitzverhältnisse blieben von den staatsrechtlichen Veränderungen unberührt. Seit 1814 preußisch. Wasserburg mit einst bedeutenden Sammlungen (Kunst, Waffen), die jüngst zum Teil verkauft wurden. Landschaftspark. – D, Stadt Jüchen, Nordrhein-Westfalen, Rhein-Kr. Neuss).
II.
Am Anfang stand der Bau einer Wehranlage auf einem Hügel im sumpfigen Gelände, der durch künstliche Aufschüttungen verstärkt wurde. Eine nennenswerte Ansiedlung um die Burg gab es nicht. Einige Bauten in der Nähe des Schlosses hatten gleichwohl eine zentrale Funktion für die Herrschaft, so das Weinhaus, das erstmals 1502 erwähnt und nach 1654 neu errichtet wurde. Es war der Ort für Verwaltungsakte und wirtschaftliche Transaktionen. Geistlicher Mittelpunkt der Herrschaft war das Franziskanerkl. St. Nikolaus aus dem 15. Jh., dessen Baubestand 1627 (Westflügel) und 1722-1732 (Ost-, Nord-, Südflügel) durchgreifend erneuert wurde. Nach Aufhebung unter der frz. Administration (1802) seit 1905 wieder besiedelt (Hünfelder Oblaten). Weiterhin gab es in D. eine Michaeliskapelle (1802 abgebrochen), ferner die Schloßkapelle. Zum Ertrag der Herrschaft trugen die im 17./18. Jh. recht zahlr. Wind- und Wassermühlen bei.
III.
Die älteste Burganlage wurde in der Fehde des Herren Gerhard von D. mit dem Ebf. von Köln und dem Gf.en von Geldern 1383 zum Teil zerstört. Die wieder aufgebaute Befestigung dürfte bis zur erneuten Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1636) weitgehend unv. bestanden haben. Unter dem neuen Besitzer der Herrschaft, Ernst Salentin von → Salm-Reifferscheidt-D. (1621-1684), begann daher eine umfassende Bautätigkeit. Der Wiederaufbau (Pläne von 1656) bestimmt bis heute das äußere Erscheinungsbild der Anlage. Für die Ausstattung mit Stuckaturen zeichneten ital. Handwerker verantwortlich (Bremer, 181). Hervorzuheben bes. die qualitätvoll ausgestaltete Kapelle (1763), die wohl auf den in Bonn tätigen Baumeister Michel Leveilly zurückgeht.
Quellen
Archiv Schloß Dyck: Archivdepot der Vereinigten Adelsarchive im Rheinland e.V. auf Schloß Ehreshoven.
Literatur
Bremer, Jakob: Die reichsunmittelbare Herrschaft Dyck der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheidt, Grevenbroich 1959. – Kisky, Hans: Schlösser und Herrensitze im Rheinland, Frankfurt am Main 1960. – Wildemann, Theodor: Rheinische Wasserburgen und wasserumwehrte Schloßbauten, 2. Aufl., Neuss 1954.