Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

SALAMANCA-ORTENBURG

C. Spittal

I.

Seit ca. 1598 befand sich die Res. der Gf.en von → Salamanca-Ortenburg im Oberkärntner Markt S., nachdem diese die → Ortenburg als Res. aufgegeben hatten und in das auf ihr Betreiben hin erbaute Schloß nach S. übersiedelt waren. Bis zum Aussterben des Geschlechtes 1639 blieb es in dessen Besitz.

II.

Der Ort S. entwickelte sich im Zentralraum der Hochgebirgslandschaft Oberkärntens aus einem ma. Kern auf einer Anhöhe über dem rechten Ufer des Lieser-Flusses. Sein Name leitet sich von einem von Hermann (I.) und Otto (II.) von → Ortenburg errichteten Armenhospital, das zeitgl. mit einer Kirche (11. April 1191: Hermannus archipresbiter et frater suus comes Otto de Orten[burch] […] capellam cum hospitali in propio fundo construxerut, 1300: in foro hospitali, 1318: ze dem Spital unter Ortenburch) erbaut wurde, ab.

Um Kirche und Hospital entstand ein Markt, der erstmals 1242 als forum apud Hospitale iuxta aquam Liser dictam bezeichnet wird. In einer Urk. aus dem Jahre 1431 (21. Nov.), in der durch Gf. Friedrich (III.) von → Ortenburg die Marktprivilegien für drei Jahrmärkte (4. Fastensonntag/»Sonntag Letare«, Sonntag vor Pfingsten/»Jahrtanz«, 18. Okt./»Sonntag vor St. Lukas«) bestätigt wurden, findet sich die Bezeichnung markt zem Spital. In diesem siedelten sich bis zum 16. Jh. aufgrund seiner guten Verkehrslage Händler, Kaufleute und eine breite Palette von Handwerkern (Hutmacher, Bäcker, Schlosser, Schmiede, Müller, Weißgerber, Seiler) an. Das Gewerbe nutzte die Wasserkraft der Lieser. So gab es während des 15. und 16. Jh.s in S. zahlr. Stampfen, Mühlen, Schmieden sowie Fleischbänke.

Bereits im MA erfolgte die Ausdehnung auf beide Seiten der Lieser. Diese waren durch eine (1263 urkundlich erwähnte) Brücke miteinander verbunden. Ma. und frühneuzeitliche Quellen erwähnen auch eine Mauer (1426), einen Graben (1529) sowie ein Tor (1586), das nach der Fertigstellung des Schlosses geschleift wurde. Aus der Lage an der Lieser ergab sich S.s Funktion als Brückenort und Handelsplatz, zumal der Ort eine Schnittpunktposition an der N-S gerichteten Straße von Salzburg über den Katschberg nach Villach durch das Kanaltal nach Venedig mit der W-O verlaufenden Drautalstraße in Richtung Lienz, Felbertauern, Pustertal und Brenner mit Abzweigungen durch das obere Drau- und Mölltal und zum Millstätter See hatte. Diese günstige Verkehrslage initiierte ökonomische Entwicklungsimpulse und großzügige Förderungen. Die Gf.en von → Ortenburg statteten S., das in Konkurrenz zur salzburgischen Stadt Gmünd stand, mit Markt-, Maut-, Niederlage- und Flößerprivilegien aus. Insbes. die Maut – erstmals erwähnt in einem ortenburgischen Teilungsvertrag vom 25. April 1263 – bildete eine einträgliche Einnahmequelle. Die Mauteinnahmen (Brückenmaut; Eisenmaut; Flachsmaut) für die über S. nach Lienz bzw. über den Katschberg führenden Warentransporte waren erheblich. Im Marktrecht vom 21. Nov. 1403 wurde auch das Niederlagerecht in aaler der mazz als ze Villach verankert. Hinzu kam das Niederlagerecht für Eisen, sowie der Zoll auf Flöße auf der Drau (19. März 1408). 1441 bestätigte Gf. Ulrich (II.) von Cilli die Flößer- und Schiffahrtsrechte auf der Drau als einen Teil der Marktprivilegien für die Burglehenbesitzer im Markt. Am 23. Juni 1450 erfolgte zur Erhaltung der Brücken über Drau und Lieser die Verleihung der Eisenmaut an die Bürgerschaft von S. Über ein beschränktes Münzrecht, das sie zur Prägung von Gedenkmünzen in Anspruch nahmen, verfügten aber erst die Gf.en Widmann→ Ortenburg. Am 11. Dez. 1555 verlieh Ks. Ferdinand I. dem Markt ein Wappen. Dieses zeigt in einem von Weiß und Rot gespaltenen Schild ein Flug – eine Abwandlung des Wappens der Gf.en von → Ortenburg – in gewechselten Farben, überhöht von einem sechsstrahligen goldenen Stern.

Die Hospitalskirche (heute: Stadtpfarrkirche Maria Verkündigung; im 16. Jh.: Maria in den Dornen) war von den Gf.en Hermann (I.) und Otto (II.) von → Ortenburg zu ihrer Grabstätte bestimmt. Ebf. Adalbert von Salzburg als Oberhaupt der Erzdiöz. Salzburg löste diese von der Mutterkirche St. Peter in Holz heraus und machte sie zu einer Eigenkirche der → Ortenburger. Spätestens 1242 wurde sie zur Pfarrkirche des Marktes erhoben. Das bildete den Ausgangspunkt für die Ausdehnung der Pfarre auf das Gebiet östlich der Lieser. Geweiht war die Kirche der Hl. Maria. Von 1307 bis 1311 wurde sie durch die Errichtung eines gotischen Chores erweitert. 1584 erfolgten die Verbreitung der Seitenschiffe und die Errichtung zweier span. Kuppeln. Nach einem Erdbeben stürzte 1690 der Turm ein. Die Nutzung als Begräbnisstätte für die Gf.en von → Ortenburg, die Gf.en von → Salamanca-Ortenburg und die Fs.en von Porcia bis 1785, aber auch Seitenteile eines Sarkophages mit Reliefdarstellungen weltlicher und geistlicher → Ortenburger (um 1400), Wappengrabsteine aus dem 15. und 16. Jh. an den Außenmauern der Kirche sowie der Wappengrabstein des Seckauer Bf.s Johann von Malentein (gest. 1550) an der Westseite der Kirche lassen darauf schließen, daß um die Kirche herum im späten MA und der frühen Neuzeit der Friedhof des Marktes lag. 1519 wurde die Pfarre S. in den Georgsritterorden von Millstatt inkorporiert. 1528 erfolgte die Rückgabe des Patronats an Gf. Gabriel von → Salamanca-Ortenburg.

In seinem Testament vom 2. Dez. 1539 ordnete Gabriel → Salamanca-Ortenburg den Bau einer weiteren Kirche bei dem auf seine Initiative hin neu errichteten Hospital (Spittl) am linken Ufer der Lieser an. Der Bau zog sich mehr als ein Jh. hin. Erst um 1658 wurde er von den Gf.en von Widmann- → Ortenburg fertiggestellt. Geweiht war die Kirche dem Jesuitenheiligen Franz-Xaver. Nach einem Brand Im Jahre 1759 wurde sie abgetragen.

Das Gebiet von S. gehörte im HochMA zur Gft. Lurn und seit dem 13. Jh. als Markt zur Gft. → Ortenburg. Kirchlich war das Gebiet des späteren Marktes bis zur Lieser 1072 noch zur freisingischen Basilica St. Peter (in Holz) gehörig, danach zum Ebm. Salzburg. Ortsobrigkeit und Marktherrschaft wechselten mehrmals, blieben aber immer im Besitz der jeweiligen Gft.sinhaber. Das waren von seiner Gründung an bis 1418/19 die Gf.en von → Ortenburg, von 1420 bis 1456 die Gf.en von Cilli, von 1456 bis 1524 die Habsburger, die es von 1494 bis 1500 an die Gf.en von → Görz verpfändeten, ehe sie 1524 an die Gf.en von → Salamanca-Ortenburg fielen, die bis 1639 im Besitz des Marktes blieben.

Das Marktrecht, das 1403 durch Friedrich III. von → Ortenburg S. verliehen und 1441 durch Ulrich von Cilli bestätigt und erweitert worden war, lag auf 114 »behausten Liegenschaften«, deren gemeinsam genutzte Güter und Einkommen das Marktdominium (Marktkommune) bildeten. Damit verbunden war auch die Selbstverwaltung durch einen Marktrat. Gemäß dem Markrecht unterstand die Marktgerichtsbarkeit dem Marktrichter. Ein solcher (Heinrich, Richter von S.) wird erstmals 1324 (16. März 1324) gen. Am 29. Aug. 1457 verlieh Ks. Friedrich III. dem Markt das Recht der freien Richter- und Ratswahl, die an die Zustimmung und Bestätigung durch die regierenden Gf.en von → Ortenburg als Marktinhaber gebunden war. Jeweils am 27. März erfolgte die Richterwahl durch zwölf Mitglieder der Ratsversammlung (jeweils sechs aus dem Inneren und sechs aus dem Äußeren Rat). Die Neuaufnahme von Bürgern erfolgte binnen zwei Tagen nach der Richterwahl.

Bis zum frühen 16. Jh. wurde S. zum Hauptort der Gft. → Ortenburg. Dabei war der Markt im 15. Jh. mit einer Reihe von Widerlichkeiten konfrontiert gewesen. Im görzisch-habsburgischen Erbfolgekrieg um die Gft. → Ortenburg (1456-1460) erfolgte seine Besetzung durch die Gf.en von → Görz. 1478 eroberten und brandschatzten es die Osmanen. Von 1480 bis 1487 war der Markt von den milit. Auseinandersetzungen zwischen Ks. Friedrich III. und dem Salzburger Ebf. Bernhard von Rohr betroffen. 1522 brannte er völlig ab.

Mit der Konzentration der ortenburgischen Verwaltungsbehörden (Vizedom-, Gft.shauptmannschaft, Landgericht) auf den Ort wurde S., wo die Gf.en von → Ortenburg im Marktburgfried die grundherrschaftlichen Rechte und die hohe Gerichtsbarkeit ausübten, zum Verwaltungsmittelpunkt der Gft. Im Gefolge des Aufstiegs zum Res.ort unter den Gf.en von → Salamanca-Ortenburg nahm die Größe des Marktes zu. Mit der Verlegung der Res. in das neu erbaute Schloß kam es zur Ausbildung eines Hofstaates und zur Ansiedlung der Beamten der Gft.sverwaltung. 1624 finden sich im Ort auch zwei Bader und ein Wundarzt, 1622/23 ein dt. und lat. Schulmeister. Der Markt florierte. Einer Beschreibung aus dem Jahre 1646 zufolge umfaßte dieser einen Pfarrhof, drei Kaplaneihäuser, eine Behausung des Edlen Ehrenreich Resl, 83 bürgerliche Behausungen, 42 Keuschen, sowie zwei Maut- und fünf Hausmühlen. Hinzu kam das Renaissanceschloß der Gf.en von → Salamanca-Ortenburg und der diesem gegenüber von Christoph Khenvenhüller und seiner Gattin Elisabeth Monsdorf erbaute Renaissancepalast, der bis 1629 in Khevenhüllerschem Besitz verblieb. Die Khevenhüller, die seit dem ausgehenden MA den Aufstieg vom Bürger- in den Adels- und schließlich in den Fs.enstand erlebten, waren eng mit dem Markt verbunden. 1525 war Christoph Khevenhüller (1503-1557) in die Dienste Gabriels von → Salamanca-Ortenburg getreten. 1530 folgte ihm sein Bruder Siegmund Khevenhüller (1507-1552) als Hauptmann und Vizedom der Gft. → Ortenburg in die Dienste bei Gabriel von → Salamanca-Ortenburg. Eng mit dem ortenburgischen Markt verbunden waren auch Hans (1538-1606), Bartlmä (1519-1613) und Christoph von Khevenhüller (1549-1596), der sich nach der Verehelichung mit Sibylle Gf.in von → Montfort im Stadtschloß der Khevenhüller in S. niederließ. Im Markt und dessen Umgebung hatte er einen Schwerpunkt seiner Besitzungen. Nachdem Paul (1593-1655) und sein Halbbruder Hans (VI.) von Khevenhüller (1597-1632) im Gefolge der gegenreformatorischen Politik Ferdinands II. nach Nürnberg exulierten, verkauften sie den Besitz einschließlich des S.er Palastes an die Brüder Widmann aus Venedig, die ihn 1662 an Fs. Johann Ferdinand von Porcia veräußerten.

Zum Verhältnis zwischen dem Markt und der Res. der → Salamanca-Ortenburg gibt es keine Quellen.

III.

Der Architekt der Res. ist namentlich nicht bekannt. Der genaue Termin des Baubeginns der neuen Res. ist ebenfalls nicht bekannt. Fest steht nur, daß mit dem Bau vor 1539 begonnen wurde. Der Bau schritt nur langsam voran, wohl auch deswegen, weil es für die Gemahlin Gabriels von → Salamanca-Ortenburg, Elisabeth von Baden, nach dessen Tod aufgrund ihrer neuerlichen Verehelichung (Konrad II. von → Castell) als Wwe.nsitz nicht in Frage kam. Den Baufortschritt belegen drei am Schloß angebrachte Daten: Im Relief des Geländepfeilers über einer Säule im ersten Stockwerk ist das Jahr 1542 festgehalten. 1551 entstand im ersten Stock ein Portal. Über dem obersten Treppenraum der westlichen Hoftreppe am oberen Gurtbogen der Tonne findet sich die Jahreszahl 1597.

Es gilt als sicher, daß Ferdinand von → Salamanca-Ortenburg zumindest seit seiner Großjährigkeit die Bauleitung selbst innehatte. Wer in den Jahren dazwischen die Leitung überwachte, ist nicht eindeutig feststellbar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte Hans von Hoyos, der in dieser Phase als Vormund Ferdinands auftrat, die Funktion des Bauherrn inne. Ferdinand dürfte das Schloß noch nicht bewohnt haben. Als er 1570 starb, ging dieses an seine beiden jüngeren Brüder Ernst und Ernfried über. Nach dem Verzicht Ernsts (1578) war es Ernfried, der die Arbeiten am Bau vorantrieb. Nach seinem Tod um 1578 brachte Hans Georg von → Salamanca-Ortenburg den Schloßbau zu einem Ende. Der Stuck über der Treppe im obersten Stockwerk aus dem Jahr 1597 gehörte zu den letzten Arbeiten. Hans Georg veranlaßte auch die Gestaltung des Gartens, die Errichtung der Nebentrakte sowie den Bau des oktogonalen Kapellenturms mit Zwiebelhelm, der durch ein Tor und einen Verbindungsgang mit der Ostekke des Schlosses verbunden ist. Unter den letzten Gf.en aus dem Haus → Salamanca-Ortenburg wurden keine wesentlichen Veränderungen mehr vorgenommen. Nach ihrem Aussterben fiel das Schloß an die Familie Widmann, die am 30. April 1662 die Purkh zu S. mitsamt dem ortenburgischen Besitz um 370 000 Gulden an Johann Fs. von Porcia verkauften, der sich ob seiner Ämter am Wiener Hof hier jedoch selten aufgehalten haben dürfte.

Unter Franz Anton Fs. von Porcia (1667-1698) wurden vom 1670 erste Reparaturen durchgeführt. Dazu gehörten ein neuer Dachstuhl und notwendig gewordene Ausbesserungen am Mauerwerk. 1670 malte Peter Sedlmayr, Maler in Gmünd, das Sommerhaus im Blumengarten aus. Paul Mony (gest. 22. Sept. 2700) verfertigte 1690 die Wappen am Burgtor und führte in dem im Burggarten gelegenen Sommerhaus Malerarbeiten durch. Von ihm stammt auch die Fassung der Fortuna. Weitere kleinere Arbeiten stammen von Adam Klaus, Landschaftsmaler zu Klagenfurt, und Gottfried Sypolt, Tischler zu Klagenfurt. Die Arbeiten unter Hannibal Alfons Fs. von Porcia (1698-1738) dienten vornehmlich der Ausstattung des Schlosses. So verfertigte 1702/03 der Stukkateur Kilian Pittner das große Wappen mit figuralem Schmuck über dem Hauptportal. 1707 brachte Balthasar Klenkh das Porcia-Wappen an der Südwand des Hofes mit der Inschrift Portia aut Porcia ex sanguine regum Troianorum et Sicambrorum progenitus (»Portia oder Porcia, stammend aus dem Blute der trojanischen Kg.e und der Sugambrer«) an. Für die nächsten Jahrzehnte sind keine Restaurierungs- und Ausbauarbeiten überliefert. Tatsächlich dürften über Jahrzehnte keine Instandhaltungsarbeiten erfolgt sein. Bei einer Schätzung des Baus i.J. 1752 zeigten sich nämlich teils schwerwiegende Baumängel.

Erst unter Franz Seraphin Fs. von Porcia (1785-1827) fielen wieder Arbeiten an. Belegt ist eine Vergoldung »der Aufschrift bei der hochfsl. und Porziischen Res. zu S.«. Während der frz. Besetzung S.s verwendete man das Schloß als Feldspital. Am 29. April 1797 verwüstete ein Brand den zweiten Stock des südwestlichen Traktes. Unter Alfons Gabriel (II.) Fs. von Porcia (1827-1835) wurden die Restaurierungsarbeiten, die sich über drei Jahrzehnte hinzogen, abgeschlossen. Um 1840 gestaltete man nach Plänen Giuseppe Balzarettis den Schloßgarten in einen Landschaftspark mit Platanen und Kugelrobinienalleen um. Weitere Ausstattungsarbeiten am Schloß erfolgten unter Ferdinand Fs. von Porcia (1878-1896). Von ihm und Martin Ladinig stammen auch die Fresken am Außenbau. Im vorderen Saal des ersten Stockes ließ Ferdinand nach 1866 eine Kassettendecke (um 1520/30) aus dem Rittersaal des Stifts Millstatt und einen aus Italien erworbenen Renaissancefries anbringen. Aus dieser Zeit stammen die Wappenmalereien an der Decke des anschließenden Raumes mit einem Renaissancekamin, in dem sich der Name Martin Ladinig findet. Von der beweglichen Ausstattung des 19. Jh.s ist außer dem »Fürstenzimmer« heute nichts mehr erhalten. Bis 1918 blieb das Schloß im Besitz der Fs.en von Porcia. Diese verkauften es 1918 an Frh. Klinger von Klingersdorf, der 1930 den Park und 1951 das Schloß an die Gmd. S. veräußerte. Nach 1945 wurde das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Gebäude wieder hergestellt. Heute beherbergt es ein Museum für Volkskultur, die »Galerie im Schloß Porcia«, eine Bühne für Theateraufführungen und Konzerte sowie eine Bücherei.

Das Gesamtkonzept und die Gestaltung der Fassaden, in der sich der venezianischen Palazzo-Typus wiederfindet, gehen auf einen Baumeister ital. Herkunft zurück. Die wesentlichen Merkmale des Schlosses (Ausrichtung des Baues an einer durchziehenden Mittelachse; auseinander gezogene Fensterachsen bei freier Mitte; Gleichgewichtigkeit der beiden Hauptgeschosse; Entsprechung von Straßen- und Gartenfassade; monotone Gliederungsablauf an den Seitenfronten) verweisen auf einen Affinität mit Bauten in Trient aus der Zeit des Manierismus.

Die Schloßres. ist ein Geviert, bestehend aus vier Trakten. Davon weisen die beiden Flügel des Nordosttraktes und des Südwesttraktes durchgehende Längstrakte, der Nordwest- und der Südosttrakt eingeschobene Zwischentrakte auf. Dieser Anordnung entspricht die Dreiteilung der Fassade des Nordwesttraktes. In den beiden Hauptgeschossen der Front des Südwesttraktes und in den Seitenabschnitten der Hauptgeschosse der Front des Nordwesttraktes befinden sich einfache Rundbogenfenster in rechteckigen Rahmenfeldern mit gerader Verdachung. Die Straßenfront (Nordwesttrakt) ist gegenüber den drei anderen Seiten durch das Gliederungsbild als Hauptfassade bestimmt. Sie hat in der Gartenfront (Südosttrakt) insoferne eine Entsprechung, als sich diese durch ein mittleres Portal öffnet und eine ähnliche Anordnung der Fensterachsen aufweist, ohne eine Gliederung durch Pilaster und Gesimse zu besitzen. Im übrigen weist das Schloß eine strenge symmetrische Gliederung entlang einer NO-SW verlaufenden Achse auf, unterbrochen nur durch die beiden Rundtürme, von denen sich einer an der Westecke der Straßenfassade und der zweite an der Ostecke der Hoffront befindet. Beide hatten eine wehrtechnische Aufgabe.

Die innere Aufteilung der Räume an der Straßenseite entspricht dem Fassadenbild. In allen Stockwerken gibt es drei große Räume, die mittleren querrechteckig, die seitlichen quadratisch. Im Erdgeschoß befindet sich in der Mitte die Vorhalle. An diese schließt sich ein Säulenportikus an, hinter dem sich der arkadenförmig angelegte Innenhof befindet. Für dessen Gestaltung dienten lombardische und toskansiche Renaissancehöfe als Vorbild. Die Anlage ist längsrechteckig, an drei Seiten von einer Säulenarchitektur mit Logien umgeben. Die dem Eingang gegenüberliegende Schmalseite im oberen Teil ist geschlossen. Im Erdgeschoß folgt auf den Hof die rückwärtige Halle mit dem Gartenportal. Die Lösung des Treppenhauses mit ansteigenden Arkaden erfolgte ohne unmittelbares Vorbild. Die Stiege endet vor dem Mittelportal des Saales, der durchschritten werden muß, um zur Treppe des zweiten Stockwerkes zu gelangen.

Die innere Ausgestaltung aus der ersten Bauzeit zeigt Zwickelreliefs im Untergeschoß des Hofes. Zwischen den männlichen Büsten befinden sich Figuren der Fortitudo und Justitia, ihnen gegenüber Ks.köpfe in Rundmedaillons. Der Zwickel im ersten Hofgeschoß (bezeichnet 1542) zeigt eine Rose mit Fabelwesen, einen Triton mit Löwenkopf, Ganymed auf dem Adler, Kronos mit der Sense, Mars im Streitwagen, Herkules oder Zeus und in drei Reliefs Herkules am Scheideweg. Vermutlich handelt es sich um Arbeiten eines heimischen Meisters nach ital. Vorlagen.

Am Mittelportal des Saales im ersten Stock sind im Gebälk die Wappen Baden, → Ortenburg und → Eberstein und an den Sockeln der Saalseite die Wappen → Salamanca-Ortenburg und Grünpichl-Strechau. Letztes läßt den Schluß zu, daß das Portal nach der 1549 erfolgten Eheschließung Ferdinands von → Salamanca-Ortenburg mit Eva Hofmann, Freiin von Grünpichl und Strecha, erbaut wurde. In diese Zeit fällt auch der Bau des Portals dieses Saales (bezeichnet 1551). Dessen Reliefs der Fides und Caritas und des schlafenden Putto mit Sanduhr und Spruchband stehen mit den Figuren Adam und Eva dieses Turmzimmers in stilistischem Zusammenhang. Um diese Zeit hatte ein Meister, der überwiegend lombardisches Formengut anwendete, die Bauleitung inne. Erst ab 1570 ist, wie die Gestaltung des Ostportales des Mittelsaales im ersten Stock und der Portale des Saales an der Osttreppe zeigt, die Tätigkeit eines Meisters mit klassizisierender Formensprache erkennbar. Dazu gehört auch das um 1570/80 entstandene Hauptportal, das im Scheitel das → Ortenburg-Wappen zeigt. An den Pilastersokkeln befinden sich Reliefs: links Herkules mit dem Löwen, rechts Herkules und Antäus. In den Zwickeln über dem Torbogen sind Genien mit Füllhörnern zu sehen. In dem im ersten Stock gelegenen Turmzimmer befindet sich am Portal eine Darstellung von Adam und Eva. Die Seitenwände sind mit mythologischen Szenen und Ornamentik aus der Zeit um 1590 gestaltet.

Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten bearb. von Gabriele Russwurm-Biró, 3., erw. und verb. Aufl., Wien 2001. – Deuer, Wilhelm: Die Kärntner Gemeindewappen. Vom Siegel privilegierter Bürgergemeinden zum demokratischen Gemeinschaftssymbol, Klagenfurt 2006. – Handbuch der historischen Stätten Österreich, Bd. 2: Alpenländer mit Südtirol, hg. von Franz Huter, 2. überarb. Aufl., Stuttgart 1978. – Fünfzig Jahre Stadt Spittal. Festschrift zum Jubiläum der Stadterhebung, hg. von der Stadtgemeinde Spittal an der Drau, geleitet von Erich Nussbaumer, Spittal an der Drau 1980. – Vom Markt zur Stadt. Festschrift der Stadt Spittal zum Gedenkjahr 1960, hg. von der Stadtgemeinde Spittal an der Drau, geleitet von Erich Nussbaumer, Spittal an der Drau 1960. – Meyer, Therese: Spittal wird Residenz. In: Spittal 800. 1191-1991. Spuren europäischer Geschichte. Ausstellung im Schloß Porcia 7. Mai bis 27. Oktober 1991, hg. von der Stadtgemeinde Spittal an der Drau, red. Barbara Grünwald, Spittal an der Drau 1991, S. 111-146. – Meyer, Therese: Wo lag das erste ortenburgische Hospital? in: Spittal 800. 1191-1991. Spuren europäischer Geschichte. Ausstellung im Schloß Porcia 7. Mai bis 27. Oktober 1991, hg. von der Stadtgemeinde Spittal an der Drau, red. Barbara Grünwald, Spittal an der Drau 1991, S. 98-100. – Türk, Franz: Spittal an der Drau. Eine Chronik, Klagenfurt-Wien 1959. – Wagner-Rieger, Renate: Das Schloß zu Spittal an der Drau in Kärnten, Wien 1962 (Studien zur österreichischen Kunstgeschichte, 3). – Zenz, Jakob: Geschichte der Stadt Spittal an der Drau, Spittal an der Drau 1930.