Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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SALAMANCA-ORTENBURG

B. Salamanca-Ortenburg

I.

Mit dem Frieden von Pusarnitz (1460) gelangte Ks. Friedrich III. in den Besitz der Gft. O. Zu diesem Zeitpunkt erstreckten sich deren Besitztümer von Lienz bis nach Villach. Aufgrund permanenter Geldnot begann Friedrich III. die neu erworbene Gft. durch Verpfändungen, Verpachtungen und Verkauf einzelner Herrschaften finanziell intensiv zu nutzen. Einzelne Verpfändungen konnten nicht mehr eingelöst werden. Die Gft. drohte in Einzelteile zu zerfallen. So erwarb Ende des 15. Jh.s Simon Krell als Gegenleistung für ein Darlehen an Friedrich III. die Herrschaften Oberfalkenstein, Großkirchheim, Rottenstein, Oberdrauburg, Pittersburg und Goldenstein als Pfand. Am 4. Mai 1494 erhielt Gf. Leonhard von → Görz für ein Darlehen in der Höhe von 20 000 Rheinischen Gulden von Ks. Maximilian I. die Gft. → O. als Sicherstellung. Mit Leonhards Tod und dem damit verbundenen Erlöschen der → Görzer i.J. 1500 fiel die Gft. wieder an die Habsburger zurück. Am 10. März 1524 wurde Gabriel S. von Ferdinand I. die Gft. → O. als habsburgisches Lehen verliehen. Damit verbunden war die Erlaubnis, die verpfändeten Teile der Gft. zurückzukaufen oder einzulösen. Lt. Lehensbrief gehörten zu diesem Zeitpunkt zur neu erworbenen Gft.: a) als erblich verkauft: das Schloß → O., zwei Fischgründe am Ein- und Ausgang des Millstätter Sees, Fischgründe in der Drau von Möllbrücke/Sachsenburg bis Villach, der Markt und die Maut zu → Spittal, des weiteren die Ämter Stockenboi, Feistritz und Tweng, die Herrschaft und das Schloß → Sternberg, die Herrschaft, das Schloß und die Maut zu Oberdrauburg, die Maut zu Winklern, das Schloß Stein mit Obrigkeitsrechten (Bergwerke, Gericht, Vogtei, Eigenherrschaften der Leute); b) als pfand- oder leihweise: die Ämter Weißenstein, Fresach, Sommereck und Hühnersberg, Gendorf und Afritz, Wieser, das Schloß Goldenstein, die Herrschaft Pittersberg samt dem Lesachtal, das Schloß und die Herrschaft Falkenstein samt Landgericht und Maut zu Obervellach, das Gericht und das Amt Großkirchheim sowie Schloß → Grünburg samt zwei Stubenberger und Fresacher Ämtern im Gailtail und in der Gegend. Gabriel S.-O. gelang es aus der Vielzahl von Besitzungen eine politische und administrative Einheit zu formen. 1538 erfolgte mit dem Kauf der Herrschaft Greifenburg die letzte Besitzerweiterung. Mit der Konsolidierung verbunden war auch die Verlegung der Res. der Gft. von der Burg → O. in den Markt → Spittal, der als Umschlagplatz für den Nord-Süd-Handel während des 16. Jh.s zunehmende Bedeutung erlangte.

II.

Zunächst diente Gabriel S., wenn er sich in seiner Gft. aufhielt, die → O. als Res. Diese entsprach immer weniger seinen Bedürfnissen und seinem gesellschaftlichen Status. Das veranlaßte ihn, den Plan zum Bau einer gfl. Res. in → Spittal entwerfen zu lassen. Vor Baubeginn erwarb er sich in → Spittal Grundstücke und Häuser. Noch vor 1539 wurde mit dem Neubau eines seiner neuen sozialen Stellung angepaßten Schlosses begonnen. Fast 60 Jahre lang wurde gebaut. Erst um 1597 wurde der Schloßbau beendet.

Bezüglich der Organisation und dem Aufbau des Hofes ist nichts bekannt.

Neben den diversen agrarischen Einkünften, die den S.-O. als Grundherren zustanden, engagierten sie sich auch im Montanwesen, das im frühen 16. Jh. im Oberkärntner Raum noch florierte. 1524 war Gabriel S. das einnahmenträchtige Bergregal verliehen worden. 1540 ließ er in Freßnitz ein Blähhaus errichten. Weiters besaß er das Recht, im Scheigraben Gold und Silber zu schürfen. Eine dritte wirtschaftliche Säule bildete das seit 1441 dem Markt → Spittal zustehende Niederlagsrecht, um welches zwischen 1552 bis 1569 mit dem salzburgischen Gmünd ein Streit entbrannte. Aber auch die rege Bautätigkeit im Gefolge des Wiederaufbaus des Marktes nach einem Brand 1522 und die Tatsache, daß seit Gabriel von S.-O. in → Spittal »Hof« gehalten wurde, gaben dem Ort wirtschaftliche Impulse. Hinzu kam die auf Betreiben Gabriels betriebene Wiederherstellung der administrativen Ordnung der Gft. Maßgeblich trug diese zur ökonomischen Gesundung der nach der Verpfändungspolitik Friedrichs III. und Maximilians I. erschöpften Gft. bei.

Über den Kreis bemerkenswerter Persönlichkeiten am Hofe der S.-O. nichts bekannt.

Über Festlichkeiten und kulturelle Aktivitäten am Hofe der Gf.en von S.-O. in Spittal ist nichts bekannt. Allerdings übernachtete im Sept. 1598 Ehzg.in Maria, die Gemahlin Ehzg. Karls II. von Innerösterreich, auf dem Weg nach Spanien mit ihrer Tochter Margarete, der Gemahlin des span. Thronfolgers Philipp, im fertig gestellten Renaissanceschloß in → Spittal.

Meyer, Therese: Spittal wird Residenz, in: Spittal 800. 1191-1991. Spuren europäischer Geschichte. Ausstellung im Schloß Porcia 7. Mai bis 27. Oktober 1991, hg. Stadtgemeinde Spittal an der Drau, Spittal 1991, S. 111-146. – Wagner-Rieger, Renate: Das Schloß Spittal a. d. Drau in Kärnten (Wien 1962).