Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ROSENBERG

C. Wittingau

I./II.

Die Herren von → Rosenberg erwarben Třeboň/W. i.J. 1366 durch Kauf, i.J. darauf gründeten sie in Třeboň ein Augustiner-Chorherrenkl. Die Kanoniker dieses Ordens übernahmen die Kirche des Hl. Ägidius, die sie 1367-1384 umbauen und um die Klostergebäude und einen Kreuzgang erweitern ließen. An der malerischen Ausschmückung des Hauptaltars in der Kirche beteiligte sich der Meister des W.er Altars. Dem Kl. angeschlossen waren eine Schule, eine Bibliothek und eine Schreiberwerkstatt. Vor dem Ende des 14. Jh.s wurde die Stadtbefestigung errichtet. In den Jahren 1423 und 1425 konnte die Stadt die Angriffe der Hussitenheere abwehren. Den Umbau der ursprgl. Veste in Třeboň in eine Burg veranlaßte Wok II. von → Rosenberg (gest. 1. Sept. 1505) an der Wende der siebziger und 80er Jahre des 15. Jh.s.

III.

Die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Stadt und der angeschlossenen Herrschaft begann im 16. Jh. Damals wurde Třeboň das Zentrum der südböhm. Teichwirtschaft. Vor 1500 wurden auf der Herrschaft Třeboň etwa 20 Teiche verschiedener Größe gezählt. Auf Veranlassung Woks II. begann man im Flußgebiet der Lužnice/Lainsitz ausgedehnte Teichkomplexe mit massiven Dämmen anzulegen. Die erste Blütezeit der Teichwirtschaft in Třeboň ist mit dem Namen Štěpánek Netolickýs verbunden. Dieser rosenbergische Fischmeister erkannte, daß die weitere Entwicklung der Teichwirtschaft in der Beckenlandschaft in der Umgebung von Třeboň nur durch den Bau eines großen Wasserkanals ermöglicht werden könne, der die Teiche mit frischen Fließwasser aus der Lainsitz versorgen und sie zugl. zu einem abgeschlossenes Teichsystem verbinden würde. Mit den eigtl. Aushubarbeiten zur Errichtung dieses Kanals, für den sich erst am Beginn des 17. Jh.s die Bezeichnung »Goldener Kanal« einbürgerte, begann Štěpánek Netolický 1508. Mit der Mündung des Kanals in die Lainsitz unterhalb der Stadt Veselí nad Lužnicí/Weseli an der Lainsitz wurde 1518 der Bau dieses großartigen Wasserbauwerks abgeschlossen. Dem rosenbergischen Fischmeister gelang es, Wasser aus der Lainsitz in einen mehr als 45 km langen künstlichen Kanal umzuleiten. In der Zeit seiner Entstehung war der Goldene Kanal das längste künstlich erbaute Wasserbauwerk Mitteleuropas, das die W.er Teiche in ein geschlossenes Teichsystem zusammenfaßte.

Als 1569 Jakub Krčín von Jelčany (1535-1604) in seiner Eigenschaft als Oberhauptmann über das rosenbergische Dominium die Herrschaft Třeboň besuchte, fesselte das Tal südwestlich von der Stadt sein Interesse. Einige Monate später schlug er Wilhelm von → Rosenberg vor, am Rande von Třeboň einen Teich anzulegen. Obwohl die Bürger mit dem Bau des Teichs nicht einverstanden waren, errichte Krčín 1570-1574 dennoch den Teich. Um genug Raum für die Anlage des mächtigen Dammes zu gewinnen, befahl er mehr als zwanzig hölzerne Wirtschaftsgebäude und mehrere Häuser in der Vorstadt von Třeboň niederzureißen. Die Bewohner wurden umgesiedelt und die ganze Vorstadt samt dem Spitalshof und der Kirche St. Elisabeth wurde unter Wasser gesetzt. Der Bau des Teichs beeinträchtigte auch die neue Stadtbefestigung aus den 20er Jahren des 16. Jh.s. Den Höhepunkt seines Ruhmes als Teichbauer erreichte Jakub Krčín von Jelčany in der Mitte der 80er Jahre des 16. Jh.s mit dem Bau des monumentalen Teichs Rožmberk/→ Rosenberg. Für die Anlage dieses gigantischen Wasserbauwerks bestimmte er die Flußauen an der Lainsitz beim Dorf Stará Hlína/Altlahm auf der Herrschaft Třeboň. Krčín mußte den Lauf des Flusses Lainsitz verändern, damit der Damm des neu gegr. Teichs nicht durch die Hochwässer bedroht wurde. Die Arbeiten am Bau des künstlichen Verbindungskanals zwischen der Lainsitz und der Nežárka/Naser begannen im Frühling 1584. Ende Nov. 1585 floß bereits das überschüssige Wasser durch den Nová řeka/Neubach, wie der künstliche Kanal zwischen der Lainsitz und Naser gen. wird. Der Kanal war in seiner Entstehungszeit über 13 km lang. Der Fortgang der Erdarbeiten beim Bau des Teichs Rožmberk wurde in den Jahren 1584-1590 durch die Fluten der Frühlingshochwässer bedroht. Der Bau des mächtigen Damms fand in den Jahren 1589-1590 statt. Am Ende der Anstrengungen Krčíns beim Bau des Teichs Rožmberk erstreckte sich ein 2430 m langer Damm, der im Fundament bis zu 51 m breit war. Die Fläche des Teichs betrug damals etwa 1060 ha (heute etwa 490 ha), womit er sich zwischen die größten Wasserbauwerke Mitteleuropas einreihte.

Nach einem Stadtbrand 1562 wurden in Třeboň in den 70er und 80er Jahren des 16. Jh.s neue Bürgerhäuser und das von einem Turm bekrönte Rathaus im Renaissancestil errichtet (zu Ende der 80er Jahre wurden in der Stadt und Vorstadt 129 Häuser gezählt, in denen nicht ganz 1000 Bewohner lebten); 1567 zog Wilhelm von → Rosenberg das Vermögen des säkularisierten Augustinerkl.s ein. In den Jahren 1566-1575 verlief unter der Leitung des Baumeisters Antonio Ericer der Umbau der ma. Burg in ein bequemes Schloß. Seine endgültige Gestalt in den Formen der Renaissance erlangte das Schloß in den Jahren 1599-1611. Damals wurden die Umbauten vom Baumeister Domenico Benedetto Cometta von Eckthurn geleitet. Als Peter Wok von → Rosenberg im April 1602 das Schloß in Český Krumlov, das er an Rudolf II. abtrat, verließ, wurde Třeboň bis Nov. 1611 zur Hauptres. der Herren von → Rosenberg. Der Komplex der um vier Schloßhöfe angeordneten Schloßtrakte enthielt über 90 Räume, die den verschiedenen Zwecken einer hochadeligen Res. dienten. Ein selbständiges Gebäude wurde für die Bibliothek, die Galerie und die Kunstkammer des letzten rosenbergischen Regenten errichtet. Die Interieurs des Schlosses wurden gemäß den hohen künstl. Ansprüchen der Spätrenaissance und des Manierismus dekoriert. Dies bewies nicht nur die Einrichtung der Privaträume Peter Woks, sondern auch die künstl. Ausschmückung der Räumlichkeiten des Frauenzimmers, der Höflinge und des Speisesaals, wo heraldische Symbolik nicht fehlen durfte. Vor dem Schloß wurde ein ausgedehnter Garten mit einem Lusthaus und geometrisch angelegten Blumenbeeten und Bosketten errichtet. Mit Peter Wok übersiedelte von Český Krumlov auch das Familienarchiv der Herren von → Rosenberg ins Schloß in Třeboň. Der Verwalter der Bibliothek und des Archivs war Václav Březan, der auf Veranlassung Peter Woks ein fünfbändiges Werk über die Geschichte der Herren von → Rosenberg verfaßte.

Zwischen 1605-1611 kamen zahlr. Vertreter der evangelischen Stände aus Österreich und dem Römisch-Deutschen Reich nach Třeboň, wo auf Einladung Peter Woks Zusammenkünfte mit böhm. und mähr. nichtkatholisch gesinnten Adeligen stattfanden. Die Rolle Peter Woks und seiner Res. in Třeboň als Verknüpfungsstelle verschiedener Komponenten der antihabsburgischen Opposition in der Habsburgermonarchie kulminierte in den Jahren 1608-1609. Der letzte Herr von → Rosenberg traf in Třeboň mit Anführern der österreichischen und ungarischen Stände zusammen, denen Ehzg. Matthias nach der Entstehung der ungarisch-österr. Konföderation mehr politischen Einfluß und die Gleichberechtigung der Protestanten mit den Katholiken versprach. Dadurch erwarb er ihre Unterstützung für den beabsichtigten Zug gegen Rudolf II. nach Böhmen. Die Herren von → Rosenberg starben mit dem Tode des kinderlosen Peter Wok (gest. 6. Nov. 1611) aus. Třeboň fiel gemäß den Erbschaftsverträgen an die Herren von Schwanberg.

Bůžek, Václav: Das Goldene Zeitalter der südböhmischen Teichwirtschaft, in: Die Lainsitz. Natur- und Kulturgeschichte einer Region, hg. von Herbert Knittler und Andrea Komlosy, St. Pölten 1997 (Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich, 28), S. 81-92. – Bůžek, Václav/Hrdlička Josef: Dvory velmožů s erbem růže. Všední a sváteční dny posledních Rožmberků a pánů z Hradce, Praha 1997. – Cironisová, Eva: Domy a řemesla v Třeboni v 16. a 17. století ve světle urbářů, in: Jihočeský sborník historický 46 (1977) S. 88-92. – Kadlec, Jaroslav: Klášter augustiniánských kanovníků v Třeboni, Praha 2004. – Matouš, František: Třeboň, Praha 1972. – Pánek, Jaroslav: Poslední Rožmberkové – velmoži české renesance, Praha 1989. – Stejskal, Aleš: Třeboňské opevnění z let 1526-1526 v písemných pramenech (Geneze a průběh stavby, pracovní síly, finanční náklady, jednotlivci), in: Průzkumy památek 8 (2001) S. 3-20. – Václav Březan, Životy posledních Rožmberků, hg. von Jaroslav Pánek, 2 Bde., Praha 1985.