ROSENBERG
I./II.
Das Renaissancepalais der Herren von → R. im östlichen Teil des Areals der Prager Burg, dessen Errichtung in den 40er Jahre des 16. Jh.s höchstwahrscheinlich Giovanni Fontana di Brussata im Auftrag Peters V. von R. (gest. 6. Nov. 1545) leitete, wurde in seiner ersten Etappe zehn Jahre später vollendet, als Wilhelm von → R. (gest. 31. Aug. 1592) dort seinen Prager Wohnsitz nahm.
III.
In der ersten Ausbauetappe des Palais wurde ein regelmäßiger vierflügliger Bau um einen Arkadenhof mit ausgedehnten Repräsentationsräumen samt Wirtschafts- und Wohntrakten erbaut, der mit drei Türmen bekrönt war. Im Erdgeschoß befanden sich Wein- und Bierkeller, Speisekammern, Ställe für 40 Pferde, eine Küche, die Silberkammer, die Gesindestube, ein großer gewölbter Saal und ein Zeughaus. Den größten Raum im ersten Stock nahm ein ausgedehnter Saal mit zwei anliegenden Stuben ein, der als Tafelstube diente. Die übrigen Räume des ersten Stocks wurden zu Wohnzwecken genutzt.
Als Wilhelm von → R. 1570 zum Oberstbgf. des Kgr.s Böhmen ernannt wurde, war er gezwungen, größere Zeiträume in Prag zu verbringen. V.a. aus Platzmangel entsprach das R.ische Palais bald nicht mehr den gehobenen Ansprüchen seines Besitzers. Wilhelm von → R. kaufte in der ersten Hälfte der 70er Jahre das benachbarte Haus der Herren von Schwanberg. Durch diesen Kauf erwarb er die erforderlichen Grundstücke zur Erweiterung seines Palais und zur Anlage eines Renaissancegartens, dem ein großer Teil des Schwanbergischen Hauses weichen mußte. Die Bauarbeiten am Palais leitete in den Jahren 1573-1574 der ksl. Baumeister Ulrico Aostalis de Salla. Die beiden Längsseiten des Gartens waren von Arkadengängen gesäumt, die dank ihrer offenen 13 Bögen eine Durchsicht auf die Stadt nach S und in die Georgsgasse im N erlaubten. Das R.ische Palais erlangte auf Grund seiner prominenten Lage im Areal der Prager Burg, des prachtvollen Gartens und der prunkvollen Einrichtung einige Berühmtheit. Alle Räume waren mit kostbaren Möbeln, Tafelgeschirr und Wandteppichen ausgestattet. Im Jahr 1588 wurden im Arbeitszimmer Wilhelms von → R. die Wände mit Landkarten von Europa, Asien, Afrika und Amerika behängt. In der neu erbauten Kapelle des R.ischen Palais prunkte ein Tafelaltar mit Bildern der Jungfrau Maria und Johannes des Täufers. Um den Betrieb des Palais kümmerte sich der »Prager Hauswirt«.
Peter Wok von R. (gest. 6. Nov. 1611) verbrachte in den 90er Jahren des 16. Jh.s durchschnittlich etwa 60 bis 160 Tage i.J. im Prager Palais, abhängig von der Länge der Verhandlungen des Landgerichts und der Landtage. Mit seiner hochqualitativen Ausstattung überragte das R.ische Palais selbst die ksl. Res. Rudolfs II. auf der Prager Burg. Als der Ks. 1600-1601 vom verschuldeten Peter Wok von → R. die traditionelle Res. der Familie in Český Krumlov/→ Krumau erwarb, bedingte er sich ebenfalls die Übergabe des Prager Palais aus, das er seiner Res. anschloß. Das ehem. R.ische Palais und die Res. Rudolfs II. verband ein hölzerner Verbindungsgang. Als Ersatz erhielt Peter Wok vom Ks. das konfiszierte Palais des Georg Popel von → Lobkowitz am Hradschiner Platz, das der letzte Herr von → R. bis 1611 nutzte.
Literatur
Krčálová, Jarmila: Palác pánů z Rožmberka, in: Umění 18 (1970) S. 469-485. – Kubeš, Jiří: Jan Libra ze Soběnova – rožmberský hospodář v Praze a jeho každodenní život (1604-1609), in: Pražský sborník historický 31 (2000) S. 93-148. – Kubíček, Alois: Rožmberský palác na Pražském hradě, in: Umění 1 (1953) S. 308-318. – Ledvinka, Václav/Mráz, Bohumír/Vlnas, Vít: Pražské paláce. Encyklopedický ilustrovaný přehled, Praha 1995, S. 239-240, 275. – Poche, Emanuel/Preiss, Pavel: Pražské paláce, Praha 1977, S. 22-24.