ROSENBERG
I./II.
Die Burg in Český Krumlov/K. wurde um 1250 von den Herren von K. gegr. Der Zusatz Český (»Böhm.«) scheint als Bestandteil des Namens der Stadt ab der Mitte des 15. Jh.s auf. In die Zeit nach 1250 fällt die Gründung der später zur Stadt erhobenen Siedlung Krumlov. Die Flußschleife der Vltava/Moldau, in der die Stadt entstand, spiegelt sich auch in deren Namen – Chrumbenowe (krumben ouwe bedeutet krummer Lauf oder krumme Halbinsel) wider. Zeitgl. mit der Gründung der Stadt entwickelten sich die Anfänge der Siedlung Latrán/Latron unter der Burg. Die Gründung der Neustadt, die dem Latrán/Latron benachbart ist, vollzog sich in der zweiten Hälfte des 14. Jh.s; die Anfänge der Vorstädte (als Špičák/Spitzenberg, Horní Brána/Obertor und Plešivec/Flößberg bezeichnet) fielen in die erste Hälfte des 16. Jh.s. Den Charakter einer Siedlung städtischen Typs dürfte Krumlov bereits 1274 besessen haben, als in einer Urk. von dem hiesigen Richter gesprochen wurde. Ein voll entwickeltes System der städtischen Selbstverwaltung ist in Krumlov zumindest ab 1336 nachweisbar. Während des gesamten MAs behielt Krumlov seine privilegierte Stellung gegenüber der Burgsiedlung Latrán und der Neustadt. Nach dem Aussterben der Herren von K. 1302 übernahmen die Herren von → Rosenberg das Erbe und verlegten den Sitz ihres Geschlechtes im ersten Jahrzehnt des 14. Jh.s von der Burg Rožmberk/Rosenberg nach Krumlov. Die Aktivitäten Peters I. von → Rosenberg (gest. 14. Okt. 1347) belegen sein zielbewußtes Herangehen an den Ausbau der Res.stadt seiner Familie. Seine Söhne führten diese Bemühungen fort – in dieser Hinsicht ist v.a. Ulrich I. von → Rosenberg (gest. 4. März 1390) zu erwähnen. Eine weitere markante Welle von baulichen Aktivitäten auf der Burg und in der Stadt fiel in die Zeit nach der Hussitenrevolution. Im 14. und 15. Jh. war Krumlov eine Stadt mit einem markanten Anteil an deutschsprachiger Bevölkerung.
III.
Die Anlage und innere Gestaltung der Burg in Český Krumlov kann bis zum 15. Jh. nur sehr lückenhaft rekonstruiert werden. Die älteste Erwähnung, die sich auf die innere Gliederung der Burg bezieht, belegt die Existenz der Burgkapelle St. Georg (1334), deren heutige Gestalt jedoch aus den 40er Jahren des 15. Jh.s stammt. Teil der Umbaumaßnahmen an der Burg unter Ulrich II. von → Rosenberg (gest. 28. April 1462) waren die Erweiterung der Burgbefestigungen und der Bau der Mantelbrücke. Ursprgl. war Krumlov in drei eigenständige, mit Mauern befestigte Bereiche geteilt – die Burg mit der Vorburg, die Burgsiedlung Latrán/Latron mit der Neustadt sowie die eigtl. Stadt, die so gen. Innenstadt. Die Befestigungsanlagen von Krumlov wurden wahrscheinlich spätestens nach 1300 errichtet. Wohl um die Mitte des 14. Jh.s entstanden die Mauern der Neustadt, die auch den benachbarten Latrán/Latron einschlossen. Die Reste dieser Anlagen sind bis heute am südlichen Rand von Latrán in Richtung Brauerei (in deren Nähe eine Eckbastei erhalten blieb) oder im südlichen Teil der Innenstadt östlich des ehem. Gojauer Tors zu sehen. Die Mauerzüge der Fortifikationen der einzelnen Stadtteile waren durch neun Tore durchbrochen (Budweiser Tor, Äußeres und Inneres Latron-Tor, Äußeres und Inneres Tor in der Rathausgasse, Äußeres und Inneres Gojauer Tor, Obertor und das Tor am Ende der heutigen Breiten Gasse). Mit der Ausnahme des Budweiser Tors, das bis heute besteht, wurden alle übrigen Stadttore im 19. Jh. niedergerissen. Die Gasse zwischen den Stadtmauern und dem unteren Teil der innerhalb der Stadtmauern der eigtl. Stadt liegenden Häuser – gen. Parkán (Parkgraben, Zwinger) – wurde in Krumlov zum ersten Mal 1517 in schriftlichen Zeugnissen erwähnt. Das System der Stadttore wurde in beträchtlichem Maße durch das Netz der in oder aus der Stadt führenden Straßen bestimmt (seit der Mitte des 14. Jh.s begann sich bei der Instandsetzung der Oberflächen einiger Straßen in der Stadt langsam die Pflasterung durchzusetzen). Über die Moldau führten im K.er Stadtbereich ab dem 15. Jh. mind. zwei Brücken. Wahrscheinlich bereits seit der zweiten Hälfte des 14. Jh.s führte eine Wasserleitung Wasser von der Moldau in die Brunnen in der Stadtmitte.
Ab dem 14. Jh. bildete die Pfarrkirche St. Veit die Dominante der Stadt. Ihre Gründung fällt in die Zeit vor 1317. Dies läßt sich aus der engen Verbindung der Kirche mit dem Spitalhof bei St. Jost, der gerade in dem gen. Jahr nachgewiesen wurde, belegen. Die Gründung des Doppelkl.s der Klarissinnen und Minoriten in der zweiten Hälfte der 50er Jahre des 14. Jh.s (die Minoriten kamen 1357 nach Krumlov) geht auf die Söhne Peters I. zurück. Hinweise auf Stiftungen zur Fortsetzung der Bauarbeiten seitens der Herren von → Rosenberg belegen eine rege Bautätigkeit im Areal des Kl.s bis zum Beginn des 15. Jh.s. Zu einer Belebung der Bauarbeiten kam es nochmals nach 1450, als die Eindeckung des Kl.s und der Kl.kirche der Klarissinnen fertiggestellt werden konnte. Dreißig Jahre später wurde im Minoritenkl. die Kapelle des Hl. Wolfgang errichtet. Ungefähr in die gleiche Zeitspanne fällt der Bau der Kreuzgänge. In der Nachbarschaft des Klosterareals stand das Haus und der Hof Annas von → Rosenberg (gest. 1388), die ihre Liegenschaft 1375 zur Errichtung eines Hofes der Beginnen stiftete.
Als Res.stadt der Herren von → Rosenberg war Krumlov bereits im 14. Jh. ein Kultur- und Bildungszentrum, als deren Träger neben dem rosenbergischen Hof v.a. das Minoriten- und Klarissinnenkl. anzusehen ist. Ein weiteres Kulturzentrum stellten die Pfarrkirche St. Veit und die Stadtschule dar. Zur Gründung der Stadtschule, die im »Stöcklgebäude« gen. Haus nahe der Pfarrkirche ihren Sitz hatte, kam es spätestens nach der Mitte des 14. Jh.s. Vor 1350 waren in Krumlov bereits Einrichtungen karitativen Charakters tätig – Spitalshöfe und Badstuben. Der obrigkeitliche Spitalshof an der Kirche St. Jost wurde vor 1317 gegr. Ein bürgerlicher Spitalshof ist in der Stadt i.J. 1400 nachgewiesen, als Ablässe für die Besucher der Spitalskapelle St. Elisabeth gewährt wurden. I.J. 1347 wird in Krumlov ein Badhaus erwähnt. Seit dem 14. Jh. gab es in der Stadt zwei Friedhöfe. Der eine erstreckte sich in der Nähe des Minoriten und Klarissinnenkl.s, der andere breitete sich nahe der Kirche St. Veit aus. Betriebe wirtschaftlichen Charakters sind in Krumlov seit dem 14. Jh. quellenmäßig nachweisbar – Mühlen, Fischhalter und Teiche, Obstgärten oder Walkmühlen; 1407 wird eine Hütte angeführt, die Erwähnung einer Hammermühle stammt aus dem Jahre 1524.
Während der Hussitenrevolution fiel Krumlov die Rolle eines führenden geistlichen Zentrums im damaligen Böhmen zu, denn es wurde zum Zufluchtsort für katholische Intellektuelle und Geistliche aus Prag sowie anderen Orten des Kgr.s Böhmen. Da Český Krumlov während der Hussitenkriege nie erobert wurde, konnte auf der Burg wie in der Stadt eine Kontinuität zur geistigen und kulturellen Entwicklung der vorhergehenden Zeit gewahrt bleiben. Ein neuerlicher Aufschwung der Stadt in der Zeit nach den Hussitenkriegen läßt sich an dem Abschluß des Umbaus der Pfarrkirche St. Veit festmachen (1439 wurde die Kirche neu geweiht). Die zweite Hälfte des 15. und das gesamte 16. Jh. stellten eine Blütezeit für Český Krumlov dar. Als ein bes. Ausdruck des Selbstbewußtseins der Herren von → Rosenberg ist ihre eigene Bauhütte anzusehen, die in Český Krumlov an der Wende des 15. und 16. Jh.s tätig war (Baumeister Hans Götzinger). Auf der Burg entwickelte sich gleich nach dem Ende der Hussitenrevolution ein reger Baubetrieb. Der Hauptrepräsentationsraum der Burg war vor der Mitte des 15. Jh.s eine große Stube, in der diplomatische Verhandlungen verliefen, Gerichtssitzungen abgehalten und kostspielige Festtafeln gegeben wurde. Von der gesteigerten baulichen Aktivität war auch die Stadt selbst berührt, wobei sich jedoch die Zahl der Liegenschaften während des ganzen 15. Jh.s kaum erhöhte. Zeugnis von den damals durchgeführten Umbauten der Bürgerhäuser legen die spätgotischen Fundamente sowie einige erhaltene Bauelemente im Inneren und Äußeren der Gebäude. Die ältesten überlieferten Angaben über die Zahl der Liegenschaften in Krumlov stammen aus der Zeit um 1380, als es in der Innenstadt 96 Häuser gab. Für Latrán und die Neustadt stehen ähnliche Zahlen leider nicht zur Verfügung. In den Jahren 1424-1466 stieg die Zahl der Liegenschaften in der Stadt gering (von 105 Häusern 1424 auf 109 Häuser 1466). Die urbanistische Entwicklung der Innenstadt wurde in dieser Zeit im Prinzip abgeschlossen. Ausgehend von der Zahl der Liegenschaften ist eine Bevölkerung von etwa 1000 Personen in der Innenstadt anzunehmen. Ihren wirtschaftlichen Aufstieg an der Wende des 15. zum 16. Jh. verdankte die Stadt in nicht geringem Ausmaß der Entwicklung des Bergbaus; 1515 erließ Peter IV. von → Rosenberg (gest. 9. Okt. 1523) eine Pergkwerch Ordnung.
In vereinzelten Fällen traten in der sakralen Architektur der Res.stadt bereits zu Beginn des 16. Jh.s Elemente der frühen ital. Renaissance (Kaplanei) auf. Eine erstmalige Beteiligung ital. Baumeister läßt sich beim Bau des Wwe.nsitzes Annas von → Rosenberg, geb. von → Rogendorf (gest. 5. Sept. 1562) in der Neustadt für die zweite Hälfte der 40er Jahre des 16. Jh.s nachweisen. Die Anfänge einer Umwandlung der mittelalterlichen Burg in ein Renaissanceschloß ist dem ital. Baumeister Antonio Ericer zuzuschreiben, der nach 1560 im Auftrag Wilhelms von → Rosenberg (gest. 31. Aug. 1592) im vorderen Burghof (heute dem dritten Hof) der Oberen Burg mit dem Bau des neuen Gebäudetraktes mit dem Wappensaal begann. In ders. Zeit wurde auch im Westflügel an der Brücke auf dem hinteren (dem heutigen vierten) Burghof der Oberen Burg gebaut. Vor 1575, als der italienische Baumeister Baldassare Maggi von Arogno in rosenbergische Dienste trat, begann die entscheidende Etappe des Ausbaus einer Res. im Stil der Renaissance. Von Umbauten betroffen war der östliche Teil der Oberen Burg, umgebaut wurden die für das Frauenzimmer bestimmten Räume, umgestaltet wurden die Schloßkapelle und der Südflügel des dritten Schloßhofs. Die malerische Ausschmückung wurde Gabriel de Blonde und seiner vielköpfigen Werkstatt anvertraut. Mit der Errichtung einer neuen gewölbten Durchfahrt verlegte sich der Schwerpunkt der Bauarbeiten am Ende der 70er Jahre des 16. Jh.s von der Oberen in die Untere Burg. Am Hang hinter der nördlichen Befestigungsmauer errichtete Maggi einen neuen Schloßflügel, der an der Torseite rechtwinkelig zur so gen. Kleinen Burg mit dem Schloßturm verlief. Dieser Turm der Kleinen Burg verlor durch den Umbau, bei dem Verziehrungen aus Terrakotta und Fassadenmalereien angebracht wurden, seinen gotischen Charakter. Bei der Freskenausstattung des runden Turmes mit seinem Arkadenumgang und der Fassaden der Kleinen Burg setzte sich der Maler Bartholomäus Beránek durch. Die Gebäude am oberen (dem heutigen zweiten) Hof der Unteren Burg dienten Wirtschaftszwecken. Im so gen. Schmalzkasten, der einen Verbindungsbau zwischen der Oberen und der Unteren Burg darstellte, waren eine Bäckerei und ein Speicher zur Lagerung von Mehl untergebracht. Die Kleine Burg diente nach dem Umbau als Zeughaus, Speicher und Lager. Der Turm der Kleinen Burg diente als Signal- und Beobachtungssturm, in seinem unteren Teil auch als Gefängnis. Der untere (der heutige erste) Hof der Unteren Burg wurde erst in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s mit gemauerten Wirtschaftsgebäuden bebaut. Über die vorgelagerte Latron-Gasse führte ein Verbindungsgang, der als weiter Bogen die Gasse überspannte und durch die Dachräume der Oberen und Unteren Burg führte. Dieser Gang verband die Res. mit den Kl.n der Minoriten sowie Klarissinnen und mit dem Garten in der Neustadt. Auf Veranlassung Peter Woks von → Rosenberg (gest. 6. Nov. 1611) erbaute der Baumeister Domenico Benedetto Cometta von Eckthurn in der Mitte der 90er Jahre in der Neustadt nahe dem ehem. Wwe.nsitz Annas von → Rosenberg, geb. von → Rogendorf, ein neues Zeughaus. Neben dem Tiergehege, den Fischbehältern, der Fasanerie und dem Garten samt einem Altan, einer Voliere und einer Orangerie entstanden in der Nähe des Schloßteichs (im heutigen westlichen Teil des Hirschgartens) eine Edelsteinschleiferei, wo der Steinschneider und Schleifer Heinrich Rabenhaupt wirkte, und eine Drechslerei zur Bearbeitung exotischer Hölzer im nördlichen Vorfeld des Schlosses.
Die Anzahl der Bürgerhäuser in der Stadt und in Vorstädten zusammengenommen bewegte sich in den letzten zwei Jahrzehnten des 16. Jh.s zwischen 331 (i.J. 1585) und bis zu 336 (1600). Nach groben Schätzungen lebten in der Stadt etwa 2100 Bewohner. Noch zu Beginn des 17. Jh.s war eine durchgehende Pflasterung der Straßen in der Stadt nicht vorhanden. Die eigtl. Stadt war damals durch drei Tore zu betreten. Das älteste von ihnen war das Gojauer Tor, zu dem eine Holzbrücke führte, die die Verbindung über die Moldau in die Gojauer Vorstadt, nach Plešivec/Flößberg und Kájov/Gojau ermöglichte. In der Gojauer Vorstadt befanden sich Gärten, Obstgärten und Wirtschaftshöfe der reicheren Bürger. Aus mehreren Gärten und Höfen entstand am Ende des 16. Jh.s auf diesen vorstädtischen Grundstücken an der Moldau der Jesuitengarten, der ab 1591 durch eine Hängebrücke über den Fluß direkt mit dem Kollegiumsgebäude verbunden war. In der Nähe des Jesuitengartens wurde 1585 ein Friedhof an der Kapelle St. Martin geweiht. Südlich von den angeführten Grundstücken gelangte man zur Schmelzhütte für Silbererze, die an der Moldau stand. Die kürzeste Verbindung der Vorstadt Plešivec mit der Stadt bot bereits seit dem 16. Jh. eine Stiege. In der Nähe der Stiege zweigte am Flußufer die Fischergasse ab. Auf einer freien Fläche hinter dem Gojauer Tor unterhalb des Stadtplatzes entstanden einige Bürgerhäusern, für die im 16. Jh. die Bezeichnung auf der Laken gebräuchlich wurde. Dieser Raum ging in die Hintere- oder Untere Gasse, die heutige Breite Gasse über, wo regelmäßig Viehmärkte veranstaltet wurden. Am Ende dieser Gasse stand das städtische Brauhaus, das seine Renaissancegestalt einem Umbau um 1570 verdankt. Das Obertor gehörte zu den bedeutendsten der Stadt, da in diesem der Handelsweg aus Linz einmündete. Die Straße führte durch die Obere Gasse auf den Stadtplatz, dann durch die Rathausgasse und Latron-Gasse weiter zum Budweiser Tor und von dort nach České Budějovice/Budweis. Das Obertor diente als Startpunkt für die feierlichen Einzüge der rosenbergischen Herrschaft in die Res.stadt. Das Budweiser Tor wurde 1598-1602 von Domenico Benedetto Cometta von Eckthurn errichtet. Anschl. an das Tor erbaute er um die Mitte der 90er Jahre auch die steinerne Zubringerbrücke und die anliegenden Häuser. Die Hauptursache der Vereinigung der bisher selbständigen Stadtgemeinde Latrán mit der Stadt Český Krumlov (14. Aug. 1555) waren langjährige Streitigkeiten bezüglich der Bierbrauerei und des Ausschanks in den beiden früher selbständigen Stadteinheiten, der Zahlung der Beiträge zur Erhaltung der Pfarrei, der Kirche, der Brücken, des Gemeindehirten oder der Boten. Auch nach ihrer Verbindung war die Innenstadt vom nunmehrigen Stadtteil Latrán durch ein Paar gegenüberliegender Stadttore getrennt: Stadtseitig gelangte man von der Rathausgasse durch ein Tor auf die hölzerne Baderbrücke über den Fluß und dann weiter durch das innere Latrontor (gebaut 1613). Der Name Latrán bezieht sich sowohl auf den Stadtteil als auch auf den Straßenzug der von der Baderbrücke bis zum äußeren Latrántor führte, das bis zum Ende des 16. Jh.s den eigentlichen Latrán von der Budweiser Vorstadt trennte. Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Stadt leitete und kontrollierte nun ein gemeinsamer Stadtrat mit einem Bürgermeister und zwölf oder dreizehn Schöffen an der Spitze.
Wilhelm von → Rosenberg bemühte sich in den 50er Jahren des 16. Jh.s um die Erneuerung der Stadtschule an der Pfarrkirche im Geiste des gemäßigten Katholizismus. Zu einem neuerlichen Verfall der Schulzucht sowie der Pfarrseelsorge kam es insbes. in den 70er Jahren des 16. Jh.s. Als Stütze des katholischen Glaubens in der Res.stadt dienten auch der Doppelkonvent der Minoriten und Klarissinnen, die für ihre Gottesdienste die gemeinsame Kirche, die dem Leib Christi und der Schmerzhaften Mutter Gottes geweiht war, benutzten. Wilhelm von → Rosenberg versprach sich von der Berufung der Jesuiten nach Český Krumlov eine Verbesserung der pastoralen Verhältnisse. Die ersten vier Patres der Gesellschaft Jesu trafen i.J. 1584 ein. Nach der Übernahme der Pfarrei an der Kirche St. Veit begannen sie in der sprachlich gemischten Res.stadt mit ihrer tschechischen und dt. Predigttätigkeit. Der Bau des Jesuitenkollegs in der Oberen Gasse, der unter der Leitung von Baldassare Maggi von Arogno erfolgte, zog sich von 1586 bis 1588 hin. Wilhelm von → Rosenberg wählte die Stadtpfarrkirche St. Veit zu seiner letzten Ruhestätte. Die Gruft, mit deren Bau 1583 begonnen wurde, nahm zunächst den Leichnam seiner dritten Gemahlin Anna Maria von → Rosenberg, geb. von Baden (gest. 25. April 1583), auf und schließlich i.J. 1592 auch die sterblichen Überreste Wilhelms von → Rosenberg. Vor der Mitte des 16. Jh.s an sind in Český Krumlov Wiedertäufer und Lutheraner nachgewiesen, die deutschsprachige Predigten in der Spitalskirche zu St. Jost im Stadtteil Latrán besuchten. Das Zentrum des religiösen Lebens der Protestanten bildete in der Zeit vor dem Ende des 16. Jh.s neben der Spitalskirche St. Jost der ehem. Wwe.nsitz Annas von Rosenberg, geb. von → Rogendorf. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre fanden umfangr. Umbauten an der Spitalskirche St. Jost statt. Ihr Ergebnis war eine neue, der Heiligen Dreifaltigkeit geweihte Kirche samt Turm. Peter Wok plante zunächst in dieser Dreifaltigkeitskirche die letzte Ruhestätte für sich und seine Gemahlin Katharina von → Rosenberg, geb. von Ludanice (gest. 22. Juni 1601), einzurichten. Der Leichnam Peter Woks wurde schließlich 1612 in der traditionellen Grablege der Familie im Zisterzienserkl. in Vyšší Brod/Hohenfurth beigesetzt. Die Res.stadt bildete das natürliche ökonomische Hinterland des Hofes der letzten Herren von → Rosenberg und das bedeutendste Marktzentrum in ihrem Dominium. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s kamen bei Umbauten der Bürgerhäuser Elemente der Renaissancearchitektur zum Tragen.
Ende 1601 verkaufte Peter Wok Stadt und Herrschaft Český Krumlov an Rudolf II. Auf diese Weise wollte der letzte rosenbergische Regent seine schwerwiegenden finanziellen Probleme lösen und zugl. der Durchsetzung des Heimfallrechts seitens des Landesherrn auf das rosenbergische Vermögen nach seinem Tode zuvorkommen. Als Peter Wok im April 1602 mit seinem Hof nach Třeboň/→ Wittingau übersiedelte, hörte Český Krumlov auf, die Residenzstadt der Herren von → Rosenberg zu sein.
Literatur
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