Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ROSENBERG

A. Rosenberg

I./II./III./IV.

Wok I. von R. (gest. 3. Juni 1262) war ein Sohn Wittigos d.J. von Prčice (geb. 1205, gest. 1236), dem Stammvater eines der vier Hauptzweige der Herren von → Krumau. Dieser Zweig der Herren von → Krumau.errichtete vor 1250 am Oberlauf der Vltava/Moldau im böhm.-österr. Grenzgebiet die Burg Rožmberk/R., wo er seinen Sitz nahm. Wok I. wurde zum ersten Mal in einer Urk. des böhm. Kg.s Wenzel I. vom 22. Juni 1250 (Woko de Rosenberch) unter den Zeugen erwähnt; er ist der erste namentlich bekannte Herr von R., der in seinem Wappen die rote fünfblättrige Rose im silbernen Feld trug. Er hatte die Würde eines Oberstmarschall des Kgr.s Böhmen (1255 als solcher nachgewiesen) inne und wurde später Landeshauptmann in Kärnten (Nachweise aus dem Jahre 1260). Wok I. gründete 1259 das Zisterzienserkl. in Vyšší Brod/Hohenfurth, wobei er die Krypta der Kl.kirche zur Familiengruft bestimmte. Als Gefolgsmann Přemysl Ottokars II. leistete er seinem Landesherren Waffenhilfe; so kämpfte er 1260 an der Seite des böhm. Kg.s in der Schlacht bei Kressenbrunn gegen Béla IV. Um der zunehmenden Expansion der Wittigonen in Südböhmen Einhalt zu gebieten, gründete Přemysl Ottokar II. 1263 in der Nähe des Dominiums der Herren von → Krumau das Zisterzienserkl. Svatá Trnová Koruna/Zur Hl. Dornenkrone, heute Zlatá Koruna/Goldenkron. Die Gemahlin Woks I. war Hedwiga von Schauenberg (gest. 13. Febr. 1315). Aus dieser Ehe stammten die Söhne Wittigo von R. (gest. 22. Sept. 1277) und Heinrich I. von R. (gest. 4. Juni 1310), der die Besitzungen der Familie übernahm.

Heinrich I. von R. schloß sich nach dem Tode Přemysl Ottokars II. (1278) in der Zeit des Interregnums vorübergehend der Partei des Záviš von Falkenstein (gest. 24. Aug. 1290) an, der als Hauptrepräsentant der Herren von → Krumau den Widerstand gegen den böhm. Kg. anführte. Bald wechselte Heinrich I. jedoch auf die Seite der Přemysliden. Seit dem Jahre 1300 hatte er mit hoher Wahrscheinlichkeit die Würde des Oberstkämmerers des Kgr.es Böhmen inne. Mit der Zustimmung des Kg.s, der auf das Heimfallrecht verzichtet hatte, übernahm Heinrich I. 1302 die Güter seiner Verwandten – der Herren von → Krumau, die mit dem Tode Woks von → Krumau im gen. Jahr ausstarben. Damals übersiedelte Heinrich I. von der Burg Rožmberk/R. nach Český Krumlov/→ Krumau, wo die Herren von R. schließlich bis 1602 ihre Res. haben sollten. Nach dem Tode Wenzels III. (1306) stellte sich Heinrich I. in den Kämpfen um den böhm. Thron auf die Seite Rudolfs von Habsburg. Die Gemahlin Heinrichs I. war Elisabeth von Dobruška (?), die ihrem Gatten vier Töchter und einen Sohn gebar – Johanna (gest. 3. Febr. 1317), Margarete (gest. 14. Juni 1357), Agnes (gest. 1347) so wie eine weitere namentlich nicht bekannte Tochter (etwa gest. 1344); der Sohn Peter I. von R. (gest. 14. Okt. 1347) übernahm 1310 die Familienbesitzungen.

Unter Peter I. von R. umfaßte das r.ische Dominium die Herrschaften Rožmberk/R., Vítkův Kámen/Wittinghausen, Český Krumlov/→ Krumau, Nové Hrady/Gratzen, Příběnice, Soběslav/Soběslau und Poděhusy. Peter I. übernahm nach seinem Vater die Würde des Oberstkämmerers des Kgr.s Böhmen. 1317-1318 trat er gemeinsam mit einer Reihe von böhm. Magnaten gegen die Regierung des Kg.s Johann von Luxemburg auf, 1319-1325 verlor er vorübergehend das Oberstkämmereramt. Die Beziehung zum Kg. verbesserte sich 1325, als er Johann von Luxemburg im Krieg mit der Stadt Metz milit. unterstützte. Damals wurde ihm wiederum die Würde des Oberstkämmerers übertragen, die er bis zu seinem Tode bekleidete. Dank seiner Dienste für den Kg. gelang es ihm, seine Besitzungen nach West- und Mittelböhmen, aber auch nach Schlesien (Goldminen in Reichenstein) zu erweitern; 1341 erhielt er vom Passauer Bf. das Gut Haslach in Oberösterreich als Lehen. An der Wende zwischen den 30er und 40er Jahren des 14. Jh.s bekleidete er während der Abwesenheit des Kg.s im Lande das Amt des Landeshauptmanns. Er war ein freigebiger Gönner des Kl.s in Vyšší Brod/Hohenfurth – auf seinen Auftrag schuf der Meister des Hohenfurther Altars neun Tafelbilder für den Altar der Kl.kirche. Auf Grund seines angegriffenen Gesundheitszustands verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens in Zurückgezogenheit. Peter I. vermählte sich i.J. 1315 mit Viola von Teschen (gest. 21. Sept. 1317), der Wwe. nach Kg. Wenzel III.; seine zweite Gemahlin war Katharina (gest. 7. April 1355), die aus einem nicht näher gen. Adelsgeschlecht stammte. Dieser Ehe entstammten fünf Söhne und drei Töchter – Heinrich II. (gest. 26. Aug. 1346) fiel in der Schlacht bei Crécy an der Seite des Kg.s Johann von Luxemburg, Peter II. (geb. 1326, gest. 16. Nov. 1384) war der erste Herr von R., bei dem das Geburtsjahr zu bestimmen ist, er war seit 1355 Probst der kgl. Allerheiligenkapelle auf der Prager Burg, weiters Jost I. (gest. 24. Juni 1369), Ulrich I. (gest. 4. März 1390) und Johann I.(gest. 1. Sept. 1389); die Töchter Peters I. hießen Mecela (gest. 3. Okt. 1380) und Anna (gest. 21. Dez. 1375); der Name der dritten Tochter ist nicht bekannt.

Jost I. von R. übernahm die Verwaltung des r.ischen Vermögens nach dem Tode Peters I. In den Jahren 1347-1351 bekleidete er das Oberstkämmereramt des Kgr.es Böhmen. Nach Streitigkeiten mit Karl IV. verließ er in den 50er Jahren des 14. Jh.s die Landespolitik. Die Ursache für die Spannungen zwischen Karl IV. und Jost I. war der in der Mitte der 50er Jahre begonnene Bau der kgl. Burg Karlův Hrádek/Karlsburg in der Nähe der Grenze des r.ischen Dominiums. Andererseits erlaubte der Kg. den Herren von R. den Bau zweier Burgen – Dívčí Kámen/Maidstein (1349) und Helfenburk/Helfenburg (1355). Im Frühling 1358 kam Papst Innozenz VI. einem Gesuch Josts I. und dessen Brüder entgegen, denn er erlaubte in Český Krumlov/→ Krumau die Gründung eines Doppelkl.s der Klarissinnen und Minoriten. In Třeboň/→ Wittingau gründeten Jost I. und seine Brüder 1367 ein Augustinerkl. Die Gemahlin Josts I. war Agnes von Wallsee (gest. Mai 1402).

Nach dem Tode des kinderlosen Jost I. trat 1369 sein Bruder Ulrich I. von R. an die Spitze des r.ischen Geschlechts. Seine Gemahlin war Elisabeth von Wartenberg (gest. 12. März 1387). Deren Sohn Heinrich III. von R. (gest. 28. Juli 1412) wurde 1390 Erbe des r.ischen Besitzes. Nach den Angaben eines Urbars aus der Wende der 70er und 80er Jahre des 14. Jh.s bestand das r.ische Dominium aus den Herrschaften Rožmberk/R., Nové Hrady/Gratzen, Příběnice, Choustník/Chausnik, Vildštejn/Wildstein, Ži- želice, Haslach, Vítkův Kámen/Wittinghausen, Frymburk/Friedberg, Český Krumlov/→ Krumau, Dívčí Kámen/Maidstein, Poděhusy, Helfenburk/Helfenburg, Bukovsko, Příběničky, Miličín/Miltschin, Sedlčany/Selčan, Strašice und Třeboň/→ Wittingau. Heinrich III. bekleidete die Würde des Oberstbgf.en des Kgr.s Böhmen (1396-1398, 1400-1404). Die zunehmende Spannung zwischen dem böhm. Kg. Wenzel IV. und dem böhm. Adel kulminierte in der Mitte der 90er Jahre des 14. Jh.s, als sich Heinrich III. gemeinsam mit weiteren böhm. Adeligen gegen den Kg. stellte. Wenzel IV. wurde vorübergehend in Český Krumlov/→ Krumau gefangen gehalten (im Mai 1394 und nochmals im März 1402). Die erste Gemahlin Heinrichs III. war Barbara von Schauenberg (gest. 5./6. März 1398). Aus dieser Ehe stammte der Sohn Peter III. (gest. 7. Dez. 1406). Die zweite Gemahlin Heinrichs III. war Elisabeth von Kravaře (gest. wahrscheinlich 1444), die ihm einen Sohn, Ulrich II. (geb. 13. Jan. 1403, gest. 28. April 1462), und eine Tochter, Katharina (geb. 1405, gest. April 1454), gebar.

Bis zur Erreichung der Volljährigkeit Ulrichs II. von R. i.J. 1418 stand das r.ische Dominium unter Vormundschaftsverwaltung. Von den Vormündern ist v.a. der utraquistisch gesinnte Čeněk von Wartenberg zu erwähnen, der für die nichtkatholische Erziehung Ulrichs II. die Verantwortung trug (im Juni 1417 befahl Čeněk von Wartenberg nach Vereinbarung mit Ulrich II. allen Priestern im r.ischen Dominium, die heilige Kommunion in beiderlei Gestalt zu reichen). Nach dem Ausbruch der hussitischen Revolution konvertierten Čeněk von Wartenberg und Ulrich II. von R. zum Katholizismus. Nach der Gründung von Tábor/Tabor wurde Ulrich II. im Frühling 1420 ein wichtiger Verbündeter Sigismunds von Luxemburg im Kampf gegen die Hussiten (die Eroberung Tábors im Sommer 1420 endete jedoch mit einem Mißerfolg der Truppen Ulrichs II.). Während der Hussitenrevolution, und insbes. nach der Schlacht bei Lipany 1434, galt Ulrich II. als Anführer der böhm. Katholiken. Dank der Aneignung von Kirchenbesitz, insbes. der Kl.güter, und der Verdrängung des niederen Adels gelang es ihm, in Südböhmen ein räumlich geschlossenes r.isches Dominium zu schaffen, das in der Zeit nach der Hussitenrevolution auf Grund seiner enormen territorialen Ausdehnung mit kleineren Fsm.ern im Römisch-Deutschen Reich verglichen werden konnte. Die Arrondierung der Besitzungen und die milit. Aktivitäten vertieften jedoch auch die Verschuldung seines Vermögens.

In den 40er und 50er Jahren des 15. Jh.s ließ Ulrich II. eine Reihe von Urk.nfälschungen durchführen, die den Herren von R. im Namen längst verstorbener böhm. Kg.e vermögensrechtliche Privilegien verschaffen und die übergeordnete Stellung des Geschlechts in der ständischen Gemeinde bestätigten sollten. Das gewichtigste Falsum war das gefälschte Privileg aus dem Jahr 1360, mit dem der römische Ks. und böhm. Kg. Karl IV. angeblich die alte Einrichtung der Regentschaft (vladařství) über das Haus R. bestätigte. Das Privileg sollte ausschließlich einem einzigen – in der Regel dem ältesten – Mitglied des Geschlechts die Würde des Regenten (vladař) über das unteilbare Dominium sichern. Die übrigen Angehörigen des Geschlechts sollten dem r.ischen Regenten unterstellt sein (»r.isches Majorat«). Eine derartige Regelung entwickelte sich bereits in den vorhergehenden Generationen, als durch biologischen Zufall in jeder Generation nur ein einziger männlicher Nachfolger vorhanden war. Den Titel eines Regenten des Hauses R. führte jedoch erstmals Ulrich II. Durch die Eintragung dieser Fälschung Ulrichs II. in die Landtafeln i.J. 1493 (wiederum bestätigt 1541) gewann diese Urk.nfälschung die Gültigkeit eines Gesetzes, das die Herren von R. bis zum Aussterben ihres Geschlechtes 1611 einhielten.

Auf Ulrich II. geht auch die Annahme einer fiktiven Herkunft der Herren von R. von dem ital. Fs.engeschlecht Orsini zurück, die auf der äußerlichen Ähnlichkeit beider Wappen begründet war. Das Wappen der Orsini zeigte in der oberen Hälfte des geteilten Schildes eine rote fünfblättrige Rose auf silbernem Feld, in der unteren Hälfte ein silbernes Feld mit drei roten Streifen. In den Jahren 1468-1481 bezeugten drei einflußreiche Angehörige des Geschlechtes der Orsini sogar dank dreier Urk.n die römisch-fsl. Herkunft der Herren von R. Diese Abstammungslegende forcierte in den 50er Jahren des 16. Jh.s Wilhelm von R., als er das r.ische Wappen um Elemente des Orsini-Wappens, nämlich zwei Bären als Schildträger, erweitern ließ.

Die Gemahlin Ulrichs II. war Katharina von Wartenberg (gest. vor 4. Juli 1436). In diese Ehe wurden drei Söhne und drei Töchter geb. – Heinrich IV. (gest. 25. Jan. 1457), Jost II. (geb. 1430, gest. 15. Dez. 1467), Johann II. (gest. 8. Nov. 1472), Agnes (gest. 25. Juli 1488), Perchta (gest. 2. Mai 1476) und Ludmila (gest. nach 1452). Von der unglücklichen Ehe Perchtas von R. mit Johann von Liechtenstein (gest. 1473) geben 32 erhaltene Briefe aus den Jahren 1449-1470 Zeugnis ab. Ulrich II. war ein äußerst ehrgeiziger, tatkräftiger und erfinderischer Organisator, aber auch ein bei der Wahl seiner Mittel nicht unbedingt empfindlicher Politiker.

Ulrich II. übergab im Nov. 1451 die Regierung über das r.ische Dominium seinem Sohn Heinrich IV. von R., der sich gemeinsam mit den übrigen katholisch gesinnten Magnaten entschieden gegen die Kandidatur Georgs von Poděbrady, der sich zum Utraquismus bekannte, auf den böhm. Kg.sthron stellte. In den Kämpfen um die Kg.swürde 1453 unterstützte Heinrich IV. Ladislaus Posthumus. Nach dem Tode Heinrichs IV. 1457 übernahm sein Bruder Johann II. die Regierung, da Jost II. die kirchliche Laufbahn einschlug (1456 Weihe zum Bf. von Breslau).

Der gemäßigte Katholik Johann II. von R. unterstützte 1458 die Wahl Georgs von Poděbrady zum böhm. Kg. Dies rief familiäre Konflikte mit seinem Vater Ulrich II. hervor, der seinen Lebensabend auf der Burg Dívčí Kámen/Maidstein verbrachte. Als Papst Paul II. Georg von Poděbrady zum Ketzer erklärte, Schloß sich Johann II. 1465 vorübergehend einer politisch einflußreichen Gruppierung katholisch gesinnter Magnaten an, die in Opposition zu dem Hussitenkg. standen (Zelenohorská jednota). 1468 war Johann II. ein wichtiger böhm. Parteigänger des ungarischen Kg.s Matthias Corvinus, der durchsetzte, daß dem Herr von R. die Würde des Oberstkämmerers des Kgr.es Böhmen erteilt wurde. Die milit. Aktivitäten Ulrichs II. gegen die Hussiten verschärften die Verschuldung des r.ischen Vermögens. Aus Mangel an Bargeld war Johann II. gezwungen, einige Randherrschaften seines Dominiums zu verpfänden. Aus der Ehe Johanns II. mit Anna von Glogau (gest. 17. Dez. 1483) entsprangen vier Söhne und sechs Töchter – Heinrich V. (geb. 25. Juni 1456, gest. 21. Mai 1489), Wok II. (geb. 18. Juli 1459, gest. 1. Sept. 1505), Peter IV. (geb. 17. Jan. 1462, gest. 9. Okt. 1523), Ulrich III. (geb. 17. Jan. 1471, gest. Nov. 1513), Katharina (geb. 17. Aug. 1457, gest. 20. Aug. 1521), Margarete (geb. 8. Juni 1460), Barbara (geb. 8. Juni 1460), Hedwiga (geb. 20. Jan. 1464, gest. 29. April 1520), Elisabeth (geb. 16. Febr. 1466) und Johanna (geb. 2. Sept. 1467, gest. 24. Sept. 1482).

In den Jahren 1472-1475 scheint Heinrich V. von R. kurzfristig als r.ischer Regent auf. Nach der Jahresmitte 1475 trat der geisteskranke Heinrich V. die Würde des r.ischen Regenten an seinen Bruder Wok II. von R. ab, der die Verwaltung des Vermögens seinen Vormündern anvertraute und an den Hof der bayerischen Hzg.e nach Landshut ging. Erst Ende der 70er Jahre des 15. Jh.s hörten die Herren von R. auf, die Politik von Matthias Corvinus im Kgr. Böhmen zu unterstützen, als sie sich zunehmend dem böhm. Kg. Wladislaw II. Jagiello und Ks. Friedrich III. zuwandten. In die Ehe Woks II. mit Margaretes von Gutenstein wurden fünf Söhne – Johann III. (geb. 24. Nov. 1484, gest. Febr. 1532), Heinrich VI. (geb. 14. März 1487, gest. 16. April 1494), Jost III. (geb. 30. Juni 1488, gest. 15. Okt. 1539), Peter V. (geb. 17. Dez. 1489, gest. 6. Nov. 1545), Heinrich VII. (geb. 15. Jan. 1496, gest. 18. Aug. 1526) und die Tochter Sidonie geb. An der Wende des 15. zum 16. Jh.s besaßen die Herren von R. in Südböhmen einen territorial zusammenhängenden Herrschaftsbereich, der sich aus einer Reihe von Einzelherrschaften (Český Krumlov/→ Krumau, Dívčí Kámen/Maidstein, Helfenburk/Helfenburg, Choustník/Chausnik, Miličín/Miltschin, Nové Hrady/Gratzen, Prachatice/Prachatitz, Příběnice, Rožmberk/R., Vítkův Hrádek/Wittinghausen, Třeboň/→ Wittingau sowie das österr. Haslach), Städten, Märkten und Dörfern zusammensetzte. Über das r.ische Dominium führten wichtige Handelswege nach Österreich und Bayern. Das ökonomische Hauptaugenmerk der Herren von R. lag vor dem Ende des 15. Jh.s auf der Entwicklung des Handwerks in ihren Patrimonialstädten, auf der Teichwirtschaft auf der Herrschaft Třeboň/→ Wittingau und auf der Gewinnung von Edelmetallen in der Umgebung von Český Krumlov/→ Krumau.

Nach dem Rücktritt des kranken Wok II. übernahm Ende 1493 für weitere dreißig Jahre sein jüngerer Bruder Peter IV. von R. die Regentschaft über das Haus R., der in seiner Jugend eine umfassende humanistische Bildung an der Universität in Bologna erwarb (1477-1478). Der Weg, den Peter IV. in der zweiten Hälfte der 90er Jahre des 15. Jh.s als Obersthauptmann des Kgr.s Böhmen in der Landespolitik einschlug, endete mit einem Mißerfolg. Die wichtigsten Landesämter wurden von Zdeněk Lev von Rosenthal, Wilhelm und Adalbert von P. beherrscht. Der Einfluß Peters IV. auf das politische Geschehen im Kgr. Böhmen begann zu Beginn des 16. Jh.s zu sinken. Er wandte nun seine Aufmerksamkeit verstärkt dem Ausbau seiner regionalen Machtstellung in Südböhmen zu, wo er das Amt eines Kreishauptmanns bekleidete. Die weiterhin bestehende Sonderstellung der Herren von R. wurde in der Wladislawschen Landesordnung (1500) bekräftigt, in der der Vorrang dieses südböhm. Geschlechtes vor allen Herren und Rittern im Kgr. Böhmen bestätigt wurde. Aus der Ehe Peters IV. mit Elisabeth von Kravaře (gest. Mai 1500) stammte Barbara, die jedoch frühzeitig verstarb.

An seinem Lebensende wollte sich Peter IV. von R. mit der beabsichtigten Nachfolgerschaft seiner Neffen, der hinterlassenen Söhne seines älteren Bruders Wok II., nicht abfinden. Johann III. ließ er die Würde des Oberstpriors der böhm. Johanniter (1507) annehmen. Zu seinen übrigen Neffen – Jost III., Peter V. und Heinrich VII. – nahm Peter IV. ein feindliches Verhältnis ein. In seinem Testament, das nach seinem Tod im Okt. 1523 veröffentlicht wurde, enterbte er seine Neffen. Der älteste Neffe Johann III. sollte das r.ische Vermögen nur auf Lebenszeit genießen. Nach seinem Tode wäre das Familienvermögen an die Herren von Rosenthal, → Schwanberg, → Sternberg und weitere verwandte Familien übergegangen. Nach dem Tode Peters IV. im Okt. 1523 übernahm gemäß den Bestimmungen des Testaments Johann III. von R. die r.ische Regierung. Gegen diesen Schritt stellten sich die übrigen Neffen, die im Sommer 1524 Heinrich VII. von R. zum Regenten bestimmten, der jedoch am 18. Aug. 1526 im niederösterr. Zwettl verstarb, als er sich zu einem Feldzug an der Seite Ludwig Jagiellos gegen die Türken nach Mohacs vorbereitete. Seine erste Ehe schloß Heinrich VII. mit Magdalena von → Sternberg (gest. 28. Juni 1521), die zweite mit Anna von → Neuhaus (gest. Okt. 1570). Nach dem Tode Heinrichs VII. einigten sich die Herren von R. auf Johann III. von R., der wiederum die r.ische Regentschaft annahm.

Die Herren von R. unterstützten im Herbst 1526 die Kandidatur des österr. Ehzg.s Ferdinand zum böhm. Kg. Obwohl das Testament Peters IV. Mitte des Jahres 1528 aufgehoben wurde, mußten die Herren von R. an Zdeněk Lev von Rosenthal, der die größten Ansprüche auf das r.ische Vermögen anmeldete, eine Entschädigung zahlen. Nach dem Tode Johanns III. im Febr. 1532 übernahm die Würde des r.ischen Regenten sein Bruder Jost III. von R. Dessen erste Gemahlin Bohunka von Starhemberg (gest. 28. Jan. 1530) starb bei der Geburt der Tochter Anna (geb. 28. Jan. 1530, gest. 16. Dez. 1580). Die zweite Gemahlin Josts III. war Anna von → Rogendorf (gest. 5. Sept. 1562), die vier Söhne und drei Töchter zur Welt brachte – Ferdinand Wok (geb. 27. April 1531, gest. Dez. 1531), Elisabeth (geb. Okt. 1532, gest. 5. Febr. 1576), Wilhelm (geb. 10. März 1535, gest. 31. Aug. 1592), Ulrich IV. (geb. Febr. 1534, gest. 21. Febr. 1535), Bohunka (geb. 17. März 1536, gest. 16. Nov. 1557), Eva (geb. 12. April 1537, gest. Aug. 1591), Peter Wok (geb. 1. Okt. 1539, gest. 6. Nov. 1611). Nach Josts Tod im Aug. 1539 übernahm sein Bruder Peter V. von R. die Regierung über das r.ische Dominium und die Vormundschaft über die Kinder Josts III. Peter V. blieb unverheiratet, weshalb er das r.ische Vermögen seinen Neffen Wilhelm und Peter Wok von R. vermachte. Nach dem Tode Peters V. 1545 wurde das r.ische Dominium sechs Jahre lang unter Vormundschaftsverwaltung gestellt.

Wilhelm von R. wurde i.J. 1551 mit 16 Jahren durch einen Beschluß Ferdinands I. für volljährig erklärt; er übernahm die r.ische Regentschaft und die Verwaltung des riesigen Dominiums, das aus den Herrschaften Český Krumlov/→ Krumau, Drslavice, Haslach, Helfenburk/Helfenburg, Choustník/Chausnik, Miličín/Miltschin, Nové Hrady/Gratzen, Rožmberk/R., Třeboň/→ Wittingau und Želeč bestand. Der r.ische Regent hatte das Patronatsrecht über die Kl. in Borovany/Forbes, Český Krumlov/→ Krumau, Třeboň/→ Wittingau, Vyšší Brod/Hohenfurth und Zlatá Koruna/Goldenkron. Weitere Herrschaften erwarb Wilhelm von R. zwischen 1550 und 1580 (Libějovice/Libějitz, Stráž nad Nežárkou/Platz, Roudnice nad Labem/→ Raudnitz, die schles. Bergstädte Reichenberg und Silberberg). Auf dem Dominium lebten etwa 70 000 Untertanen (etwa 6-7% aller Bewohner des Kgr.s Böhmen). Wilhelm von R. forcierte zur Ertragssteigerung die Eigenregiewirtschaft auf seinen Herrschaften und Gütern in Form von Meierhöfen, Brauereien, Teichen, Mühlen, Schafställen, Gestüten, Hammermühlen, Glashütten und Bergwerken.

Wilhelm von R. unternahm 1551-1552 mit einigen Standesgenossen eine Kavaliersreise nach Italien. Nach seiner Rückkehr setzte er sich 1554-1556 in der Konkurrenz mit Heinrich IV. von Plauen um die Erneuerung der Vorrangsstellung des r.ischen Geschlechtes in der ständischen Gesellschaft ein. 1560 erwarb er die Würde des Oberstkämmerers, von 1570 bis zu seinem Tode bekleidete er das Amt des Oberstbgf.en des Kgr.s Böhmen. 1566 stellte er sich an die Spitze eines Feldzugs gegen die Türken. Als gemäßigter Katholik vermittelte er in den politischen Verhandlungen zwischen den mehrheitlich nichtkatholischen böhm. Ständen und dem habsburgischen Kg. Die konservative Gesinnung des r.ischen Regenten kam 1575 bei den Beratungen zur Annahme der Böhm.en Konfession (Confessio Bohemica) im Landtag deutlich zum Ausdruck, wobei Wilhelm von R. zur Ablehnung des religiösen Programms der böhm. Protestanten beitrug. Er war sich der Tatsache bewußt, daß zu diesem Zeitpunkt weder Katholiken noch Protestanten genügend Kräfte zu einer raschen Durchsetzung ihrer unterschiedlichen religiösen und politischen Vorstellungen hatten. In den 80er Jahren des 16. Jh.s näherte er sich unter dem Eindruck der zunehmenden Gegenreformation dem radikaleren Flügel der Katholiken an. Wilhelm von R. war ein bedachter und zielbewußter Staatsmann, der reichste Magnat des Kgr.s Böhmen, ein adeliger Unternehmer, Mäzen und Bauherr. Er überzeugte durch seine politischen Fähigkeiten, die er bei diplomatischen Missionen im Auftrag der habsburgischen Ks. zur Geltung brachte. Zu den bedeutendsten gehörten die Reisen nach Polen in den Jahren 1572-1573, 1576 und 1589, wo über die poln. Kg.swahl entschieden wurde. Die Habsburger belohnten 1585 die Ergebenheit Wilhelms von R. mit der Verleihung des Ordens des Goldenen Vließes. Durch seine vier Ehen knüpfte er verwandtschaftliche Kontakte zu einer Reihe von europ. Fs.enfamilien – seine erste Gemahlin war Katharina von Braunschweig (geb. 1534, gest. 10. Mai 1559), die zweite Ehe ging er mit Sofia von Brandenburg (geb. 14. Dez. 1541, gest. 27. Juni 1564) ein, die dritte mit Anna Maria von Baden (geb. 22. Mai 1562, gest. 25. April 1583), die vierte schließlich mit Polyxena von P. (geb. 1567, gest. 24. Mai 1642). Sämtliche Ehen blieben kinderlos.

Somit lag die Fortsetzung des Geschlechtes in den Händen von Wilhelms jüngerem Bruder Peter Wok von R., der der letzte r.ische Regent werden sollte. 1560 wurde er zum Kämmerer in der Leibkammer am Hofe Maximilians II. ernannt. 1562-1563 unternahm er auf Einladung Wilhelms von Oranien eine Kavaliersreise in die Niederlande und nach England. Bis 1565 lebte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder in Český Krumlov/→ Krumau. Nach seiner Verselbständigung trat ihm sein Bruder die Herrschaften Vimperk/Winterberg, Choustník/Chausnik mit der Stadt Soběslav/Soběslau und Želeč ab; 1569 ließ er sich in Bechyně/→ Bechin nieder, wo er bis 1592 lebte. Bereits in seiner Jugend löste sich Peter Wok vom Katholizismus; zunächst neigte er dem Luthertum zu, nach 1582 dem Glauben der offiziell verbotenen Böhm.en Brüdergemeinde. Die Regierung über das verschuldete r.ische Dominium übernahm er im Herbst 1592 ohne über Erfahrungen in der hohen Landespolitik zu verfügen. Peter Wok wurde 1594 die Würde eines Oberstkommandanten im ungarischen Feldzug der böhm. Stände gegen die Türken übertragen. Sein langjähriger Kräfte raubender Kampf mit Gläubigern und Feinden am Ks.hof kulminierte 1602, als er die Hauptherrschaft der Familie, Český Krumlov/→ Krumau, und weitere Güter an Ks. Rudolf II. abtreten mußte. Nach dem Verkauf der verschuldeten Güter hatten die Herren von R. zu Beginn des 17. Jh.s die führende Stellung unter den reichsten Adeligen im Kgr. Böhmen verloren. Peter Wok übersiedelte nach dem Verkauf von Český Krumlov/→ Krumau mit seinem Hof nach Třeboň/→ Wittingau. Von der international bedeutenden politischen Funktion des Hofes von Peter Wok zeugen die in den Jahren 1605-1611 in Třeboň/→ Wittingau.stattfindenden Treffen von führenden Repräsentanten der antihabsburgischen Opposition der nichtkatholischen Stände der böhm., mähr. und österr. Länder sowie aus dem Reich. Die Ehe Peter Woks und Katharinas von Ludanice (geb. etwa 1567, gest. 22. Juni 1601) blieb kinderlos. Der letzte r.ische Regent, der sich auch als Kunstsammler, Bibliophile, Mäzen und Bauherr der böhm. Renaissance einen Namen machte, starb auf seinem Schloß in Třeboň/→ Wittingau. Das r.ische Erbe ging Ende 1611 gemäß älteren Vereinbarungen an die Herren von Schwanberg über.

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