ROG[G]ENDORF
I./II.
S. (1141: Sicindorf, Siedlung eines Sico/Sizo) liegt im niederösterr. Weinviertel in einer Senke des Schmidatals an einer alten Nord-Süd-Verbindung, der ma. Eggenburger Hochstraße. S. scheint zu Ende des 12. Jh.s im Eigentum der bayerischen Gf.en von → Ortenburg auf, dann im Lehensbesitz der Kuenringer, die den lokalen Herrschaftsausbau niederadligen Familien der Gegend, etwa den S.en, überlassen. Seit 1361 haben die Malzkasten Besitz in S., die mittlerweile landesfsl. Lehen gewordene Burg und Herrschaft erwerben sie 1376, ihnen folgte offenbar kurzzeitig nach 1486 Wiguleius Vellabrunner, zwischen 1492 und 1497 Hans von Wilfersdorf (gest. 1504), dann der oberste Baumeister Maximilians I., Hans Geyer, der S. 1514 an Wolfgang von → Roggendorf verkaufte. 1613 war Katharina von der Goltz (geb. von Landau, verw. von R.) Inhaberin der Herrschaft, durch sie gelangte S. an die Landau, schließlich 1638/39 an die Gf.en Sinzendorf, 1681 an die Gf.en Dietrichstein. S. wird erstmals 1545 als Markt bezeichnet.
III.
Die ehem. S.er Burg, vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jh.s von den Kuenringern bzw. deren Klienten, den S.ern, errichtet, jedoch erst im 14. Jh. urkundlich belegt, lag am nordwestlichen Abschluß des Hauptplatzes in einer Senke und wurde 1745 wg. Baufälligkeit zum größten Teil abgebrochen, der barocke Neubau der Familie Dietrichstein blieb zunächst torsoartig unvollendet. 1875 kaufte die Gmd. S. das Gebäude an und richtete darin die Volksschule ein (heute Hauptschule, Nr. 1).
Abbildungen des alten Schlosses überliefern der Stich bei Vischer von 1672 und ein Ölgemälde im Heimatmuseum Hollabrunn zwischen 1710 und 1745. Demnach wurde ein kompakter vierflügeliger dreigeschossiger Wohnbau mit Dachreiter an der Einfahrtsseite von zweigeschossigen Zwingerbauten mit Ecktürmen an der Einfahrtsseite umgeben. An der Südseite vermittelte eine Brücke die Zufahrt über den um das Schloß geführten Wassergraben.
In der östlich der Burg auf einer Anhöhe gelegenen und spätestens nach 1575 durch die anschließenden Wirtschaftsgebäude und den Pfarrhof in deren Anlage eingebundenen Pfarrkirche Hl. Martin wurde Wolfgangs erste Ehefrau Elisabeth von Liechtenstein-Nikolsburg (gest. 1517) bestattet, deren rotmarmorne Wappengrabplatte erst 2003 bei Restaurierungsmaßnahmen wieder aufgefunden wurde. Der Befund der Bestattungen mehrerer Angehöriger der Familie des Wolfgang von → Roggendorf deutet darauf hin, daß S. von jenem und seiner Familie tatsächlich – offenbar abwechselnd mit → Ottenschlag – als Wohnsitz benützt wurde. Dagegen lebte Hans Wilhelm von → Roggendorf in Ausübung seiner Amtsgeschäfte als Niederösterr. Landmarschall fast ausschließlich in Wien, wurde jedoch 1591 in S. bestattet.
Literatur
Aichinger-Rosenberger, Peter: Sitzendorf an der Schmida. Kunst und Architektur, in: Daheim in Sitzendorf. Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida, hg. von Peter Aichinger-Rosenberger, Sitzendorf 2006, S. 613-664, bes. S. 634-639. – Jeitler, Markus: Sitzendorf an der Schmida im Spätmittelalter (1300-1500), in: Daheim in Sitzendorf. Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida, hg. von Peter Aichinger-Rosenberger, Sitzendorf 2006, S. 43-66. – Jeitler, Markus: Sitzendorf an der Schmida in der Neuzeit, in: Daheim in Sitzendorf. Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida, hg. von Peter Aichinger-Rosenberger, Sitzendorf 2006, S. 67-93. – Kupfer, Erwin: Sitzendorf an der Schmida. Grundzüge seiner ältesten Herrschaftsgeschichte, in: Daheim in Sitzendorf. Heimatbuch der Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida, hg. von Peter Aichinger-Rosenberger, Sitzendorf 2006, S. 27-42. – Prinz, Josef: Marktgemeinde Sitzendorf an der Schmida. in: Vergangenheit und Gegenwart. Der Bezirk Hollabrunn und seine Gemeinden, hg. von Ernst Bezemek, red. Willibald Rosner, Hollabrunn 1993, S. 878-921. – Reichhalter, Gerhard/Kühtreiber, Karin/Kühtreiber, Thomas (mit Beiträgen von Günter Marian und Roman Zehetmayer): Burgen Weinviertel, Wien 2005, S. 361 f.