Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ROG[G]ENDORF

C. Ottenschlag

I./II.

O. (1297 Ottenslag; Rodungssiedlung eines Otto) liegt im südwestlichen Waldviertel ca. 20 km südlich von Zwettl am Schnittpunkt der von der Donau nach N führenden mit der von O aus Spitz kommenden Straße. Seit der Mitte des 13. Jh.s war O. freies Eigen der Herren von Maissau, nach deren Aussterben gelangte die Herrschaft als landesfsl. Lehen 1441 an Georg Scheck von Wald, schließlich 1479 durch Kauf von Wolfgang von Seisenegg an Kaspar von → Roggendorf, der 1488 damit auch von Kg. Matthias Corvinus belehnt wurde. Nach der Desertion Gf. Christophs von → Guntersdorf 1546 wurde auch das landesfsl. Lehen O. von der Hofkammer eingezogen. Die formale neuerliche Belehnung der Brüder Hans Wilhelm und Georg Ehrenreich (I.) von → Roggendorf mit O. 1551 diente nur noch der Finalisierung des bereits zuvor zur Verringerung der von Gf. Christoph hinterlassenen Schulden vertraglich vereinbarten Verkaufs um 22 882 fl. an Sigmund Gf. Lodron. Diesem folgte als Inhaber noch vor 1554 der Hofkammerrat Melchior (d.Ä.) von Hohberg.

III.

Das Schloß, in leicht erhöhter Ortslage an der Nordseite des Markts gelegen, stellt sich heute als ausgedehnter dreigeschossiger, dreiflügeliger, nüchterner Bau mit runden Ecktürmen um einen weitläufigen Innenhof dar. Der ursprgl. den vierten, nordöstlichen Flügel bildende eigtl. Burgbau des Hoch- und SpätMAs (Palas) wurde im 18. Jh. abgetragen.

Da → Pöggstall zwar symbolisch zentraler österr. Besitz der → Roggendorfer war, als Objekt aber auch schon vor expliziten Teilungsverträgen (1510 und 1533) hauptsächlich dem außer Landes weilenden Wilhelm zugerechnet wurde, dienten dessen Bruder Wolfgang von → Roggendorf nach der ersten Verehelichung Schloß O., das von ihm nach Familienaufzeichnungen ab 1523 zeitgenössischen Ansprüchen gemäß ausgebaut wurde (die heute erhaltene Dreiflügelanlage wird meist mit dem archivalisch gen. fürbau identifiziert) und Sitzendorf als Hauptres.en. Zur Herrschaft gehörten 1510 der Ottenschläger Markt, das umfangr. Ottenschläger Landgericht, die Kirchenpatronate in O. und Allentsgschwendt sowie vier Teiche.

Auf die häufigen Aufenthalte von Wolfgangs Familie in O., das offenbar schon seit 1390 Markt war, verweisen mehrere archivalisch belegte Bestattungen frühverstorbener Kinder in der ehem. Pfarrkirche Hl. Hippolyt. Die Beisetzungsorte frühverstorbener Angehöriger, abwechselnd in Sitzendorf bzw. in O., machen deutlich, daß die Pöggstaller Schloßkirche nur für die im Erwachsenenalter verstorbenen männlichen Familienangehörigen verpflichtender Beisetzungsort war. Die Ottenschläger Grabdenkmäler der → Roggendorfer sind wohl entweder schon beim weitgehenden Neubau der alten Pfarrkirche in der Mitte des 16. Jh.s unter dem damaligen Inhaber der Herrschaft, Melchior von Hohberg (gest. 1566), oder spätestens beim Abbruch dieses Gebäudes zwischen 1864 und 1869 verloren gegangen.

Plesser, Alois u. a.: Ottenschlag, in: Topographie von Niederösterreich. Bd. 7: Alphabetische Reihenfolge und Schilderung der Ortschaften in Niederösterreich, Bd. 6: N und O mit Register, Wien 1915, S. 582-590. – Reichhalter, Gerhard/Kühtreiber, Karin/Kühtreiber, Thomas: Burgen Waldviertel und Wachau, Wien 2001, S. 254 f.