Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ROG[G]ENDORF

C. Mollenburg

I./II.

Die Ruine M. (1303 Malemberch, von mhd. mol/molle, Eidechse) liegt im südlichen Waldviertel im zur Donau entwässernden Weitental, 700 m nordwestlich von Weiten, auf einem etwa 40 m hohen, nach drei Seiten abfallenden Bergrücken.

III.

Die ausgedehnte Burganlage setzt sich aus Vorburg und Hochburg zusammen, die durch einen Halsgraben getrennt, durch Zwingeranlagen jedoch verbunden sind. Die Hochburg geht aus einem kastellartigen Bau des 13. Jh.s hervor, das Wohngebäude überformt viell. den alten Palas. Nach Zerstörung am Ende des 13. Jh.s erfolgten ausgedehnte Baumaßnahmen im frühen 14. Jh. Nach dem Ankauf durch Kaspar von R. 1486 folgen spätma. Um- und Neubauten wie ein Treppenturm mit qualitätvollem verstäbten Portal am Bergfried, die Rauchküche im S des Burghofs, die Aufstockung des umgestalteten Palas um ein Wehrgeschoß und Bausubstanz im Bereich der Vorburg. An den anschließenden Baustufen der Renaissance haben die → Roggendorfer wohl nur mehr geringen Anteil.

Ab ca. 1250 sind als Inhaber des freien Eigens M. Vertreter des wohl mit den Anschau-Starhembergern verwandten Landherrengeschlechts der → Werder/Herren von Werd nachweisbar. Wirtschaftlicher Niedergang zwang die M.er Linie der Familie im frühen 14. Jh. zur schrittweisen Veräußerung des umliegenden Besitzes an die in unmittelbarer Nähe engagierten und ihre lokalen Güter arrondierenden Herren von Streitwiesen. Um 1440 gelangten Burg und Herrschaft wohl durch die Ehe der Johanna von Streitwiesen mit Reinprecht (II.) von Ebersdorf an die Ebersdorfer, 1486 durch Kauf von Benedikt von Ebersdorf als freies Eigen an Kaspar von R. Zur Herrschaft gehörten die Kirchenpatronate in Marbach an der Donau, Laimbach am Ostrong und Waldhausen sowie die Erbvogtei in Weiten und Münichreith am Ostrong, den Wildbann am Ostrong verkaufte Kaspar an Maximilian I. Zur Arrondierung der Herrschaft M. kaufte Kaspar 1487 noch die öde Burg und das Amt Pöbring an. Nach 1510 fungierte die Burg wohl wenigstens zeitw. als Wohnsitz von Kaspars jüngstem Sohn, Georg von → Roggendorf, der 1516 M. von seinen beiden Brüdern erwarb. 1521 wurde M. de facto als Pertinenz der Herrschaft → Pöggstall/→ Roggendorf mit dieser zur Reichsfrh.schaft erhoben, 1546/47 jedoch als Hans Wilhelms und Georg Ehrenreichs (I.) von → Roggendorf Erbe nach ihrem Onkel Georg, infolge des Desertions- und Hochverratsverfahrens gegen ihren Vormund, Christoph Gf.en von → Guntersdorf, Frh.en von → Roggendorf und M., konfisziert und aus der Kridaabh. des → Roggendorfers um 11 600 fl. an Hieronymus Geyer verkauft, der um 1558 in der alten Vorburg ein »Hochhaus« errichtete.

Zur M. hatte seit 1449 ein aus der Herrschaft → Pöggstall losgelöstes Landgericht gehört. Da die → Roggendorfer seit 1486 beide Herrschaften besaßen, wurden auch beide Landgerichte de facto wieder vereinigt.

Zur Herrschaft M., die 1487 vom Pfleger Florian Hollerberger verwaltet wurde, gehörten die Lehen der kleinen Adelssitze Arndorf und Kälberhof in Neukirchen am Ostrong. Arndorf, ursprgl. namengebender Sitz der Erndorfer, gaben die R.er an die zu ihrer Dienerschaft gehörenden Schauchinger aus. Den ebenfalls zur M. gehörigen ausgedehnten Wildbann im Ostrongwald verkaufte Kaspar – wie oben gesagt – unter Vorbehalt des Niederwilds spätestens 1501 an Ks. Maximilian I.

Plesser, Alois u. a.: Mollenburg, in: Topographie von Niederösterreich, Bd. 6: Alphabetische Reihenfolge und Schilderung der Ortschaften in Niederösterreich, Bd. 5: M mit Register, Wien 1909, S. 811-814. – Pongratz, Walter/Seebach, Gerhard: Burgen und Schlösser Niederösterreich. Ysper u. a. 1972, S. 65- 74. – Reichhalter, Gerhard/Kühtreiber, Karin/Kühtreiber, Thomas: Burgen Waldviertel und Wachau, Wien 2001, S. 408-410. – Reil, Anton Friedrich: Das Donauländchen der kaiserlich-königlichen Patrimonialherrschaften im Viertel Obermannhartsberg in Niederösterreich, geographisch und historisch beschrieben, Wien 1835.