ROG[G]ENDORF
I.
Ein geschlossenes reichsständisches Territorium konnten die R.er aufgrund der kurzen Dauer ihrer Reichsfrh.en- (16 Jahre) bzw. Reichsgf.enwürde (neun Jahre) und der extremen besitzrechtlichen Heterogenität ihres ausgedehnten Herrschaftsgebildes nicht entwikkeln. Möglichkeiten zum Erwerb niederösterr. Burgen und Herrschaften nahm Kaspar von R. scheinbar routinemäßig wahr, um einer Arrondierung des bereits Erworbenen nicht förderliche Spekulationsobjekte bald wieder planmäßig abzustoßen: neben → Pöggstall kaufte er 1478 Rosenburg (Gmd. Rosenburg-Mold, VB → Horn), im Folgejahr → Ottenschlag (VB Zwettl). Alle drei Burgen und Herrschaften waren landesfsl. Lehen. 1486 kaufte er schließlich von Benedikt von Ebersdorf seine erste freieigene Herrschaft, Schloß → Mollenburg (Gmd. Weiten, VB Melk) samt den zugehörigen Gütern und den Kirchenpatronaten in Marbach an der Donau (VB Melk), Laimbach am Ostrong, (Gmd. Münichreith-Laimbach, VB Melk) Waldhausen (VB Zwettl) und der Erbvogtei in Weiten und Münichreith am Ostrong (Gmd. Münichreith-Laimbach, VB Melk) an. 1487 kamen dazu die öde Burg und das Amt Pöbring (Gmd. Artstetten-Pöbring, VB Melk) im Tausch gegen die Rosenburg. Nach längeren fruchtlosen Versuchen, die Einflußnahme des dort als Vogt fungierenden R.ers abzustellen, verkaufte das Benediktinerkl. Kremsmünster 1503 seine Rechte in Martinsberg (VB Zwettl) mit Ausnahme des Pfarrlehens und der Pfarruntertanen an Kaspar.
Die reichsten Einkünfte lukrierte Kaspar aus den unter verschiedenen Rechtstiteln (Pfand, Satz, Pflege, Burghut usw.) von ihm verwalteten landesfsl. Herrschaften, Ämtern und Renten in Ober- und Niederösterreich, etwa der Bgft. bzw. Pflege von Steyr (OÖ, 1491-1493 und 1500-1506) und Ybbs (VB Waidhofen an der Ybbs, 1478), den Pfandherrschaften Dürnstein (VB Krems, 1487 bis 1502) und → Krumau am Kamp (VB Krems, 1484) und den einträglichen Donaumauten, Aufschlägen und anderen Einkunftsquellen, die Friedrich III. und Maximilian I. jeweils für entspr., strategisch klug gewährte Darlehen des R.ers an diesen verpfänden oder versetzen mußten: 1470 Weitenegg (Gem. Leiben, VB Melk), 1477 den Aufschlag in Melk, 1479 Werfenstein im Struden (Gmd. St. Nikola an der Donau, PB Perg, OÖ) samt Mauten und anderen Renten, 1474-1485 das Ungeld in Waidhofen an der Ybbs und Ybbs, Ende 1491-1493 Maut, Ungeld und Gerichtsgefälle in Enns (PB Linz-Land, OÖ), 1492 den Aufschlag in den drei Vierteln des Landes unter der Enns außer dem unter dem Manhartsberg, im selben Jahr auch Maut, Aufschlag und Eisenauflage in Inner- und Vordernberg (PB Leoben, Stmk).
Im Umfeld aller gen. Orte versuchte Kaspar Güter und Gülten zu erwerben bzw. zu Pfand zu nehmen und zu arrondieren. Dies führte um 1500 zur beachtlichen regionalen Verdichtung eines aus unterschiedlichen Rechtstiteln zusammengesetzten Herrschaftsgefüges v.a. im südwestlichen Waldviertel und in kleinerem Umfang auch im Weinviertel, wobei viele finanziell bedeutende de facto-Pertinenzen der jeweiligen Herrschaften (etwa der Markt Wullersdorf samt Ungeld und Vogtei als Zubehör zu → Guntersdorf oder der Zehent in Emmersdorf als Zubehör zu den Besitzungen im südlichen Waldviertel) wiederum hauptsächlich landesfsl. Lehen, Pfand oder Bestand waren. Zwar verwalteten Kaspars Söhne ihren ererbten Besitz zunächst gemeinschaftlich, doch setzte jeder einzelne spezifische Schwerpunkte durch kleinere Ankäufe und Güterarrondierungen. Schon 1510 wurde eine erste Erbteilung durch die drei Brüder verabredet, 1537 tauschten Georg und Wilhelm im Rahmen einer Einigung aller drei Brüder endgültig → Pöggstall gegen → Guntersdorf, das zugunsten Christophs zur Gft. erhoben werden sollte.
Schon gegen Jahresbeginn 1506, noch zu Lebzeiten des Vaters, wurde Wilhelm mit den nach dem Tod Georgs von Eckartsau heimgefallenen landesfsl. Lehen, geringem Streubesitz an Gütern und Gülten im Weinviertel, belehnt. Nur wenig später nahm Wilhelm die beiden Ämter in der niederen und oberen Hofmark in Steyr zu Pfand. Die nach dem Tod des ältesten Bruders Sigmund Wilhelm verschriebene Herrschaft Steyr wurde ihm im Sommer 1510 abermals befristet bis ins Folgejahr überlassen. Doch wurden Schloß und Herrschaft Steyr samt Rentmeisteramt und Burghut und anderem Zubehör sowie das Amt (Bad) Hall (PB Steyr-Land, OÖ) nach Ablauf dieser Frist gegen ein Darlehen von 20 000 fl. abermals an Wolfgang und Wilhelm auf drei Jahre ausgegeben. Wilhelm von R. besaß neben seinem Hauptsitz → Pöggstall und seit 1533 an dessen Stelle → Guntersdorf ebenso wie einst sein Vater zahlr. kleinere Einkünfte unterschiedlicher Rechtsnatur und mehrere Pfandschaften: seit 1515 Burg Aggstein (Gmd. Schönbühel-Aggsbach, VB Melk) und die Pflege von St. Pölten (bis 1529 oder 1533), seit 1516 das Ungeld von Wilhelmsburg, 1531/32 die Pfandherrschaft Dürnstein samt Landgericht und allem Zubehör wie den Ämtern Emmersdorf und Aggsbach, 1535 (in der Nachfolge seines Bruders Wolfgang) die einträgliche Pfandherrschaft Eggenburg (VB → Horn).
1536 belehnte Ernst von Bayern als Passauer Administrator Wilhelm mit dem Zehent in Fritzelsdorf (Gmd. Artstetten-Pöbring, VB Melk). Den dortigen Adelssitz erwarb Wilhelm offenbar im Folgejahr. 1537 kaufte er vom Mann seiner Nichte Maria Salome, Wilhelm von Kuenring, das Dorf Auggenthal (Gmd. Haugsdorf, VB Hollabrunn). Schon zu Jahresbeginn hatte er das landesfsl., eigtl. zur Herrschaft Eggenburg gehörige Landgericht in Wullersdorf, Ober- und Mittergrabern, Windpassing, Watzelsdorf und Auggenthal angekauft. 1539 wurde er mit der Herrschaft Staatz (VB Mistelbach) auf Lebenszeit bzw. auf den Mannesstamm belehnt, die sein Sohn Christoph 1546 an Oswald von Eitzing verpfändete.
Wolfgang von R. kaufte 1514 Sitzendorf an der → Schmida (VB Hollabrunn), ein landesfsl. Lehen, vom obersten Baumeister Maximilians I., Hans Geyer, und 1527 von seinem künftigen Schwager Erasmus von Hohenberg das Schloß Hohenberg (VB Lilienfeld) an, im selben Jahr löste er die einträgliche landesfsl. Pfandherrschaft Eggenburg von der Vorinhaberin Regina Lang, der Schwester Kard. Matthäus Langs und Wwe. Ulrichs von Haselbach, ab. Eggenburg wurde ihm jedoch erst 1530 eingeantwortet. 1535 wurde ihm der Wunsch, Eggenburg als freieigene Herrschaft anzukaufen, abgeschlagen, worauf Wolfgang Eggenburg an Wilhelm abtrat. Das landesfsl. Sitzendorfer Landgericht – das jedoch nicht alle Sitzendorfer Untertanen umfaßte – erwarb Wolfgang 1518 von Maximilian I. im Tausch gegen das zur Herrschaft → Pöggstall/→ Mollenburg gehörige Landgericht Wimberg (Gmd. Yspertal, VB Melk).
Georg von R. kaufte 1512 diverse Gülten von seinen beiden Brüdern an, 1513 wurde er zusammen mit Hartmann von Liechtenstein-Nikolsburg mit den vormals Ebersdorfer Lehen des Bm.s Passau belehnt. 1516 kaufte er von seinem Bruder Wilhelm den Ostrongwald und von beiden Brüdern die Herrschaft → Mollenburg, 1524 zu deren Arrondierung Gülten in Weiten. Seit etwa 1518 war er Bestandinhaber des Melker Drittelzehents in Grund. 1530 kaufte er vom Abt von Säusenstein dessen Untertanen in → Guntersdorf, Kalladorf, Grund (beide Gmd. Wullersdorf, VB Hollabrunn) und Steinabrunn (Gmd. Großmugl, VB Korneuburg) sowie das Guntersdorfer Kirchenpatronat, im Folgejahr vom selben Verkäufer zwei weitere Güter im Markt → Guntersdorf und in Kalladorf. 1533 tauschte er mit seinem Bruder Wilhelm → Guntersdorf gegen → Pöggstall, um den Tausch noch im selben Jahr rückgängig zu machen, 1537 aber wiederum in Kraft zu setzen.
Offenbar 1550 gab Ferdinand I. aus der Masse der nach Gf. Christophs Flucht eingezogenen R.er Besitzungen zunächst nur die Herrschaft → Pöggstall nach vorangegangener Schätzung und unter Vorbehalt der früher damit verbundenen Vogteien sowie gegen Zahlung von 3000 fl. an die Brüder Hans Wilhelm und Georg Ehrenreich (I.) von R. zu Lehen aus. Gegen Ende des Folgejahrs erfolgte die formale Belehnung mit anderen ehem. R.ischen Lehen, die jedoch – so wie → Ottenschlag an Sigmund Gf. Lodron – bereits seit längerer Zeit de facto vertraglich verkauft waren. 1554 teilten die beiden Brüder ihren Besitz auf, wobei Hans Wilhelm Sitzendorf (mit dem er bereits 1551 für beide Brüder zusammen mit anderen kleineren Gülten belehnt worden war), Georg Ehrenreich → Pöggstall erhielt. Da das Zubehör zu → Pöggstall anders als jenes von Sitzendorf mehrheitlich landesfsl. Lehengut und der Ertrag der Herrschaft → Pöggstall geringer war, erhielt Georg Ehrenreich zudem 1000 fl. zugesprochen. Die Fahrhabe sollte nach vorliegenden Inventaren aufgeteilt werden. 1551 erfolgte die Belehnung Hans Wilhelms für sich und seinen Bruder Georg Ehrenreich mit den ehem. r.ischen, vormals von der Hofkammer eingezogenen, ursprgl. alten Wallseer und Pottendorfer Lehen und → Ottenschlag, mit einem Hof in Dietersdorf sowie mit Sitzendorf und dem Dorf Pyhra (Gmd. Gnadendorf, VB Mistelbach). Zu 1556 und 1565 datieren Belehnungen mit den ehem. ihrem Großvater Erasmus von Hohenberg verliehenen landesfsl. Lehen, die früher Pertinenzen der Herrschaft Hohenberg waren. Die Lehen bestanden im Kirchenpatronat der Hohenberger Pfarrkirche, der ritterlichen Mannschaft, fsl. Freiung, Halsgericht, Kost, Maut und Wildbann, Hoch- und Niederwild, Fischwasser und Marktrecht in Hohenberg, weiters der ritterlichen Mannschaft, die einstmals den Pergauern, Wildeggern und Winklern zugehört hatte, dem Fischwasser auf der Fladnitz unterhalb von Göttweig (VB Krems), der gefürsteten Freiung auf einem Haus im Khiel in Wilhelmsburg (VB St. Pölten-Land) sowie dem Getreidedienst auf einem Gut in der Pfarre Grafenwörth (VB Tulln) und dem Dienst einer Mühle im Anger (von Grafenwörth?).
Zur Erweiterung der Herrschaft Sitzendorf kaufte Hans Wilhelm 1584 Mittergrabern (Gmd. Grabern, VB Hollabrunn) an. Dagegen erwarb Georg Ehrenreich als Inhaber von → Pöggstall 1578 von Hans Christoph von Zelking die ehem. R.ischen Ämter Martinsberg und Kirchschlag (VB Zwettl).
Nach 1620 blieb die Familie bis ins 19. Jh. fast ausschließlich in Mähren, schließlich auch in Ungarn begütert und ansässig. In der Herrschaft Jedownitz/Jedovnice wurde 1717 eine namentlich auf die Grundherren verweisende Ortschaft R. (heute Krasová) gegr. 1763 verkauften die Kinder der Karolina Gf.in von R., geb. Pálffy, die Herrschaft Raitz samt allem Zubehör ihrem Schwager, Anton Gf. → Salm-Reifferscheid um 360 000 fl.
II.
Die Rekonstruktion eines Hofs oder gar mehrerer Höfe der R.er ist nicht zuletzt angesichts des geringen einer Interpretation zur Verfügung stehenden Quellenmaterials kaum möglich. Gerade die Spitzenvertreter der Familie waren zudem selbst hochrangige Funktionsträger an den Höfen der Habsburger und damit oft über längere Lebensetappen hinweg mobil. Wiewohl v.a. Kaspar von R. vielfach, bes. in der Repräsentation durch Architektur und Stiftung von Kunstwerken, sichtlich an fsl. Vorbildern orientiert war, organisierte sich um einzelne Familienmitglieder bestenfalls ein Hof in nuce, dessen Zusammensetzung jedoch eher von den verwaltungstechnischen Erfordernissen einer Summe von mehr oder weniger umfangr. landständischen Grundherrschaften bestimmt war. Konkret benennbare höfische Funktionen lassen sich aus den verwertbaren Quellen nicht isolieren, eine entspr. Differenzierung etwa nach den klassischen Hofämtern dürfte damit kaum existiert haben.
MA: Kaspar von R. konnte mehrere Angehörige von in der Region sitzenden Niederadelsfamilien in seine Dienste ziehen. 1487 etwa gehörten die aus bekannten rittermäßigen Familien stammenden und in der unmittelbaren Umgebung der Besitzungen R.s begüterten Bernhard Lasberger und Hans Schauchinger (später Inhaber vom nahe → Pöggstall gelegenen Arndorf) zu den Dienern R.s und wirkte der niederadelige Florian Hollerberger als Pfleger der → Mollenburg. Regelmäßig fungierten diese Personen auch als Siegelzeugen von R.er Urk.n 1496 fungierte aber auch der begüterte Steiner Ratsbürger Hans Pleisteiner anstat und auf bevelch Kaspars als dessen Bote vor dem Propst von Waldhausen in Sachen einer Vidimierung. Der 1498 in diesem Amt belegte, von Kaspar als Patronatsherr präsentierte Pfarrer von → Pöggstall, Kaspar Geyer, könnte ein Angehöriger der gleichnamigen Niederadelsfamilie (später mit dem Prädikat »von Osterburg«) sein, die in der Mitte des 16. Jh.s mit der → Mollenburg einen vormaligen R.er Besitz erwarb. 1505 fungierte Hans May als Kaspars Diener und dessen Abgesandter zu Kg. Maximilian in Angelegenheiten des Niederösterr. Regiments. Es liegt nahe, in dem in Kaspars Stiftungsurk. von 1494 als Vorbesitzer eines der beiden neuen Benefiziatenhäuser im Markt → Pöggstall aufscheinenden Sigmund Landrichter den von Kaspar eingesetzten Pfleger des Pöggstaller Landgerichts zu erkennen.
Auf einen zahlenmäßig beachtlichen Stand des Pöggstaller Haushalts der R.er um 1500 weist implizit auch die Ausstattung der Pöggstaller Schloßkirche Hl. Ägidius (heute Pfarrkirche) hin, in der neben einer an Nord-, West- und Südseite verlaufenden, teils steinernen, teil hölzernen Empore auch ein insgesamt 14 Sitze bietendes, reich ornamental beschnitztes Chorgestühl von 1492 existiert. Da dieses wohl nur für die Angehörigen der Familie gedacht war, muß der Personenstand des Gesamthaushalts entspr. höher veranschlagt werden, ohne näher quantifiziert werden zu können.
Ein regelrechter Lehenshof der R.er konnte sich angesichts der historischen Besitzstrukturen der Familie mit wenig freiem Eigen kaum etablieren. Als Inhaber landesfsl. Lehen gab Kaspar aber schon zu Beginn seines Engagements in Niederösterreich Afterlehen aus. So belehnte er etwa am 8. März 1474 Thaddäus Raidner mit dem Raidhof im Yspertal, einem Weitenegger Lehen.
Neuzeit: Ein in entspr. Funktionen gegliederter Hof Wilhelms läßt sich aus den Quellen nicht rekonstruieren. Vermutlich verhinderte die fast durchgängige Abwesenheit Wilhelms von seinen österr. Landgütern die Herausbildung einer ausgeprägten res.iellen Hofhaltung abseits der Verwaltung einer umfangr. Grundherrschaft. Fallweise wurden konkrete Aufträge an Personen aus dem regionalen Umfeld Wilhelms vergeben, die deshalb jedoch keineswegs zu einem Hofstaat Wilhelms zu rechnen sind: 1533 überbrachte etwa der Melker Hauptmann Josaphat Pannacher den »Kredenzbrief« Wilhelms mit Bitte um die Guntersdorfer Belehnung dem Melker Abt.
Aus dem Umfeld mehrerer Abrechnungen rund um Wilhelms Oberkommando in Ungarn 1530/31 stammt die Nennung eines Hofmeisters Wilhelms, Christoph Rösch. Ob dieser der niederadeligen Familie Rösch (»von Geroldshausen«) entstammte, die in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s in den Niederadel ob und unter der Enns, im 17. Jh. schließlich in den Kärntens eintritt, ist ebenso unklar, wie die Frage, ob Rösch diese Funktion in einem »ständigen« Hofstaat Wilhelms bekleidete, oder nur zur wohl eher ad hoc gebildeten Begleitung des R.ers für das ungarische milit. Unternehmen gehörte.
Das Pöggstaller Inventar von 1547/49 beschreibt in der Waffenkammer Rüstung und Waffen für etwa 56 Mann, die man wohl auch in der Praxis im Verteidigungsfall zu stellen imstande war.
Lückenhaft bleibt auch das Bild von Christophs Hof. Aus dem Aktenmaterial rund um die Kridaabh. nach seiner Desertion geht hervor, daß ihm zuletzt – also noch im Sommer 1546 – neben anderen ein Kammerdiener namens Francolin gedient habe. Ob dieser mit dem späteren Herold Ferdinands I., dem aus Burgund stammenden Hans (d.Ä.) (von) Francolin verwandt oder sogar identisch war, ist nicht zu entscheiden. Möglicherw. als eine Art Hofmeister Christophs fungierte ein weiter unbekannter Augustin Haiderhofer, der etwa für Christoph beim Wiener Hofkramer und Seidensticker Bartholomäus von der Kampp ein Darlehen über 1600 (Reichs-)Taler aufgenommen hatte.
Zum Regensburger Reichstag von 1546 waren 26 Diener Christophs angereist, die im Haus des Regensburger Bürgers Michael Strasser unmittelbar gegenüber der ksl. Herberge einquartiert wurden. Da Christoph selbst – wohl in Vorwegnahme seiner baldigen Flucht – gar nicht mehr nach Regensburg anreiste, verließen die Diener nach siebenwöchigem Aufenthalt heimlich ohne Bezahlung die Herberge, weshalb sich der Hausbesitzer 1547 als Gläubiger mit seiner Forderung in der Kridaabh. anmeldete.
Ab den 1540er Jahren sind die Pfleger und Verwalter der r.ischen Herrschaften namentlich bekannt. Weit überwiegend entstammten sie niederadeligen Familien oder schafften durch ihre Anbindung an die R.er den Sprung in den landgesessenen Ritterstand. Einzelne von ihnen erwarben bald Adelssitze in unmittelbarer oder weiterer Umgebung der r.ischen Herrschaften. 1541 war der aus einer Laufener Erbausfergenfamilie stammende Sebastian Gold von Lampoting Pfleger von → Pöggstall, 1547/1549 hatte diese Position Leonhard (oder Bernhard?) Händl inne, der einer in Ober- und Niederösterreich sitzenden, ursprgl. Steyrer Ratsbürgerfamilie angehörte. Sein Nachfolger war wohl der 1562 verstorbene nichtadelige (?) Hans Aigner (d.J.). Jakob Rott, dessen Familie später (mit dem Prädikat »von Reinprechtspölla«) ebenfalls in Niederösterreich mehrfach begütert wurde, war 1547 zusammen mit Hans Voglhaimer, 1549 alleine Pfleger von → Guntersdorf. Der Mollenburger Pfleger des Jahres 1547 war der niederadelige Hieronymus Apfelbeck, der 1544 in der alten Pfarrkirche Hl. Hippolyt in → Ottenschlag bestattete niederadelige Niklas Katzendorfer war vermutlich der dortige Pfleger gewesen.
Noch in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s erwies sich die Praxis der R.ischen Lehensvergaben als äußerst revisionsbedürftig. 1592 ernannte Kaspar (II.) von R. angesichts alter Versäumnisse in der korrekten Lehensvergabe den Wiener Hofadvokaten Dr. iur. utr. Stephan Tannpeck zu seinem Lehenpropst für die vormals Ebersdorfer, Hohenberger und Mollenburger Lehen.
Schlaglichtartig besser beleuchtet sind die Aktivitäten der R.er als Patronatsinhaber. Im Herbst 1507 bemühte sich Wilhelm offenbar bei Maximilian I. um die Verleihung einer Pfründenexpektanz an einen ndl. Kleriker, der wohl seit den Zeiten am Genter Hof Philipps zu seinen Klienten gehörte. Seit 1532 engagierte sich Wilhelm (nur teilw. erfolgreich) bei den Päpsten Clemens VII. und Paul III. für die Sicherung des Präsentationsrechts über Kanonikate in der ostflandrischen Stiftskirche Hl. Hermes in Ronse, einer Herrschaft, die er offenbar zur Erweiterung seiner flandrisch-hennegauischen Besitzungen nicht lange zuvor erworben hatte.
Die von Kaspar von R. geübte Praxis, auf die dem Patronat der R.er unterstehenden niederösterr. Pfarren niederadelige Kleriker, deren Familien in der Region in gewissen Klientelbeziehungen zu den R.ern standen, zu präsentieren, setzte sich unter seinen Söhnen anscheinend fort. 1529 war Hans Beheim (von Friedesheim?) Pfarrer von → Pöggstall, 1536 präsentierte Georg von R. den früheren Martinsberger Pfarrer, Christoph Dürr, auf → Pöggstall. Inhaber beider Benefizien der Pfarre war 1544 Valentin Püchler. Alle drei Geistlichen könnten den Namen nach Angehörige niederadeliger Familien sein. Mit der konfessionellen Neuorientierung der Familie nach etwa 1540 gewann die Sorge um die theologische Ausbildung der Pfarrer an Bedeutung. Überwiegend stammten daher die von den R.ern eingesetzten Pfarrer und Prediger als »Ausländer« aus dem Reich, wo sie auch ihre Studien absolviert hatten. Seit etwa 1543 war Bernhard Vilpes Verweser der Pfarre → Pöggstall, erst 1553 wurde er von Hans Wilhelm von R. förmlich präsentiert. Seit etwa 1559 fungierte Wolfgang Nöther aus der Leipziger Gegend als Pöggstaller Pfarrer. Die Filialkirche Hl. Bartholomäus in Pöbring, eine Pertinenz der Vilshofener Pfarre Weiten, stattete Georg Ehrenreich (I.) 1574 als evangelische Seelsorgestation mit pfarrlichen Rechten aus und setzte 1577 den vormaligen Streitwiesener Pfarrer (?) Andreas Kürstner in Pöbring ein. 1580 war Mauritius Käshofer Pfarrer von → Pöggstall. Zwei aus dem Wiener Frauenkl. St. Jakob auf der Hülben entlaufene Nonnen wurden von Georg Ehrenreich in → Pöggstall.zeitweilig als Näherinnen beschäftigt.
Hans Wilhelm nahm 1573 nach dem Tod des alten Sitzendorfer Pfarrers den → Hardegger Prediger Mag. Jakob Heilbrunner auf, der die Pfarre interimistisch administrieren sollte und schließlich zwei Jahre in Sitzendorf blieb. Offenbar war er jedoch Akzidentialist, weshalb der flacianisch gesinnte R. dessen Abschied nach Zweibrücken begrüßte. Die Nachfolge sollte nach R.s Wunsch der Wiener Landhausprediger Dr. Josua Opitz antreten, doch erhielt das Amt schließlich Michael Gebhard. 1575 kaufte Hans Wilhelm das Sitzendorfer Pfarrpatronat vom Kl. Baumburg um 2000 fl. an. Dagegen mußte er das Patronat über Großnondorf an die Teufel auf → Guntersdorf verkaufen. In Frauendorf setzte Hans Wilhelm den Prediger Peter Eggerdes ein, dem 1572 David Major folgte. Nach dessen Tod 1582 war David Ferchelius in diesem Amt.
Literatur
Bergmann, [Joseph]: Über die Freiherren und Grafen zu Rogendorf, Freiherren auf Mollenburg, in: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe 7,6-10 (Wien 1851) S. 519-613. – Brunner, Ludwig: Eggenburg. Geschichte einer niederösterreichischen Stadt, Tl. 2, Eggenburg 1939, S. 1-12. – Kramler, Karl: Beiträge zur Geschichte der Pfarre und Herrschaft Pöggstall, in: Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt 9 (1911) S. 411-544. – Lackner, Christian: Zwischen herrschaftlicher Gestaltung und regionaler Anpassung. Pfandschaften, Ämterkauf und Formen der Kapitalisierung in der Verwaltung der spätmittelalterlichen habsburgischen Länder Österreich und Steiermark (Vortrag im Rahmen der Tagung »Habsburger Herrschaft vor Ort – weltweit (1300-1600)«, 9.-11. Oktober 2008, Schloß Lenzburg, Aargau, Schweiz; in Druckvorbereitung). – Neidhart, Herbert: Aus der Geschichte Pöggstalls. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Pöggstall 2007, S. 40-96. – Neunlinger, Ludwig: Beiträge zur Geschichte der Herrschaft Pöggstall, Diss. masch. Wien 1969, S. 64-83 und 92-190. – Reil, Anton Friedrich: Das Donauländchen der kaiserl. königl. Patrimonialherrschaften im Viertel Obermannhartsberg in Niederösterreich, geographisch und historisch beschrieben, Wien 1835.