RODEMACHER
I.
Während über die Ursprünge der »Herrschaft« → Hesperingen und die Natur ihrer Zugehörigkeit zu R. noch Zweifel bestehen, war U. eine eigene Herrschaft, deren Eigentümer seit dem Ende des 11. Jh.s zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern der Gft. Luxemburg gehörten und wie die Herren von → Rodemacher über Generationen hin eine Anzahl von wichtigen Regierungsämtern innehatten. Anfang des 15. Jh.s heiratete Johann III. von → Rodemacher eine Erbin dieser Familie und wurde damit ebenfalls Herr von U. Im Gegensatz zu Hesperingen führte die Herrschaft U. auch ein eigenes Wappen: ein mehrfach quergeteilter Schild in Silber und Rot.
II.
Die Burg liegt im N des heutigen Luxemburg an dem Flüßchen Attert. Sie hatte nicht die gleiche strategische Bedeutung wie die beiden anderen rodemacherschen Res.en, war nicht wie diese ständig umkämpft und ist daher vergleichsweise gut erhalten.
III.
Sie wurde etwa gleichzeitig mit dem ersten Erscheinen der Familie von U., also gegen Ende des 11. Jh.s errichtet. Sie lehnt sich an einen Berghang an; in ihrem Zentrum lag ein mächtiger Bergfried von etwa 25 m Höhe. Die Anlage maß etwa 50 x 50 m und war auf der Bergseite von einem Graben und einer Mauer umgeben. Eine Kapelle sowie ein Friedhof sind schon in dieser Zeit als Teil der Burganlage bekannt. Die erste nennenswerte Erweiterung geschah Anfang des 14. Jh.s und umfaßte eine zweite Mauer mit zwei Ecktürmen. Innerhalb der so entstandenen neuen Vorburg mag auch eine Kirche gelegen haben. Das Ganze muß sehr wehrhaft gewesen sein, denn es wird berichtet, daß noch i.J. 1637 fünfhundert frz. Soldaten dort gefangen gehalten wurden.
Es ist nicht überliefert, ob die Familie von → Rodemacher in U. residiert hat. Sie blieb auch nicht lange Eigentümerin, denn die Herrschaft wurde zusammen mit den anderen Gütern 1492 dem Mgf.en Christoph I. von Baden geschenkt. Auch die Badener haben wohl anfangs nicht in U. gewohnt und dort lediglich eine Vogteiverwaltung eingerichtet. Erst 1538 wurde → Useldingen Res., als die Herrschaft der Mgf.in Franziska als Wittum zugeteilt wurde. Mgf. Christoph II. und sein Bruder bestätigten diesen Akt zu Gunsten ihrer Mutter in einer Erbteilung von 1556, und die Mgf.in wohnte dort auch bis zu ihrem Tode. U. scheint auch später den Badenern als Wwe.nsitz gedient zu haben, denn die Herrschaft war einhundert Jahre später Gegenstand eines Familienstreits, an dessen Ende sie i.J. 1673 der Mgf.in Maria Sidonia, der Wwe. des Mgf.en Hermann Fortunatus von Baden-Rodemacher, zugesprochen wurde. Diese vermachte U. einem ihrer Enkel, dem Fs.en Wilhelm Hyazinth von → Nassau-Siegen.
Von da an wechselte die Burg mehrmals den Besitzer und wurde i.J. 1964 vom luxemburgischen Staat erworben, der sie gegenwärtig instandsetzt. Vor kurzem begonnene Ausgrabungen werden hoffentlich Licht in die Geschichte dieser bedeutenden ma. Burganlage bringen.