Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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RHEINECK

C. Rheineck

I.

1126 […] Otthone comite de Rinegchvn; 1151 […] duas arces fortissimas, quarum altera […] super Rheni litus posita Rinecca dicebatur; 1300 castrum Rynecke; 1382 Burgh zo Rynecke; 1417 Burgh ind Sloss zu Rynecke; 1428 Burgh Rineck; 1463 Sloes Rinecke; 1503 Burche vnnd Slosse zu Rynecke; 1571 Burg, und Schloss zu Reineck; 1654 Burg, Schloß, und Ländtlein Rheineck.

Burg R. war spätestens seit 1200, möglicherw. schon seit 1164 Sitz eines vom Ebf. von Köln bestimmten ministerialischen Bgf.en von R. Spätestens unter Ebf. Konrad von Köln (1238-1261) und Bgf. Heinrich II. (1245-1247) war das Amt erblich geworden, was mit angesichts der ministerialischen Abkunft gebotener Vorsicht erlaubt, R. bis zum Aussterben der Familie der Bgf.en 1539 als Res. anzusprechen. Hinzu kommt, daß schon seit dem SpätMA eine Talsiedlung von geringer Ausdehnung bestand, in der die Bgf.en Hörige besaßen.

II.

R. liegt im unteren Mittelrheintal zwischen den beiden wohl jüngeren Orten Brohl (heute Brohl-Lützing) und Breisig (heute Bad Breisig) an der Einmündung des Vinxtbachs – in römischer Zeit Grenze zwischen den Provinzen Germania superior (Obergermanien) und Germania inferior (Niedergermanien) – in den Rhein. Die Burg selbst nimmt die Nordseite des die Rheinstraße beherrschenden Bergsporns ein.

Wie ein in die Zeit um 1400 zu setzender Eintrag im sogen. Braunen Rheinecker Buch (Einträge von 1378-1477) belegt, existierte bereits zu dieser Zeit eine Talsiedlung (dale zu Rynecke) mit einer Mühle, die wie die Burg ebenfalls von Köln zu Lehen rührte. Die dort ansässigen Einw. (deiller) waren wenigstens zum Teil Hörige der Bgf.en, die zins- und abgabenpflichtig waren. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt, ein Markt-, Münz- oder gar Stadtrecht ist nicht verliehen worden. 1302 bestätigte Kg. Albrecht dem Gf.en Gerhard von Jülich, Zoll zu R. zu erheben, notfalls aber auch nach Breisig oder (Königs-)Winter zu verlegen, und untersagte dem Kölner Ebf. Wikbold jeglichen Einspruch.

III.

Zum hoch- und insbes. zum maßgeblichen spätma. Aussehen von Burg und Talsiedlung R. lassen sich nur spärliche Aussagen treffen. Während die mind. aus mehreren Häusern und einer Mühle bestehende Talsiedlung ebenso vollständig abgegangen ist wie die mehrfach erwähnte Vorburg und ein unterer Turm der Burg, so hat sich von der ehem. Kernburg R. (heute allg. schlicht als die gesamte Burg angesprochen) mit dem – innen völlig überformten – Bergfried immerhin ein Bauteil erhalten, das noch der Wehranlage aus der Zeit nach 1164 zugeordnet werden darf.

Es ist tatsächlich völlig unsicher, wann die erste Burg R. erbaut worden ist. Erst mit der Benennung Gf. Ottos von → Salm als Otto von R. seit 1126 darf sicher von einer Existenz der Anlage ausgegangen werden. Wie die nach dem Aussterben der Gf.en von R. 1150 wenige Jahre später von Pfgf. Konrad (von → Staufen, 1156-1195) massiv vertretenen Rekuperationsansprüche auf R. nahelegen, gehörte die Burg wenigstens zu dieser Zeit zum pfgfl. Amtsgut. Ob das dahingehend gewertet werden darf, daß es sich damit auch ursprgl. um eine von den lothringischen Pfgf.en errichtete Anlage gehandelt hat oder ob diese von Otto selbst errichtet worden war, muß letztlich offen bleiben. Nach der Zerstörung durch Kg. Konrad III. 1151 ließ der Kölner Domdekan Philipp von Heinsberg 1164 den Berg besetzen, ein steinernes Haus mit einer goldenen oder vergoldeten, i.J. 1300 noch vorhandenen pinienzapfenartigen Spitze (cum pinaculo aureo) errichten und später als Ebf. (1167-1191) mit einer Ringmauer umschließen. Gemäß Baubefund dürfte auch der – erstmals 1300 belegte – Bergfried mit Buckelquadermauerwerk aus dieser Zeit stammen. Während des Episkopats Ebf. Engelberts II. (1261-1274) wird erstmals ein »unterer Turm« (turris inferior), zu Beginn des 14. Jh.s eine Umzäunung (indago), ein Turmhüter, Wächter, Pförtner, schließlich seit 1382 eine Vorburg erwähnt. Ein 1300 angeführter Kaplan deutet auf die bereits damals vorhandene Kapelle, für deren Beleuchtung noch 1571 Vorsorge getroffen wurde. 1377 erhielt Knappe Heinrich von R. anläßlich seiner Bestallung zum Burgmann die Hoftstatt (area) auf Burg R. als Burglehen.

Die nach den Zerstörungen von 1689 und 1692 überkommenen Ruinen von R. wurden bereits 1718 teilw. wiederhergestellt, brannten jedoch 1785 aus. Ein 1832-1836 von Johann Claudius von Lassaulx durchgeführter Wiederaufbau betraf vordringlich die gefährdete Kapelle mit anschließendem Wohnbau, die über altem Grdr. einen vollständigen Neubau erfuhren. Einzig große Teile des Bergfrieds und Teile der Ringmauer können heute noch ma. Bautätigkeit zugeschrieben werden.

Quellen

Siehe A. Rheineck, B. Rheineck.

Siehe auch A. Rheineck und B. Rheineck. – Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preussischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schatull-Gütern […], hg. von Alexander Duncker, 16 Bde., Berlin 1857-1883, hier Bd. 12, 1871-1873, Bl. 689. – Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Coblenz, beschr. und zus.gest. von Paul Lehfeldt, Düsseldorf 1886 (Die Bau- und Kunstdenkmäler der Rheinprovinz), S. 83 f. – Liessem, Udo: Baugeschichtliche Beobachtungen an einigen stauferzeitlichen Burgen in der Region Koblenz, in: Burgen und Schlösser 18 (1977) S. 29-47, hier S. 31-34. – Liessem, Udo: Bemerkungen zu einer unbekannten Zeichnung der Burg Rheineck, in: Burgen und Schlösser 19 (1978) S. 136-142. – Rheinlands Schlösser und Burgen, hg. von Alexander Duncker 1857-1883, unv. ND und Kommentarbd., hg. von Wilfried Hansmann, Düsseldorf 1981 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 62), hier Kommentarbd., S. 138 f. – Thon, Alexander/Ulrich, Stefan: »… wie ein Monarch mitten in seinem Hofstaate thront«. Burgen am unteren Mittelrhein, Regensburg 2010, S. 132-137. – Urban, Hartmut G.: Gewölbe im Burgenbau des Mittelrheingebiets, Braubach 1997 (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung. Reihe A, 4), S. 88 f. und 161 f. mit Abb. 36, S. 234.