Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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RHEINECK

C. Bruch

I.

1240 [] domino Henrico, nato de castro Bruch; 1243 Theodericus dominus castri de Bruche; 1304 [] domum nostram de Bruoch; 1347 vesten Bruch; 1423 Herschaft vnd Sloß Broech.

Burg und Herrschaft B. wurden 1423 durch Ebf. Otto von Trier als trierisches Lehen an den mit Katharina von Daun verh. Bgf.en Johann V. von → Rheineck ausgegeben, der sich schon 1421 als Herr zu B. bezeichnet hatte. Weitere Belehnungen für Johann V., seinen Sohn Peter und seinen Enkel Philipp sind für die Jahre 1457, 1504 und noch 1532 überliefert. Vermutlich kam der spätere Trierer Domdekan Christoph von → Rheineck 1471 oder 1472 auf Burg B. zur Welt.

II.

Der Ort B. liegt in der Eifel im heutigen Lkr. Bernkastel-Wittlich im Tal des Flüßchens Salm. Seine Ursprünge gehen wenigstens bis in die 1130er Jahre zurück, als erstmals Angehörige eines edelfreien Geschlechts von B. auftraten. Somit war die Siedlung B. älter als die ehem. von Wassergräben umgebene Niederungsburg gleichen Namens, die zu unbestimmter Zeit vor 1240 im S des Orts ohne erkennbare Anbindung errichtet wurde. Obwohl ein weitreichendes Freiheitsprivileg Dietrichs von B. von 1284 (in dem ein zu bestellender Richter, eine Mühle und ein Backofen erwähnt werden) keine deutliche Nachwirkung zeitigte, entstand eine kleine, relativ geschlossene Herrschaft, die nach dem Tod Dietrichs vor 1334 nach längeren Erbauseinandersetzungen schließlich an den Ehemann der Erbtochter Biele, Dietrich III. von Daun, fiel. Nachdem die ursprgl. aus der Reichsministerialität hervorgegangenen Herren von Daun seit der Mitte des 14. Jh.s in trierischer Lehnsabhängigkeit standen, wurden auch Burg und Herrschaft B. in der Folge auf diese Weise behandelt. Demnach erhielten die nachfolgenden Bgf.en von → Rheineck Herrschaft und Burg seit 1423 als trierisches Lehen.

III.

Zum hoch- und insbes. zum maßgeblichen spätma. Aussehen von Burg und Ortschaft B. lassen sich nur äußerst spärliche Aussagen treffen. Tiefer greifende Rückschlüsse auf die lange Zeit aus nicht mehr als 24 Hausstätten bestehende Siedlung, die 1284 eine Mühle und einen Backofen aufwies, sind ebenso wenig möglich wie auf die Wehranlage des 13. Jh.s, deren heute noch erhaltener Baubestand eher auf die erste Hälfte des 14. Jh.s und spätere Zeiten hinweist.

Erster völlig sicherer Hinweis auf eine Burg B. ist die Nennung Dietrichs von B., der sich in einer Privaturk. aus dem Jahr 1240 als Herr der Burg B. bezeichnete; eine bisher kolportierte Erstnennung zum Jahr 1211 beruht auf einem Lesefehler. Möglicherw. gehört zum Baubestand dieser Zeit noch der untere Teil des Bergfrieds, der dann aber, wie dendrochronologische Untersuchungen an Balkenresten des ersten Obergeschosses ergaben, um 1330 umgebaut bzw. aufgestockt worden ist. Wie weitere dendrochronologische Befunde ergaben, dat. das Kegeldach des Turms auf das Jahr 1449 (mutmaßlich ebenso das Dach des nordöstlichen Eckturms), womit Baumaßnahmen unter den Bgf.en von → Rheineck wenigstens in diesem Fall eindeutig nachgewiesen sind. Ebenfalls zu dieser Zeit bestand schon die nach kunsthistorischen Kriterien auf die Zeit um 1300 dat. Kapelle in der Vorburg, die 1738 in den neu errichteten Wohnbau integriert wurde.

Quellen

Siehe auch A. Rheineck, B. Rheineck. – Die Balduineen. Aufbau, Entstehung und Inhalt der Urkundensammlung des Erzbischofs Balduin von Trier, bearb. von Johannes Mötsch, Koblenz 1980 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 33). – Dün, Johann: Urkundenbuch der Familien von Dune (Daun), Cöln 1909. – Inventar des Herzoglich Arenbergischen Archivs in Edingen/Enghien (Belgien), 2 Bde., bearb. von Peter Brommer, Wolf-Rüdiger Schleidgen u. a., Koblenz 1984/1997 (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 36 und 75 = Veröffentlichungen der Staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen. C, 16 und 38).

Siehe auch A. Rheineck, B. Rheineck. – Berns, Wolf-Rüdiger: Burgenpolitik und Herrschaft des Erzbischofs Balduin von Trier (1307-1354), Sigmaringen 1980 (Vorträge und Forschungen. Sonderbd. 27), passim. – Freckmann, Klaus/Graetz, Werner: Burg und Dorf Bruch bei Wittlich, Neuss 1981 (Rheinische Kunststätten, H. 260). – Graetz, Werner: Burg Bruch, in: Burgen und Schlösser 22 (1981) S. 95-103. – Die Kunstdenkmäler des Kreises Wittlich, bearb. von Ernst Wackenroder, Düsseldorf 1934 [unv. ND Trier 1982] (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 12/4), S. 44-49. – Möller, Walther: Stamm-Tafeln westdeutscher Adels-Geschlechter im Mittelalter. NF, Tl. 1, Darmstadt 1950 [unv. ND Neustadt an der Aisch 1996 (Bibliothek klassischer Genealogie, 2)], S. 8 mit Taf. 6. – Schaus, Emil: Stadtrechtsorte und Flekken im Regierungsbezirk Trier und im Landkreis Birkenfeld, bearb. von Richard Laufner und Kurt Becker, Trier 1958 (Schriftenreihe zur Trierer Landesgeschichte und Volkskunde, 3), S. 22-24. – Stevens, Ulrich: Burgkapellen. Andacht, Repräsentation und Wehrhaftigkeit im Mittelalter, Darmstadt 2003, S. 139 f. – Urban, Hartmut G.: Gewölbe im Burgenbau des Mittelrheingebiets, Braubach 1997 (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung. Reihe A, Bd. 4), S. 109 f. mit Abb. 283 f.