Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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REICHENSTEIN

C. Reichenstein

I.

Richinstein (1331) Rychenstein (1460); im rheinischen Westerwald am linken Ufer des Holzbachtales gelegen. Die Burg war vom ersten Drittel des 14. Jh.s bis 1511 (Erlöschen der Familie) Sitz der Herren von → R. aus dem Hause der Walpoden von der Neuerburg.

II.

Burg R. liegt etwa 2 km westlich von Puderbach. Zusammen mit zahlr. alten Pfarrdörfern des rheinischen Westerwaldes (Birnbach, Asbach, Waldbreitbach, Urbach, Raubach und Alsbach) wird man die Besiedlung Puderbachs in das 6. Jh. datieren können.

Zwischen Puderbach und R. überquerte eine, in der Nähe von Gierenderhöhe (Kr. Neuwied) von der N-S-Fernstraße vom Neuwieder Becken ins Bergische Land in nordöstlicher Richtung abzweigende Straße das Holzbachtal, die vor Kroppach (Westerwaldkr.) den Köln-Frankfurter Handelsweg kreuzte. Wenige Kilometer östlich dieser Straße führte eine Fernhandelsstraße vom Neuwieder Becken in nordöstliche Richtung über Anhausen und Dierdorf (Kr. Neuwied) nach Höchstenbach, wo sie auf ebenfalls auf die Köln-Frankfurter Straße traf.

R. und Puderbach lagen im 773 erstmals urkundlich bezeugten Engersgau, der den Westteil des Westerwaldes und das Neuwieder Bekken umfaßte. Kirchlich gehörte das in der Pfarrei Puderbach gelegene R. zum Ebm. Trier. Den Vorort es Engersgaues und Sitz des Dekanats bildete der Ort Engers südlich von Neuwied.

III.

Die erste urkundliche Erwähnung der bereits Mitte des 16. Jh.s verfallenen Burg R. erfolgte 1331 anläßlich ihrer Lehnsauftragung an Wilhelm von Braunsberg Gf. von Wied. Als Initiator der Burggründung kommt Ludwig III. aus dem Hause der Walpoden von der Neuerburg in Frage, der sich erstmals 1332 als Herr zu R. bezeichnete. Aufgrund bislang fehlender bauhistorischer Untersuchungen sind keine gesicherten Aussagen zur baulichen Entwicklung der Burg möglich. Der Baubestand der auf einem nach S ins Holzbachtal abfallenden Hügelzunge gelegenen Burg setzt sich aus drei Baugruppen zusammen, von denen der imposante fünfeckige, mit seiner Spitze gegen die Angriffsseite gerichtete Wohnturm und der runde Verliesturm samt den angrenzenden Ringmauern die Hauptburg bilden. Unterhalb einer doppelten Zwingeranlage liegt die Vorburg. Gegen das nach N ansteigende Gelände ist die Burg durch ein Grabensystem geschützt. Ein Felskamm trennt den ersten Graben von einem zweiten Ringgraben, der den Bergsporn von N, W und O umgibt und eine Tiefe von 15 m erreicht. Der Zugang lag an der Südwestecke der Vorburg. Während sich von der Bebauung der Vorburg nur geringe Mauerreste erhalten haben, erhebt sich der runde Verliesturm noch etwa 15 m hoch. Von dem exponiert platzierten fünfeckigen Wohnturm (Seitenmaße 12 x 14,5 m) hat sich die als Schildmauer ausgebildete im stumpfen Winkel gebrochene Nordseite (Mauerstärke 3,5 m) noch 20 m hoch erhalten. Auffallende Parallelen für die stumpfwinklige Mauerführung des Wohnturmes von R. bieten die ebenfalls ins 14. Jh. zu datierenden Türme der im Lahngebiet gelegenen Burgen → Nassau (Bergfried), Hohenstein (Bergfried) und Runkel (Flankenturm der Hauptburg) sowie der Wohnturm der Burg Bieberstein im Bergischen Land.

Die recht dürftige urkundliche Überlieferung zur Burg R. bietet nur wenige Nachrichten zum Baubestand der Anlage. Anläßlich der Eheberedung Heinrichs II. von R. (gest. 1506) mit Margarethe von Sombreff werden 1489 das Jongffer Nesenhuyss (Haus der Jungfer Agnes) und in verschiedenen Burgfriedensverträgen 1453 und 1478 einige wohl auf dem Vorburgareal zu lokalisierende Burgmannenhäuser sowie ein Bauplatz nächst der Kapelle erwähnt.