RAPPOLTSTEIN
I.
Ratbaldouilare (759), Ratpoldesuuilare (896), villa Rapolswilre (um 1162), Rapolzwilr (1298), frz.: Reinbauiler (1285), Ribauvillers (1344) – drei Höhenburgen, Stadt, Stadtschloß – Herrschaft → Rappoltstein; Herren von → Rappoltstein – F, Région Alsace, Dép. du Haut-Rhin, Sitz der Sous-préfecture.
II.
Am Ausgang des Strengbachtals liegt zwischen den Weinbergen des östlichen Vogesensaumes der Ort R. Er bildete zusammen mit den drei oberhalb gelegenen Burgen und dem am Ortsrand gelegenen Stadtschloß der Herren von → Rappoltstein ein Res.ensemble. Der Stich von der Stadt in Merians Topographia Alsatiae (1663) gibt sehr eindrücklich die vormoderne Situation wieder, die freilich noch im heutigen Stadtbild hervorragend nachzuvollziehen ist. Der Ort weist schon vorrömische Siedlungsspuren auf. Im 8. Jh. waren u. a. die Abteien Münster und Saint-Denis dort begütert. Die hochma. Besitzübertragungen zeigen zum einen zunächst die Salier, sodann das Bm. Basel als Inhaber bzw. Lehnsherren von Herrschaftsrechten am Ort, zum anderen läßt sich Allodialbesitz der → Rappoltstein plausibel machen. Diese hatten als ihre Hauptburg zunächst St. Ulrich (oder Groß-Rappoltstein, 11./12. Jh.) in Gebrauch, worauf etwas später der Ausbau der Gipfelburg Hohrappoltstein (oder Altenkastel, als Siedlungsplatz allerdings älter) und schließlich in der ersten Hälfte des 13. Jh.s der Burg Girsberg (auch »der Stein« gen.) folgten. Seit dem 14. Jh. sind mehrere Stadthöfe der → Rappoltstein nachgewiesen, von denen der am höchsten Punkt R.s, dem sog. Schloßberg, gelegene seit dem 15. Jh. als Stadtschloß ausgebaut wurde (detaillierte bau- und architekturgeschichtliche Beschreibung der Burgen bzw. Schlösser bei Biller/Metz und Jordan). Der einträgliche Weinanbau und -handel vor Ort brachte es mit sich, daß Grundstücke in und Parzellen um R. sehr gefragt waren und daher verschiedenste Besitzer hatten (auch auswärtige Adlige und Lehnsleute der → Rappoltsteiner, Kl., Stadtadlige z. B. aus Straßburg). Diese besaßen z.T. ebenfalls Stadthöfe bzw. -häuser in R.
Die Pfarrkirche St. Gregor ist zwar ausdrücklich erst im 13. Jh. belegt, kann aber gleichwohl als Altpfarre des Ortes angesehen werden. Neben verschiedenen Altären hatte sie im SpätMA eine Marien- und eine Georgskapelle sowie anbei eine St. Annenkapelle aufzuweisen. Ansonsten gab es in der Kleinstadt seit den 1340er Jahren noch eine Katherinen- und eine Margarethenkapelle (letztere am Stadtschloß gelegen). Das Benediktinerpriorat St. Morandus lag ebenso extra muros wie die von den Rappoltsteinern geförderte Einsiedelei in Dusenbach (Gründung um 1221), die 1484 in eine Wallfahrtskirche umgewandelt wurde (beide Vorgänge im Zusammenhang mit einem Kreuzzug bzw. einer Pilgerfahrt ins Hl. Land). 1297 siedelten sich Augustiner-Eremiten an, nachdem Heinrich von → Rappoltstein und die milites et conciues ciuitatis in Rapoltzwiler sie gemeinsam unter ihren Schutz gestellt hatten. Eine Frauenklause ist für die Mitte des 14. Jh.s belegt. Die Stadtgemeinde(n) fundierte(n) 1342 das Hospital. Neben der älteren Reite-Bruderschaft (14. Jh.) gab es seit 1482 noch eine fraternitas s. Jacobi. Eine jüdische Gemeinde ist ab 1311 nachweisbar.
III.
Das zunächst als Burgflecken einzuordnende R. ist z. B. für das Jahr 1256 als villa nostra Rapolzwilre erwähnt. Dieser älteste präurbane Siedlungskern, die später sog. alte stat, wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s ummauert. Um 1300 wurden die unterhalb/östlich situierte Unterstadt sowie die oberhalb/westlich gelegene Neustadt ebenfalls vom Mauerring eingefaßt, einige Jahrzehnte später folgte an diese anschl. auch die Oberstadt (auch als Oberdorf bezeichnet). Diese Stadtteile waren bisweilen bestimmten Teilen (bzw. Burgen) der Herrschaft zugeordnet. Dennoch besagt bspw. die → Rappoltsteiner Teilung von 1298, daß die Alt- und die Neustadt eine gemeinsame Allmende an Wald und Weide sowie am Areal des Stadtgrabens haben und die Unterhaltung der Talstraße zusammen besorgen sollen. Von den damals ebenfalls aufgeteilten herrschaftlichen Zinsen und Abgaben wurden die Bewohner der gen. Stadtteile nicht explizit ausgenommen. Ein procurator (später: schaffner) der Herrschaft ist seit 1241 bezeugt, ab den 1370er Jahren dann auch ein Vogt. In den Jahrzehnten um 1300 differenzierte sich die Stadt (Erstbezeichnung als stat 1290) in ihren vier Teilen sukzessive auch gemeindlich aus. So traten deren Bürger bzw. Räte im Verlauf des 14. Jh.s als siegelführend auf. Ein Stadtrecht im eigtl. Sinne ist nicht überliefert; die Stadt als Ganzes und in ihren Teilen erscheint als vorrangig ökonomisch gefördert. 1403 wurde die erste Stadtordnung erlassen, der weitere folgten. In dems. Jahr ist die Stadtschule erwähnt, das Rathaus erst 1453.
Der erstmals 1298 belegte Markt wurde 1302 geteilt (Holz und Gemüse), weitere Sondermärkte folgten: Fischmarkt 1321 (Altstadt), Markt der Oberstadt um 1339, Kornmarkt nach 1367. Nach der Erwähnung einer louben 1297 entstanden im 14. Jh. verschiedene Handelshallen (Tuchhalle 1302, Brothalle 1335, Fleischhalle 1342). Ein Jahrmarktsprivileg Ks. Maximilians kam 1504 hinzu. Neben intramuralen Mühlen ist auch eine öffentliche Waage bezeugt (1311). Anselm von → Rappoltstein betrieb am Ort 1291 angeblich eine nicht-privilegierte Münzstätte (Imitate der Breisgauer Pfennige), die nicht lange in Betrieb gewesen sein kann. Geldwechsler sind seit dem 14. Jh. erwähnt; 1342 kauften einige Lombarden zusammen mit Johann von → Rappoltstein die Trinkstube in der Oberstadt. 1518 erließ Ulrich von → Rappoltstein eine Ordnung für die bereits seit Mitte des 14. Jh.s erwähnte Herrentrinkstube, der lt. der Ordnung vorrangig adell, prelaten, priesterschafft und eerenluten angehören sollten – Ulrich hielt sich nachweislich selbst dort auf. R. war nach den Reichsstädten die bedeutendste (Land-)Stadt des ma. Oberelsaß (B. Metz).