RAPPOLTSTEIN
I.
Ghermari (768), Gemare (953), villa Gemer (1278), Gemer (1298) – Dorf/Stadt mit Schloß – Herrschaft → Rappoltstein; Herren von → Rappoltstein – F, Région Alsace, Dép. du Haut-Rhin.
II.
Rund 5 km östlich von → Rappoltsweiler liegt in der Oberrheinebene an der Fecht und an der alten Landstraße Straßburg-Colmar der Ort G., der sich zunächst um zwei Kl.höfe entwikkelte: Oberg. (zu Leberau) und Niederg. (zu Murbach). Zum Dorf, später zur Kleinstadt entwickelte sich aber Niederg., das von Murbach als Lehen an die Lgft. im Unterelsaß, ab 1359 dann an die Bf.e von Straßburg ausgegeben und von diesen jeweils an die Herren von → Rappoltstein weitergegeben wurde (ab dem 13. Jh. belegt). Die → Rappoltsteiner hatten ausweislich der Herrschaftsteilungen einigen Grundbesitz mit etlichen Zinspflichtigen am Ort, was ihre Position im Ringen mit dem Straßburger Stift um die Dominanz vor Ort an der Wende vom 14. zum 15. Jahhundert erleichterte. Schließlich befanden sich die meisten Ortsrechte in ihren Händen. Um G. erstreckte sich die sog. »Gemeine Mark«, wohl eine alte Markgenossenschaft, die vom HochMA bis zum Ende des Ancien Régime als gemeinsame (aber nicht alleinige) Allmende von sieben Ortschaften (darunter auch G. und → Rappoltsweiler) genutzt wurde. Die Gerichtsherrschaft darüber hatten zunächst die Hzg.e von Lothringen inne, ab dem 14. Jh. die Herren von → Rappoltstein.
Kg. Rudolf ließ 1287 im Verlauf des Aufstandes Anselms II. von → Rappoltstein in G. angeblich eine Holzveste errichten, die wenig später von den Rappoltsteinern selbst in Nutzung genommen wurde. 1293 wurde diese Burgstelle von Truppen Adolfs von → Nassau belagert und genommen, 1298 soll sie einem Brand zum Opfer gefallen sein. Für dass. Jahr werden ein vallum ville, ein Tor und ein Kirchhof in G. erwähnt. Zu Beginn der zweiten Hälfte des 14. Jh.s wurde der Ort von einer Steinmauer umgeben und die herrschaftliche Burg ausgebaut (von beiden sind nur noch Reste erhalten). Im 16. Jh. wurde die auch »Molkenburg« gen. Festung sukzessive zum (Sommer-) Schloß und zur zweiten Res. der → Rappoltstein ausgestaltet. Sie wies u. a. einen beachtlichen »Ritterstall« und eine Kanzlei auf und wurde im 18. Jh. zu einer Pfalz-Zweibrücker Wasserburg im Stil der Zeit umgebaut.
Zunächst gab es in G. analog zur Siedlungsgeschichte zwei Pfarrkirchen, doch wurde St. Dionys in Oberg. 1543 mit St. Leodegar zusammengelegt. Letztlich blieb G. vornehmlich ein von Bauern und Fischern bewohnter Ort mit gering ausgebildeten, zudem fast ausschließlich herrschaftlich-administrativen Zentralfunktionen. Da eine stadtgemeindliche Entwicklung nicht zu greifen ist, bleibt die Stadtqualität G.s in der Vormoderne umstritten.