PYRMONT
I.
Der Name der Burg P. (Pyremont, Piremont, Petri mons) ist nicht singulär und findet sich so auch in der Eifel. Seit dem MA trägt die in Bad P., Lkr. Hameln-P., gelegene Burg auch den Namen Schellenburg oder heute Schell-P. Um 1184 gebaut, liegt die Höhenburg am Rand des P.er Beckens im Weserbergland. Die Festung P. wurde zwischen 1526 und 1562 relativ zentral im P.er Becken durch die Gf.en von → Spiegelberg errichtet.
II.
Bedingt durch seine geologischen Besonderheiten finden sich seit vorchristlicher Zeit Siedlungsspuren im P.er Becken. Im Mittalter gehörte das Gebiet zum Herrschaftsbereich der Gf.en von → Schwalenberg. Eine erste Burganlage, die sog. Hünenburg auf dem Königsberg, kann durch Funde auf die erste Hälfte des 12. Jh.s dat. werden und deutet viell. auf eine Besitzsicherung der Schwalenberger. Ebf. Philipp von Köln wählte den benachbarten Schellenberg und das schwalenbergische Allod Oesdorf für den Bau seiner Burganlage zur Sicherung seines Dukats. Lt. der von ihm darüber ausgestellten Urk. geht die Bennung der Burg nach dem Apostel Petrus auf ihn zurück. Seinen in seiner antiwelfischen Haltung getreuen Lehnsmann Widukind II. von → Schwalenberg belehnt Philipp mit einer Hälfte der Burg, die andere Hälfte wurde mit Kölner Ministerialen belegt. Als 1250 zwischen dem Ebf. und den P.ern eine Fehde ausbrach, wurde auch die Burg P. Schauplatz gewaltätiger Auseinandersetzungen. 1254 eroberte der Ebf. die Burg zurück, der Schiedsvertrag griff auf die Urk. von 1184 zurück. Seit 1262 erscheinen in den die Burg betreffenden Quellen nicht mehr Angehörige des P.er Gf.enhauses, sondern Vertreter der Edelherren zur → Lippe als Kölner Lehnsträger der P.er Burghälfte. Auch hier entstanden Konflikte, so daß die Burg zwischen 1276 und 1284 endgültig zerstört wurde. Die Gf.en von P. verlegten ihren Wohnsitz in die benachbarte Stadt Lügde, die Burg verfiel. Aus einigen Resten der Burg wurde 1824 ein Aussichtsturm errichtet.
Die Stadt Lügde hatten die Gf.en von P. neben der alten Siedlung Lügde zwischen den Jahren 1240 und 1254 gegr. Hier hatte Gottschalk I. von P. schon 1195 eine Münze prägen lassen. Die P.er folgten dabei dem lippischen Vorbild der Städte Lippstadt und Lemgo, wählten zur Berechtung das für den Stadtherren günstige Lippische Stadtrecht mit Ratsverfassung. Wie in Lemgo gehörten zwölf Konsuln, die jährl. von den Bürgern gewählt wurden, dem Rat an. Die Bedeutung Lügdes ging über eine lokale nicht hinaus, Engel bezeichnet sie als ›Viehzuchtbürgerstadt‹. Im Schiedsvertrag von 1255 mußten die P.er dem Ebf. die Hälfte der befestigten Stadt abtreten – die übliche Sicherungsmaßnahme der kölnischen Dukatspolitik. Noch heute ist der damals entwicklelte Stadtgrundriß und die Befestigungsanlagen (Stadtmauer, Wallgrabenanlage, Wehrtürme) zum großen Teil erhalten.
Das Kilianspatrozinium der romanischen Kirche aus dem 12. Jh. stammt noch von einem karolingischen Vorgängerbau. Hier war die Grablege der Gf.en von P. Der Ort gehörte zur Gründungsausstattung des Bm.s Paderborn. Die Kirche war dem Archidiakonat Steinheim zugewiesen, über die Pfarrstelle verfügte erst der Bf., dann das Domkapitel von Paderborn.
III.
Die Hauptburg der Burg P. nimmt eine viereckige Fläche von etwa 67 x 75 m ein. Im SW erhebt sich der heutige Aussichtsturm, der wahrscheinlich auf den Fundamenten eines Turmes der Ringmauer errichtet wurde. Eine Eingrabung südöstlich des Aussichtsturmes weist auf eine Zisterne oder einen großen Keller hin. (18 x 19 x 2 m). An einem 7 m hohen Schutthügel erheben sich noch Mauerreste des ersten Rundturmes. Er könnte einen Durchmesser von etwa 14 m gehabt haben. Ein zweiter, 5 m hoher Schutthügel befindet sich in der Westecke der Burg, unter ihm liegen die Reste des zweiten Rundturmes. Der alte Zugang zur Burg muß sich südlich des Aussichtsturmes befunden haben. Der Abschnittsgraben im NO, der die Haupt- von der Vorburg trennt, ist 20 m breit und bis zu 13 m tief. Davor befinden sich Hanggräben und Vorwälle. Auf einer nach N hin schmaleren Terasse könnten sich die Wirtschaftsgebäude der Burg befunden haben. Die Vorburg im NO ist nur 60 x 60 m groß. Auch hier befinden sich Abschnittsgraben und Wall. Hier scheint der Zugang in der südwestlichen Ecke gelegen zu haben. Weitere Erkenntnisse über die Ausstattung der Burg können nur zukünftige Ausgrabungen bringen.
Literatur
Heine, Hans-Wilhelm: Burg Schell-Pyrmont. Die Burgenvermessung 2006, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen (Veröffentlichung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege) 27 (2007) S. 70-71. – Heine, Hans-Wilhelm: Die Burg Schell-Pyrmont. Eine Gründung der Erzbischöfe von Köln, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 48 (2007) S. 77-85. – Hohmann, Gerhard: Die Kilianskirche zu Lügde, Paderborn 1995. – Lobbedey, Uwe: Romanik in Westfalen, Würzburg 1999, S. 323-325.