PYRMONT
I.
Die Gf.en von P. entstammen einer Linie der Gf.en von → Schwalenberg. Ihr Name leitet sich von der Burg P. (Petersberg) ab. Im Zuge des Ausbaus des Kölner Dukats nach 1180 versuchte Ebf. Philipp von Köln, sein neuerworbenes Hzm. gegen Ansprüche von welfischer Seite durch gezielten Erwerb von Burgen zu sichern. So kaufte er das in der Nähe welfischer Besitzungen gelegene schwalenbergische Allod Oesdorf, ließ dort die Burg P. errichten und gab sie zur Hälfte als Lehen an Widukind II. von → Schwalenberg, einem dezidierten Gegner Heinrichs des Löwen, aus. Spätestens ab 1184 nannte dieser sich auch Gf. von P.
II.
Im Raum → Schwalenberg- P. lagen die Besitzschwerpunkte der Schwalenberger. Mit der Hochstiftvogtei über Paderborn und der Vogtei über das Kl. Corvey waren bis zur Mitte des 13. Jh.s wichtige Herrschaftspositionen im östlichen Westfalen und Nordhessen in ihren Händen. Weitere Vogteien bestanden in den Stiften und Kl.n Herford, Flechtdorf, Arolsen, Bredelar, Gehrden, Willebadessen, Schildesche, Marienfeld, Marienmünster, Barsinghausen, Netze und Burghagen Falkenberg. Die Schwalenberger besaßen Lehen der Welfen, der Ebm.er Köln und Mainz sowie der Bm.er Minden, Münster, Osnabrück und Paderborn.
Unter den drei Söhnen Widukinds II. von → Schwalenberg, Widukind, Friedrich und Gottschalk beginnt sich Ende der 1180er Jahre die Trennung der Linien der Schwalenberger zu verfestigen, die hauptsächlich auf dem Schellenberg Wohnenden wurden (etwa ab 1222) zu Gf.en von P., die Hauptlinie blieb in → Schwalenberg und → Sternberg, Adolf und seine Söhne bauten die Herrschaft → Waldeck aus.
III.
Das Wappen der Gft. P. ist ein rotes Ankerkreuz auf silbernem Grund. Damit nähert sich das Wappen eher dem Wappen des Ebm.s Köln (schwarzes Kreuz auf Silber) als dem Schwalenberger Sternenwappen an.
IV.
Gottschalk I. von P. war mit Kunigunde von → Limmer aus einer Linie der Gf.en von → Wunstorf verh. Gottschalks Bruder Friedrich begründete die Linie der Herren von Kollerbeck, die bald in die Ministerialität absank. Eine doppelte Heiratsverbindung mit den Gf.en von Hallermund in der Generation der Kinder Gottschalks I. (Gottschalk II. wurde mit der Tochter seines Schwagers verh.) weist wahrscheinlich weniger auf eine enge politische Anbindung als auf Probleme der standesgemäßen Heiratsausstattung hin. Davon zeugt auch die Ehe des Sohnes Gottschalks, Hermanns II., mit einer Tochter der Schwalenberger Hauptlinie. Ein weiteres Indiz ist die Versorgung nachgeborener Söhne und Töchter in Stiften und Kl.n, die den Schwalenbergern nahe standen (Marienmünster, Brenkhausen). Erst in der Generation Gottschalks IV. läßt sich hier eine leichte Verbesserung festellen. Er schloß eine Ehe mit Adelheid von Homburg, seine Schwestern wurden Kanonissen in Gandersheim. Doch sind die Familien der Frauen seines Sohnes Hermann V. und seines Enkels Heinrich III. nicht bekannt. Eine Aufwertung des Konnubiums brachte die zweite Ehe Heinrichs IV. mit Haseke von → Spiegelberg mit sich. Sie vermittelte wahrscheinlich die Ehe ihres Sohnes Moritz mit Margarete von → Nassau. Als Moritz jedoch 1494 erbenlos starb, fiel die Gft. P. an die Gf.en von → Spiegelberg. 1625 gelangte die Gft. durch Erbvertrag in die Hände der Gf.en von → Waldeck.
Quellen
WUB = Westfälisches Urkundenbuch = Regesta Historiae Westfaliae accedit Codex diplomaticus, ed. Heinrich August Erhard, Bd. 1, Münster 1847, Bd. 2, Münster 1851, Additamenta zum Westfälischen Urkunden Buch, bearbeitet von Roger Wilmans, Münster 1877, Bd. 3: Bistum Münster 1200-1300, ed. Roger Wilmans, Münster 1871, Bd. 4: Bistum Paderborn 1200-1300, ed. Roger Wilmans, Münster 1874, Bd. 5: Papsturkunden, ed. H. Finke, Münster 1888, Bd. 6: Bistum Minden 1200-1300, ed. H. Hoogeweger, Münster 1898, Bd. 7: Kölnisches Westfalen 1200-1300, bearb. vom Staatsarchiv Münster, Münster 1908.
Literatur
Engel, Hermann: Die Geschichte der Grafschaft Pyrmont von den Anfängen bis zum Jahre 1668, München 1972. – Platte, Hartmut: Waldeck und Pyrmont. Geschichte eines Fürstenhauses, 4. Aufl., Werl 2008 (Deutsche Fürstenhäuser, 3).