Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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PREYSING

C. Kronwinkl

I.

Schon im 9. Jh. war das Kl. Tegernsee im Ort K. (Gmd. Eching, Kr. Landshut) begütert. Um 1035 wird der nobilis vir Penzo mit Lehen in Cranwinchil gen.

Die Vierseitanlage der Burg K. steht auf einem Bergsporn des südlichen Isartalufers, der zum Besitz des Kl.s Tegernsee gehörte, als man die Burg im 12. Jh. errichtete.

II.

Es steht zu vermuten, daß die → Preysing selbst die Burg erbauten und von da ab bis ins 16. Jh. als Lehensnehmer des Kl.s auf K. saßen. Kg. Ludwig der Bayer (reg. 1314-1347; ab 1328 Ks.) gab 1316 die Hofmarksgerechtigkeit an K. aus, das in Absetzung des Ortes Preysing (heute Langenpreising, Kr. Erding) als Altenpreysing bezeichnet wurde. Noch für 1472 ist der Lehensstatus von K. bezeugt. Der Tegernseer Abt Konrad verlieh das Schloß an Jörg von → Preysing, Herr zu Wolnzach (6. April 1472). Erst 1574/78 wurde dieses Lehensverhältnis durch Hzg. Albrecht V. aufgelöst, der die Burg 1574 kaufte und sie mit einer Urk. vom 18. Jan. 1578 den → Preysing allodifizierte. Bis ins 17. Jh. blieb die Hofmark K. durch Erbteilung innerhalb der Familie in mind. zwei Anteile gespalten. Johann Max I. von → Preysing-Hohenaschau (1609-1668) konnte die Besitzanteile der Hofmark vereinen und ungeteilt an seine Erben weitergeben. 1830 ging K. an die Linie → Preysing-Moos über.

III.

Die Anlage ist vierflügelig. Der massive runde Bergfried mit Kegeldach stammt aus dem 12./13. Jh. Die Wohntrakte, in deren Baukörper die gotische Ringmauer integriert wurde, datieren ins 16./17. Jh. Der sog. Lehenstock wurde um 1580 errichtet, 1860 um ein Geschoß reduziert und mit neugotischen Treppengiebeln versehen. Dieses Gliederungselement weist auch der nach SO vorspringende Torbau auf.

Die Schloßkapelle, die dem Hl. Antonius von Padua geweiht ist, wurde 1673 in das mittlere Geschoß des Bergfrieds eingefügt. Die Weihe erfolgte 1679. Der Schloßpark ist dem englischen Stil verpflichtet und wurde im 19. Jh. angelegt.

Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern, Tl. 2: Niederbayern, bearb. von Michael Brix, München u. a. 1988S. 270. – Herleth-Krenz, Susanne/Mayr, Gottfried: Das Landgericht Erding, München 1997 (Historischer Atlas von Bayern, Tl. Altbayern 58), S. 37, 149-151. – Knödl, Christian: Art. »Kronwinkl«, in: Altbayern und Schwaben, hg. von Hans-Michael Körner und Alois Schmid, 4., neu bearb. Aufl., Stuttgart 2006 (Handbuch der Historischen Stätten, 7 (Bayern), 1), S. 410.