Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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PREYSING

A. Preysing

I.

Die P. zählen zu den altadeligen Turniergeschlechtern Bayerns. Die Familienüberlieferung, die sich plastisch in Gestalt von zwölf lebensgroßen, barocken Stuckfiguren in der Ahnengalerie des P.-Saales auf Schloß → Hohenaschau darstellt, beruft sich auf Andreas von P. als Ersten dieses Namens und weiß von ihm zu sagen, er sei i.J. 942 zu einem Turnier nach Rothenburg ob der Tauber geladen gewesen. Auch Wiguleus Hundt nennt im Bayerisch Stammenbuch von 1585/86, einem umfassenden genealogischen Werk zum altbayerischen Adel, jenen Andreas von P. Er erwähnt weiterhin Wolf von P. zu Zinneberg und dessen Frau Agnes von Laiming. Sie sei im fünfften Turnier zu Braunschweig zur Beschaw verordnet/Anno/etc. 996. gewesen (Hundt, Stammenbuch II, S. 238). Eine Familiensage greift die Ursprungsfrage auf und berichtet, die ersten P.er seien aus dem W nach Bayern gekommen.

In der historischen Forschung des frühen 20. Jh.s wurde versucht, die Familie auf begüterte bajuwarische Schichten des Ortes Prisingas (heute Langenpreising, Kr. Erding) zurückzuführen, deren Schenkungen seit 767 in den Traditionsbüchern des Hochstifts Freising nachweisbar sind. Bemühungen, das Geschlecht der P. im Sinne der Onomastik vom bajuwarischen ›Ortsgründer‹ Priso ableiten zu wollen, dessen Lebenszeit in der Mitte des 6. Jh. gewähnt wurde, haben berechtigten Widerspruch erfahren, so daß die Familie P. nach heutigem Forschungs- und Kenntnisstand ihre ersten Vertreter zwar im Raum um Langenpreising verorten kann, dies jedoch gesichert erst im 12. Jh.

Zur Zeit des Tegernseer Abtes Udalschalk (1091-1102) wird in einer Traditionsnotiz dieses Kl.s Gerunch de Prisingan als Zeuge einer Schenkung erwähnt. Er wurde lange als der erste Vertreter der Familie angesehen. Heute gilt als Begründer der Stammreihe der Freie Adalhart von Vatersdorf (1113/21-1135/40), den auch schon Hundt erwähnt und als Adalhart de Preising bezeichnet.

II.

Die P. des 12. Jh.s standen als Ministerialen in Diensten der wittelsbachischen Pfgf.en von Bayern. Um die Mitte dieses Saeculums verlegte die Familie ihren Stammsitz von Langenpreising in die nahe gelegene, wohl von den P.ern erbaute Burg → Kronwinkl (Gmd. Eching, Kr. Landshut), die auf Lehengrund des Kl.s Tegernsee entstanden war. Im 14. Jh. wurden die P. zu Erbschenken in beiden bayerischen Landesteilen Ober- und Niederbayern. Auch im Hochstift Freising errangen sie das fsbfl. Erbschenkenamt. Kennzeichnend blieb das Dienstverhältnis zu den wittelsbachischen Hzg.en, das sich in der Besetzung hochrangiger Positionen bei Hof (z. B. als Hofmeister, Kammermeister) und in der Landesverwaltung (z. B. als Pfleger, Richter, Viztum) äußerte. Ihren Höhepunkt fand diese Hzg.snähe im 17. und 18. Jh., als eine Reihe von Mitgliedern v.a. des Zweiges P.-Hohenaschau zu Obersthofmeistern der kfsl. Familie ernannt wurde und auch zu großem politischen Einfluß kam. Die sich in mehrere Zweige aufspaltende Familie P. erlangte eine breite wirtschaftliche Grundlage und Herrschaftsrechte über Eigengut und Lehen in Ober- und Niederbayern. Die Edelmannsfreiheit, die durch hzgl. Erlaß i.J. 1557 dem landsässigen Adel herrschaftliche Rechte auch über einzelne Güter außerhalb eines Hofmarksverbundes einräumte und somit die rechtlichen Befugnisse ausweitete, wurde den P. von den bayerischen Landesherrn in den Landgerichten Geisenhausen, Hengersberg, Landau, Leonsberg, Moosburg, Natternberg, Osterhofen und Rosenheim gewährt.

III.

Das Stammwappen der Familie weist eine silberne, mit zwei Zinnen bewehrte Mauer auf rotem Grund auf und ist in Turnierbüchern des 16. Jh.s und in Siebmachers Wappenbuch von 1605 (T. 77) abgebildet.

Das Wappen der P.-Hohenaschau ist durch eine eingepfropfte Spitze dreigeteilt, der rechte Part enthält das Stammwappen, der linke ist horizontal in silber und blau geteilt und weist im unteren blauen Feld drei goldene Sterne auf (Freyberg von Aschau). Die Spitze in der Mitte ist schwarz (»aschfarben« nach Hefner, Wappen, Tl. 1, S. 19) mit goldenem Dreiberg im Schildfuß (Aschauer von Aschau). Das Kleinod besteht aus drei Helmen. I: ein grüner Sittich, zwischen einem silbernen und einem roten mit Kleeblättern in den verwechselten Farben besteckten Büffelshorn sitzend (P. von Wolnzach). II: ein gekrönter grauer auffliegender Vogel mit goldenen Flügeln (Aschau). III: silberne Straußenfedern, in der unteren Hälfte blau und mit drei goldenen Sternen belegt (Freyberg). Die Decken sind rechts rot und silber, links blau und silber.

Das Wappen der P.-Lichtenegg-Moos besteht aus dem Wappen der älteren Linie P.-Lichtenegg. Der viergeteilte Schild enthält einen goldenen Herzschild, darin ein schwarzer, gekrönter Adler (P.-Moos, erloschen 1836; kam mit der Gf.enwürde dazu). In den Feldern 1 und 4 das Stammwappen, in 2 und 3 auf rotem Grund eine zwischen zwei silbernen Bergen aufsteigende silberne Spitze (Tannberg). Die Helme sind I. P.(-Wolnzach), II. ein bärtiger Mann ohne Arme in rot mit rot bekröntem Hut mit weißer Stulpe, darauf sechs schwarze Hahnenfedern (Tannberg). III. zwei silberne Fische (Tannberg). Dekken: rot, gold und rot, silber.

Die Familie schuf sich mit den Schlössern → Kronwinkl, → Moos und → Hohenaschau repräsentative und reich ausgestattete Landsitze.

In den vielen Hofmarken, die zum weit ausgreifenden Familienbesitz zählten, trugen die P. – gleich anderen Adelsgeschlechtern – v.a. im 17. und 18. Jh. durch barockisierende Umgestaltungen der Hofmarksschlösser (z. B. Ainhofen/Maxhofen, Kr. Rosenheim) und durch neue Ausstattungen der Kirchen (z. B. Reichersbeuern, Kr. Bad Tölz-Wolfratshausen; Aschau, Kr. Rosenheim) zur Verbreitung eines neuen Kunstgeschmacks bei. In der bayerischen Res.stadt München unterhielt die Familie seit dem 14. Jh. repräsentative Stadthäuser, die in unmittelbarer Nähe zum Fs.ensitz lagen. Bereits der Hofmeister (höchster Hofbeamter, je nach Zuständigkeit mit Haus- oder Landesverwaltungsbelangen betraut) Heinrich von P. wurde 1362 von Hzg. Meinhard mit einem Haus nahe des Alten Hofes beschenkt (Sturm, Wittelsbach und P., S. 2) Konrad von P., Hofmeister Hzg. Friedrichs und später Viztum (Stellvertreter des Hzg.s) von Bayern-München und Bayern-Landshut, ist ab 1385 als Besitzer des Hauses Burgstraße 10 in unmittelbarer Nähe des Alten Hofes belegt (Stahleder, Häuserbuch II, S. 669).

Das beeindruckendste, heute nach Kriegsschäden und Wiederaufbau wieder erfahrbare Zeugnis dieser räumlichen Nähe zum Landesherrn ist allerdings das P.-Palais in der Münchner Res.straße 27, ein »spätbarockes Meisterwerk« (Vits, Palais P.), das sich Gf. Johann Max IV. Emanuel von P.-Hohenaschau von bedeutenden Künstlern und Handwerkern am Münchner Hof – dem kfsl. Hofbaumeister Joseph Effner unter Beteiligung des Stuckators Johann Baptist Zimmermann – zwischen 1723 und 1729 aufführen ließ.

Neben einer Reihe von Familienporträts aus dem 17. und 18. Jh. ist der Ahnensaal in → Hohenaschau, auch P.-Saal gen., das augenfälligste Zeichen einer durch die Jh.e gepflegten familiaren Memoria, das zugl. in prunkender Art und Weise die Distinguiertheit und den zu repräsentierenden Status anzeigt.

IV.

Die Familie teilte sich im 14. Jh. in zwei Stämme: Der Stamm Wolnzach, benannt nach einem Sitz im gleichnamigen Ort (Kr. Pfaffenhofen a. d. Ilm), führte einen Sittich im Wappen, wurde 1465 in den Frh.nstand erhoben und konnte bis zum Ende des 15. Jh.s Besitzungen im W des Hzm.s Bayern gewinnen. 1497 verstarb der letzte männliche Nachkomme der P.-Wolnzach.

Der Stamm Kopfsburg – seit der Nennung Greimolt des P.ers (1318) sind bis 1682 Angehörige der Familie auf Kopfsburg (Gmd. Lengdorf, Kr. Erding) belegbar – führte im Wappen eine Zinnenmauer und brachte um 1430 den Zweig Kopfsburg-Kronwinkl-Gunzing (erloschen 1639) hervor. Um die Wende zum 16. Jh. bildeten sich die Zweige Kopfsburg-Kronwinkl-Hubenstein und Kopfsburg-Offenstetten. Letzterer erlosch nach 1606, während sich der Zweig Kopfsburg-Kronwinkl(-Hubenstein) sich in die drei Linien → Moos, → Hohenaschau und Lichtenegg aufspaltete. Als Stammvater dieser drei Linien gilt Johann Thomas von P.-Kopfsburg-Kronwinkl (gest. 1504).

Sowohl in Ober- als auch in Niederbayern gelang den Mitgliedern der Familie in der Zeit der bayerischen Landesteilungen der Eintritt in verschiedene Hofämter. Heinrich war 1257-1284 Kämmerer und Rat zu München. Albrecht von P. ist 1399 als Kammermeister des Hzg.s Heinrichs XVI. (reg. 1393-1450) in Landshut belegt. Die beiden Brüder Grimold und Konrad fungierten etwa zeitgl. als Räte in Landshut. Auch in der Beamtenschaft der Pflegämter und im Viztumsamt konnten sich Vertreter der Familie etablieren, z. B. Hans von P., der 1368 als Pfleger zu Bruckberg in Landshuter Urk.n gen. ist und wohl auch Richter zu Landshut war (1387). Hans von P. zu Kopfsburg war 1387 Pfleger von Dorfen. Konrad von P. zu Wolnzach war Hofmeister Hzg. Friedrichs (reg. 1375-1392/1393) (1381) und amtierte seit 1389 als Viztum im gesamten Hzm. Nach der Landesteilung von 1392 war er bis 1397 für Bayern-Landshut zuständig, ab 1393 zugl. auch für Bayern-München. 1313 wurden die P. in die Landstandschaft von Niederbayern aufgenommen, 1390 vollzog sich dieser Schritt in Oberbayern. Die Reichsfrh.nschaft wurde Johann und Georg von P. zu Wolnzach durch Ks. Friedrich III. zu Neustadt am 20. März 1465 verliehen. 1497 erfolgte nach dem Aussterben der Wolnzacher Linie die Wappenbesserung und -vermehrung für die übrigen Linien in Innsbruck. Im 16. Jh. fochten verschiedene Vertreter der Familie für die Stellung der Landstände und gegen die ihre Herrschaft dezidiert ausweitenden wittelsb. Hzg.e, z. B. Hans Wolf von P.-Kronwinkl (gest. 1576) und Hans Sigmund (gest. 1585).

Die Linie P.-Moos geht auf die Ehe des Oberrichters zu Landshut Johann Albert von P. (1533-1587) mit Anna Trainer (gest. 1606) zurück. 1607 erlangte die Linie mit Johann Warmund (1573-1648), Kämmerer und Rat Hzg. und Kfs. Maximilians I. von Bayern (reg. 1598-1651), ab 1628 Viztum im Rentamt Straubing, das Frh.ndiplom. Johann Warmund war es auch, dem 1645 die Reichsgf.enwürde verliehen wurde. Er kaufte die Gft. Orth am Traunsee im Land ob der Enns (Oberösterreich) und wurde um 1633/34 mit dem Titel eines ksl. Kämmerers und Rates ausgezeichnet. Noch sein namensgleicher Nachfahre Johann Warmund von P. nannte sich 1707 Herr der Gft. Orth am Traunsee. Die Linie erlosch mit Johann Maximilian Nikolaus (1760-1836).

Hans Sigmund (gest. 1585) wanderte 1580 ins Hzm. Pfalz-Sulzbach aus und wurde zum Ahnherrn der ursprgl. evangelischen Linie P.-Lichtenegg, die um 1679 zum Katholizismus konvertierte. 1766 erfuhr diese Linie mit Sigmund Friedrich und Philipp Franz die Erhebung in den kurbayerischen Gf.enstand. Es fand eine Wappenvereinigung mit dem Wappen der Tannberg statt. Die in der Oberpfalz begüterte Linie benannte sich nach Burg Lichtenegg (Gmd. Birgland, Kr. Amberg-Sulzbach). Aus ihren Stammreihen ging später u. a. der Amberger Regierungsrat Ignaz Ludwig Georg (1766-1836) hervor. Sie spaltete sich unter Maximilian Joseph Franz (1810-1881) und Johann Anton (1811-1889) in die heute noch existierenden Linien P.-Lichtenegg-Moos – welche die beiden Fideikommisse Moos (mit Aholming, Nieder-Hatzkofen und Loham) und Kronwinkl bis zu deren Auflösung innehatte – und P.-Lichtenegg. Eine schles. Linie, die ebenfalls aus der Linie Lichtenegg entsprang, erlosch 1850. Aus der von Maximilian gegr. Linie P.-Lichtenegg-Moos stammte auch der für seinen Widerstand gegen das Naziregime bekannte Ebf. von Berlin, Kard. Johann Konrad Maria Augustin Felix von P. (1880-1950). Die Linien P.-Lichtenegg (jünger) und P.-Lichtenegg-Moos blühen bis heute.

Der Beginn der Linie P.-Hohenaschau wird durch die Heirat des nachmaligen Geheimen Rats, Hofratspräsidenten und Obersthofmarschalls Johann Christoph (I.) von P.(-Kopfsburg-Hubenstein) (1576-1632) mit Benigna von Freyberg (1594-1620) im Jahr 1608 markiert. Johann Christoph bestimmte in seinem Testament → Hohenaschau zum Fideikommiß, das jeweils der Erstgeborene erhalten sollte. Aus der von ihm begründeten Linie entsprossen mehrere bedeutende bayerische Hofbeamte und staatstragende Minister. 1607 schon war Johann Christoph in den Frh.nstand erhoben worden und 1664 wurde die Ernennung zum Reichsgf.en an seinen Sohn Johann Maximilian I. von P.-Hohenaschau ausgesprochen, der als kurbayerischer Hofrat von Kfs. Maximilian I. zwar wg. seines nachlässigen Arbeitsethos gerügt wurde, sich aber große Verdienste um die Arrondierung des Familienbesitzes erwarb. Johann Jakob (gest. 1645) lehrte Posie und Rhetorik an der Universität Salzburg. Johann Franz von P.-Hohenaschau (1615-1687) war schon 14-jährig Domherr in Passau geworden, waltete hier zwischen 1645 und 1652 als Dombaumeister und avancierte 1654 zum Obersthofmeister des Salzburger Fs.ebf.s. 1670 wurde er Fs.bf. des Salzburger Suffraganbm.s Chiemsee. Für die weiteren Familiengeschicke war von Bedeutung, daß Johann Franz 1687 eine Primo- und Sekundogenitur im Wert von 170 000 fl. einrichtete.

Johann Christoph II. (1620-1666), jüngster Sohn des Johann Christoph, wurde Hofrat, Kämmerer, Pfleger von Tölz und Viztum von Straubing. Er übernahm die Hofmarken Reichersbeuern, Greiling und Sachsenkam sowie Besitzungen um Tölz aus dem Erbe des Vaters und wurde somit zum Begründer der Nebenlinie Reichersbeuern.

Sein Neffe Johann Maximilian II. Franz (1642-1717) erhielt seine schulische Ausbildung in Salzburg und München, studierte in Ingolstadt und Siena, viell. auch in Parma die Rechte und wurde am kurbayerischen Hof in München Obersthofmarschall (1680), Geheimer Rat (1681), Oberstkämmerer (1692) und Obersthofmeister (1701). Von 1702-1711 stand er dem Geheimen Rat als Präsident vor und verblieb auch während der österr. Besatzung Bayerns im Span. Erbfolgekrieg in München. 1715 übernahm Max II. von P. kurzzeitig die Landesadministration bis zur Rückkehr des Kurfüsten Max Emanuel aus dem Exil in St. Cloud. Als Diplomat war er mit Reisen nach Madrid (1685) und Brüssel (1699) betraut gewesen. Neben diesen hochrangigen Tätigkeiten und Ämtern waltete Max II. als Pfleger von Viechtach (1682-1696) und Rosenheim (1696-1718). Durch enorme Finanzmittel, stammend von seinem Onkel, dem Chiemseer Bf. Johann Franz, konnten die Hofmark Neubeuern und der Sitz Farnach im Chiemgau angekauft werden. 1678 erwarb er für 4000 fl. das Schloß und Garten Haidhausen vor den Toren der Res.stadt München und leistete sich 1683 den Sitz Ainhofen nahe Rosenheim, den er zu einem Landschlößchen umbaute, das in der Folge »Maxhofen« gen. wurde. Max II. hinterließ seinen beträchtlichen Besitz, aber auch die enorme Schuldenlast von 60 000 fl. in Ermangelung eines eigenen Sohnes 1718 seinem Großneffen aus der Reichersbeuerner Linie Johann Maximilian III. Felix von P. (1655-1739).

Dieser stand im Lauf seines Lebens sowohl in ksl. als auch in kurbayerischen Diensten als Kämmerer, war in München Hofrat (1684) und übernahm 1715 den Posten eines Obersthofmeisters der just aus dem Exil in Venedig zurückgekehrten Kfs.in Therese Kunigunde. 1716 erhielt er den Geheimratstitel, 1718 gelang ihm als Wirklicher Geheimer Rat die tatsächliche Aufnahme in dieses Gremium und schon seit 1666 – dem Todesjahr des Vaters Johann Christoph II. – amtierte er als Pfleger von Tölz.

Sein Sohn Johann Maximilian IV. Emanuel (1687-1764) war in der Regierungszeit dreier Kfs.en (Max Emanuel, Karl Albrecht, Max III. Joseph) in den innersten Kreisen des Münchner Hofes aktiv, darunter in so bedeutenden Ämtern wie dem des Oberststallmeisters, Oberstkämmerers, Obersthofmeisters sowie als Wirklicher Geheimer Rat und Konferenzminister. Im wiederbelebten St.-Georgs-Orden spielte er seit 1729 eine bedeutende Rolle. Sein Tagebuch gewährt beeindruckende Einblicke in die Welt des Münchner Hofes.

Sein Neffe Johann Maximilian V. Xaver (1736-1827), Kämmerer, Großkomtur des St.-Georgs-Ordens, Wirklicher Geheimer Rat und Vizepräsident des Hofrats, darüber hinaus noch Wirklicher Staatsrat, wirkte bis 1798 als Gesandter am Rastatter Friedenskongress. Er wurde 1818 zum erblichen Reichsrat ernannt. Die Linie P.-Hohenaschau erlosch 1853. Zwischen 1733 und 1809 war die Linie Hohenaschau sogar reichsständisch, als mit der Heirat des Johann Carl Joseph von P.-Hohenaschau (1689-1770) und der Maria Theresia von Rechberg die reichsunmittelbare Herrschaft Ramsberg in Familienbesitz kam.

Gegen Ende des 18. Jh.s war die Familie P. nach den Törring und Tattenbach die drittgrößte der adeligen Grundbesitzerfamilien mit grundherrlichen Rechten über 1156 Höfe im Kfsm. Bayern. Allein in der Herrschaft → Hohenaschau waren dies um 1760 248 Anwesen (Diepolder/Dülmen/Sandberger, Rosenheim, S. 162). Die P. zählten somit zu einem engen Zirkel von sieben Adelsfamilien (neben ihnen die Berchem, Lerchenfeld, Seinsheim, Tattenbach, Taufkirchen und Törring), in deren Händen sich ein Viertel des adeligen Grundbesitzes, ein Drittel der landständischen Ämter, ein Fünftel der Pflegämter und nahezu ein Viertel der Geheimratsstellen Kurbayerns im 18. Jh. konzentrierten (Zang, Sozialstruktur, S. 95)

Den Normen adeligen Standes verpflichtet, wußten die P., vorteilhafte Ehen mit den Großen des altbayerischen wie des Reichsadels zu schließen. In den Stammreihen der P.-Hohenaschau z. B. finden sich Namen wie die gfl. Geschlechter derer von Rechberg, von Törring-Seefeld, von Thürheim, von Sallburg, von Seinsheim und die → Fugger von → Kirchberg und Weißenhorn, sowie die Frh.en von Taufkirchen, von Freyberg, die Closen und die Haslang.

Die Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut war durch die Jh.e immer wieder Wirkungsstätte einiger für die geistliche Laufbahn bestimmter Töchter der Familie und bis ins 17. Jh. hinein Grablege derer von P.

Quellen

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Appuhn, Horst: Johann Siebmachers Wappenbuch von 1605, München 1999. – Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern, Tl. 4: München und Oberbayern, bearb. von Ernst Götz, München u. a. 1989. – Diepolder, Gertrud/Dülmen, Richard van/Sandberger, Adolf: Rosenheim. Die Landgerichte Rosenheim und Auerburg und die Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart, München 1978 (Historischer Atlas von Bayern. Tl. Altbayern, 38). – Ferchl, Georg: Bayerische Behörden und Beamte 1550-1804, Tl. 1, München 1908-12 (Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, 53), S. 1-1516. – Heerde, Walter: Haidhausen. Geschichte einer Münchner Vorstadt, in: Oberbayerisches Archiv 98 (1974) S. 90-91. – Hefner, Otto Titan von/Seyler, Gustav A.: Die Wappen des bayerischen Adels (J. Siebmachers großes Wappenbuch, 22), Bd. 1, Nürnberg 1856 (ND Neustadt an der Aisch 1971), S. 19. – Kellner, Stephan: Geschichte der Herrschaft Hohenaschau von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1848, in: Die Herrschaft Hohenaschau und das Priental, hg. von der Gemeinde Aschau im Chiemgau., Aschau im Chiemgau 2003 (Chronik Aschau im Chiemgau), S. 75-112. – Ksoll-Marcon, Margit/Kellner, Stephan: Art. »Preysing, Freiherren (seit 1607) und Grafen (seit 1645)«, in: NDB XX, 2001, S. 713-714. – Leher, Heinrich: Der Ehrensaal der Preysinger. Historische Skizze von Heinrich Leher, in: Das Bayerland 29 (1892) S. 124-127, 138-140. – Lieberich, Heinz: Landherren und Landleute. Zur politischen Führungsschicht Bayerns im Spätmittelalter, München 1964 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, 63). – Lieberich, Heinz: Die bayerischen Landstände 1313/40-1807, München 1990 (Materialien zur bayerischen Landesgeschichte, 7). – Art. »Preysing, Freiherren und Grafen«, in: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon, hg. von Ernst Heinrich Kneschke, Bd. 7, Leipzig 1867, S. 249-251. – Primbs, Karl: Schloß Hohenaschau und seine Herren. Ein Beitrag zur Geschichte Oberbayerns vor dem Gebirg, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte 45 (1888/1889) S. 1-96. – Schäfer, Dieter: Die Preysing-Hohenaschau im Dienste der Wittelsbacher. Ämter und Aufträge bei Hof, in den Staatsressorts, in der Verwaltung und in der Diplomatie, in: Die Preysing-Hohenaschau, Aschau im Chiemgau 2000 (Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenbd. 12), S. 9-98. – Scharrer, Franz Seraph: Neuere Geschichte des Schlosses Moos, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 28 (1892) S. 29-64. – Schütz, Martin: Die Preysing-Hohenaschau, in: Adel in Bayern. Ritter Grafen, Industriebarone, Katalog zur Landesausstellung Hohenaschau und Rosenheim, hg. von Wolfgang Jahn, Margot Hamm und Evamaria Brockhoff, Augsburg 2008, S. 305-313. – Stahleder, Helmuth: Älteres Häuserbuch der Stadt München. Hausbesitz und Steuerleistung der Münchner Bürger 1368-1571, 2 Bde., München 2006. – Sturm, Josef: Johann Christoph von Preysing. Ein Kulturbild aus dem Anfang des 30jährigen Krieges, München 1923. – Sturm, Josef: Die Anfänge des Hauses Preysing, München 1931 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, 8). – Sturm, Josef: Wittelsbach und Preysing, München [1918]. – Volckamer von Kirchensittenbach, Volker von: Art. »Preysing«, in: Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Bd. 23, Neustadt an der Aisch 2000, S. 153-169. – Wiedemann, Theodor: Beiträge zur Geschichte des gräflichen Hauses Preysing, bestehend aus 298 Urkunden des Preysingischen Archives in Kronwinkel, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte 23 (1863) S. 319-358. – Zang, Gert: Sozialstruktur und Sozialisation des Adels im 18. Jahrhundert – exemplarisch dargestellt an Kurbayern, Diss. Univ. Konstanz 1972.