Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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POLHEIM

C. Wels, Schloß Polheim

I./II.

Um 1206/07 erwarb der österr. Hzg. Leopold V. den im 11. Jh. aus dem Besitz des Kl.s Lambach an die Bf.e von Würzburg gelangten Markt Wels, der nun zu einer landesfsl. Stadt ausgebaut wurde. Gründe dafür waren nicht nur die verkehrsgeographisch hervorragende Lage mit dem wichtigen Traunübergang (Holzbrükke) und das reiche agrarische Umland, wo v.a. südlich der Traun die ebenfalls von den Babenbergern erworbenen »Würzburger Güter« (nachmals die Herrschaft »Burgvogtei Wels«) lagen. Mit Wels fiel damit ein strategisch bedeutsamer Stützpunkt zur Bildung und Erweiterung des Landes ob der Enns an die österr. Hzg.e.

III.

Etwa zur gleichen Zeit erwarb der babenbergische Ministeriale Albero von P. (gest. 1253) frei eigenen Besitz in Wels, wohl durch die Heirat mit einer Tochter des bayerischen Adeligen Otto von Rohr. Dieser Besitzkomplex wurde nun durch den Bau der Stadtmauer durchschnitten, wobei die Nordwestecke der ummauerten Stadt durch den Neubau des Schlosses P. verstärkt wurde, während die landesfsl. Burg diametral gegenüber die Südostecke sicherte. Der P.er Meierhof und weitere Grundstücke (darunter ein 1312 an das Lichtamt der Pfarre Wels gestifteter Baumgarten) lagen unmittelbar außerhalb der Mauer am Graben. Auch die südlich des Schlosses liegende Freiung von der Stadtmauer im W bis zur Schmidtgasse im O sowie die beiden P.er Gassen von der Freiung zum Stadtplatz gehörten unter die Obrigkeit der Schloßherrn und waren vom städtischen »Mitleiden« befreit.

Der Bau zur Zeit Alberos (etwa 1220/30) ist durch die 1990 erfolgte Entdeckung des spätromanischen Tympanons über dem Eingang zur Schloßkapelle St. Paulus sowie durch eine undatierte Urk.nabschrift, die in domo nostra Wels von Albero als »Landrichter« ausgestellt und u. a. von seinen Söhnen Albero und Wichard bezeugt wurde, nachgewiesen. Die Einbeziehung in die Stadtmauer ist auch heute noch augenfällig. Damals haben die P.er wohl auch ihre Stammburg auf dem Rücken des Pollhamer Walds verlassen und sich in Wels niedergelassen. Ihre Familiengrabstätte im Kl. Wilhering blieb aber vorerst bestehen.

Wieweit Albero am Ausbau der Stadt Wels mitwirken konnte oder gar vom Landesherrn beauftragt war, ist mangels Quellen nicht zu sagen. Er war jedenfalls eine der politisch bedeutendsten Personen in der späten Babenbergerzeit und im österr. Interregnum.

Seine Enkel gründeten 1280 in Wels das Minoritenkl., das auch von den Habsburgern und später von vielen Welser Bürgern bestiftet wurde. Die Familiengrablegen der Welser und Wartenburger Linie der P.er wurden allerdings erst im 15. Jh. eingerichtet.

Auch nach der Teilung in drei Linien verblieb das Welser Stadtschloß im Gemeinschaftsbesitz der P.er, wobei jede der drei Zweige einen ausgezeigten Teil besaß. Erst 1533 verkauften die Wartenburger P.er und 1539 die steirische Linie ihre Anteile an Sigmund Ludwig von P. zu Wels. Dies dürfte auch die Voraussetzung dafür gewesen sein, daß letzterer 1542 von Kg. Ferdinand I. offensichtlich gegen den Willen der Stadt die Erlaubnis erhielt, auf die Stadtmauer im Schloß zu P. zu bauen. Hier errichtete er östlich des späteren Nordtors bis zum eingebundenen gotischen Treppenturm den Saaltrakt, einen schönen Renaissancebau mit Rittersaal, Renaissancetor und -fensterlaibungen. 1569 griff Ks. Maximilian II. in einen weiteren Streit mit der Stadt Wels ein. Er wies den Magistrat an, die P.er nicht am begonnenen Ausbruch des Schloßtors in der nördlichen Stadtmauer und am Weiterbau der Brücke über den Stadtgraben, beides hatte er im Vorjahr bewilligt, zu hindern, zumal dieser neue Zugang nur den P.ern offenstünde. An welcher Fassade der ma. Trakte die langen Reihen von Wappen (sechs Länder, elf Herrengeschlechter und 139 Ritterfamilien) aufgemalt waren, die der Genealoge Job Hartman von Enenkl (Anfang 17. Jh.) dem Jahr 1522 zugeordnet und teilw. auch abgezeichnet hat, ist nicht bekannt.

Als weitere Streitthemen mit der Stadt scheinen immer wieder die Ausschank von Wein und Bier und der Flachsverkauf auf der Freiung auf. Auch das Vergnügen des Schloßpflegers, im Stadtgraben Eisschießen zu veranstalten, wollte der Magistrat nicht dulden. Neben dem Pfleger nennen die spärlichen Quellen nur einen Präzeptor, in der Zeit des Protestantismus auch Prediger als Angestellte oder Bedienstete.

V.a. im 16. Jh. sah das Schloß viele Feste, Taufen und Hochzeiten (auch familienfremder Paare). Von hier aus führte aber auch der letzte Weg der verstorbenen Familienangehörigen (zum Teil auch aus der Wartenburger Linie) nach entspr. Abschiedszeremoniell zum Familiengrab im Minoritenkl., das Mitte des 16. Jh.s ausgestorben ist und in ein ksl. Hofspital umgewandelt wurde.

Die schon um 1230 errichtete Schloßkapelle St. Paul an der Südseite des ma. Burgtraktes wurde um 1500 umgebaut. Hier fanden neben Gottesdiensten auch die Taufen vieler Familienangehöriger statt. Im 16. Jh. wurden hier evangelische Prädikanten angestellt. An Ausstattung werden 1519 Reliquien (Heiligthumb), Meßgewand, Kelche und andere Zier gen. Weiters werden im 16. Jh. eine Rüstkammer und ein Brauhaus im Schloßbereich erwähnt. Ein Anschlag von 1627 nennt neben der Schloßkapelle 24 Zimmer, 20 Kammern, einen Stall, den Altangang, vier Kucheln, sieben Keller, zehn Gewölbe, sechs Getreidekästen, Stallungen für 20 Pferde, drei Wasserziehbrunnen, einen Fischbrunnen, das schon gen. Brauhaus samt Brauzeug sowie eingezäunte Nutzgärten von 1,5 Tagwerk. Der Bau wird damals schon als schadhaft bezeichnet, wobei v.a. die Dächer und die Fenster in Mitleidenschaft gezogen waren. Das nahe dem Schloß gelegene P.er Freihaus und der Meierhof waren durch Brände zerstört.

Ein Vergleich des Schloßplanes von 1833 (Stadtarchiv Wels), der noch die ursprgl. Anlage zeigt, mit der heutigen Situation läßt größere Verluste an der Bausubstanz, aber auch Um- und Einbauten erkennen. Der durch Blitzschlag beschädigte alte Turm im Hof und der Ostflügel des Schlosses wurden Mitte des 19. Jh.s abgerissen. Nach Abbruch der östlichen Fortsetzung des Saaltraktes (1878) wurde 1879 der Südflügel des P.erhofes errichtet. Die Plobergerstraße als Zugang zur Freiung von der Ringstraße aus entstand durch Abriß der P.er Stallungen. 1966 wurden weitere ehem. Wirtschaftsgebäude östlich der Plobergerstraße demoliert. Heute ist der Schloßkomplex somit stark verstümmelt und verbaut. Die 1990 durchgeführte Renovierung litt unter dem Widerstreit denkmalpflegerischer Wünsche mit Sachzwängen der Revitalisierung, wobei der Verlust der in der Paulus-Kapelle festgestellten Fresken bes. schmerzlich ist.

Quellen

Trathnigg, Gilbert: Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie, Gerichtsbezirk Wels, Tl. 4: Öffentliche Gebäude, Burgen und Schlösser in Wels, Wien 1969, S. 129 ff.